Spanien Die jüngsten Unruhen in Spanien sind viel bedeutender, als es nach den bisherigen Nachrichten den Anschein hatte. An den ver⸗ schiedensten Punkten des Landes, zu Barcelona im Nordosten, zu Cartagena im Südosten, zu Salamanca, fast schon an der portugiesischen Grenze, dann auch in Sevilla und an anderen Orten, deren Namen in Madrid noch verheimlicht werden, ist es zu Reibungen gekommen. In Barcelona war der Widerstand am größten.
Donaufürstenthümer. Bukarest. Eine fürstliche Botschaft theilte am 12. d. der Kammer mit, daß die Demission des Ministeriums von dem Fürsten angenommen sei und die Kammer- session wegen Bildung eines neuen Cabinets noch um acht Tage verlängert würde.
» Friedberg. Durch eine Besichtigung des in unserer Nachbarfsadt Frankfurt seit einigen Tagen eröffneten Palmengartens wird man die hohen Erwartungen, welche man nach dem bisher schon Bekanntgewordenen von dieser neuen großartigen Schöpfung des Gemeinsinns und der Opferwilligkeit der Frankfurter Bürger und Ein⸗ wohner zu hegen berechtigt erscheint, nicht allein erreicht, sondern weit übertroffen finden, denn es ist dort dem entzückten Auge das reizendste Bild aller Pracht der tropischen Natur aufgerollt, bei dem sich Natur und Kunst in seltener Harmonie die Hand reichen. Ist auch noch Vieles im Werden begriffen, so ist doch jetzt schon aus der ganzen Anlage ersichilich, daß, wenn erst das Ganze fertig sein wird, Frankfurt eine prächtig-aumuthige Schöpfung besitzt, um welche es von vielen, selbst hervor— ragenderen Städten wird beneidet werden. In der Mitte der Anlage befindet sich das großarlige Palmenhaus mit seiner üppigen Vegetation und seinem über mächtige Felsen berunterstürzenden Wasserfalle. Die Häuser zu beiden Seiten bergen ein Blüthenmeer der herrlichsten Levkoien, Tulpen, Azalien, Rosen und vieler anderen reizend schönen Zierpflanzen, deren Hauptanziehungspunkt jedoch der Anblick der in den zartesten lieblichsten Farben prangenden tausend und tausend Cameliablüthen bildet. Eine nähere Be— schreibung läßt sich weder von den Einzelheiten, noch von dem ganzen feenhaften Arrangement entwerfen, man muß es selbst sehen und deßhalb glaubten wir die Leser Lieses Blattes, von denen sehr viele während der nächsten Tage der Messe wegen in Frankfurt anwesend sein werden, darauf aufmerksam zu machen, sich zu einem Besuche der Palmgärten die Zeit zu gönnen, welche von Morgens 10 Uhr bis Abends 6 Uhr dem Publikum geöffnet sind.
r. Friedberg. Herr Dr. W. Soldan, den wir vorm Jahre, als er Lehrer am hiesigen Schullehrerseminare war, unter unsre Mitbürger zählten, bat so eben sein erstes Programm der„Städtischen Realschule zu Groß⸗Umstadt“ im Druck erscheinen lassen, aus welchem wir folgende interessante Thatsachen hervorheben. Die Schule, welche im April des letzten Jahres aus Gemeinde- mitteln gegründet wurde, hat einen raschen Ausschwung genommen, ein Beweis, mit welchem Eifer Stadt und Umgegend daselbst die Gelegenheit zu weiterer Ausbildung ihrer Kinder ergriffen haben. Ursprünglich auf 2 Classen mit je zweijährigem Cursus berechnet, hat die Anstalt eine so lebbafte Theilnahme erfahren, daß gleich mit 3 Classen begonnen werden mußte, schon im Herbste des⸗ selben Jahres, also nach halbjährigem Bestehen, erweiterte sie sich um eine 4. Classe; mit dem eben bevorstehenden neuen Schuljahre wird die 5. Classe eröffnet, und in
Jahresfrist die 0. Classe in Aussicht gestellt, sodaß die Anstalt damit in die Reihe der sechsclassigen Realschulen eintritt und die Anerkennung als solche von der hohen Staatsbehörde erwarter. Möge dieselbe ihr nicht verwehrt werden. Es wirken an der Schule zur Zeit 9 Lehrer, ein 10ter soll bestellt und wackere Lehrkräfte in Aussicht genommen werden; gewiß ein erfreuliches Zeichen, wie sich allerwärts in unserm Großherzogthume das Streben nach höherer Schulbildung mächtig erweist.
