Ausgabe 
10.5.1870
 
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Keichsräthe anzunehmen. Im Allgemeinen ist er mit den Kolb'schen Abstreichungen einverstanden, ohne dessen Ansichten über das Millzsystem zu theilen.

a Durch Uebereinkommen zwischen den Post⸗ verwaltungen des norddeutschen Bundes, Oester⸗ reichs, Würtembergs, Bayerns und Badens ist fernerhin als zulässig erklärt, Drucksachen im Ver⸗ kehr mit diesen Postgebieten und gleichzeitig auch im inneren bayerischen Verkehr lediglich durch Um; schnürung zu verpacken. Die am 16. October v. J. zwischen Bayern, Würtemberg und Hessen einerseits und der Schweiz anderseits abgeschlossene Uebereinkunft zum gegenseitigen Schutze an lite⸗ rarischen Erzeugnissen und Werken der Kunst ist nunmehr von allen betheiligten Staaten ratificirt und wird demnächst zur Verkündung gelangen.

Würtemberg. Stuttgart. Der neue Cultusminister Geßler richtete in seiner Eigen⸗ schaft als bisheriger Präsident der zweiten Kammer ein Schreiben an den ständischen Ausschuß, in welchem er die Niederlegung des Kammerpräsidiums anzeigt und Folgendes sagt:Ich hielt mich bei der gegenwärtigen schwierigen Lage verpflichtet, dem Ruf des Königs zu folgen. Die Wahrung der Sebständigkeit Würtembergs in Verbindung mit einem freundlichen Verhältniß zu den übrigen deutschen Staaten wird auch künftig für mich Richtschnur sein. Die Mitwirkung zur möglichsten Erleichterung der Opfer, welche Würtemberg, gleich den andern Staaten, wegen der in manchen Punkten nicht vollkommen festen Gestaltung der politischen Verhältnisse zu tragen hat, wird mein besonderes Anliegen sein. Die Einigkeit von Re⸗ gierung und Ständen ist bei der Lösung schwerer Aufgaben der mächtigste Schutz gegen äußere Ge⸗ fahren, während eine Uneinigkeit die Bedeutung solcher namhaft erhöhen würde. Die Erreichung jener Einigkeit muß deßhalb von Jedem, welchem das Wohl von König und Vaterland am Herzen liegt, angestrebt werden.

Oesterreich. Wien. Mehrere hiesige Blät⸗ ter melden die Ernennung des Staatsraths Holz gethan zum Minister und Leiter des Finanzwiniste⸗ riums, sowie die Ernennung der Reichsrathsabge⸗ ordneten Baron Petrino zum Ackerbauminister und v. Widmann zum Minister der Landesvertheidigung.

Frankreich. Paris. DasJournal officiel theilt mit, daß die ZeitungenSiecle, Réveil undAvenir wegen der Veröffentlichung der vorgeblichen Proclamatien des Kaisers aus dem Jahre 1848 mit Beschlag belegt worden sind. Das amtliche Blatt fügt hinzu:Die Regierung überläßt es dem öffentlichen Anstandssinn, über ein solches Manöver zu urtheilen und demselben den gebührenden Namen zu geben. DerFigaro glaubt auch versichern zu können, daß G. Flourens gestern England verlassen hätte. Man wisse nicht, wohin er sich gewendet; doch sei er jedenfalls nicht nach Amerika gegangen. Nach demGaulois hätte die französische Botschaft in London formell den Antrag gestellt, eine Criminaluntersuchung gegen Flourens einzuleiten; der englische Minister hätte aber erst deutlichere Beweise verlangt.

Griechenland. Eine diplomatische Corre⸗ spondenz zwischen einer Bande Raubmörder einer⸗ srits und den Vertretern zweier europäischen Groß mächte andererseits werden noch wenige unserer Leser mit Augen gesehen haben. Wir lassen da⸗ her eine solche wörtlich folgen: 1)Meine HH. Gesandten von England und Italien! Die Herren sind sehr gütig, aber anbelangend, worüber wir mit dem Herrn übereingekommen sind, betreffend

das Lösegeld von 25,000 Pfund, so verlangen

wir von der hellenischen Regierung die Amnestie, und daß die Verfolgungen verhindert werden, nicht nur in Attika, sondern in allen Provinzen; denn wenn wir vernehmen, daß man uns verfolgt, so werden die Herren in Gefahr sein. Wir erwarten Ihre Antwort unfehlbar morgen. 2)Die Ge sandten Englands und Italiens haben Ihre Mit theilung erhalten. Die Zahlung der Summe wird keine Schwierigkeit machen, aber Sie dürfen nicht auf einer Amgestie bestehen, welche die Re gierung zu bewilligen nicht die Macht hat. Es werden Personen an Sie gesendet werden, um mit

