Ausgabe 
12.11.1870
 
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belagert wurde bat, wie der Telegraph gemeldet bat, am 8. November kapitulirt. Der Platz ist auf dem techten Ufer der Maas und an der

wichtigen Eisenbahnlinie gelegen, welche von

Cbalons nach Metz geführt werden sollte, bei Ausbruch des Keikges aber erst bis Clermont, einige Meilen westlich Berdun, vollendet war, deteinst also die kützeste Verbindungslinie von Paris nach dem Mittelrhein sein wird; schon jetzt sperrt es die Straße von diesem nach den Argonnen, den Paß von les Grandes-Islettes. Der Fall der Festung ist zur Zeit von hervor⸗ ragender Wichtigkeit, da mit ihr der letzte Punkt zwischen der Mosellinie und Paris in deutschen Besitz übergegangen ist, welcher noch von franzö⸗ sischen Streitkräften besetzt war; es wird durch diese Capitulation ferner möglich, auch das in Verdun wie Metz noch vorgefundene schwere Geschütz ungesäumt nach Paris und dort zur Verwendung zu bringen. Das Cernirungs⸗Detachement um Verdun stand Anfangs unter dem Befehl des Generals von Bothmer, welcher, zum Commandeur der 13. Division ernannt, später vor Verdun durch den General von Gayl ersetzt wurde. Der Fall von Metz äußerte auch auf Verdun seinen naturgemäßen Rückschlag: es wurde möglich, schwereres und namentlich preußische Präzisions⸗ Geschütze größeren Kalibers an die Maas zu dirigiren, deren Wirkungen der Platz auf die Dauer Widerstand nicht entgegenzusetzen vermochte.

Straßburg. Für Einlaßkarten in die Citadelle sind bis heute 49,379 Fres. 30 C. zu Gunsten der hiesigen Nothleidenden eingegangen.

Die Hessische Division soll bereits in Troyes, 40 Stunden südwestlich von Metz, angelangt sein. Am 4. November stand dieselbe bei Vavincourt bei Barleduc, wo das Geburtsfest des Prinzen Ludwig gefeiert wurde. Die hessische Division stand von der ganzen Cernirungsarmee vor Metz am füdlichsten und bildet daher jetzt die Avantgarde der nach Süden abrückenden Armee des Prinzen Friedrich Karl.

Vom Oberrhein, 8. Nov. Fort Mortier so arg zerstört es im Innern ist, wird unseren Belagerungstruppen(unter welchen sich auch die Würtemberger befinden, die vor Straßburg thätig waren) sehr gute Dienste leisten, indem von ihm aus Neubreisach wirksamer beschossen werden kann, und zwar auf der sonst weniger zugänglichen Ostseile, welche auch durch die Inundation besser geschützt erscheint. Die Vorbereitungen zu dieser Benutzung des Forts werden ohne Verzug ge troffen; man hofft überhaupt, den Platz in wenigen Tagen zur Uebergabe zwingen zu können. Das Corps Werder und die 4. Reserve⸗Division, die jetzt in Verbindung gegen Besangon und Belfort operiren, bestehen aus etwa 60 80,000 Mann. Das Hauptquartier der Cernirungs armee vor Bel⸗ fort befindet sich im Schlosse des Herrn von Saglio bei Sevenans(südlich von Belfort am Flüßchen Savoureuse gelegen). Die allgemeine Furcht der Landbevölkerung, zu den Schanz arbeiten vor Belfort verwendet zu werden, ist es namentlich, was die Leute zur Flucht nach der Schweiz und in die Wälder und Gränzdörfer treibt. Die deutschen Truppen haben sich bei der Cernirung der günstigen Position des Salberts bemächtigt, eines kleinen Berges auf der linken Seite der Lisenbahnlinie nach Vesoul und auf dem linken Ufer der Savoureuse, die von Norden nach Süden bei Belfort vorbeifließt. Um 4 Uhr wurde ein Paxlamentär gegen die Festung gesandt, um den Commandanten zur Uebergabe aufzufor⸗ dern, im Verweigerungsfalle würde man Tags darauf das Bombardement beginnen. Oberst Denfert verweigerte die Uebergabe und ließ sofort die Dörfer Vezelois und Chevremont(südöstlich von Belfort), wo sich die deutschen Truppen logirt hatten, in Brand stecken. Diese haben indessen das Feuer wieder gelöscht und die Po- sitionen inne behalten Am 5. haben die deut schen Truppen fünf Wagen mit Verwundeten durch Montreux⸗Vieux nach Lachapelle geführt. Vor⸗ gestern hörte man in Pruntrut eine Kanonade, sowohl von Montbeliard als von Belfort her.