Frankfurt. Sonntag den 1. Mai wird im zoologischen Garten der erste diesjährige Sechskeeuzertag stattfinden. Die stattlichen Löwen und die beiden zierlichen Silber⸗ löwen werden gewiß allgemeine Aufmerksamkeit erregen. Es ist möglich, daß bis zu Mai auch die in Aussicht stehenden Tiger eingetroffen sind. Durch Neuanlage des südwestlichen Theiles des Gartens hat derselbe eine vor⸗ theilhafte Veränderung erlitten und wird zum Abschluß des schönen, schattigen, mit Papageien hüben und drüben garnirten Weges ein Zwinger für die beiden spyrischen Bären angelegt.
Offenbach. Vor einigen Abenden geriethen hier in einer Schneierwerkstätte zwei Gesellen in Wortwechsel, der in Thätlichkeit ausartele, welche einen schlimmen Ver⸗ lauf halte, indem einer mittels einer großen Scheere, die er als Waffe gebrauchte, dem andern die Halsschlagader durchschnitten, so daß dessen alsbaldiger Tod erfolgte.
Hauau. Die von Hanauern ausgesetzte Prämie für den besten Schüler der deutschen Seemannsschule zu Ham⸗ burg ist dem Seemannsschüler Wilhelm Cöster aus Hanau zuerkannt.
Bochum. Ueber den früher schon erwähnten, gegen die Gebr. Dieckhoff anhängigen Prozeß erfährt man: Das von denselben betriebene Geschäft war gleichsam ein väterliches Erbe, Schon der Vater der Gebrüder Dieckhoff stand im Rufe der ungesetzlichen Freimachung vom Mili— tärdienste, desgleichen die Söhne Friedrich, Wilhelm und August schon zu Anfang der 50er Jahre, und bald auch Ernst und Karl. Im Jahre 1868 gewann dieses Ge⸗ rücht an Bedeutung, indem C. Dieckhoff in diesem Jahre in Köln wegen unerlaubter Befreiung des Buchhalters Hopf angeklagt, aber wegen mangelnden Beweises frei— gesprochen wurde. Von dem Vater erbte jedes Kind ein Vermögen von 1—2000 Thlr. Trotzdem besitzt Friedrich Wilhelm Dieckhoff ein Vermögen von 40—50000 Thlr., über dessen Erwerb er sich nicht ausweisen kann. F. W. Dieckhoff machte viele und größere Reisen, ohne sich über den Zweck derselben ausweisen zu können. Ernst Dieckhoff betrieb hier ein Bäckergeschäst, bekümmerte sich aber wenig darum, machte große Reisen und sammelte dennoch ein nicht unbeträchtliches Vermögen. August Dieckhoff wurde in jungen Jahren schon mit dem Zuchthause bekannt, indem er in den 50er Jahren wegen Verleitung zum Meineid mit achtjähriger Zuchthausstrafe belegt wurde; seildem kam er hier, ohne ein bestimmtes Geschäft zu be⸗ treiben, bald zu einem erheblichen Vermögen. Der vierte Bruder, Karl Dieckhoff, wurde schon in dem Alter unter 16 Jahren wegen desselben Verbrechens zu einem Jahre Gefäugnißstrafe Rrurtheilt. Derselbe erlernte die Bier⸗ brauerei, treibt sich aber geschäftslos umher und stehl wegen Wechselfälschung augenblicklich in Untersuchung. Gegen E. Dieckhoff wurden durch die Verhandlung zehn Fälle constatirt, in denen derselbe die Befreiung von Militärpflichtigen mittelst Eczeugung künstlicher Fehler erzielte. Ohrenfluß wurde erzeugt durch eine Einspritzung einer Mischung von Limburger Käse und Eidotter; Herz: klopfen durch Genießen von starkem Kaffee und Burgunder oder eines Gemisches von Schnapps und Tavaksschmurgel, welcher aus dem Abguß einer Pfeife genossen wurde; Blutsturz durch Schweineblut mit Weinessig; Leistenbruch durch Bienenstiche, zu welchem Zwecke August Dieckhoff
den Untersuchungen der Rekruten stets ein Kästchen mit Bienen mit sich führte; Schweißfüße wurden durch Ein⸗
schütten von Sensmehl in die Strümpfe und Wasser in
die Schuhe, Trübung der Augen durch Touchiren mit 1 Höllenstein, Erweiterung der Pupille durch Bestreichung
mit Atropin ꝛc. herbeigeführt. Das mittlerweile ver⸗ kündete Urtheil lautet: Ernst Dieckhoff zu 3 Jahren Ge⸗ fängniß, 300 Thalern Geloͤbuße und 5 Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte; August Dieckhoff zu 2 Jahren Gefängniß und 3 Jahren Verlust der bürgerlichen Ehren⸗ rechte; Carl Dieckhoff zu 8 Monaten Zuchthaus, 150 Thalern Geldbuße und 2 Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte; Wilhelm Dieckhoff zu 1 Jahr Gefängniß und 2 Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte; Frau Brützler zu 6 Monaten Gefängniß und 1 jährigem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte; Louis Hüls zu 4 Monaten Gefängniß und 1 Jahr Verlust der bürgerlichen Ehren⸗ rechte.
