Bahn eiligst herbeigeschafft wurden, ins Feuer. Endlich gelang es den Unserigen, feste Stellung auf der ersten Bergerhöhung zu behalten und erst, als sie hier mehrere Geschütze mühsam hinaufbrachten, gelang es, den Bergrücken von dem Feinde zu säubern und von der wich⸗ tigen Position unbestrittenen Besitz zu nehmen. Mit dieser That war gewissermaßen das blutige Tagewerk vollendet, denn der Feind zog sich eiligst zurück und der Mantel der Nacht deckte die Blutsaat zu. Den ganzen gestrigen Abend und die ganze Nacht hindurch dis zu dieser Stunde, 11 Uhr Vormittags, reiht Wagen sich an Wagen, welche die Ver⸗ wundeten von dem Schlachtfeld in unsere beiden Städte befoͤrdern; die Lazarethe, Hospitäler und die meisten Privatwohnungen sind mit Menschenopfern des Krieges angefüllt und noch weiß man nicht, wann die letzten eingebracht werden. Die Zahl der Todten kennt man ebenfalls noch nicht. Unsere Stadt und die ganze Gegend gleicht heute einem Kriegslager; die Armee des Feldmarschalls v. Steinmetz hält seit heute Nacht bis zu diesem Augenblick ihren Durchzug. Welch' ein Geist beseelt Alle! Aber der Geist, welcher die ganze deutsche Armee erfüllt, er wohnt nicht minder im Bürger— thum; Aufopferung, Patriotismus, Muth und Hoffnung gibt Jedermann, gleich weß Standes und Glaubens er ist, Muth und Stärke, alle Anstrengungen zu ertragen, die in diesen Prüfungsstunden vom ganzen deutschen Volke gefordert werden.— Unsere Armee war am Vormittag des 7. schon bis hinter Cocheron vorgerückt. Unter den Todten auf unserer Seite befindet sich auch der Commandeur der 27. Brigade, General v. Frangois. Bereits werden viele Särge in den Städten herum— getragen, um die schon gestorbenen Schwer— verwundeten zu begraben. Vom hiesigen Kriegs— schauplatz wird als gewiß mitgetheilt, daß die neunten Husaren das ganze Feldlager und Gepäck von zwei Divisionen erobert haben Die Zahl der Verwundeten und Todten auf beiden Seiten wird annähernd auf 5000 geschätzt. Bis jetzt sind hier eingebracht circa 3000 Vex⸗ wundete, darunter auch viele Franzosen.
Homburg i. d. Pf., 7. August, 11⅝ Uhr Abends. Der Feind ging nach der gestrigen Schlacht bei Wörth ia größter Auflösung zurück. Bei Niederbronn versuchte die französische Artillerie zu halten; es wurde von den Bayern genommen. Der Feind ging auf der Straße nach Biisch zurück. Die würtembergische Artillerie nahm bei Reichs- hofen viele Vorräthe und vier Geschütze. Todte und Verwundete bedeckten die Rückzugsstraße. Heute früh wurde das vom Feinde verlassene Hagenau besetzt. Saargemünd ist gleichfalls von den dies⸗ seitigen Truppen genommen worden. Forbach wurde nach leichtem Gefecht besetzt.
Aus Mannheim kommen in einer kurzen Correspondenz der„Hess. Volksbl.“ die ersten spärlichen Nachrichten über die Schlacht bei Wörth. Es heißt dort: Nach aus bester Quelle geschöpften Erkundigungen war die nahezu 8 stündige Schlacht viel bedeutender und erfolgreicher, als man nach den ersten Nachrichten annehmen durfte. Der etwa 70,000 Mann starke Feind hatte eine außer- ordentlich feste, größtentheils verschanzti Stellung inne, deren Wegnahme unseren tapferen Waffen- brüdern(Preußen, Bayern und Würtemberger) manches blutige Opfer gekostet hat. Insbesondere war der Sturm auf das gut verschanzte Wörth, der in Sulz viermal zurückgeschlagen wurde, ehe er zum Ziel führte, mit großen Verlusten verknüpft. Stark litten insbesondere die Königsgrenadiere, und das preußische 50. u. 70. Infanterieregiment. Die Franzosen eröffneten auf 1500 Schritte bereits das Gewehrfeuer auf unsere Truppen, die sich jedoch nicht beirren ließen, sondern sich ihnen mit⸗ unter auf 50 Schritte näherten und um die Palme des Sieges rangen. Die Zahl der ge— machten Gefangenen beläuft sich nach den neuesten Zählungen auf 7000.