Vesoul. Die badische Division des Generals

v. Beper hat bei der Einnabme von Dijon an 380 Topte und Verwundete gehabt, da die Er⸗

stürmung der Vorstadt St. Apollinatre, die von

den Franzosen stark verschanzt war, nicht ohne harten Kampf geschehen konnte. Die Stadt Dijon hat nicht viel, die Vorstadt St. Apollinaire aber sehr bedeutend durch unser Geschützfeuer gelitten, Gefangene haben die Badenser an 1100 Mann gemacht, viele Franctireurs sind in der Hitze des Kampfes getödtet worden. Vorläufig werden unsere Truppen sich in Dijon, das reiche Vorräthe aller Art darbietet, festsetzen. So wie die Armee des Prinzen Friedrich Karl, aus dem 2., 3., 9. und 10. Armeecorps bestehend, erst über Troyes hinaus sein wird, und ihr linker Flügel mit dem 14. Armeecorps in Dijon, ihr rechter aber mit dem 2 baperischen Corps und der 22. preußischen Infanterie-Division nebst den drei Cavallerie-Divistonen Graf Stolberg, Rheinbaben und Prinz Albrecht in Orleans in fester Ver⸗ bindung steht, erfolgt der Gesammtvormarsch von circa 200,000 Mann gegen das mittägliche Frank- reich. In zehn Tagen sind wir vor Lyon. Mit Garibaldi und seiner italienischen Legion ist es ein purer Schwindel. Er hat ein Paar bundert italienischer Abenteurer bei sich, kann sich mit der Regierung in Tours nicht verkragen, viele Fran- zosen wollen nicht unter ihm kämpfen; kurz, nichts wie Unordnung und Anarchie in der ganzen Wirthschaft. Sollte Garibaldi in die Hände unserer Truppen fallen, so werden diese ihn als einen fremden Abenteurer, der nicht befugt ist, gegen Deutschland zu kämpfen, ohne Weiteres er⸗ schießen; einen solchen Zorn hegen sie gegen alle diese ausländischen Banden. Die jetzt bis Belfort vorgedrungene Reservearmee, welche diese Festung cernirt hält, eröffnete ihre Verbindungen mit dem Werder'schen Corps, das wieder, wie übereinstimmend aus Karlsruhe und Stuttgart gemeldet wird, durch Nachsendung frischer Ersatz truppen die regelmäßige Verbindung zwischen Dijon und Luneville gewonnen hat. Von Dijon aus scheint der Vormarsch in zwei Richtungen zu erfolgen; eine Abtheilung ist in Nuits an der Straße nach Chalons s. S. erschienen und man befürchtet in Tours deren Vordringen bis in's Creuzot, die andere hat St. Jean de Lasne er reicht und steht dort im Rücken Garibaldi's, der noch immer bei Dole und Auxonne seine Frei- beuterschaar zu sammeln sucht. Zwischen der Armee v. d. Tanns und Werders dringt Prinz Friedrich Karl vor. Er eröffnet die weiten von der Natur so reich ausgestatteten Thäler der Marne, Loire und Indre; übrigens ist bis jetzt noch unbestimmt, ob er seinen Marsch auf Lyon oder Bourges richten wird. Im Innern dieses weiten Kreises, den unsere Heere jetzt in Frankreich besetzt halten, sind nur noch wenige feste Plätze in französischen Händen.

Bayern. München. Der unvermutheten Reise des Prinzen Otto aus dem Hauptquartier zu Versailles nach Müuchen werden politische Be⸗ weggründe untergelegt. Man glaubt, daß er vom Könige von Preußen beauftragt worden sei, die Entscheidung unseres Königs über gewisse, bei den derzeitigen Verhandlungen über die deutsche Reichsverfassung aufgetauchte Fragen zu erholen.

Würtemberg. Stuttgart. DasSüdd. Corresp.-Bureau veröffentlicht heute Folgendes: Unsere Münchener Quelle vervollständigt ihre Mittheilung vom 1. November über die Verhand- lungen in Versailles und berichtet ferner: Die

süddeutschen Staaten treten vollständig in dene

deutschen Bund auf Grundlage der Nordbunds⸗ verfassung ein. Sie acceptiren das zu erweiternde deutsche Oberhandelsgericht in Leipzig, die allge⸗ meine Freizügigkeit, sowie freie Wahl der Kriegs- dienstpflichtigen über den Ort der Ableistung derselben und das norddeutsche(noch zu ergänzende) Strafgesetzbuch. Die norddeutschen Gesetze vom 13. Mai 1870(die doppelte Steuerleistung betr.), vom 16. Juni 1870(über die Ausgabe von Papiergeld), vom 10. Juni 1869(über Wechsel⸗ stempelsteuer), ferner vom 14. Juni 1868(schleswig ·

holsteinische Pensionen betr.), vom 3. März

1870(Elbzölle betr.), sowie über das allge⸗ meine deutsche Marine- Anleihe sollen sofort in Kraft treten; deßgleichen die Bu

vom 1. Juli 1868(über Aufhebung der Spiel banken), vom 7. April 1869(über Maßt gegen die Rinderpest), vom 1. Juni 1870(üg Flößereiabgaben) und endlich das Gesetz vom 3. Juli 1869(über die Gleichberechtigung der Confessionen). Ein gemeinsames Nationalindigenat soll auf dem Wege der deutschen Bundesgesetz⸗ gebung alsbald eingeführt werden. Die Wahlen zum deutschen Zollparlament dürften in Kurzem angeordnet werden.

