Ausgabe 
6.12.1870
 
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Der Befehl war dringend und vtrursachte große Regsamkeit bei den Lieferanten. Unter der Ca- vallerie herrscht ebenfalls ungemeines Leben. sämmtlichen Truppenkörper von dieser Waffe haben Befehl erhalten, für 10 Tage Fourage einzulegen. Die gewöhnlichen Marschvorräthe sind für drei Tage berechnet und die vermehrte Quantität ist wegen des zu erwartenden Futtermangels in Paris angeordnet worden.

Aus dem k. Hauptquartier zu Versailles wird demSt.⸗Anz. gemeldet, daß der General- Adjutant v. Boyen erkrankt ist. Herr Odo Russell hat täglich längere Besprechungen mit dem Bundes- kanzler und ist entschlossen einen längern Aufent halt in Versailles zu nehmen. Die Gemächer von Trianon sind für einen Besuch des Königs Ludwig von Bayern in Stand gesetzt; doch ist eine offizielle und definitive Meldung von der Ankunft des Königs von Bayern noch nicht nach Versailles gelangt.

Der Londoner Globe erzählt, man habe im deutschen Hauptquartier zu Versailles sichere Nachricht, daß der General Aurelles de Paladine, welcher die Loire-Armee führt, Niemand anders sei als der Herzog von Nemours unter angenom- menem Namen(2).

Berichte aus Versailles vom 30. v. M. melden: Die bei dem gestrigen Ausfalle in unsere Hände gefallenen Leichtverwundeten sollten nach Paris zurückgeschickt werden. Dieselben weigerten sich jedoch und erklärten, daß sie lieber Gefangene bleiben wollten. Die Einnahme von Amiens hat auf die Bevölkerung einen großen Eindruck gemacht, ebenso die kräftige Zurückweisung der Loire-Armee bei Beaune la Rolande.

Das frühere französische Lager bei Chalons soll jetzt aufs Neue hergerichtet werden und zur Aufnahme von Gefangenen nach der Capitulation von Paris dienen. Voraussichtlich kommen da⸗ durch aufs Neue über 100,000 Mann in unsere Gefangenschaft und diese sollen nicht mehr nach Deutschland gebracht werden.

Amiens. DerKöln. Ztg. schreibt man: Es bestätigt sich, daß ein Theil der Preußen, welche in Amiens waren, diese Stadt verlassen hat und ouf der Landstraße nach Paris abmarschirt ist. Dieser Abmarsch scheint auch in Folge von telegraphischen Befehlen von Versailles stattgefun- den zu haben, da man bei dem großen Ausfall, welchen die Vertheidiger von Paris machten, der aber zurückgeschlagen wurde, für alle Fälle Vor⸗ sorge treffen wollte.

Aus dem Hauptquartier Beaune, 25. Nov. hat General v. Voigts⸗Rhetz folgenden Tagesbefehl erlassen:Nachdem das 10. Armeecorps seit der Einnahme von Metz in anstrengenden Märschen und in steter Bereitschaft, mit dem Feinde zusammen zustoßen, 50 Meilen zurückgelegt hat, hat es das Ziel dieser Leistung gestern durch eine Reihe ruhm⸗ voller und glücklicher Gefechte erreicht. Das Corps hat im Verein mit der hessischen Reiterbrigade durch einen schwierigen Flankenmarsch unmittelbar am Feinde seine Wiedervereinigung mit den übrigen, Sr. kgl. Hoheit dem Prinzen Friedrich Karl unter- stellten Armeecorps bewirkt und alle Versuche des Feindes, diese Bewegung zu stören, siegreich zurück geschlagen. Indem ich Offizieren und Mannschaften meinen Dank und meine volle Anerkennung aus- spreche, erwarte ich, daß die Kriegsgeschichte auch ferner vom 10. Armeecorps nur rühmliche Thaten zu verzeichnen habe und daß es uns gelingen wird, uns auch weiter die Zufriedenheit unseres Königs und Kriegsherrn zu erwerben. gez. v. Voigts⸗Rhetz.