Ihnen zu unterhandeln, und in der Zwischenzeit haben der König und der Conseilsprästdent dem englischen Gesandten versichert, daß Sie nicht be lästigt werden sollen. Behandeln Sie Ihre Ge⸗ fangenen so gut wie möglich. Sie können die⸗ selben ohne jede Besorgniß in irgend einer länd⸗ lichen Wohnung unter Dach bringen. C. M. Erskine.

Die Vertreter der Mächte sind zu einer Conferenz zusammengetreten, um einen Vorschlag des französischen Gesandten in Erwägung zu ziehen, welcher dahin geht, in einer identischen Note an die griechische Regierung gegen die Un⸗ sicherheit von Leben und Eigenthum im Lande zu protestiren. Nur der russische Gesandte war mit diesem Vorschlage nicht einverstanden und be⸗ antragte, daß eine mündliche Vorstellung über den Gegenstand einem schriftlichen Proteste vor- gehen sollte.

Amerika. Washington. Das Reprä⸗ sentantenhaus hat eine Resolution passirt, welche der Wittwe des Präsidenten Lincoln eine jährliche Pension von 3000 Doll. aus wirft.

Zz. Friedberg. Ueber die Amerikanische Welk⸗ ausstellung im GasthofeZu den brei Schwertern dahier können wir aus eigener Anschauung Folgendes berichten: Schon der erste Blick belehrt uns, daß wir es bier nicht wit einem gewöhnlichen Diorama oder Pano⸗ rama zu thun haben, sondern stereo kopisch auf Glas auf⸗ genommene herrliche optoplastische Bilder fesseln das Auge des Beschauers andauernd, und zwar haupfsächlich wegen ihrer prachtvollen Ausführung und Naturtreue. Nachdem man sich das Capitol zu Washington, Nw⸗Ponk, Boston eine Üfer-Parthie des Hudson, den Niagarafall und Brücken u. dergl. m. angesehen und somit eine in der Pyantasie begründete förmliche Nundreise durch die schönsten Punkte Nordamerikas angetreten hat, bringen uns die im zweiten Salon aufgestellten Stereoskop⸗ Revolver die schönsten Scenen aus berühmten Ballets, viele Prachtgemächer aus Schlössern Fraukleichs und Italiens, Scenen aus dem Leben, herrliche Blumen- und Thierbilder u. s. w. Eine einfache Dreh-Vorrichtung au diesen friedlichen Revolvern kann den Beschauer stunden⸗ lang auf's Höchste fesseln. Nach dieser Hinweisung glauben wir uns einer weiteren Empfehlung enthalien zu dürfen, und sind überzeugt, daß Niemand dieAmerikanische Weltausstellung unbefriedigt verlassen wird.

Frankfurt. In den hiesigen Localnachrichten liest man: Dieser Tage wurde ein schweizerischer Student auf seiner Reise nach einer mitteldeutschen Hochschule von Bauernfängern tüchtig gerupft. Dieselben drängten sich an den Jünger der Wissenschaft heran und luden ihn ein, in Gemeinschaft mit ihnen ein berühmtes Monument bei Höchst zu besuchen. Der junge Mann ging auf die Ein⸗ ladung ein und wanderte mit gen Höchst. Da wo einst der Grenzstein zwischen Frankfurt und Nassau stand, sollie sich das Denkmal befinden. Da sie dasselbe, resp. den Stein, nicht mehr fanden, drückten sie ihr Erstaunen aus, daß man dies herrliche Denkmal entfernt. Einmal in der Nähe von Höchst, wurde es ganz natürlich gefunden, auch dorihin zu gehen und Einkehr zu halten. Ein Spielchen war bald im Gang, und wurde der Biuder Studio mit dem Kümmelblältchen um 120 fl. gerupft. Nun gingen ihm die Augen auf. Die pfiffigen Spieler kamen hinter Schloß und Riegel.