Schweiz. Bern, 9. Nov. Einer Meldung des Commandanten der in Pruntrut garnisoniren⸗ den schweizerischen Truppen zufolge sind die Preußen heute in Montbeliard eingezogen.] Bereits gemeldet.] Wie derBund meldet, hat sich Garibaldi mit den en überworfen.

elgien. Brüssel. Aus Amieas wird gemeldet: Eine eingetroffene englische Ambulanz, unter dem Befehl des Obersten Berington, wurde stark mißhandelt, war, sie seien Deutsche.

Brüssel. General Coffinieres, der Comman⸗ dant von Metz, schreibt aus Hamburg an die Independance:Ich werde später zur Evidenz beweisen, daß ich meine Pflicht als Soldat und Bürger erfüllt habe. Unterlassen Sie mittlerweile alle perfiden Insinuationen.

Italien. Florenz, 8. Nov.

Besitz vom Quirinal. a

Rußland. Petersburg. DieNordische Presse meldet: Der Reichsrath prüft das Gesetz, wodurch die Dienstpflicht von 12 auf 6 Jahre herabgesetzt wird, zum Zwecke des Uebergangs zur allgemeinen Militärpflicht mit 3jähriger Dienstzeit.

Friedberg. Bel der am 31. Oct. abgehaltenen Stiftungsfeier des hiesigen GesangvereinsFrohsinn, die sich gegen die früheren, dem Ernste der Zeit gemäß, durch ihre Einfachheit auszeichnete und bei welcher eine patriotisch begeisterte Stimmung vorherrschend war, wurde auch eine Sammlung zu patriotischen Zwecken veranstaltet.

Die Sammmlung ergab für die Familien deuischer fl. kr. Sol daten 27 N und für die Verwundeten 10 54

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C. Friedberg. Unter den durch die jüngsten Ereignisse aus Paris in ihre Heimath zurückgeführtien Deutschen befindet sich einer der beliebtesten dortigen Clavierlehrer, Herr Fritz Fritsch aus Friedberg. Gegenwärtig in Darmstadt verweilend, wird er in der Kürze nach Frank⸗ furt übersiedeln. Wir erwähnen ihn hier wegen seiner ganz eigenthümlichen Elementarmethode, die wir schon früher aus französischen Zeitungen, jetzt näher durch eigene Anschaung kennen lernten. Sie bildet nach genauen psychol ozischen und physiologischen Beobachtungen eine Verbindung der Gesichts⸗ und Gehörwahrnehmungen, so⸗ dann auch der Raum⸗ und Zeitmaße. Indem sie den Zög⸗ ling rasch in die Mechanik des Klavierspiels einführt, er⸗ öffnet sie ihm zugleich das Verständniß der Tonarten und der geistigen Tonwelt überhaupt. Nicht bloß die Fachge⸗ nossen des Erfinders, sondern auch die Pädagogen über⸗ haupt werden diese Methode ihrer Beachtung werth finden.

Frankfurt. Seit einigen Tagen verweilt imRussi⸗ schen Hof hier der Fürst Kalofar von Hindostan, in dessen Begleitung sich außer dem englischen Capitän West und einigen Europäern 15 Japanesen befinden. Der Prinz, sowie die Natives, leben ganz nach heimaihlichen Gewohn⸗ heiten. Mit Ausnahme der Europäer, die ein gutes Belt vorziehen, findet die Dienerschoft ihr Nachtlager in den Vorzimmern des Fürsten auf den Teppichen. Der Peinz besuchte die Sehenswürdigkeiten der Stadt, nament⸗ lich verweilte er längere Zeit im Kaisersaal. Ueberall er⸗ regte der Fürst durch seine reiche orientalische Kleidung allgemeines Aussehen. Viele reiche Straßburger Familien sind gewillt, von dort wegzuziehen, indem sie das Leben in einer offenen Stadt demjenigen einer Festung vorziehen. Einige haben sich hierher gewendet und Miethaufträge ge⸗ eben. Einer unserer hiesigen Knaben führte einen französischen Offizier zu allen Sehenswürbigkeiten der Slabt und war ein ganz unermüdlicher Cicerone. Als der Abend kam, verabschiedete sich der Offizier und drückte dem Knaben einen Napoleon in die Hand. Der brave Junge war Anfangs erstaunt, faßte sich aber schnell und sagte zu dem Offizier, indem er ihm den Napoleon binreichte: Nebmen Sie die Hälfte für Ihre Vermundeten, die andere will ich für die deutschen Verwundeten nehmen. Der Offizier herzte den Knaben und entsprach sofort seinem Wunsche, ihm die Hälfte seines Napoleon reichend.

Darmstadt. Noch im Laufe d. M. wird die hessische Ludwigsbahn zwei neue Bahustrecken eröffnen. Es sind dies die Strecken Nieder-Olm-Armsheim und Darmstadi⸗ Reinheim. Die Tunnelbauten bei Klein- Winterntzeim stehen auf der folgenden Strecke der Mainz-Alzeyer Linie

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