Ausgabe 
15.2.1870
 
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Preußen. Berlin. Im Abgeordneten bause ergriff der Finanzminister bei der Berathung der Uebersicht des Staatsaushalts für 1868 das Wort um die stattgehabte Mehransgabe von 720,000 Thaler für die Verzinsung der Eisen⸗ bahnanleihe zu vertheidigen. Derselbe wies auf das dringende Bedürfniß bin, welches nament⸗ lich in Folge des Nothstandes in Ostpreußen vorlag. Die Finanzverwaltung habe im guten

lauben auf nachträgliche Bewilligung gehandelt. Werde dieselbe verweigert, so wäre die Regitrung außer Stande, die Bahnen in Ostpreußen fort- bauen zu können. Graf Bismarck nahm in der⸗ selben Angelegenheit das Wort und sagte: Er erkenne an, daß in der vorliegenden Frage formell nicht richtig gehandelt worden sei, hoffe aber, daß bei vollständiger Klarlegung der Sache es tze lingen werde, Indemnität dafür zu erlangen und das Haus zu bewegen, von weiterer Verfolgung derselben abzustehen. Redner hebt schließlich hervor, welch große Verdienste sich der frühere Finanz⸗ minister, an dessen Patriotismus und Rechllich⸗ keit nicht zu zweifeln sei, in schwerer Zeit um den Staat erworben habe.

Im Abgeordnetenhause wurde die Debatte über die Uebersicht der Einnahmen und Aus- gaben des Jahres 1868 forigesetzt. Nach längerer Discussion nahm das Haus mit großer Majoritä den Antrag der Budget-Commission an, die Mehr⸗Ausgabe von 720,000 Tylr. Zinsen nicht zu genehmigen. Der zweite Antrag der Budget Commission, die Staatsschuldeneommission zu be⸗ auftragen, aus den Akten der Staatsschulden⸗ verwaltung die Stellung derselben zu dem Vorgang zu constatiren, wurde bei namenflicher Abstimmung mit 166 gegen 155 Stimmen angenommen.

Die beiden Häuser des Landtags wurden am 12. d. Nachmittags im Auftrage des Königs durch den Grafen Bismarck mit einer Thronrede geschlossen. In derselben erkennt es die königliche Regierung mit Dank an, daß die beiden Häuser des Landtages zur Beseitigung der Schwierig keiten der Finanzverwaltung bereitwillig die Hand geboten haben. Es heißt dann weiter: Die herbeigeführte Minderausgabe, sowie die Einnahmen des Staatsschatzes haben es zur Genugthuung Sr. Maj. des Königs gestattet, für das Jahr 1870 das Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und Ausgaben des Staates wieder herzustellen, ohne die Steuerkraft des Landes in erhöhtem Maße in Anspruch zu nehmen. Dem Zusam menwirken des Landtages mit der königlichen Re- gierung wird das Land eine erhebliche Zahl nütz⸗ licher Gesetze auf den verschiedenen Gebieten der Staatsverwaltung verdanken. Die bisherige Berathung der Kreisordnung hat in wesentlichen Theilen des vorgelegten Entwurfs Abweichungen der Ansichten des Hauses der Abgeordneten von denen der königlichen Regierung constatirt. Dem- ungeachtet gibt die königliche Regierung die Hoff nung nicht auf, daß auf den Grundlagen des Entwurfs eine allgemeine Verständigung erreichbar sei und daß die weitere Berathung in beiden Häusern, wenn nicht zu einer endgültigen Verein- barung, doch zu einer erwünschten Klärung der Auffassungen führen und hierdurch die künftige Lösung der Aufgabe erleichtern werde. Die königl. Regierung hält im Hinblick auf die bevor stehende Session des Reichstags des norddeutschen Bundes eine einftweilige Vertagung des Landtages und die Wiederaufnahme der begonnenen wichtigen Arbeiten nach einigen Monaten für angemessen. Nachdem der Antrag auf Vertagung von dem einen der beiden Häuser abgelehnt worden ist, liegt es in der Absicht der Regierung Sr Majestät, durch eine außerordentliche Session dem Landtage zur Sicherstellung wenigstens eines Theils der Ergebnisse der bisherigen Berathungen Gelegenheit zu geben.

