zu schließen. Die Mehrzahl derselben schließt jedoch schon freiwillig um 9½ Ubr. Die Läden, welche Luxusgegenstände enthalten, bleiben zum Theil auch den Tag über geschlossen, alle anderen Magazine und Boutiken sind jedoch stets dem Verkebre geöffnet. Die Schinken und Conserven⸗ Vorräthe sind nicht so bedeutend, als man früher wohl angenommen. Da das Fleisch nach der von der Regierung festgesetzten Taxe verkauft wird, so kann man nicht eigentlich sagen, daß es theurer sei, als sonst, Schinken aber und dergleichen werden per Stück im Privatverkehre mit je 80 bis 100 Franken und darüber bezahlt.“ Dagegen erzählt ein anderer Berichterstatter desselben Blattes aus der Umgegend von Verdun, es sei daselbst ein Luftballon mit 3 Reisenden aus Paris nieder- gefallen, die man in Gewahrsam nahm und die sehr trübe Schilderungen von der Hauptsladt an der Seine entwarfen, welche der Hungersnoth gewiß nicht lange mehr entgehen könne. Rind⸗ fleisch war nicht mehr zu haben(nur der Eng- länder hatte es sich noch zu verschaffen gewußt) und gutes Pferdefleisch bezahlte man das Pfund mit 3 Franken, doch setzt ein vom 23. v. datirter Erlaß des Handelsministers Magnin für die ge- setzlich bestätigten Pferdefleisch⸗Handlungen den Preis eines Kilogramms Roßfilet für die laufende Woche auf 1 Fr. 80 C. fest. Maulthier⸗ und Eselsbraten gilt als köstliche Speise. Von den neuesten und auch schon von älteren wichtigen Ereignissen hatte man keine Kenntniß. Der Fall Straßburgs, die Zersprengung der Loire- Armee mit der Einnahme von Orleans war den Herren eine fast unglaubliche Neuigkeit.
Aus Paris vom 1. November wird über Tours gemeldet: Gestern, am 31. Oct., fand in Paris vor dem Hotel de Ville eine bewaffnete Kundgebung statt. Die Mitglieder der Regierung wurden daselbst gefangen gehalten; ein Wohlfahrte⸗ ausschuß und eine Commune der Stadt Paris wurden gebildet, welchen unter Anderen Lorian, Ledru⸗Rollin, Victor Hugo und Flourens ange— hörten. Eine am 1. November erschienene Pro- clamation Trochu's theilt diese Vorgänge mit und meldet außerdem, daß gegen 8 Uhr Abends Trochu, Arago und Ferry den Händen der Auf⸗ ständischen durch das 106. Bataillon der National- garde entrissen wurden, während Jules Favre, Garnier⸗Pages und Jules Simon gefangen blie⸗ ben. Heute 8 Uhr Morgens nahmen diese be— klagenswerthen Scenen durch das Einschreiten der herbeigeeilten Nationalgarde ein Ende. Dieselbe hatte unter der Anführung Ferry's die ganze Um- gebung des Hotel de Ville besetzt und nahm die Räumung des letzteren vor. Trochu wurde bei seinem Erscheinen von den Bataillonen mit leb⸗ haften Zurufen empfangen. Der Bericht Trochu's schließt: Ein Waffenstillstand ist heute vorgeschlagen, welcher mehrfache Vortheile in sich schließt, von denen sich Paris leicht Rechenschaft ablegen kann, ohne daß es erst nöthig ist, dieselben hitt einzeln aufzuzählen, und anstatt dies zu würdigen, macht man hieraus der Regierung den Vorwurf der Schwäche, ja selbst des Verraths!— Die Ruhe ist heute wieder hergestellt. Garnier⸗Pages, Pelletan und Camisier sind an den an ihnen gestern ver— übten Gewaltthätigkeiten erkrankt. Die Haltung Ferrys wird sehr gerühmt.— Ein Decret der Regierung verordnet, daß jedes Bataillon der Nationalgarde, welches außerhalb der gewöhnlichen Dienstzeit bewaffnet erscheint, sofort aufgelöst und entwaffnet wird. Mehrere Bataillonschefs, darunter Flourens und Milliere, wurden abgesetzt. Etienne Arago und die übrigen Maires haben ihre De⸗ mission gegeben. Nächsten Sonnabend findet die Neuwahl der Maires statt.
Einer Depesche aus Lille, 2. Nov, zufolge ist die preußische Avantgarde bei Herson gesehen worden. Man schließt daraus auf Operationen im Norden. Der Erzbischof von Tours hat den päpstlichen Nuntius mit einer Rede empfangen, die das gleichzeitige Mißgeschick Frankreichs und des Papstes betont und die Hoffnung ausspricht, mit Hülfe des ersteren werde der Papst wieder auf den Thron gelangen.
truppen ist es glücklich gelungen, einen Pariser Luftballon herabzuschießen. Seine Insassen, zwei Civilpersonen und ein Offizier, sind sammt den Papieren, die sie mit sich führten und die von besonderer Wichtigkeit sein sollen, nach dem Haupt⸗ quartier transportirt worden.
