Mainz. Ende voriger Woche wurde den Experten das Material für die Untersuchung der Octroiangelegenheit ausgehändigt. Die Commission zur Untersuchung besteht nunmehr aus den Herren Schalck, Staatsprokurator, Bezirks ⸗Gerichtsrath Lehne als Untersuchungsrichter, Gerichts ⸗Arcessist Hubert als Secretär, den Herren Bömper, Gram⸗ lich und Klein als Experten. Ein vorläufiges Zeugenverhör findet bereits statt, und es wurde mit den Octroigarden begonnen.
Preußen. Berlin. Gegen die päpstliche Unfehlbarkeit erhebt sich jetzt auch das offiziöse Organ der preußischen Regierung, die„Nordd. Allg. Ztg.“, mit folgenden Worten:„Es gibt wenige Zeugnisse, welche so augenfällig beweisen, bis wohin sich der menschliche Geist verirren könne, als jenes Schriftstück, in welchem die Behauptung aufgestellt wird, daß der römische Pontifex nicht irren könne.“
— Im Anschlusse an die neuliche Mittheilung der„Berliner Börsenzeikung“ eröffnen andere Blätter nachstehende Steueraussichten:„Wie wir hören, liegt es allerdings in der Absicht, eine höhere Besteuerung von Bier, Kaffee und Tabak und zwar selbstredend nicht allein zur Erhöhung der Einnahmen, sondern auch zur Verminderung der directen Steuern herbeizuführen, welches letz- tere namentlich für die weitere Behandlung der Kreisordnung von erheblicher Bedeutung sein wird. In wieweit gleichzeitig eine Wiederaufnahme der Börsensteuer stattfinden wird, ist, wie es scheint, noch nicht entschieden.“
Bayern. Der von dem Abg. Kolb in Folge der ihm zugekommenen Petitionen gegen das neue Wehrgesetz an die Kammer gerichtete Antrag verlangt: 1) Bei der Infanterie eine achtmonat⸗ liche Präsenzzeit; 2) bei der reitenden Artillerie und dem Genie ein Jahr; 3) bei der Cavallerie zwei Jahre, jedoch zugleich eine Verminderung derselben und höhere Löhnung für die längere Dienstzeit. Er will ferner eine durchgreifende Reform und Verminderung der kostspieligen mili⸗ tärischen Bildungsanstalten, und beantragt schließ⸗ lich, nur 1,600,000 fl. für außerordentliche Militärbedürfnisse zu bewilligen, wofür der Kriegs- minister bekanntlich 2,791,000 fl. verlangt hatte.
Würtemberg. Stuttgart. In der Kammer beantragte die demokratische Fraktion im Verein mit der großzdeutschen Fraktion: die Kammer möge die Regierung um Verminderung der Präsenzzeit des Contingents und Abänderung des Kriegs dienstgesetzes ersuchen.
Baden. Karlsruhe. Die 2. Kammer hat den Gesetzvorschlag über die Aufhebung der Todesstrafe in zweiter Lesung mit allen gegen zehn Slimmen angenommen.
Oesterreich. Aus Cattaro wird berichtet, daß in Folge der Kriegsverwüstungen und des langen Winters in einigen Gebirgsdörsern, z. B. in Braitsch und Maina, der Hungertyphus aus gebrochen sei. Selbst in den Küstenorten herrscht fortwährend eine große Theurung. In Cattaro kostet ein Ei acht Kreuzer, ein Pfund Hammelfleisch 70 Kreuzer und ein Pfund Kalbfleisch einen Gulden.
Schweiz. Bern. Der Bundesrath hat dem Kanzler des norddeutschen Bundes, Graf Bismarck, die Anzeige gemacht, vaß schweizerseits der in Aussicht genommene Betrag von 20 Mill. Francs zum Bau der Gotthardtbahn gesichert sei, und nun definitive Entschließungen über die vom Aus lande zu leistenden Beiträge, namentlich des norddeutschen Bundes und der süddeutschen Staaten, wünschenswerth erschienen.