Bayern München. In der Sitzung der Abgeordnetenkammer wurde der Adreßentwurf der Majorität mit 78 gegen 62 Stimmen an- genommen. Bei der Abstimmung fehlten 2 Stimmen der Patrioten, 11 Stimmen der Liberalen. Die zehn beanstandeten liberalen Wahlen(von München und Günzburg) wurden ungültig erklärt.

Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Fürst v. Hohenlohe dem König ein Entlassungs- gesuch einreichen wird, es ist aber noch nicht bekannt, eb das Gleiche von Seiten der anderen Staatsminister geschehen wird. Der Fürst hat seine ministeriellen Collegen dringend gebeten, es nicht zu thun.

Oesterreich. Wien. DiePresse wider- spricht dem von preußischen Blättern verbreiteten Gerüchte, König Wilbelm von Preußen habe dem Erzherzoge Karl Laͤdwig bei dessen Aufenthalte in Berlin das Versprechen eines Gegenbesuches in Wien gemacht. Davon ist hier nichts bekannt. Dagegen haben die Aerzte dem Könige dringend eine Cur in Karlsbad angerathen, und ist es, da derselbe hierauf eingegangen ist, allerdings möglich, daß er bei dieser Gelegenheit auch einen Abstecher hierher macht.

Frankreich. Paris. DerFigaro legt dem Kaiser folgende Aeußerungen in den Mund, vie er vor einigen Tagen im Ministerrath gethan hälte: Legen Sie, hätte er gesagt,die Gewalt nur 48 Stunden lang in meine Hand; ich werde einen neuen Staatsstreich machen, und wenn ich in diesen zwei Tagen die Leute, welche unter dem Vorwand, der Freiheit zu dienen, ganz Paris in Schach halten, unschädlich gemacht haben werde, werde ich das parlamentarische Regime wieder herstellen. Nach dem Schweigen desFigaro über die Antwort der Minister zu urtheilen, scheint dieser Vorschlag denselben nicht eingeleuchtet zu haben.

Der Exkönig Georg von Hannover ließ ofsiciell dem Reste der hannover'schen Legionäre anzeigen, daß vom 15. April ab die Bezahlung des bisherigen Soldes aufhören werde und daß sie entweder nach Preußen zurückkehren oder die Auswanderung wählen möchten.

12. Febr. Im Laufe des gestrigen Tages und der vorhergegangenen Nacht sind 35 Ver- haftungen vorgenommen worden. Die Verhaftungen erfolgten auf Grund eines Complots gegen die Regierung. Viele Waffen nebst Munition wurden bei den betreffenden Personen gefunden. Die Journale veröffentlichen tinen Brief von Rochefort an den Präsidenten des gesetzgebenden Körpers, Schneider. Rochefort verlangt darin, daß dit Minister wegen Aufreizung zum Bürgerkriege in Anklagezustand versetzt werden. Diesen Brief wollte der Deputirte Ordinaire in der heutigen Sitzung des gesetzgebenden Körpers verlesen. Der Präsident consultirt das Haus, welches verneinend antwortet. Der Depautirte Ordinaire wollte darauf den Brief dem Präsidenten übergeben, dieser ver weigerte jedoch die Annahme. DieFrance sagt, mehrere Verhaftungen seien durch ein Com plot gegen das Leben des Kaisers hervorgerufen worden. Einem Gerüchte zufolge seien bei mehreren der verhafteten Personen Briese sehr compromittiren den Inhalts für Rochefort gefunden worden.