— In Le Mans sah man am 28. Okt. der Ankunft der Deutschen entgegen. Wenn es den⸗ selben gelingt, Le Mans zu besetzen, so ist jede Verbindung des nördlichen Frankreichs mit dem südlichen Frankreich abgeschnitten. Es stoßen dort fünf Eisenbahnlinien zusammen, welche die Ver- bindungen mit Rouen, Havre, Cherbourg, Brest, Nantes und Tours centralisiren. In Le Mans befanden sich an diesem Tage eine Menge Truppen: Reguläre, Mobile, Franctireurs, päpstliche Zuaven.
— Einem Berichte über den Einmarsch der deutschen Truppen in Metz entnehmen wir folgende Stellen: Von Mittags 12 Uhr bis Abends 6 Uhr marschitten 25,000 Gefangene an uns vorüber und als diese heraus, konnte unser Einmarsch unter klingendem Spiel beginnen. Es war Nacht und es regnete; durch den schweren Tornister und langes Stehen war ich so müde, daß die Beine mich kaum roch trugen. Aber voran ging es und um 8 Uhr hieß es Halt! Eine Illusion, in Bürgerquartiere zu kommen, ging nun zwar ver⸗ loren, aber der Bescheidene war mit einem Boden über dem Pferdestall einer Kaserne zufrieden und bald hatten wir uns da auf den Fußboden, den Kopf auf dem Tornister, hingestreckt. Am andern Morgen stürmte alsbald Alles nach dem Kasernen⸗ hofe. Der Anblick war wohl Keinem erquickend, wie er sich bot. Kranke, Verwundete liefen unter⸗ kinander herum und lungerten nach Essen und Trinken. Nach einem Stück Brod, nach einem Tropfen Schnaps streckten sie flehend die Hände aus, oder standen in stummer Resignation. Jam-⸗ mergestalten! Auch Civilpersonen kamen herzu. Weiber bettelten für ihre Familien, was es gab. Kinder für ihre Mutter um Salz und Brod, für ihren Vater um Tabak. Alles sollten wir haben und hatten selbst kaum Brod. Das Brod für den Tag war noch nicht empfangen und für den gestrigen längst verzehrt, da wir ja allein darauf angewiesen gewesen waren. Wohl dann und wann gab es ein bischen Tabak, Salz, Reis, Brod— aber wie wenig für so vielen Hunger. Salz fehlte schon 4 Wochen, eben so lange ist schon Pferdefleisch gegesen worden. Die Pferde und Maulesel lagen vor der Stadt massenhaft unbe⸗ graben, sie waren verhungert und verbreiteten einen pestialischen Geruch. Selbst in den Straßen der Stadt findet man die armen Thiere in den letzten Zügen oder verendet, wohl auch herum ⸗ laufend ohne Herren, ihrem Schicksal überlassen. Das ist das Elend, was gesehen wird; wie viel aber mag verborgen noch zu finden sein, wenn man Haus für Haus es aufsuchen könnte!
Metz, 5. Nov. Das Hauptquartier der 1. Armee(v. Manteuffel) befand sich vorgestern in St. Briey, dasjenige der 2.(Friedrich Karl) in Commercy an der oberen Maas.
Metz. Der neue Präfekt, Graf Henkel von Donnersmarck, zeigt in einer Proklamation die Verlegung des Sitzes der deutschen Präfektur von Saargemünd hierher, sowie die Empfangsstunden an, und fordert die Bürgerschaft zu freundlichem Entgegenkommen auf. Die Polizeiverwaltung ist bereits eingerichtet, man sieht schon deutsche Schutz- leute; auch deutsche Gensdarmerie wird bis morgen installirt sein. Der Dienst derselben wird hier sehr schwer werden, denn die Stimmung in der Einwohnerschaft ist eine ungemein gereizte und da die Einwohner, selbst wenn sie es verstehen, nicht deutsch sprechen, so gibt es stete Reibereien. Bis ins Kindische geht dieses Zurschautragen ihrer französischen Gesinnung; die jungen Leute tragen rothweißblaue Schleifen, Halsbinden, Uhrenbän⸗ der ꝛc. und die wüthenden Blicke, die allerorten dahin fallen, wo deutsch gesprochen wird, lassen die Gluth des Hasses ahnen, der in diesen schwarz⸗ äugigen, lebendigen, lebhaften Figuren wohnt. Die längere Anwesenheit so vieler französischer Offiziere hat diese unmuthige Stimmung noch ge⸗
Vor Verdun, 1. Nov. Unseren Cernirungs⸗
nährt. In Folge dessen erging eine Proklamation
v. Kummer's, in der der Weggang der Offiziere und Soldaten aus Metz nach dem Lageß in St. Julien vor 4 Uhr Mittags bei Androhung strenger Maßregeln befohlen wird.