Nach den vorliegenden Berichten war das Hauptquartier des General- Feldmarschalls Prinz Friedrich Karl vom 22. d. ab in Pithiviers. Von hier aus fanden vielfache kleinere und größere Recognoscirungen statt, um Fühlung mit dem Feinde zu erhalten. Dieselben wurden zumeist unter großen Schwierigkeiten ausgeführt. Aus jeder Ferne, aus jedem Gehöfte bekommen die Cavaleristen Feuer; der einzelne Feldarbeiter wirft bei ihrem Naben den Spaten hinweg, ergreift seine Flinte, die neben ihm am Boden liegt und schießt, jedes Haus wird zu einer kleinen Festung, jeder Blaukittel zum Franctireur. Täglich werden

Die

solche bei den Generalcommandos eingebracht, denen die kriegsgerichtliche Entscheidung über solche Fälle anheimgegeben ist, vielfach werden mit den- selben Priester theils als Urheber, theils als Thäter mit eingebracht. Jeder, der mit einem Gewehr in der Hand betroffen, wird nach der Bekanntmachung des Obereommandos, die beim Einrücken in einen Landestheil, in Städte und Dörfer an die Ecken angeschlagen wird, zum Tode verurtheilt. Nur durch drakonische Strenge kann dieser meuchlerischen Weise, den Krieg zu führen, begegnet, und unseren Truppen Genugthuung ver schafft werden.

Die durch die Sprengung mehrerer Viadukte unterbrochene Eisenbahnlinie Metz⸗Diedenhofen wurde wunderbar rasch wieder hergestellt. Am 29. Nov. begann bereits wieder der Personen verkehr, vermittelst der von der Saarbrückener Eisenbahn⸗Direktion gelieferten Wagen und Loco- motiven. Der Güterverkehr ist vorläufig noch eingestellt. Die seiner Zeit bei dem Ueberfall in Königsmachern in französische Gefangenschaft ge ratheren Fuhrleute sind durch die Capitulation von Diedenhofen gleichfalls befreit worden. In der Festung hatten sie alle Qualen feindlicher Gefangenschaft zu bestehen gehabt.

Straßburg. Von der Erlaubniß zur Rückkehr in die Heimath, welche solchen aus Elsaß stammenden gefangenen Soldaten ertheilt wurde, die Grundbesitz haben und sich schriftlich ver pflichten, nicht mehr gegen Deutschland zu dienen, haben bereits 600 in Augsburg internirt gewesene Elsäßer Gebrauch gemacht und sich in ihre Heimath zurückbegeben. Auf der Strecke zwischen Colmar und Mühlhausen sind am 29. Nov. Abends die Eisenbahnschienen aufgerissen worden. Der am Abend hinfahrende Betriebszug ist entgleist. Einige Beamten sollen verunglückt sein. Details fehlen noch.

Vom Oberrhein. Es war vorauszusehen, daß die bunte zusammengewürfelten Schaaren Garibaldi's sich vor Allem nur zu jener Art hinter- listiger Ueberfälle, wie der von Ricciotti à la Italienne ausgeführte, eignen und nach den ersten gründlich derben deutschen Hieben nicht mehr Stand halten würden. Man wird sich daher nicht wun dern, wenn General v. Werder meldet, daß Gari⸗ baldi's Rückzug in Flucht ausgeartet sei. Dem Feldbriefe eines Badeners aus Dijon vom 27. November Abends 8 Uhr entnehmen wir Folgen- des über den an diesem Tage stattgefundenen Zu sammenstoß mit den Garibaldianern: Am 2. Dec. Abends gegen 6 Uhr vernahmen wir heftiges Feuer und bald darauf kam die Nachricht, General v. Degenfeld sei vom Feinde angegriffen und bitte um Unterstützung. Sofort Alarm. In zehn Minuten marschirten wir aus Dijon hinaus. Ich sah nur schadenfrohe Männergestalten gruppenweise beiein⸗ ander.... Bei St. Apollinaire wurde im Feld aufgefahren. Regen, was herunter konnte Hunderte von Garibaldianern, Spanier, Polen, Nizzaren und Franzosen, liegen mit eingeschlagenen Schädeln auf dem Schlachtfeld. Attaque auf Attaque. Die Batterie Holz fuhr im Galopp auf 400 Schritt vor den Feind und feuerte. Das Bataillon Unger ließ den Feind angreifen, und ein furchtbares Handgemenge entstand. Mit den Gewehrkolben wurde der Feind geworfen. Gari⸗ baldi war an der Spitze seiner Truppen auf einem Schimmel. Der Feind total geschlagen. Heute Abend sind wir in das erstaunte Dijon wieder eingerückt.