Aus den verschiedenen kurz gefaßten Depeschen über den Verlauf der Schlacht bei
Wörth erhellt weiter, daß diejenigen Truppen, welche bei Weißenburg in zweiter Linie gestanden, vorgeschoben und das 5. Corps, das am meisten bei Weißenburg gelitten, mit den Bapern in der Reserve gehalten waren. Die deutsche Südarmee, welche in Riedsel, Ingolsheim, Seebach und Schaff⸗ hausen die Nacht über bivouacirt hatte, ging gleich · zeitig auf der sogenannten Gebirgsstraße und der alten Rheinstraße vor, während das bayerische Corps in das Gebirg einbog und über die Vor⸗ berge nach Lobsau und Lampertsloch avancirte. Vor den jenseitigen Höhen hinter der Sauer bei Wörth, Langensulzbach und Moosbronn kam das Gefecht zu stehen. Das Mae Mahon'sche Corps, verstärkt durch Truppen des Canrobert'schen, hielt dieselben besetzt. Trotz sehr heftiger Gegenwehr (in Wörth mußte Haus für Haus mit stürmender Hand genommen werden) gelang es unseren Truppen, die Höhen zu nehmen. Hier wurden von einem einzigen Zuge Infanterie 3 Mitrail⸗ leusen erobert. Nun ging es weiter den Abhang nach Froschweiler hinab, über die Eber auf Reichs- hofen zu, welcher Ort gleichfalls nach hartnäckiger Gegenwehr erstürmt wurde. Die französische Armee retirirte immer weiter; der Versuch, sich bei Nieder— bronn zu halten, kam ihr theuer zu stehen; ein Theil der Artillerie fiel in die Hände der Würtem⸗ berger und am Abend floh das Mac Mahon'sche Corps.— Eine andere Nachricht aus Sulz lautet: Der Sieg der Deutschen bei Wörth unter dem Kronprinzen von Preußen ist noch viel glänzender, als Anfangs gedacht. Gefangene etwa 10,000, 3. Zuavenregiment aufgerieben, erbeutete Geschütze 36, Adler 2 und 6 Mitrailleusen. Mac Mahon verwundet, die Bagage Ducrot's ab- gefangen. Der Verlust der Deutschen an Todten und Verwundeten ist leider auch sehr bedeutend. Neben den Bayern und Preußen hielten sich die Würtemberger(2., 5. Inf.⸗Regiment und 3. Jäger- bataillon) glänzend.
— Dem„Mannheimer Journal“ wird unterm 6. d. M. telegraphirt: Ein Convoi mit Franzosen, etwa 1000 Mann, wurden bei Hagenau von den Badensern empfangen und nahmen dieselben jene gefangen. Ein dem ersten nachfolgender Zug mit über 200 Mann wurde vom gleichen Schicksal getroffen.
Karlsruhe. Die Nachricht über ein Treffen bei Sulz(Wörth) kam in unbestimmten Gerüchten schon am Nachmittag des 6. August hier an. Ein Sergeant brachie einige Kranke und Verwundete und erzählte Folgendes:„Die Franzosen schießen auf 1500 oder 1000 Schritte, rennen auf uns zu und brüllen, als wollten sie uns erwürgen und auffressen. Sind sie auf 400 Schritte nahe und wir geben ihnen eine Salve, so haben sie meist schon genug; nach einer zweiten und dritten aber sieht man nichts als— Buckel,„nix als Buckel!“ so versicherte treuherzig der ehrliche Mann. Weitere Nachrichten aus Sulz vom 8. August Abends 9 Uhr, besagen: Der Verlust der Fran— zosen in der Schlacht bei Wörth beträgt wenig- stens 5000 Todte und Verwundete inclusive Offiziere sowie 6000 Gefangene. Mac Mahon floh unter Zurücklassung der ganzen Bagage, vieler Geschütze und zweier Eisenbahnzüge mit Proviant. Unsere verfolgende Cavallerie traf viele Tausende Versprengte, welche die Waffen fortgeworfen hatten. Unser Verlust beläuft sich auf 3000 bis 4000 Todte und Verwundete.
Rastatt. Am Samstag früh 10 Uhr wurde der Victuglienhändler Land. Himmelsbach von Baden, früher in Burgheim, gebürtig von Reichen⸗ bach wegen nachgewiesener Spionendienste erschossen. Vergeblich bemühte sich seine Tochter, ihn vor seinem Todte nochmals zu sehen; es wurde ihr nicht gestattet.