Frankreich. Paris. Das„Memorial diplomatique“ meldet, die Antwort des päpstlichen Stuhles auf die Depesche des Grafen Daru sei nach Paris abgegangen. In derselben beeile sich das römische Cabinet, in das Verlangen des Tuilerienhofes, am Coneil durch einen Bevoll⸗ mächtigten vertreten zu sein, einzuwilligen, und versichert, der Repräsentant Frankreichs würde mit jener Hochachtung empfangen werden, welche die Nation, die er vertritt, beanspruchen düffe.
— Wie die„Marseillaise“ meldet, ist es Rochefort neuerdings untersagt worden, mit irgend einem seiner Freunde zu verkehren.
— Der Staatscath hat das Contingentsgesetz berathen. Nach einigen Erklaͤrungen zwischen den Herren Petetin, Bavoux und dem Kriegsminister wurde die Verringerung des Contingents für 1871 um 10,000 Mann genehmigt und bleibt dasselbe somit auf 90,000 Mann festgesetzt.
— Der Anklageakt gegen den Prinzen Peter Bonaparte ist jetzt erschienen. Tas Schriftstück enthält zunächst über das Ereigniß die zwei schon bekannten Aussagen, die des Prinzen und die des Herrn de Fonvielle, welche sich in den Haupt⸗ punkten geradezu widersprechen. Der Prinz be⸗ hauptet, Victor Noir habe ihn in das Gesicht geschlagen, worauf der Prinz einen Revolver auf ihn abgefeuert habe. Da dessen Begleiter de Fonvielle sich unterdessen bemüht habe, einen her⸗ vorgezogenen Revolver zu spannen, so habe er auch auf diesen geschossen, ihn aber nicht getroffen, weil de Fonvielle sich hinter einen Sessel retirirte. Die Angabe de Fonvielle dagegen lautet: Der Prinz gab Victor Noir eine Ohrfeige, trat einen oder zwei Schritte zurück, zog plötzlich einen Re⸗ volver aus der Tasche, in welcher er seine Hand stecken hatte, und feuerte auf Noir. Dieser drückte seine Hände auf die Brust und ging durch die Thür hinaus, durch welche wir eingetreten waren. Alsbald richtete der Prinz sein Pistol gegen mich und feuerte ein zweites Mal, während ich ver⸗ suchte, mein Pistol zu ziehen, welches sich in einem Futteral in der Tasche meines Paletots befand Der Prinz stellte sich vor die Thür und zielte nach mir, feuerte ein drittes Mal seine Waffe ab, und ich ging hinaus, indem ich„Mörder!“ rief. Ich durchschritt mehrere Zimmer, stieg die Treppe hinab, auf welcher wir heraufgekommen waren, und traf auf dem Trottoir Noir im Verscheiden.— Nachdem die Anklageschrift die sich widersprechen⸗ den Aussagen der beiden Gegner ausführlich wiedergegeben, heißt es dort zum Schluß: Wie dem immer sei, und selbst wenn die Aussage des Angeklagten als richtig angenommen würde, steht doch jedenfalls fest, daß er mit Willen den Tod des Herrn Victor Noir verursacht hat. Die Ge— rechtigkeit kann nicht zugeben, daß ein Verbrechen durch die gewaltthätige Handlung, zu welcher das Opfer sich hätte hinreißen lassen, gerechtfertigt wäre. Es ist ebenso gewiß, daß der Angeklagte auf Herrn de Fonvielle zwei Pistolenschüsse ab gefeuert hat. Demgemäß ist der Prinz Peter Napoleon Bonaparte angeklagt: 1) Am letzten 10. Januar in Paris Auteuil das Verbrechen freiwilligen Todtschlags begangen zu haben, gegen die Person des Iwan Salmon, gewöhnlich be⸗ nannt Victor Noir, mit dem begleitenden Umstand, daß auf dieses Verbrechen das in Folgendem specificirte Verbrechen folgte, nämlich: 2) Am selben Tage, zur selben Stunde und am selben Ort gegen die Person des Herrn Ulrich de Fon⸗ vielle einen Versuch freiwilligen Todtschlags gemacht zu haben, welcher Versuch sich in einem Anfang von Ausführung kundgegeben hat und in Folge von Unständen fehlschlug, welche von dem Willen seines Urhebers unabhängig waren; wobei der Umstand zu vermerken, daß diesem Verbrechen das oben näher bezeichnete voranging. Diese Ver⸗ brechen sind vorgesehen und mit Strafe belegt durch die Artikel 2295 und 304 des Straf⸗ gesetzbuches.