Bergzabern. Am 21. d. fand zu Weißenburg die Arrestation eines Postbeamten auf dem deutschen Postamte in Weißenburg statt. Derselbe ist beschuldigt, das Privat⸗ vermögen des Marschalls Mace Mahon, das nach der Uebergabe von Straßburg poste restante dahin gesendet worden war, entwendet zu haben. Dasselbe bestand in französischen Staatspapieren im Werthe von 2 Millionen Franken und in Gold und Silber mindestens 100,000 Gulden. Man fand in der Wohnung des Verhafleten das gesammte Vermögen. Derselbe ist verheirathet, ohne Kinder, und hat überdies zwei Knaben aus Mainz einen von 14, den andern von 13 Jahren, entführt, und waren dieselben die ganze Zeit in Straßburg, woselbst er auf dem Oberpostamte verwendet und später nach Weißenburg versetzt worden war, in der Familie des Beschuldigten, der nach vorausgegangenen Recherchen endlich in Weißen⸗ burg entdeckt wurde. Die entführten Kinder führen den Namen Breiiing aus Mainz, deren Eltern wohnen auf

dergroßen Bleiche daselbst. Welche Bewandtniß es

mit den entführten Kindern hat, ist noch nicht aufgeklärt. Man glaubt, daß die kinderlosen Eheleute sie aus Zunei⸗ gung mit sich genommen haben, weil dieselben sehr gut gehalten und wahrhaft elterlich behandelt worden sein sollen. Die Ehefrau befindet sich jedoch auf freiem Fuße. Auch wird erzählt, daß namentlich der ältere Knabe. mit dem Beschuldigten gegangen sei, umin den Krieg! zu kommen.

Schiffsnachrichten.

Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.- Agent.

Das Poftdampfschiff des Nordd. Lloyd Weser, Capi. W. H. Wenke, welches am 19. Nov. von Bremen abge⸗ gangen, ist am 1. Dezember Morgens nach einer schnellen Reise wohlbehalten in Newyork angekommen. a

Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Donau, Capi. G. Ernst, welches am 19. November von Newyork abge gangen war, ist am 3. December 11 Uhr Vormittags auf der Weser angekommen.

Verloosunge u.

Kassel. 1. Dec. Bei der heute stattgefundenen 51. Serien-Ziehung des vormals kurhyessischen Staats⸗ Lottetie-Anlehens vom Jahre 1845 sind folgende 60 Serien⸗Nummern gezogen worden: 63 79 220 256 201 305 326 522 650 708 1010 1195 1361 1677 1693 1724 1948 2252 2324 2455 2463 2508 2540 2657 701 2737 2990 3013 3199 3208 3279 3325 3376 3529 3626 3643 3911 3995 3997 4157 4203 4777 5105 5119 5395 5455 5530 5602 5751 5786 5808 5883 6068 6071 6087 6235 6242 6270 6352 6472.

Karlsruhe, 20. Nov. In der heutigen Serien⸗ Ziehung der 35-Gulden-Loose wurden folgende Serien ge⸗ zogen: Serie 1 6717 871 7664 1463 2437 5507 5868 3951 5962 6836 7908 5726 2977 4458 5638 7884 4998 6455 und 4188.

Wien, 1. Dec. Bei der heutigen Ziehung der 1864er Loose fiel der Haupttreffer auf Serie 3885 Nr. 64; auf Serie 2446 Nr. 64 25,000 fl.; auf Serie 1542 Nr. 12 15,000 fl.; auf Serie 2446 Nr. 6 10,000 fl.; auf Serie 1542 Nr. 16 5000 fl. Weitere gezogene Serien sind: 437855 2593-3450.