Darmstadt. Der junge, von hier gebürtige Kauf⸗ mann, welcher am 20. v. M. in Stmtigart aus Unvor⸗ sichtigkeit einen Buchhalter, Vater von 3 Kindern er⸗ schossen, wurde von dem Kreisgerichtsbof zu Stutigart wegen fahrlässiger Tödtung zu 8 Monaten Gefängniß verurtheilt.

Dresden. Das dahier bestehende Comits des ersten deutschen Brauertages hält es in vollständiger Würdigung der ersprießlichen Resuliale, welche bisher aus einer zeik⸗ weiligen Vereinigung größerer Gewerbscorporationen her⸗ vorgegangen, an der Zeit den Fachgenossen in Oeulschland und den angränzenden Landern Gelegenheit zu bielen, sich kennen zu lernen uud ihre Ansichten und Erfahrungen im Wege frohsinniger Vereinigung auszulauschen. Es erläßt deß⸗ halb an Alle, welche der deutschen Bierbrauerei mit Interesse zugethan sind, eine Einladung zu einem allge⸗ meinen deuischen Brauertag in Dresden, welcher am 28. Juli d. J. beginnt und am 30. Juli schließt, une mit dessen Abhallung die Begründung einesdeutschen Brauertags, dessen Mitglieder ihre Mitgliedschaft durch den Besuch eines alljährlich abzuhaltenden Braueriags be⸗ ihätigen können, im Uebrigen keine weiteren Ver⸗ pflichtungen einzugehen haben, vereinigt werden soll und bei welcher Gelgenheit eine Ausstellung von Gegen ständen aus der Brauereitechnik staulfindet, mit der Bite um recht zahlreiche Betheiligung ergehen. Anmeldungen hierzu baben bis zum 15. Mai b. J. zu geschehen.

Berlin. Nach den hier erscheinenden Industrie⸗ Bläuern nimmt die Bierproduction kolossale Ver bäl. misse an. Man schätzt das alljähresch in Eusopa producu tte Quanlum auf 5000 Millionen Litres zu einem Gesammt werth von fast 200 Millionen Thaler. Aus dem Zollverein gingen 1864 nach Frankreich 43.000 Ceniner, nach Holland 40,000 Cic., nach Hamburg 32,000 Cir., nach Belgien 28,000 Ctr., nach der Schweiz 22,000 Cir. Man nimmt

an, daß die euxopäische Bierproduction durchschutuflich auf den Kopf der Bevölkerung trägt: in Bayern 1434 Lares,

in Großbritannien 113 Litres, in Württemberg 104 Litres, in Belgien 80 Litres, in Braunschweig 68 Litres, in Thüringen 60 Litres, in Oesterreich 22 Litres, in der Schweiz 20 Litres, in Preußen 19,6 Litres, in Frankreich 15 Litres, in Schweden 11 Litres, in Spanien 2 Litres, in Rußland und Italien je 1 Litres.

Berlin. Am 15. März d. J. hat ein junger Mann im Cassen⸗Locale der Bank des Berliner Cassen⸗ Vereins auf eine, mit der gefälschten Unterschrift des Bankhauses Louis Rieß u. Comp. versehene Anweisung, eine Summe von 10,000 Thalern in baarem Gelde erhoben, welche aller Wahrscheinlichkeit nach in Einhundert⸗Thalerscheinen gezahlt worden ist. Die Direction setzt auf die Ermitt⸗ lung des Thäters eine Belohnung von 1000 Thlr.

Wien Der in Oesterreich viel gekannte und sehr be⸗ liebte Volk schrifisteller A. Langer ist kürzlich in rascher Aufeinanderfolge mehrmals todk gesagt worden, was ihn zu solgender Lebensanzeige in seinemHans Jörgel veranlaßte: Den geehrten JournalenKöln. Zig. vom 15. April,Deutschen Allgemeinen vom 23. undSchle⸗ sischen Zeitung vom 21. April, denen es zur Abwechs⸗ lung wieder einmal gefallen hat, mich sterben zu lassen, mache ich die ergebenste Anzeige, daß ich mich nicht nur am Leben, sondern gesund und wohl befinde. Die Be⸗ weise dafür werden imHans Jörgel, in derVorstadt⸗ Zeilung und in derFün kreuzer⸗Bibliothck gelesen und im Karltheater gesehen werden. Uebrigens ersuche ich meine gechrten Collegen böflich, mich nicht alle vierzehn Tage umzubringen, nicht eiwa, weil es mir besondere Schmerzen macht, sondern weil ich fürchte, daß, wenn ich einmal wirklich flerbe, mir's kein Mensch glaubt und mich die Pompes fundbres unbeerdigt liegen lassen. Nicht um die ewige, sondern um die zeitige Ruhe ersucht achtungs⸗ voll Anton Langer. Wien am 30. April 1870.