— 7. August. Verschiedene Blätter bringen wiederholt folgende Nachricht: Straßburg ist
von deutschen Truppen vollständig cernirt. München, 8. Aug., Nachm. Ueber die
Schlacht bei Wörth am 6. d. sind Seitens des ersten bayerischen Armeecorps folgende Mittheilungen
eingegangen. Früh 6 Uhr marschirten die Truppen aus dem Bivouac bei Ingolsheim auf grundlosen
Seitenwegen nach Lobsan und Lampertsloch. Während des Marsches vernahmen sie bereits Kanonendonner. Die erste Division(Stephan)
ging gegen den feindlichen linken Flügel, wo die Spitze um 1 Uhr eintraf. Um 3 Uhr erfolgte der
concentrische Angriff gegen die Positionen des
Feindes; um 4½ Uhr waren die Höhen nach
erbittertem Kampfe genommen und der Feind in
Unordnung zurückgeworfen. Unsere Cavallerie
nahm sofort die Verfolgung auf. Wir haben
bedeutende Verluste. als Reserve aufgestellt, an der Schlacht nicht un⸗ mittelbar betheiligt. Nähere Details sind nicht festgestellt.
Hessen. Darmstadt. S. K. H. der Großherzog haben laut Ausschreiben Großherzog⸗ lichen Oberconsistoriumsan die evangelischen Pfarr- ämter anzuordnen geruht, daß während der Dauer des Krieges mit Frankreich iu das sonntägliche Kirchengebet, und zwarnach den Worten:„Be⸗ schütze unser ganzes deutsches Vaterland“ folgender Zusatz:
Herr, Herr, unser Gott, inbrünstiger, denn je, rusen wie dich jetzt an für das gesammte deutsche
Land. Von Alters her warst du sein Hort
und seine feste Burg. So sei es denn auch
jetzt, du treuer Gott, da ein schweres Krieges⸗ wetter uns heimsucht. Herk, du Gott der Liebe, schlinge immer fester durch die gemeinsame Ge- fahr um alle Stämme des Vaterlandes das
Band der Eintracht. Herr, du Gott der Ge—
rechtigkeit, schütze das Recht und gib ihm den
Sieg, rüste die Söhne des Vaterlandes mit
dem Muthe aus, der von dir kommt, und kröne
Deutschlands Waffen mit deinem Segen. Uns
allen aber laß diese Heimsuchung einen Ruf
zur Buße und einen Zug werden zu dem Einen, was noth thut, zu dir und deinem Sohne, unserm Herrn.
Das Großherzogliche Oberconsistorium bat ferner den evangelischen Pfarrämtern anheimgegeben, während der Kriegszeit überall, wo sich das Be⸗ dürfniß regt, neben den sonntäglichen Gottes- diensten auch in wöchentlichen Betstunden ihre Gemeinden mit dem Troste des göttlichen Wories zu erquicken.
§Darmstadt, 8. Aug. Die zweite Kammer war heute versammelt um hauptsächlich die Ge⸗ setztsvorlage bezüglich der Darlehenscassen zu berathen. Die Regierung stellte es jedoch den Kammern anheim mit Rücksicht auf das durch die Siege der deutschen Heere wiederhergestellte Ver⸗ trauen das Gesetz in Betracht zu ziehen oder für gegenstandslos zu erklären. Die Kammer verwarf mit Rücksicht hierauf die Dringlichkeit der Sache und überwies— um für alle Fälle zu sorgen— den Entwurf zur schleunigen Berichterstattung an den zu diesem Ende verstärkten Finanzausschuß. Da hiernach möglicher Weise in der Kürze eine weitere Sitzung stattfindet, so erinnerte Abgeord⸗ neter Curtman an Erledigung des Lehrerpensions⸗ gesetzes, welchem Wunsche entsprochen werden soll. Auf Antrag des Abg. K. J. Hoffmann sprach die Kammer der deutschen Armee und ihren Führern den Dank des hessischen Volkes aus. Alle Mitglieder der Kammer und die Minister erhoben sich einmüthig zu dieser patriotischen Aeußerung.
— Major v. Lyncker von der Großherzog⸗
lichen Feldartillerie, welcher vor Ausbruch des
Kriegs in Jüterbock ein preußisches Commando führte und von dort zur Nordarmee des Generals v. Steinmetz aus rückte, hat am 6. d. bei Saar- brücken einen Streifschuß am Kopfe erhalten und liegt zu Forbach im Lazareth.
Gießen. Auch hier wurden sieben Knaben entdeckt, vier von Berlin und drei von Nord- hausen, im Alter von 10—12 Jahren, welche sich in die Waggons eingeschmuggelt hatten,„um, wie sie sagten, den Krieg mitzumachen“. Sie wurden von der Polizei zu ihren Eltern zurück— gesandt, waren übrigens nicht ohne Geld und äußerten sich, namentlich die Berliner, äußerst heftig, daß man sie„nicht mitmachen“ lasse.
Mainz. Bei einem am 6. dahier eingetroffenen
Die zweite Division war,
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