Die Untersuchung gegen die Militärärzte schwebt noch. Dresden. Unter dem Vorsitz des Herrn Professors
Fleck hat sich hier ein Comité gebildet, welches, aus den Direktoren und Vorständen der Brauereien Dresdens zu⸗
sammengesetzt, es sich zur Aufgabe gestellt hat, für die
Tage des 28. bis 30. Juli einen deutschen Brauertag zum Zwecke der Begründung eines deutschen Brauer⸗
bundes zu berufen. Daß die Betheiligung an diesem Unternehmen eine sehr bedeutende werden dürfte, geht nicht nur aus den bereits vorliegenden zahlreichen An⸗ fragen und Zusagen in dieser Richtung hervor, sondern dafür spricht auch der Umstand, daß im Zollverein und Oesterreich während des Jahres 1868 nicht weniger als 22,372 Brauereien im Betriebe waren.
auch hier bethätigen und mit seinen reizenden Umge⸗ bungen den einkehrenden Industriellen ein Bild freund⸗ lichster Art enfalten, zu dessen Verschönerung die im Fest⸗ programm angekündigten Festlichkeiten, welche das Fest⸗ comité des Brauertags vorbereitet, beltragen werden. Prag. Die Acten zur Affaire Unger sind geschlossen. Die Universitäts⸗Commission, welche berufen wurde, über den räthselhaften Tod des Professors Dr. Unger ihr Gut⸗ achten abzugeben, und aus den beiden Decanen der Fa⸗
cultät, den Professoren Rekitaneky, Skoda, Schroff, Dlauby, Arlt und K Braun, sowie aus Mitgliedern des medi⸗
cinischen Doctoren⸗Collegiums bestand, während Professor v. Dumreicher Referent war, hat einstimmig erkannt, daß der Tod Unger's durch Stichfluß als natürlicher Tod er⸗ folgt und nicht eine Folge der wahrgenommenen Ver⸗ letzungen gewesen ist; diese selbst haben vor Eintnitt des Todes stattgefunden.
Dem„Bund“(Bern) wird aus Berlin geschrieben: In verschiedenen Zeitungen kuͤrsirt die Nachricht, daß Ischokke's Stunden der Andacht in einer sehr wohl⸗ feilen Ausgabe in 25 Lieferungen(à 4 Bogen) erscheinen werden. Thaltsache ist, daß allerdings eine hiesige unbe⸗ kannte Firma einen Nachdruck veranstaltet und bereits die erste Lieferung herausgegeben hat. Schreiber dieses hat sich nun die Mühe genommen, diese Lieferung mit einer der drei Originalausgaben des Weikes zu vergleichen, und hat herausgerechnet, daß die Nachdruckausgabe, wenn sie sämmtliche Betrachtungen der Stunden der Andacht enthalten soll, mindestens 35 bis 40 solcher Lieferungen umfassen, also theurer werden wird, als die billigen Aus⸗ gaben des Originalverlegers. Offenbar beabsichtigt der Berliner Nachdrucker, das Publikum zu täuschen, und ich möchte hiemit aus voller Ueberzeugung meine Landsleute vor dem Ankaufe seiner Ausgabe warnen.
Holz- Versteigerung. 1033 Mittwoch den 20. und Donnerfsag den 21. d. M.
sollen im blesigen Gemelndewalde, Distrikt Kibitz, nach⸗ bezeichnete Holzsortimente versteigert werden:
2 Stecken B rken⸗Scheitholz, 5„ Eichen⸗„ 4* Nadel⸗ 7 66/ 7 trken⸗, Eschen⸗Prügelholz, 23½„ Nadel ⸗Prügelholz, 4„ Erlen, Agpen⸗Prügelbolz, 70³/„ Elchen⸗, Nadel⸗Stodholz, 350 Stück Buchen⸗Wellen, 4800„ Eichen„ 44297„ Nadel- weiches Laubholz⸗ und Dörner⸗ Wellen, 188 Eschen⸗Stämme= 5648 Cubikfuß haltend, 3 Birken⸗ 5
77*
16 Nadel⸗„— 449 Zahlungstermin auf Martinktag 1870. ist präcis 9 Uhr Vormittags. Ober⸗Mörlen am 9. April 1870. e eee Ober⸗Mörlen e 4 l.
