Ausgabe 
6.1.1870
 
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soll in dieser Angelegenheit eine besondere Thätig⸗ keit entwickeln), als auch in Wien alle Hebel in Thätigkeit gesetzt werden, so hofft man in Rom, daß, trotz des Widerstands des Wiener Ministeriums, die schon längst sest beschlossene und bloß vertagte Romreise des Kaisers schon in der nächsten Zu⸗ kunft eine vollendete Thatsache sein werde.

Die wiederaufgetauchte Nachricht von einer bevorstehenden Reise des Kaisers nach Rom wird mittlerweile offiziös für vollständig unbegründet erklärt.

Frankreich. Paris. DasJournal officiel veröffentlicht folgende Liste des neuen Ministeriums: Ollivier, Justiz; Daru, Aeußeres; Chevandier de Valdrome, Inneres; Buffet, Finanzen; Leboeuf, Krieg; Rigault de Genouilly, Marine; Segris, Unterricht; Talhout, öffentliche Arbeiten; Louvet, Handel; Marschall Vaillant, Ministerium des kaiserlichen Hauses; Maurice Richard, Ministerium der schönen Künste. Ein kaiserliches Deeret trennt das Ministerium des kaiserlichen Hauses von dem der schönen Künste.

Beim Empfange des diplomatischen Corps in den Tuilerieen hielt, wie gewöhnlich, der päpstliche Nuntius die Ansprache an den Kaiser und beglückwünschte denselben im Namen seiner Collegen. Der Kaiser dankte demselben in einigen kurzen Worten, indem er binzufügte, daß die An- wesenheit des diplomatischen Corps Zeugniß ab lege von den guten Beziehungen, welche seine Regierung mit allen Mächten unterhalte. Der Kaiser richtete alsdann einige Worte an jeden der Botschafter und Gesandten. Bei Empfang der verschiedenen Behörden waren die Kaiserin und der kaiserliche Prinz ebenfalls zugegen. Ein Theil der alten Minister war anwesend. Die neuen Minister traten jedoch noch nicht als solche auf. Der Deputation des gesetzgebenden Körpers ant⸗ wortete der Kaiser:Wir stehen vor einer be deutsamen Umgestaltung unserer Institutionen. Anfänglich mit der ganzen Verantwortlichkeit der Regierungsgewalt belehnt, schätze ich mich glücklich, einen Theil derselben heute den Vertretern des Landes zu übertragen. Ich gleiche einem Reisen- den, der einen Theil seines Gepäckes ablegt, um desto schneller das vorgesteckte Ziel erreichen zu können. Besonders nachdem die Ordnung gesichert ist, erscheint ein glücklicher Erfolg gewiß und die Freiheit als definitiv begründet.

Die meisten Journale äußern sich sehr beifällig über das neue Cabinet, welches aus einer Verständigung zwischen dem rechten und dem linken Centrum hervorgegangen ist.

Es stehen active Schritte in Aussicht, um die Rückkehr des Herzogs von Orleans nach Frankreich zu ermöglichen.

Großbritannien. DieTimes erwartet, daß der Erfolg des Suez Canals sehr bald das Projekt eines Durchstichs der Landenge von Nica- ragua behufs einer Verbindung des Allantischen und Stillen Oceans zur Folge haben würde. Man veranschlage für diesen Zweck die Kosten auf 20 Mill. L.⸗St. Viel hänge davon ab, wie der Suez⸗Canal sich bezahlen würde.

Spanien. Madrid. Der König von Italien hat in offizieller Weise auf die an ihn gerichtete Anfrage wegen der Candidatur des Herzogs von Genua geantwortet, er wolle die Herzogin von Genua nicht gegen ihren Willen nöthigen, ihre entschieden versagte Einwilligung in die Candidatur ihres Sohnes für den spanischen Königsthron zu geben.

In Folge der unbedingten Ablehnung der italienischen Regierung in Bezug auf die Candi datur des Herzogs von Genua ist das spanksche Ministerium zurückgetreten.

