Ausgabe 
8.1.1870
 
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Hessen. Darmstadt. Das Groß berzogliche Regierungsblatt Nr. 60 enthält(Schluß):

VII. Dienstnachrichten. S. K. H. der Großherzog haben allergnädigst gerubt: am 24. Nov. den Stabsfourier im 2. Insanterie-Regiment, Röltger, zum Kanzlisten bei der Direktion der Main⸗Neckar⸗Eisenbahn, am 1. Dec. den Telegraphenboten bei der Bundestelegraphen⸗Stalion Darmstadt Breitwieser, zum Siempler und Diener bei der Haupt⸗Stempelverwal lung zu ernennen; an demselben Tage dem evangel. Pfarrer zu Ober⸗Ingelheim, Riisert, die erledigte erste evangel. Pfarrstelle zu Rodheim vor der Höhe zu übertragen; am 2. Dec. den Kanzlei⸗ diener bel dem Katasteramte, August Haber, zum Kanzlei diener bei der Obersteuer-Direktien zu ernennen; am 6. Dec. dem evang. Pfarrer zu Ranstadt, Heinr. Reutzel, die erledigte evangel. Pfarrstelle zu Nieder⸗Flörobeim, dem evangel. Pfarrer zu Köngernheim, Dauber, die er⸗ ledigte evangel. Pfarrstelle zu Dexheim, tem 2. evang.

rrer zu Babenhausen, Müller, die erledigte evangel. Pant zu Pfungstadt, am 8. Dec. dem evangel. Pfarrer und ersten evangel. Schullehrer zu Ermenrod, Broß, die erledigte evangel. Pfarrstelle zu Pohl⸗Göns und dem Schulamtsaspiranten Kaufmann aus Mainz die erledigte mittlere Knabenschulstelle zu St. Emmeran in Mainz, zu übertragen; am 10. Dec. den Polizei⸗ Commissär 1. Klasse des Polizei⸗Commissariats Mainz III, Carl Phil. Conr. Bertram, zum Polizeicommissär 1. Kl. des Polizeicommissariats Mainz II und den Polizzicom⸗ missär 3. Klasse bei der Polizelverwallung der Kreiostadt Worms, Bender, zum Pollzeicommissär 2. Klasse des Polizeicommissariats Mainz III, zu ernennen; am 11. Dez. dem Lehrer an der Realschule zu Frledberg, Hanssein, die erledigte evangel. Pfarrstelle zu Rumpenbeim zu übertragen; am 13. Dez. den von dem Herrn Grafen zu Stolberg⸗Wernigerode-Gedern auf die erledigte evangel. Pfarrstelle zu Volkartshain präsentirten Pfarr⸗ amtecandidaten Kraus aus Usenborn, den von dem Herrn Fürsten zu Leiningen auf die erledigte evangelische Pfarrstelle zu Rothenberg präsentirten zweiten Diakonus und ersten evangel. Mädchenschullehrer zu Erbach, Kraus, für diese Stelle zu bestäugen; den Gymnasiallehramte⸗ Accessisten Winter aus Darmstadt zum Lebrer an der Realschule zu Friedberg zu ernennen; an demselben Tage dem Schulamis⸗Aspiranten Weicker aus Appenheim die erledigte evangel. Schulstelle daselbst zu übertragen; am 23. Dez. den Hoffrotteur Georg Nestel zum Be⸗ schließer bei der Schloß⸗ und Palais⸗Verwaltung Darmstadt zu ernennen. Am 29. Nov. wurde dem Kaplan Kö⸗ sterus zu Klein⸗Krotzenburg die katholische Pfarrstelle zu Nieder⸗Roden und am 7. Dez. dem Pfarrer Dworzack zu Hirschhorn die kathellsche Pfarrstelle zu Biblis übertragen.