K. Gießen. Am Samstag Mittag wurden sechs bei dem Bau der Oberhessischen Bahn beschäftigte Arbeiter, welche sich des schlechten Wetters wegen in eine Sand⸗ grube retirirt hatsen, um dort ihr Mittagbrod zu ver⸗ zehren, von den zufammenrutschenden Sandmassen ver⸗ schüttet. Nur Einer derselben konnte gerettet werden, die übrigen fünf wurden als Leichen aus der Grube gebracht. In den Händen des einen Unglücklichen fand man noch Brod, Wurst und ein Messer, mit welch' letzterem er sich, wahrscheinlich als die zusammenstürzende Sandmasse ihn darniederdrückte, in die Schläfe gestochen hatte.
Frankfurt. Auch hier mußte dieser Tage eine von den Schweitzerianern ausgeschriebene Arbeiterversammlung polizeilich aufgelöst werden, da sich in Folge des erhobenen Widerspruchs von Seiten eines der Schweitzergarde nicht angehörenden Arbeiters ein furchtbarer Lem erhoben hatte. Die Schweitzeriauer wollten das Local stürmen. Die Polizei mußte den Arbeiter Kolb in Schutz nehmen und nach
Hause begleiten. Die Schweitzerianer riefen ihm zu:„Wir zerreißen Dich!“ Einer schrie sogar:„Deine Leber muß noch im Schlachthause hängen!“ Arbeiter Winkel bekam von einem Agitator einen Hieb über die Augen. ö
Frankfurt. Der Kreisiug hat in Bezug auf die vom landwirthschaftlichen Verein, der Flora und dem Gartenbauverein an die Stadtverordnetenversammlung bezw. Kreistag gerichtete Eingabe, in dem bevorstehenden Flugjahr der Maikäfer eine Summe bis zu fl. 500. aus⸗ zusetzen, den Beschluß gefaßt, einen Preis für die ein⸗ gesammelten Insekten auf Kosten ber Kreiskasse zu bewilligen.
Darmstadt. Die gemeldete Verhaftung des so uner⸗ wartet von hier verschwundenen Professors des höheren Schwindels, Steckewitz, in einem franzssischen Grenzorte hat sich nicht bestätigt, sein Aufenthalt soll jedoch bestimmt in London ermittelt sein und wird dessen Auslieferung nach Darmstadt, da es sich hier um ein gemeines Verbrechen handelt, sicher erfolgen, so daß seine hiesigen Freunde wohl bald die Freude des Wiedersehens haben werden und seufzen dürfen: Trennung ist unsere Hoffnung, Wieder⸗ sehen unser Loos.
Darmstadt. In der vorigen Woche haben die Auf⸗ nahmsprüfungen für die einjährig Freiwilligen stattgehabt. Der Zudrang war dieses Jahr nicht so stark wie früher, da viele junge Leute ihre Berechtigungsscheine von Real⸗ schulen und Gymnasien erbielten. Dem Vernehmen nach ist in diesem Jahr die überwiegende Mehrzahl der Ge⸗ prüften bestanden. g
Vom Nheine. Es ecircnliren falsche bayerische Zweiguldenstücken mit dem Bildniß König Ludwig I. und den Jahreszahlen 1845 und 1846, sowie salsche badische Zweiguldenstücke mit dem Bildniß des Großherzogs Leo ⸗ pold und der Jahreszahl 1847. Die Falsificate bestehen aus hartem Zinn und sind in nach ächten Stücken her⸗ gestellten Formen gegossen und oberflächlich versilbert.
