6. August Abends. Die Spitzen der preußischen Colonnen hatten sich am 5. August der Saar genähert; heute früh traf General von Kamecke westlich von Saarbrücken den Feind in starker Stellung auf den Bergen bei Spicheren und ging sofort zum Angriff über. Auf den Kanonendonner eilten Ab— theilungen der Divisionen Barnekow und Stülpnagel eben dahin. General v. Göben übernahm das Commando und gelang es nach sehr heftigem Kampfe, die von Seiten des französischen Corps Frossard besetzte Position zu erstürmen. General v. Francois und Oberst von Reuter sind verwundet.
Mainz, Sonntag 7. August, Morgens 6 Uhr. General Göben meldet weiter über das Gefecht westlich von Saarbrücken: Mehrere hundert Gefangene vom Corps Frossard gemacht; nach ihren Aussagen standen uns vier Divisionen gegenüber. Das Ende des Kampfes fand erst bei völliger Dunkelheit statt. Der Feind deckte seinen Rückzug durch starkes Geschützfeuer von Spicheren her. General Steinmetz ist gegen Abend ange— kommen und hat den Befehl übernommen. General François ist gefallen. Verlust namentlich an Offizieren groß, vom Feinde zahlreiche Todte.
Mainz, 7. August. Der Comman⸗ deur der Centralarmee, Prinz Friedrich Carl, hat heute sein Hauptquartier von Homburg in der Pfalz nach Bliescastel verlegt. Der Commandeur der Nordarmee, General Stein— metz, steht zwischen Sulzbach und Saar brücken. Das große Hauptquartier befindet sich in Kaiserslautern.
— Gleichzeitig mit dem Angriff auf Weißen burg hat auch der Vormarsch der badischen Division auf Lauterburg stattgefunden. Die„Karls. Ztg.“ meldet darüber:„Karlsruhe, 4. August, Abends 5 Uhr. Nach hier eingetroffenen Nachrichten ist die badische Division beute Vormittag gegen Süden vorgerückt und hat die französische Gränze über⸗ schritten. Das Hauptquartier befindet sich in Lauterburg. Eine Recognoscirung auf dem linken Rheinufer bei Selz hat ergeben, daß dort nur wenige französische Truppen sich befinden. Unsere braven Truppen haben 30 Nachen erbeutet und auf das rechte Rheinufer in Sicherheit gebracht. Verlust: ein Lieutenant und zwei Gemeine todt; ein Gemeiner verwundet.“
— Ueber die Einnahme von Saarbrücken schreibt das„Fr. Journ.“: Das Schauspiel der Verwüstung, das in den Annalen moderner Krieg; führung unerhörte Schauspiel der Beschießung einer offenen und so gut wie schutzlosen Stadt, begann mit einer Hartnäckigkeit und einer schnellen Folge von Granaten und Vollkugeln, wie man sie in einer Festung nicht ärger erwarten konnte. Alles flüchtete in die Keller. Bald standen mehrere Häuser der Stadt St. Johann in Flammen; fast kein Fenster in der Nähe unseres Hauses blieb ganz. Das Springen der Scheiben, das Ein⸗ schlagen der Granaten in die Häuser, das Zer⸗ springen derselben vor unserem Hause, die fort⸗ währenden Detonationen und Salven, das stetige Näherkommen des Gewehrfeuers, endlich ein Blick auf die Höhe des Exerzierplatzes hinter Saar— brücken, wo die feindlichen Batterien in vollster Thätigkeit waren, bewiesen, daß unsere schwache Besatzung vernünftig genug war, vor dem vier; zehnmal stärkeren Feinde sich zurückzuziehen und die Stadt zu räumen. Nach einer mindestens anderthalbstündigen ununterbrochenen Beschießung und nachdem auch der letzte deutsche Soldat die Stadt verlassen, hörte endlich das Feuern auf und Einer nach dem Andern betrat die Straße. Das Bild der Zerstörung war grausig: fünf Gebäude theils von den Flammen zerstört, theils
von ihnen ergriffen, viele andere mehr oder k eniger demolirt, Kugellöcher und Spuren überall. Am meisten hat das schöne Bahnhofsgebäude gelitten, namentlich der Flügel, in welchem Post und Tele⸗ graph befindlich. 1 — ueber das Gefecht bei Saarbrücken gehen folgende weitere Meldungen ein: 3 Compagnien vom Regiment Nr. 40 hielten mehrere Stunden wacker Stand und zwangen den Feind zur Ent⸗ wickelung seiner ganzen Macht, nicht nur einiger Bataillone, wie seinerseits behauptet wird. Erst dann zogen sich diese Compagnien über die Saar in eine Stellung zurück, welche zu ihrer Aufnahme vorbereitet und besetzt war. Der Feind griff diese Position nicht an, überschritt auch nicht die Saar. Wäre die vorzügliche Stimmung unserer Truppen noch einer Steigerung fähig, so hätten die bis⸗ herigen Gefechte dieses Resultat erzielt. Gegen einzelne Schützenzüge entwickelten sich ganze Ba; taillone, denen es nicht gelang, sie durch ihr Feuer zu vertreiben, oder ihnen bedeutende Ver⸗ luste beizubringen. Der Verlust der Franzosen wird als verhältnißmäßig sehr bedeutend angegeben.