VIII. Charakterertheilungen. S. K. H. der Groß⸗ herzog haben allergnädigst geruht, am 27. Oktober dem Kreisbauaufseher⸗Aspiranten Friedel zu Darmstadt den Charakter als Hefbauaufseher, am 7. November dem Dicckter des Hoftheaters und der Hofmusik, Tescher, den Charakter als Geheime Hofrath, am 15. Nov. dem Dekan und evangel. Pfarrer zu Groß-Linden, Koch, den Charakter als Kirchenrath, am 18. Nov. dem Zeichner bei der Ober⸗Bau-Direktion, Bayrer, den Charakier als Baumeister, am 1. Dez. dem Elleuwaacenhändler Engel in Friedberg den Charakter als Hofagent zu verleihen.

IX. Dienstentlassungen. S. K. H. der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 13. Nov. den Schullehrer an der zweiten evangelischen Schulstelle zu Londorf, Bie⸗ denkapp, auf sein Nachsuchen von seiner Dienststelle, am 15. Nov. den Dekan und evaungel. Pfarrer zu Groß⸗ Linden, Koch, auf sein Nachsuchen von dem Dienste eines Dekans des evangel. Dekanates Groß-Linden, am 20. Nov. den Verwalter des Arresthauses zu Darmstadt,

üller, auf Nachsuchen seines Dienstes, zu entlassen und am 9. Dez. dem Hofgerschie-Advokaten bei dem Hof⸗ gerichte der Provinz Starkenburg und Wechselnotar für die Stadt Offenb ich Rödiger daselbst, die gebetene Ent lassung als Wechselnotar zu ertheilen.

X. Versetzung in den Ruhestand. S. K. H. der Groß⸗ herzog haben allergnädigst geruht: am 19. Okt. den Land⸗ gerichtsdiener bei dem Landgerichte Allenstadt, Glöckner, am 21. Okrober den Gerichtsvollzieher mit dem Amts- sitze zu Wöllstein, Heiser beide auf Nachsuchen in den Ruhestaud zu versetzen.

XI. Concurrenz für: die Stelle eines Steuercommissärs des Sileuercommissartats Höchst. Concurrenzfähige Be werber haben sich binnen einer Frist von 14 Tagen an- zumelden; die evangel. Pfarrstelle zu Hopfmannsfeld mit einem Gehalte von 773 fl. 50 ke; den sämmtlichen Riedesel Freiherrn zu Eisenbach steht das Präsentatious recht zu dieser Stelle zu.

Die Nachricht von der Pensionirung des Generalmajots Bickel findet in offizieller Weise ihre Bestätigung.

Preußen. Berlin. DieProvinzial Correspondenz schreibt bezüglich des Minister wechsels in Frankreich, daß die Umstände, unter welchen der Wechsel stattgefunden habe, sowie die politische Ueberzeugung des zur Bildung des Ministeriums berufenen Staatsmannes eine neue Bürgschaft geben für die Aufrechterhaltung der friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen, welche auf Grund der Gesinnungen des Kaisers Napo

leon zwischen Frankreich und dem norddeutschen Bunde bestehen.

Seit Anfang Dezember schon haben in den Kohlengruben bei Waldenburg in Schlesien über 7000 Bergleute die Arbeit eingestellt, weil die Grubenbesitzer keine Arbeiter mehr beschäftigen wollten, welche dem Gewerkverein angehörten und schließlich mehreren Hunderten von Familieuvätern die Wohnungen gekündigt hatten, für den Fall solche nicht aus dem Gewerkverein austreten wür- den. Schlesische Blätter schätzen den durch diese ausgedehnte Arbeitseinstellung verursachten Schaden auf monatlich hunderttausend Thaler, doch wird diese Summe weit hinter der Wahrheit zurück bleiben, wenn man bedenkf, daß durch die Arbeits- einstellung von 7368 Bergleuten noch unzählige Handwerker und andere Arbeitskräfte in Mitleiden schaft gezogen sind. Die Noth unter der dortigen Gesammtbevölkerung soll bereits groß sein und deßhalb werden an vielen Orten Sammlungen für die feiernden Grubenarbeiter eingeleitet.