Thiers, über dessen Gesundheitszustand in auswärtigen Blättern beunruhigende Nachrichten verbreitet worden sind, litt nur an einer leichten Erkältung und ist in der Sitzung des gesetzgeben den Körpers wieder e schienen.

Italien. Rom. Das authentische nach der Nationalität geordnete Verzeichniß der zum Coneil versammelten Bischöfe gibt folgende Zahlen: Italiener 176, Franzosen 81, Spanier und Poriugiesen 42, amerikanische Spanier und Por- tuziesen 39, Orientalen 58, England, Irland und Colonien 55, Vereinigte Staaten 40, Oesterreich, Ungarn, Böhmen, Galizien, Croatien 43, Preußen 8, Bayern 6, Belgien 6, Schweiz 4, Holland 3, Titularbischöfe in partibus, meistens Missionäre im Morgenland 119. Summe 680 Bischöfe. Unter diesen 680 sind nur 14 deutsche Bischöfe. Gewiß wenn es jemals eine Majorisirung, jemals eine Ueberwältigung der Gebildeten durch die Ungebildeten gegebea hat, so würde das der Fall sein, wenn 14 Deutsche durch Hunderte von Griechen, Syriern, Peruvianern, Bolivianern, Brasilianern ic zur Ann zhme von Dogmen ge⸗ zwungen werden sollten, deren bloße Möglichkeit sie bestreiten.

Nußland. Petersburg.

Durch einen

kaiserlichen Erlaß ist jeden Soldaten, der mindestens zehn Jahre in der Armee gedient hat und vier Jahre Unterofficier gewesen ist, die Berechtigung verliehen, das Fähndrichs⸗Examen zu machen. Um den befähigten gemeinen Soldaten die Ge⸗ legenheit zu geben, sich die zum Offizierstande nöthigen Kenntnisse zu erwerben, soll bei jedem Regimente eine Schule errichtet werden, worin er sich zum Fähndrichs Examen vorbereiten kann. Diese Reform ist von großer Wichtigkeit, da bis- her nur die sogenannten Junker, d. h. junge Leute, welche den höheren Gesellschaftsschichten angehören, Officier werden konnten.

Amerika. Washington. Aus dem Berichte des Finanzministers ersieht man genau, was er bisher gelelstet hat, und kann sich daraus eine deutliche Vorstellung von dem machen, was er in Zukunft leisten wird. In vier Jahren und vier Monaten ist die Nationalschuld um 309 Millionen verringert worden; dies ist 11 Procent der ganzen Schuld. Die Einlösung gebt jetzt in beschleunigtem Tempo vor sich; in den letzten sieben

Verringerung der Schuld 56,065,660 Dollars was einer Tilgung von 100 Millionen jährlich gleichkommt, so daß in diesem Verhältniß die ganze Nationalschuld in 13 Jahren ausgelöscht wird.

* Friedberg. Vorgestern braie man uns einen jungen Schmetterling(Kohlweißling), welcher am 10. 8. im Wirthslocale des Herrn K. Reuß II. dahier gefangen worden ist. Bei der gegenwärtigen sehr strengen Kälte eine gewiß seltene Erscheinung.

Ober⸗Mörlen. Der in Nr. 28 des Mainzer Abendblattes eine Entgegnung von 59 Zeilen Dimensiou liefernde H.Correspondent aus der Wefterau nithigt uns die Hülfe Itzres Blattes anzurufen. Dieser Correspon⸗ dent brachte nämlich in Nr. 18 des Mainzer Abeudblaltes eine kurze Notiz über die Gemeinde Ober-Mörlen, dahin gehend:Dort sei der Gesundhestszustaud kein be⸗ friedigender, da fast kein Tag vergeht, aun welchem sich nicht in irgend einem Hause ein Todzer befindel. Diese Notiz ging auch in andere Blätter über, und fiel derart auf, daß der hiesige Gemeindearzt von mehreren Seiten interpellict wurde. Letzterer Umstand bewog uns in Eile eine Entgegnung an die Redaction zu senden, welche auch in Nr. 25 Aufnahme fand, und in welcher wir die Zahl der Todesfälle der 5 letzten Jahre zusammenstellten, woraus