— Aus St. Johann wird gemeldet, daß die Franzosen das dortige Eisenbahnstationshaus mit Granaten bewarfen.
— Einem Privatbriefe aus Bingen entnimmt die„Mainzer Zeitung“ Folgendes:„Eine Familie aus Dudweiler, die am 4. d. hier durchkam, er⸗ zählt, daß eine Frau mit zwei Kindern, die auf dem Felde bei Dudweiler beschäftigt waren, von französischen Soldaten erschossen wurden.“— Ferner meldet man von da: Am 3. d. wurde ein französischer Infanterist hier als Gefangener durch- gebracht; der Kerl perorirte jämmerlich, schwur, er müsse noch eine Kugel haben u. s. w. Sein Wunsch ging schnell genug in Erfüllung; denn auf dem Transporte zwischen hier und Fischbach versuchte er sich der Waffe eines seiner Trans- porteure zu bemächtigen, ward sosort niedergeschossen, in eine Grube geworfen und mit Erde zugedeckt.
— Die„Mainztg.“ berichtet über das Gefecht bei Weißenburg nach Mittheilungen von Offizieren und Unteroffizieren, welche die Gefan⸗ genen begleiteten, Folgendes:„Um 3½ ubr gestern Morgen rückten Theile des 11. und 5. Corps, bayerische Jäger und Artillerie, gegen Weißen⸗ burg. Um 8 Uhr begann das Gefecht. Die Division Douay hatte Weißenburg mit ihren Vortruppen besetzt, das Gros stand verschanzt eine halbe Stunde hinter Weißenburg auf dem Geisberg. Nach hartem Kampfe, in welchem namentlich bayerische und preußische Artillerie wirkte, wurde Weißenburg genommen. Das 47. und 59. Regiment hatten bis an die Brust eine halbe Stunde in dem Graben vor Weißenburg gestanden. Nach der Einnahme Weißenburgs waren Unterstützungen eingetroffen; es kamen vom 5. Armeecorps das 37., 47., 50., 58., 59. und das Königgrenadier-Regiment Nr. 7 in Action, ebenso Regimenter des 11. Armeecorps und an⸗ sehnliche Artillerie. Dann soll sich um den Geis⸗ berg ein Kampf entsponnen haben, so heiß, so blutig, so mächtig, wie in Königgrätz keiner ge⸗ wesen. Die Franzosen hatten sich verschanzt, schossen aus Schießscharten, aber die Königs Grenadiere, das 47. und das 50. Regiment stürmten ihre Position mit dem Bajonnet. Frei⸗ lich sind Viele zu beklagen; 3 Stabsoffiziere fielen und viele Tapfere gaben ihr Leben für den deut schen Sieg. Nachmittags 2 Uhr war die fran⸗ zösische Diviston versprengt, ihre Todten und Ver⸗ wundeten in den Händen unserer Soldaten. Um 4 Uhr Nachmittags standen unsere Truppen schon 3 Stunden hinter Weißenburg. Als die Ge— fangenen nach Landau transportirt wurden, hörte man wieder Kanonendonner. Es scheint auf der ganzen Linie gefochten zu werden.“... In den Straßen der Stadt wogte der Kampf hin und her; die Franzosen hatten sich in den Häusern verschanzt und schossen von oben aus den Fenstern, von den Dächern, hageldicht sausten die Chassepot⸗ kugeln um die stürmenden Soldaten.„Wir gaben eine Salve(so erzählt man weiter), dann ging es mit den Kolben die Fenster und Thüren ein⸗
geschlagen, und hinein und drauf.“
Hessen. Darmstadt. Auf das Nord deutsche Bundesanlehen von 100 Millionen Thaler hat die hiesige Bank 300,000 Thaler gezeichnet.