König Wilhelm von Preußen hat nach Berliner Nachrichten dem Cultusminister v. Mühler wegen des Aufschwunges,(I) den das peeußische Unterrichtswesen unter seiner Verwaltung genom men, die Allerhöchste Anerkennung ausgesprochen.

Der preußische Oberschulrath hat jüngst den Mangel an Lehrern bedauern müssen, welche die zum Verständniß der neuen Maß- und Be wichisordnung nöthige Deeimalrechnung in den Volksschulen lehren können. Dieser Unterrichts- gegenstand war nämlich, als zu weitgehend, durch die Stiehl'schen Schulregulative bisher nicht nur in den Volksschulen, sondern auch in den preußischen Schullehrerseminarien ausgeschlossen.

Die Stadtverordneten von Berlin haben am 21. d. einen Beschluß von allgemeinem In- teresse und großer Tragweite gefaßt, nämlich ihrer seits den Paragraphen der preußischen Verfassung, welcher die Unentgeldlichkeit des Volksunterrichts verheißt, vom 1. Januar 1870 an in's Leben treten zu lassen.

Sachsen. Dresden. Die Commission der ersten Kammer stellt den Antrag: die Regierung möge dahin wirken, daß der Entwurf eines Straf- gesetzbuches für den norddeutschen Bund erst Fach⸗ kundigen vorgelegt werde; die Commission wünscht namentlich den Wegfall der Todesstrafe und des Adelsverlustes.

Eine von den Arbeitervereinen nach Mitt weida berufene Volksversammlung wurde aufgelöst und dabei der Rechtspracticant Stück von Mann- heim, welcher als Redner aufgetreten war, verhaftet.

Bayern. Die Kammer der Abgeordneten sowie der Reichsrath haben am 4. d. ihre Sitzungen begonnen. Das Parteiverhältniß in der Kammer der Abgeordneten ist folgendes: Zur patriotischen Partei gehören 80, zur Fortschrittspartei 63 Ab- geordnete; 11 Abgeordnete haben sich bis jetzt keiner dieser Parteien angeschlossen.

Würtemberg. Stuttgart. Eine am 6. d. dahier abgehaltene Landesversammlung war zahlreicher besucht als je. Außer den hiesigen waren mehr als 400 Delegirte aus allen Theilen des Landes anwesend. Einstimmig wurde ein Adressensturm an die Kammer gegen das Kriegs- dienstgesetz beschlossen.

Baden. Von Mannheim wird gemeldet, daß Nachrichten von Friedrich Hecker ange langt seien, nach welchen derselbe den Verkauf seiner Farm beabsichtige und im Frühjahre nach Deutschland zurückzukehren gedenke.

Oesterreich. Wien. Zum sechsten oder siebenten Male wird ein Besuch des Königs Viktor Emanuel in Wien annoncirt. Die italienische Gesandtschaft soll nämlich Erkundigungen ein gezogen haben, ob der Kaiser sich in den nächsten Wochen in seiner Residenz befinden werde, woraus man den beabsichtigten Besuch folgert.

Militärische Vorsichts maßregeln, welche wegen einer in der Brigittenau stattgehabten Ar beiterversammlung getroffen waren, haben sich als ganz überflüssig erwiesen, da die Versammlung einen ruhigen Verlauf nahm.

Frankreich. Paris. Die Criminalakten in der Angelegenheit Traupmann's sind dem

Justizministerium überliefert worden und werden unverzüglich der Kanzlei des Cassationshofes zu gehen. Man meint, daß diese Justizbehörde spä⸗ testens Freitag ihr Urtheil fällen wird.

DasJournal officiel schreibt: Die vor- züglichsten Ereignisse des abgelaufenen Jahres be⸗ weisen, daß die Völker und Fürsten den Wunsch hegen, Gefühle gegenseitiger Achtung und frucht bringender Solidarität vorwalten zu lassen. Im Innern habe Frankreich eine neue Aera der Ver- söͤhnung und des Fortschritts inaugurirt, nach Außen finde es bei allen Mächten für das fried⸗ liche und civilisatorische Werk Sympathie.