Braunschweiger Lotterie. Ziehung vom 28. Nov. Hauptgewinne: Nr. 34,593 und 52.943 je 2000 Tylr., Nr. 24,781, 6671, 43,926, 24,093, 50,095, 25,088 19,515 und 19231 je 1000 Thlr.

Musikalisches für den Weihnachtstisch

Salon⸗Perlen betitelt sich das neueste Unter⸗ nehmen, durch welches Henry Litolff's Verlag in Bra unschweig seine allbeliebte musikalischeCollecuon abermals um einen neuen Band in glücklichster Weise bereichert hat. Das vorliegende Werk kommt gerade zur rechten Zeit, um sich zum nahenden Weihnachtsfeste auf's Vortheilhafteste einzuführen. Dasselbe enthält 17 brillante Compositionen für das Pianoforte, von denen sieben ältere beliebte Stücke von Arditi, Badarzewska und Lepbach sind, während die übrigen 10 neueren Piecen von Spindler, Richard, Sutter, Lee, Ketterer, Clements und Wollenhaupt sich im Originalbesitz des obengenannten Verlages befinden. In den früheren theuren Einzel-Ausgaben haben sich dieselben bereiis des allgemeinsten Beifalle zu erfreuen gehabt und werden also um so sicherer in der jetzigen wirklich erstaunlich billigen Gesammi-Ausgabe in jeder Familie willkommene Gäste sein. Der in Stich, Druck und Papier sehr elegant ausgesiattete, ansehnliche Band in großem Quart-Format enthält nämlich 74 Seiten und kostet nur 1 fl. 12 kr., während früher jede einzelne der 17 Nummern beinahe ebenso theuer war! Die Tonstücke sind durchweg gefälltg,

obne trivial zu sein, und reich an einschmeichelnden, gra-

ziösen Melodien. Dabei sind sie sehr leicht zu sptelen und eignen sich deshalb vorzüglich auch zu einer Festgabe für unsere Musik treibende Jugend, für welche Passendes auf dem Felde der Klaviermusik oft recht schwer auszusuchen ist. Mit einem Worte, wir sind überzeugt, daß jeder Empfänger des neuesten Bandes derCollection Litolff seine Freude daran haben wird, diese so harmonisch aneinandergereihte Schnur vonSalon-Perlen auf seinem Weihnachtstische blitzen zu sehen und auf seinem Pianoforte klingen und rauschen zu bören.

Gaben für Straßburg

gingen weiter ein: von Herrn Pfarrer Bornagius aus der Gemeinde Fauerbach 10 fl. 24 kr., von Herrn A. Bauer 30 kr., Zeugengebühr von Herrn Ph. Keil in Melbach fl., von Herrn Oberförster Rumpf in Ockstadt 3 fl., von Herrn Carl Stelz 30 kt.; in Nauheim gesammelt von Herrn Bürgermeister Schutt, Ph. J. Weiß und Stadt⸗ rechner Grünewald 21 fl. 44 kr.; bei Herrn Director Dr. Schwabe Ungenannt 1 fl., N. N. 1 fl.; von Herrn 3. Grödel Witwe 1 fl. 45 kr., von Herrn Dr. Lorenz noch⸗ mals 1 fl. 30 kl., von Herrn Moschoruß in Oppenheim 2 fl., von Herrn Decan Buchbold in Ossenheim 3 fl., von Herrn Pfarrverwalter Eckhard in Dorheim 1 fl. 10 kr., N. N. 35 kr.; bei Herrn Hofgerichtsadvokat Trapp IV. von Frau Schmidt 1 fl., Ungenannt 4 fl. 40 kr., von Herrn Landrichter Reitz 4 fl., von Herrn Pfarrer Baur 2 fl., von Frau Professor Dieffenbach 1 fl., von Fräulein K. Ullrich 1 fl.(Beide letztere unter Ungenannt angezeigt) von Herrn Kaufmann Nußbaum 2 fl., von Herrn Dr. Wagner 2 fl., von Herrn Seminarlebrer Stamm 5 fl., von H. K. 48 kr. Bei der Expedition d. Bl. sind ferner eingegangen; von den Herren Reallehrer Klein 1 fl. 45 kr, Hofgerichts⸗-Abvokat Seyd 10 fl., Ungenannt 2 fl.

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