Prim hat sich den Anhängern der Can didatur des Herzogs von Montpensier zugesellt.

Italien. Aus Rom wird geschrieben, die deutschen Bischöfe seien in beständiger Bewegung und hätten am 22. Dezember zwei Conferenzen

abgehalten, auf denen die Plaue des römischen Hofes mit großer Freimüthigkeit besprochen und einstimmig mißbilligt worden seien. Noch heftiger sei die Opposition unter den französischen Bischöfen, welche eine Modification der dem Concil vorge

zeichneten Aufgabe verlangen und über diesen Punkt mit den deutschen Prälaten in Unterhand⸗ lung getreten seien.

Amerika. Lopez ist in seiner letzten Po- sition geschlagen worden und hat sich mit Familie und einigen Ossizieren nach Bolivia geflüchtet.

V Friedberg. Wenn auch verspätet, so möchte es immerhin am Platze sein, der am zweiten Fciertag statt⸗ gehabten Arndifeier des hiesigen GesangvereinsLieder⸗ kranz einige Worte der Anerkennung zu zollen. Herr Realleyrer Klein hielt, auf Einladung des Vereins, die seht warme und beisällig aufgenommene Festrede, in welcher er, um dem bevorstehenden Vortrag des Herrn Prosessor

Köhler nicht vorzugreifen, sich auf die Schilderung der,

patriotischen Thätigkeit Arndt's von 1805 1813 be⸗ schränkte. Mehrere Arndi'sche und sonstige valerländische Lieder wurden vomLiederkranz, mit der von diesem Verein gewohnten Tüchtigkeit, gesungen. Unter Musik⸗ begleitung sang sodann das gesammte anwesende Publikum Was ist des Deutschen Vaterland und um 9 Uhr der Liederkranz, wie alle den Tag feiernden deutschen Vereine, das von der Sängerhalle vorgeschlagene und von Otto componirte Arndt'sche LiedDeutscher Trost. Die ganze Feier war eine sehr ansprechende und würdige und har gewiß bei den zahlreichen Anwesenden den besten Eindruck hinterlassen.

N Friedberg. Wie aus dem Inseratentheil der heutigen Nummer des Anzeigers zu ersehen ist, wird das erste Concert des Musikvereins, auf das wir schon vor einigen Wochen hingewiesen haben, nächsten Sonntag Abend siattfinden, und wollen wir nicht versäumen, das mysikliebende hiesige Publikum nochmals recht angelegent⸗ lich darauf aufmerksam zu machen.

In Hirschhorn hat sich vor einigen Tagen ein sehr betrübender Unfall ereignet, welcher aufs Neue das Ge jährliche der Spielerei mit Feuerwerkskörpern. und sog. Salonseuerwerk zeigt. Das Söhnchen des dortigen Arztes hatte in einem Laden derartige Gegenstände gekauft, wo bei ein Stück durch die Unvorsichtigkeit des Kaufmanns explodirte und dem Knaben theilweise in die Augen sprang. Trotzdem der Vater sofort mit dem Knaben nach Darm- stadt reiste, wo ihn mehrere Augenärzte behandelten, ha: derselbe ein Auge bereits unrettbar verloren und fürchtet man, daß dies auch noch mit dem anderen Auge der Fall sein wird. Derartige Unfälle sollten doch mehr als Alles andere vor so gefährlichen Spielereien warnen.

Aachen. Ein trauriges Ereigniß hat sich hier zuge tragen. In einem Ansalle von Irrsinn vahm eine Frau ihre zwei Kinder, wovon eins noch Säugling, das andere noch nicht zwei Jahre alt, und ertränkle sie in einem