Bekanntmachung.
1055 Die am 7. und 8. d. M. in den Zreiberrlich vb. Franckenstein'schen Walddistricten Klentzeschlag, Klappertannen. Kreuztannen, Tannenwiese ꝛc., sowie in
Der Anfang
dem Straßhelmer dübnerwalde abgehaltenen Holzorr⸗
steigerungen find genehmigt. Von beute an kann das Holz an den hierzu destmmten Tagen abgefahren werden. Ockstadt am 12. April 1870. Der Freiherrl. v. Franckensteln'sche Oberförster Wilbrand.
Oeffentliche Bekanntmachung. 1047 Zum Betriebe eines Bankgeschästes behufs gegen seitiger Beschaffung der im Gewerbe und Wirlbschaft nöthigen Geldmtttel auf gemeinschaftlichen Credit hat sich dahier in Friedberg ein genossenschaftlicher Verein unier der Firma:
Vorschuß⸗& Eredit⸗Verein in Friedberg
eingetragene Genossenschaft laut Gesellschaftsvertrag vom 1. März l. J. gebildet, dessen Eintrag in das Genossenschafts⸗Register heute vollzogen worden ist.
Der Vorstand der Genossenschaft besteht aus drei in Friedberg wohnenden Vereinsmitgliedern:
Fritz Hecht, Cassier,
Erasmus Ermus, Controleur,
Ludwig Wels, Ersatzbeamter, von welchen alle unter der Firma des Vereins ergehen⸗ den Erlosse und Bekanntmachungen, zu deren Ver- oͤffentlichung derselbe sich des in Friedberg erscheinenden Saasen Anzeigers bedienen wird, unterzeichnen werden.
Das Verzelchniß der Genossenschafler liegt bei unter⸗ fertigter Gerichtsstelle jeder Zett zur Einsicht offen.
Friedberg den 11. April 1870.
Großhetzagulchte Lee Friedberg b 6
1031 Auf dem Hürstl. Hofgute zu Hungen wird zum
sosortigen Ein⸗ Schäfer gegen hohen Gehalt
tritt ein acsucht.
Cüchtige Weißbindergesellen
1032 finden lobnende Beschäftigung bei
J. T. Schecker, Weißbindermeiseer, Allegasse 71, Frankfurt g. M.
Bekanntmachung.
Betreff: Die Insolvenz⸗ Anzeige der Firma„Georg Wagner Wittwe“ zu Friedberg.— 1045 Es wird hiermit zur Kenn tniß gebracht, daß in dem Schuld enwesen der Firma Georg Wagner Wittwe in Friedberg und des J. A. Wagner daselbst Carl Friedrich Eich von da als Curator beßellt worden l, Derseibe ist mit der Einkassirung der Ausstände beauf⸗ tragt, und allein befugt, gültig zu qutttiten. Friedberg den 4. April 1870. Großherzogliches Landgericht Friedberg Reitz Steinberger,
Landrichter. Londgerichts⸗ Assessor.
1057 Ote dtiesseitsgen Güter ⸗ Expeditionen sind an⸗
dewlesen vom 15. d. M. an bei Belastung von Sendungen
mit Nochnahmen neben dem abgestempelten Duplicat⸗ Frachtbriefe auf Verlangen der Versender und gegen Entrichtung einer Gebühr von je 1 Sildergroschen über die Höhe der Nachnabme⸗ Beträge besonderere Bescheink⸗ gungen, s. g. Nachnahmeschelne, zu erthellen, was hler⸗ durch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Cassel am 7. April 1870. Ken'gliche Direction der Maln⸗Weser⸗Bahn.“
Von 22 Conseribirten sind 7 freigesprochen, die übrigen zu je 3 Monaten Gefängniß verurtheilt worden.
Dresden, die Villa Deutschlands, wird seine bekannte Anziehungskraft
e —
l0b53 D isse nach D.
Die Joh Die Ver Die Pra
Die Prad Der Ba Für 148 Reserr
welche die Prä
Wabzt
Leh
Anenens- Loose —
75