niß nachwies, denn in Ober-Mörlen, das circa. 2000 Seelen hat, starben 1865: 71 oder 3 55% 1866: 39 oder 1.95%, 186 7: 43 oder 2.15%, 1868: 53 oder 265%, 1869 aber nur gar 38 oder 1.90%.(Irrihümlich sagten wir in unserer Entgegnung in Nr. 25 es seien 39 gestoben, es waren aber doch nur 38.) Dabei passirie uns in Folge der Eile, womit wir erwiederten, und weil wir das Abene⸗ Blatt nicht halten das Versehen, zu behaupten: Der Correspondent habe gesagt: Jeden Tag sei ein Todesfall vorgekommen. Wit bereuen dieses Versehen, und nehmen feierlichst diesen durch viele anderweite Geschäfte vernr⸗ sachten, Irrthum zurück, und erklären, daß geschrieben stand: Es verging fast kein Tag, au welchem nicht in irgend einem Hause ein Todter sich befand. Wir siecken auch geduldig die Unarten ein, mit welchen der uns nue zu bekannte schreibselige angehende Jour nalist uns in Nr. 28 in den ersten Zeilen traktirt, zur Buße für unser Versehen. Allein dennoch geben wir diesem YCorrespon⸗ denten kein Recht zu sagen, daß in Ober⸗ Mörlen der Gesundheitszustand im Dezember 1869 und Januar 1870 ein ungünstiger sei. Denn welcher Stalistiker bemißt den Gesundheitszustand einer Bevölkerung nach den Todesfällen eines Monates? Nur unser Pfiffteus, der vom Erhabenen zum Lächerlichen euien kühnen Schritt macht, indem er sagt: Die außergewöhn⸗

ziemlich bekannt sind) diskufirt(0), bewaist Sterblichkeit aus dem Umstand, daß im Dezember 8 und im Januar 6 Personen mit Tod abgegangen sind, und dieset pfissige Statistiker verlangt nun, damit überbaupt der Obermörler Gesundheitszustand ein günstiger gen zunt werden lönne, daß das außerordentlich günstige und nur 1 KHusnahme bildende Sterblichkeiteverhältniß

vom l. Januar bis 1. Dezember 1869, das 160% beträgt, auch im Dezember und im Januar obwelten möge. Wenn das nicht helle ungetrübte Weishein ist, dann wissen wir nicht was woch gescheidter sein kann. Während die Aerzte schon dann den Gesundheilsstand emer Bevölkerung befriedigend nennen, wenn 30 c der Bevölkerung in einem Jahre sterben, reißt der(wahrsch inlich in Rock nberg au⸗ sässige H⸗Correspondent) 2 Mongte beliepyi aus einer Periode beraus, und beweist den Gesundheilszustand als außergewöhnlich ungünstig, weil zufällig mm 2 Monaten mehr Personen starben, während in 10 Monaten vorher

wenig gestorben sind. Auch scheint der ⸗Correspondent

nichts von dem Princip der Ausgleichung zu kennen, das ber statlslüschen Ausstellungen und ben daraus fesullirenden Beh zuplun gen maßgebend sein muß. Wir wänschen zum Schlusse dem Mainzer Abendblatt recht viel Glück zum V Correspondenten, und freuen uns jetzt schon, gelegeut⸗ lich wieder von Gänsebraten in R. und von Schweine krankheiten aus dieser geübten Feder zu lesen, bitten aber

Monaten, vom Juni bis December, betrug die

sich ergab, daß 1869 gerade das günstigste Verhält⸗

liche Sterblichkeit würde in weiteren Kreisen(die 1 3 det

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