Waschirog. Die unglückliche Mutter wurde sofort zum Irrenhause gebracht. Breslau. Nachstehend verzeichneter Unfall möge

alle, welche sich des Peiroleums bedienen, zur Vorsicht mahnen. Als kürzlich die Hausfrau einer hiesigen an⸗ gesehenen Familie Abends mit einer brennenden Petroleum lampe in die Schlasstube getreten war, explodirte dieselbe, das Bassin zersprang in kleine Stücke, während sich die Flüssigkeit über den Arm und die Kleidung der Dame er⸗ goß und letztere gleichzeitig in Brand steckle. Glücklicher weise befand sich der zwölf Jahre alte Sohn in der Schlafstube; er hatte Getstesgegenwart genug, sämmtliches im Waschtische vorgefundene Wasser über die Mutler zu gießen und doch so wenigstens das Weiterbrennen der Kleidung zu verhindern. Die Mutter hatte dennoch Wunden an der Hand, in der sie die Lampe gehalten, davongeiragen, während der Sohn, der sich im Augen blicke der Explosion zu Bette begeben wollte, barfuß auf die herumgelegenen Glassplitter bei dem Rettungswerke seiner Mutter nicht geachtet und sich 22 Glasspliter ein⸗ getreten hatte. Auch war ein Bett in Brand gerathen. Als man der Ursache der Explosion nachforschte, wurde von Sachverständigen festgestellt, daß der Docht schmaler als

der Brenner war, d. h. er hatte nicht den ganzen Raum

ausgefüllt, wodurch sich in dem leeren Naume Gase ent⸗ wickelt haben, welche bei dem Luftzuge, als die Dame aus einer Stube in die andere gegangen, cxplodirten. Am vorhergegangenen Abend hatte man bei gleicher Ver anlassung einen schwächeren Kuall bemerkt.

Paris. Der Prozeß Traupmann vor den Ge schworenen ist beendet und hat, wie bereits gemelden, mit einer Verurtheilung des Angeklagten zum Tode geendet. Sein Vertheidiger Lachaud sprach mit bewunderungs⸗ würdiger Beredtsamkeit. Er vemerkte, daß er seit zwei Monaten sich vergeblich bemühe, diesen Menschen zu er kennen, von dein er nicht wisse, ob es ein Mensch, ein Tiger oder ein Unsinniger sei, dem Gott die Vernunft wieder genommen habe. Der Redner entwirft hierauf ein Bild von dem freudlosen Lebenswege Traupmann's, von dem Dämon des Dutstes nach Reichthum, der ihn ergriff, von seiner Vorliebe für Romane, in denen, wie im Ewigen Juden, ein Mensch nach einem großen Ver mögen jagt. Wollen Sie, fährt Lachaud dann sort, daß dieser selbe Mensch Thränen vergieße, so erinnern Sie ihn an seine Mutter, seine Mutter, welche er anbetete.(Auf diese Worte neigte der Angeklagte sein Haupt und scheint zu weinen.) Zur Untersuchung des Geisteszustandes des Angeklagten übergehend, meint Lachaud, man müsse Traupmann zu jenen Geisteskranken rechnen, welche die Engländer unter den NamenVerbrecherwahnsinn clas⸗ sificircen. Schließlich bricht der Vertheidiger eine Lanze für die Abschaffung der Todesstrase, indem er so den Ge schwornen den Gedanken nahe legt, mildernde Umstände zuzulassen. Nach einer kurzen Replik und Duplik der beiden Theile und nachdem Traupmann auf Befragen mit

großer Unbefangenheit erklärt hat, daß er nichts hin uzufügen habe, recapitulirt der Vorsitzende in einem zweistündigen Vortrage, welcher in dem Angeklagten nur das Gefühl der Langeweile zu erwecken scheint, den Inhalt der De⸗ batten. Um 9 Uhr ziehen die Geschwornen sich zurück, um übec die ihnen vorgelegten 16 Fragen zu berathen. Man versichert, daß während der Pause der Angeklagte seinen Wächtern allen Ernstes vorgeschlagen bätte, eine Partie Karten mit ihnen zu spielen. Ich weiß recht gut, hätte er gesagt, daß man mich zum Tode verurtheilen wird, aber deßhalb will ich doch zu Nacht essen und übrigens will ich auch die Nichtigkeitsbeschwerde einlegen; unterdessen wird man schon die Brieftasche finden, in der meine Milschuldigen verzeichnet sind. Nach einer nur halbstündigen Berathung eröffnet der Sprecher der Jury das Verdict, welches ohne Zulassung mildernder Umssände alle Fragen bejaht. Der Staatsanwalt beantragt die