London. Daß es hier eine Fabrik gibt, welche jede Woche 40.000 Stück künstlicher Zähne anfertigt, sollte man für unmöglich hallen. Und doch ist dem so. Eine Fabrik in Kenlish Town befaßt sich mit der Herstellung kunstlicher Beißwelkzeuge aus Porzellan und schickt all⸗ wöchentlich die genannte Zahl in die Welt. Das zur Herstellung verwandte Malerial ist sehr einfach und be⸗ sseht haupfächlich aus Feldspath, Kaolin und Kieselerde. Desto complizirter ist der Herstellungsproceß, welcher die

das letztere geschieht durch etwa 70 junge Frauenzimmer die Zähne sorgfällig bergestellt und ordentlich polirt sind gehört ein Kenner dazu, sie von den natürlichen zu unter⸗ scheiden.

London. Wie zu erwarten stand, hat der verstorbene Peabody nach seinen vielen und fürstlichen Schenkungen kein sehr großes Vermögen hinterlassen. Sein Testament, welches am 13. vorigen Monats in der Grasschaft Essex, Massachuselts, gerichilich geöffnet wurde, stellt die ganze Hinterlassenschaft auf etwa 150,000 Doll. fest und rer⸗ heilt dieselben ausschließlich zwischen Mitgliedern seiner Familie. 5

Ein Friedberger in Japan.

Der unter dieser Ueberschrift in Nr. 51 d. Bl. gebrachte Auszug aus dem Briefe eines Fried⸗ bergers, worin den Lesern die höchst merkwürdigen Erlebnisse dieses Landsmannes während einer längeren Seereise, die Gefahren des Seesturmes und die Schrecken und Schauder eines Schiffs- unterganges vor Augen geführt wurden, hat so vielseitiges Interesse erregt, daß wir nicht unter⸗ lassen wollen, als einem mittlerweile eingetroffenen zweiten Schreiben, das uns zur Benutzung gütigst überlassen wurde, die gebrachten Mittheilungen durch nachstehende zu ergänzen. Unser Friedberger schreibt: Da ich aus der Antwort auf meinen jüngsten Brief ersehe, daß mein zu Ende 1808 von Honolulu aus abgesandtes Schreiben nicht angekommen ist, so will ich zur Ergänzung des Fehlenden mittheilen, wie ich nach Honolulu ge kemmen bin ꝛc. 1c. Sehr bald nach Empfang der Antwort auf meinen zur Zeit des deutschen Krieges im Sommer 1866 von Newpork aus geschriebenen Brief wurde mir eine Offerte gemacht, als Maschinen⸗Ingenikur auf einem Dampfer in See zu gehen und nahm ich eine solche Stelle an auf dem Steamer Whealer Pioneer von Neu⸗London im Staate Conectikut, Eigen- thum der Nordamerikanischen Wallfischfangs⸗Gesell⸗ schaft; der Dampfer war zu einer Fahrt nach Grönland, Baffinsbai und Hudsonsbai bestimmt, zum Zwecke des Wallfischsanges; mein Gehalt

an Bord. Wir verließen Neu London Ende Juli 1866 und kamen nach Upernevick an der Küste von Grönland(die nördlichste dänische Nieder lassung im 78 Grad nördl. Breite) am 26. August, nachdem wir vorher 8 Tage in Redbay in Labrador gelegen. Wir kreuzten von da ab bis 22. October in der Baffinsbai, fingen mehrere Wallfische, gingen dann nach Cumberland Inlet und überwinterten

größte Sorgfalt sordert, um eine genaue Nachahmung der Natur, besonders in der Farbe, zu ermöglichen. Wenn

betrug 100 Dollar per Monat nebst freier Station

reden, J dig, mi Schif ergiebig nördlich 1867 keine d in der; sension schen Kohlen bor di den P. am 3 nande; nach Kohler sort 1 28. M