Berlin. Die siamesischen Zwillinge produciren sich jetzt, nachdem sie ihr Vermögen im amerikanischen Bürger⸗ kriege verloren, auf einer letzten Rundreise durch Europa Zur Zeit versucht Herr Renz mit diesem Weltwunder hier Geschäfte zu machen. Daß die Brüder das Geschäftliche ihres Unternehmens vortrefflich verstehen, beweisen die colossalen Bedingungen, unter welchen allein es dem Direktor Renz möglich geworden ist, die Brüder für seinen Circus zu engagiren. Sie erhalten allabendlich 250 Thlr., was im Monat die hübsche Summe von 7500 Thlrn. ausmacht. Dafür thun sie weiter nichts, als daß sie einen langsamen Rundgang durch den Circus machen, zwei mittelgroße grauköpfige Herren, elegant gekleidet und mit schlauem Gesichtsausdruck.— Die Zeitungen bringen aus dem Circus Renz folgendes Anekdötchen: Vom Olymp betrachtete eine Frau mitseidig die Siamesen.„O Jott!“ rief sie,„is det'n Unjlick; nee, so zusammenjewachsen zu sind, et is doch schrecklich!'N Ilück is et man noch, det et Brüder sind! Wenn det nu Fremde wären—, hurrjehs, die Keile, die't da manchmal jeben würde!“
Wien. Die 19. allgemeine deutsche Lehrerversamm⸗ lung in Wien ist auf den 8., 9. und 10. Juni berufen. Das vorläufige Programm enthält mehrere bedeutungs⸗ volle Themata. Wir heben daraus folgende hervor: 1) Die deutsche Nationalschule. Ein fär die deutsche Lehrerversammlung bestimmter, bisher noch nicht mit⸗ getheilter Vortrag Diesterwegs mit Ergänzungen von Richard Lange in Hamburg. 2) Die Volksschule eine Schule des Charakters, von Pfarrer Dr. Rieke. 3) Die Selbstbildung des Lehrers, von Schulvorsteher Schnell. 4) Das Lehrerseminar nach den Forderungen der Jetztzeit, von Seminarinspekior Kehr in Gotha. 5) Ueber die Gründe für die Verlegung der Lehrerseminare in größere Städte und warum das Internat im Widerspruch mit der Bestimmung des Volksschullehrers stebt, von Dr. Brüllow, Berlin. 6) Die Möglichkeit, der Volksschule die ihr gebührende nationale Bedeutung zu verschaffen, von Toselowski in Berlin. 7) Entstehung, Einrichtung und Auflösung des im Jahre 1848 gegründeten allgemeinen deutschen Lehrervereins nebst Antrag auf Wieder herstellung desselben, von Dr. Moritz Schulze in Ohrdruff. Für Sectionsversammlungen sind bereits angekündigt: für Taubstummen⸗, Blinden⸗ und Idiotenlehrer; für Kinder⸗ gärten; für mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht.
Eingesandt.
Mit ungeheuchelzem Erstaunen haben wir die welt⸗ berühmte Uhr des Herrn Johann Barth, welcher eden in unserer Stadt weilt, gestern Abend gesehen. Niemand, der nur einigermaßen die Mittel hat, sollte versäumen, dieses an wahre Zauberei grenzende Kunstwerk, zu be⸗ schauen. Jeder, der diese Uhr gesehen, fragt einen Andern: Wie ist es nur möglich, ein solches Kunstwerk zusammen zu bringen? Sie zeigt nicht allein die Stunden des Tags, sondern auch die Monate, das Jahr und ähnlich wie bei der Straßburger Uhr erscheinen bei dem Stundenschlag verschiedene Figuren wie die zwölf Apostel des Heilandes ꝛc. mit der größten Präeision. Wer dieses Riesenwerk, welches 200 Cubikfuß ausfüllt, nicht gesehen hat, möchte an unseren Ansführungen zweifeln, aber versichern können wir, daß das hier Gesagte noch viel zu wenig ist. Das ganze hiesige und auswärtige Publikum von nah und fern eile deshalb
hierher in das„Steinerne Haus“ und beschaue für wenig
Geld etwas, was sonst so leicht nicht mehr geboten werden dürfte. Sehr wünschenswerth wäre etz, wenn die betr. Behörde dem Herrn Joh. Barth die Zeit seiner Aus⸗ stellungserlaubniß verlängern würde, damit dem Publikum
Gelegenheit gegeben wäre, das Werk wiederholt zu 1 betrachten, denn es wird einem erst bei wiederholtem
Sehen die große Kunst, die darauf verwendet wurde, so recht klar. Friedberg im März 1870. Mehrere Einwohner,
Naurt! Steinb Zimme Oachde Schreu Schlof Glastt Weißb! dfaflen
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