Dasselbe Blatt veröffentlicht ein vom 5. d. dalirtes kaiserliches Dekret, welches den bisherigen Präfekten des Departements de la Seine Herrn Haußmann seiner Funktion enthebt und Herrn Chevreau an seiner Stelle zum Präfekten ernennt. Eine vomJournal officiel mitgetheilte Uebersicht weist nach, daß im Ganzen 92,411 Personen von der am 14. Aug. 1869 erlassenen Amuestie Gebrauch gemacht haben. 5

Man liest imGaulois: Wie wir vor hergesehen, wird die religiöse Frage die erste oder eine der ersten sein, über welche die Discussion sich nach Wiederbeginn der Session entspinnen wird. Am 10. Januar wird von der Linken ein Interpellationsgesuch in 2 der Besetzung

Roms durch französische Truppen eingebracht werden.

Dänemark. Kopenhagen. Die Kriegs- fregatteTordenskjold geht nach China zur Legung des Kabels für den chinesischen Telegraphen ab. Der Prospekt der Gesellschaft verlangt 350,000 Pfund.

Spanien Madrid. Die Cortes sind bis zur Wiedereinberufung vertagt. Im Sitzungs- saale herrschte große Bewegung. Man discutirte die Cabinets- und dynastische Frage.

Ein hiesiges Blatt meldet, daß am Dienstag zwei Pistolenschüsse auf den Regenten abgefeuert wurden. Er blieb jedoch unverletzt.

Wie man versichert, wird die Regierung bei den Cortes die Dictatur beantragen.

Italien. In Rom hat kürzlich die Taufe

der Tochter des ehemaligen Königs von Neapel in äußerst brillanter Weise stattgefunden. Car- dinal Patrezzi vollzog die Taufe, Cardinal An⸗ tonelli vertrat den Papst als Pathen, 14 weitere Cardinäle wohnten bei, dann noch die Kaiserin von Oesterreich, 22 Prinzen und Prinzessinnen der Familie von Neapel, noch mehrere Herzöge ꝛc., Botschafter und Legitimisten. Der Papst sandte als Taufgeschenk einen mit dem Wappen der Königin in Gold gestickten Pelzmantel und eine mit Rubinen besetzte Camee. Die kaiserliche NachtGreif hat den Befehl erhalten, sich vom 18. Januar an bereit zu halten für die Kaiserin von Oesterreich, um sie nach Triest zurückzubringen. Es ist nicht wahr, daß der Kaiser von Oesterreich in Rom erwartet werde. Eine veröffentlichte Statistik bringt den Effektivbestand der päpstlichen Armee auf 14,826 Mann.

Rußland. Nach den vielen einander widersprechenden Gerüchten, welche über das Be⸗ finden des Kaisers von Rußland die Runde gemacht haben, ist die folgende Notiz aus der medizinischen Fachschrift Lancet bemerkenswerth: Die Krankheit, an welcher der Kaiser Alexander leidet, ist die Milzsucht ein in der kaiserlich russischen Familie erbliches Uebel, welches äußerst schwierig zu bekämpfen ist. Wie es heißt, weist der Kaiser, dessen robustes und gesundes Aeußere sich bedeutend geändert hat, oft die ihm gebotene Nahrung zurück, und schließt sich von allem Ver- kehr mit der Außenwelt und von allen gesell⸗ schaftlichen Vergnügungen ab, welche er früher zu besuchen pflegte.

S. Hungen. Am 28. v. M. wurde die Babnstrecke Gießen-Hungen durch eine Probefahrt unter Beiheiliaung des Ministerpräsidenten v. Dalwigk und einiger Mini- stertaläthe, sowie des Eisenbahn-Verwaltungs-Comites und anderer bevorzugten Persönlichk iten eröffnet. Zur Begrüßung des um 11 Uhr Vormittags von Gleßen ein treffenden Zuges halten sich der Bürgermeister und mehrere

Gemeinderälhe unserer Stadt sowie eine große Anzahl Neugieriger eingefunden. Der Bürgermeister richtete an

Diossso als De

und E.