— Ein junger Kaufmann, Sohn des früher in Roßdorf angestellten Großh. Oberförsters E, welcher, nachdem er seiner Militärpflicht in Hessen Genüge geleistet, in Paris lebte und schon seit längerer Zeit aus dem hessischen Unterthanen⸗ verband ausgeschieden war, ist nach zehntägiger Reise und auf Umwegen unerwartet hier ein⸗ getroffen, um an der Seite seiner alten Kameraden den Feldzug gegen Frankreich mitzumachen.
— Die„Hess. Volksbl.“ bemerken: Dank unserer guten und geregelten Finanzverwaltung ist der Bestand unserer Staatskasse gegenwärtig ein derart befriedigender, daß es mit der Begebung der von den Ständen genehmigten Kriegsanleihe vor der Hand wenigstens noch keine besondere Eile zu haben braucht.
* Friedberg. Am Sonntag ist des Groß⸗ herzogs K. H. von Mainz in unserer Stadt wieder ein⸗ getroffen. Die im Bahnhofe versammelte Volksmenge begrüßte den Landesherrn mit lebhaftestem Hochrufe.
„Friedberg, 8. August. Nachdem uns am Mittage des 5. August der erste Zug mit gefangenen Franzosen überrascht hatte, brachte uns der Abend desselben Tages die erste eroberte Kanone. Unbeschreiblicher Jubel erfüllte den ganzen Bahn— hof; im Nu waren Hunderte von Menschen auf dem Packwagen, auf welchem sie stand. Jeder wollte sie aus nächster Nähe gesehen, Jeder wollte sie angegriffen haben. Seit dem 5. treffen jeden Tag Züge mit Gefangenen und Verwundeten ein. Eine Abtheilung unseres Sanitätscorps ist Tag und Nacht im Bahnhofe, um den durchpasstrenden Verwundeten Erleichterung in jeder Hinsicht zu verschaffen; unsere Kaffeküche ist dadurch auch stärker engagirt, indem die Ansprüche sich bedeutend gesteigert haben. Es muß Wein mc. vergbreicht werden, und wäre deß halb zu wünschen, daß sich immer mehr freundliche Geber finden möchten, damit das betreffende Comité auch in den Stand gesetzt ist, allen Anforderungen zu genügen. Gestern, als am Sonntage, war der Zudrang von Ein- heimischen und Fremden im Bahnhofe so groß, daß es schließlich nicht mehr möglich war, die den Truppen so nöthigen Erfrischungen zu ver⸗ abreichen und mußte militärische Hülfe einschreiten, um den Perron abzusperren. Unsere beiden gestern ausgegebenen Extrablätter gingen dabei von Hand zu Hand und riefen die darin enthaltenen guten Nach- richten endlosen Jubel unter den Anwesenden hervor.
Die allgemeinste Theilnahme und Fürsorge um die Verwundeten Seitens des hiesigen Publikums muß rühmend hervorgehoben werden; auch dem Feinde vergißt man nicht einen laben— den Trunk und Speise zu reichen. Die hier durch gekommenen verwundeten deutschen Trup⸗ pen bestanden bis jetzt aus Preußen und Baiern. Dieselben erzählen die entsetzlichsten Gräuel, welche Seitens der Turcos auf dem Kampf⸗ platz an schwerverwundeten Deutschen verübt worden sind, indem sie ihnen Arme und Beine abschnitten und die Kopfhaut über das Gesicht zogen. Verwundetenträgern schnitten sie die Ohren ab. Das Völkerrecht ist schauderhaft gebrochen! Es herrscht darüber der gerechteste Abscheu. Einige solcher Turco's, welche hierauf gefangen wurden, traf die gerechte Strafe des Erhäugens. Viele dieser Turco's, die hiernach keine Soldatentugenden besitzen, hätten eine Verwundung nur erheuchelt, seien zusammen— gestürzt, um dem ferneren Treffen enthoben zu sein und ihre Bestialität an den schwer Ver— wundeten auslassen zu können. Das sind die Banden menschlicher Scheusale, welche Napo— leon und die große Nation gegen Deutschland los gelassen hat! Dies ist die Civilisation, die uns Napoleon bringen willi! Vorwärts im Kampf für die gute Sache und zur Vernichtung dieser Civilisation. Der Sieg ist mit den deutschen Fahnen! Hurrah!
Mainz. Bei Bekanntmachung der Erstürmung Weißenburgs und des dahinter liegenden Geiß berges sammelte sich eine große Anzahl Bewohner
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