Straßburg. Der Civilcommissar im Elsaß, Regierungspräsident v. Kühl wetter, erläßt in der Straßburger Zeitung einen Auf⸗ ruf um Gaben von Lebensmitteln zur Linde⸗ rung der großen in Metz herrschenden Noth. Es heißt in diesem Aufrufe: Aufgezehrt sind alle Vorräthe und erschöpft bis zum äußersten Maße ist das ganze Land, das jetzt Deutsch⸗ Lothringen heißt. Lange Dürre hatte schon vorher eine vollständige Mißernte erzeugt, und die Geißel des Landmanns, die Rinderpest, gesellte sich den Leiden des Krieges hinzu. Die bittere Noth, Siechthum und Tod sind uber das Land gekommen in einem Grade, wie es kaum schlimmer gedacht werden kann— es meldet sich der Hungertyphus. An Deutsch⸗ lands nie versagende Wohlthätigkeit wende ich mich in altem Vertrauen. Wer helfen kann, der helfe, aber schnell. Lebensmittel zu schaffen für Metz und seine Umgebung ist die nächste Aufgabe.
Altbreisach, 2. Nov., Nachm. Fort Mortier in Brand geschossen, brennt seit 3 Uhr. Die Uebergabe erfolgt voraussichtlich morgen.
— Die„Karlsr. Ztg.“ meldet Näheres.
„3. November. Das Bombardement seit gestern
Mittag eingestellt, hat diesen Morgen nach Aufstellung einer weiteren Batterie im Schloß⸗ garten von Altbreisach wieder begonnen. Einige Bomben sind in die Stadt Altbreisach gefallen, ein Haus ist nicht unbedeutend beschädigt, aber noch kein Brand.— 3. Nov., Mittags 1 Uhr. Neubreisach ist heute noch an 2 Stellen in Brand. Das Fort Mortier schweigt seit
9½ Uhr. Es ist von unserer Artillerie gründ⸗
lich zugerichtet; sämmtliche Geschütze im Feuer. Zur Zeit Alles ohne Verwundete. Unsere Stadt ist bis jetzt nicht beschädigt. 3 Uhr Nachm. Fort Mortier in Brand geschossen, der ganze suͤdliche Theil in Flammen. Beschädigungen in Altbreisach keine weiteren und bis jetzt keine Verwundeten. 5½ Uhr Abends. Seit 2½ Uhr Kasernen brennend im Fort Mortier. Um 4½ Uhr Fall des Uhrenthürmchens auf dem Hauptgebäude.“
Altbreisach, 5. Okt. Heute Nacht und früh wurden sowohl aus Fort Mortier wie Neubreisach die hiesigen Batterien und unsere Stadt stark beschossen. Das Münster ist beschädigt. Fort Mortier ist ausgebrannt, die Geschütze sind bis auf eines diesseits demontirt.
Altbreisach, 6. Nov. Seit gestern an⸗ dauernde Beschießungsdes Forts Mortier. Dieses erwiderte das Feuer Abends; die Besatzung machte den Versuch, sich durchzuschlagen. Derselbe wurde von der Artillerie und der preußischen Landwehr zurückgewiesen. 8
— Ueber die Operationen der deutschen Armee im Süden liegen folgende Nachrichten vor, welche über Bern gemeldet werden: Nach zuverlässigen Nachrichten im militärischen Bundesamt hörte man am 1. ein lebhaftes Kanonenseuer nach Belfort hin. Freischützen sind in Delle(hart am ber⸗ nischen Jura) und deutsche Truppen nahe bei La Chapelle(auf dem Weg Mühlbausen⸗Belfort, 20 Kilometer von diesem Platz). Die Deutschen rückten auf Belfort, Mobilgarden vor sich her⸗ jagend. von Giro⸗Magny(nördlich von Belfort) Kanonen donner gehört worden; es muß also dort ein Gefecht stattgefunden haben, da die ganze fran⸗ zösische Gränze von Montbeliard bis Altkirch von Franctireurs und Mobilgarden besetzt ist. Die
deutschen Truppen dagegen haben Frais und Fon⸗
taine(östlich von Belfort) besetzt. Eine deutsche Truppenabtheilung ist ferner bei La Chapelle(20 Kilometer von Belfort und an der Route von da nach Mühlhausen) beobachtet worden. Aus Pruntrut sind vom 2. Nov., Abends 7 Uhr 20 Min., beim eidgenössischen Departement folgende telegraphische Nachrichten eingetroffen: Die Stadt
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