Anwendung des Artikels 302 des Code penal(Todes-

strafe). Der Angeklagte erklärt auf Befragen in gleich⸗ gültigem Tone, er habe nichts zu bemerken. Der Gerichts⸗ hof zieht sih zurück und verkündet nach einer Berathung von fünf Minuten, daß Johann Bapfist Traupmann zum Tode verurtheilt ist. Der Angeklagte hört den Urtheils spruch, ohne eine Miene zu verziehen. Nachdem der Prä sident ihm eröffnet, daß er drei Tage Zeit habe, um die Nichtigkeitsbeschwerde einzulegen erhebt ser sich, indem er merei murmelt, grüßt lächelnd und folgt, ohne die geringste Aufregung zu verrathen, seinen Wächtern.

Durch den Vertheidiger wurde die Nichligkeitsbeschwerde

auf Traupmann's Wunsch erhoben.

Schiffs nachrichten.

Das Hamburz⸗New⸗Yorker Post⸗Dampfschiff Cimbria, Capitän Haack, am 21. Decbr. von New⸗York abgegangen, ift nach einer Reise von 9 Tagen 16 Stunden am 31. Decbr. 6 Uhr Abends in Plymouth angekommen, und hat, nach⸗ dem es daselbst die Verein. Staaten-Post, sowie die für England. bestimmten Passagiere gelandet, um 9 Uhr

Abends die Reise nach Hamburg fortgesetzt. Dasselbe überbringt: 75 Passagiere. 98 Btiessäcke. 1300 Tons Ladung. 40,279 Dollars Conlanten.

Vom 1. Oktober v. J. erscheint in Leipzig eine neue illustrirte Zeitschrift unter dem Tuel: 5 Aus allen Welttheilen. Illustrirtes Familien⸗

blatt für Länder⸗ und Völkerkunde. In wöchentlichen Nummern, Preis 1 fl. 3 kr. pro Quartal.

Das Blatt stellt sich die Aufgabe, in möglichst weiten

Kreisen des deutschen Volkes gründliche geographische Kennt⸗ nisse zu verbreiten, und verspricht unter der Redaklion des auf dem geographischen Gebiete bewährten Autors Dr. Otto Deliisch, ein recht gemeinnütziges zu werden. Denn bei der großen Regsamkeit, die unsere Zeit auf dem Ge⸗ biete der geographischen Forschung bethätigt, vermögen Bücher nicht rasch genug den Entdeckungen zu solgen und die läglich gewonnenen Nesultate dem Leben zu vermitteln. Dies ist der Beruf der periodisch erscheinenden Elätter, in deren Kreis diese Zeitschrift eintriit. Der Inhalt der⸗ selben soll ein vielseitiger sein und sowohl in delehrendem als unterhaltendem Gewande dargeboten werdens Mit theilungen der Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen über die Natur der Erde, Vesprechungen klimatischer und meieorologischer Fragen, jährliche Uebersichten über die Forlschritle des geographischen Wissens, Berichte über Neisen, Abhandlungen über Pflanzen- und Thier⸗Geographie, über Ethnographie und Stalistik, Schilderungen von Län⸗ dern im Ganzen wie von einzelnen charakteristischen Theilen derselben, Anzeigen bedeutender Schriften und Karten, Miscellen werden mit einander abwechseln.

Zahlreiche Illustrationen in Holzschnitt sollen den Text veranschaulichen und ergänzen. Auch kartographische Dar⸗ ftellung interessanter geographischer Einzelhesten, statistischer Ueversichten ꝛc. werden, wo es nöthig, dem Verständniß zu Hülfe kommen.

Die soeben erschienene Nr. 7 enthält einen sehr ge⸗ diegenen Arlikel von Professor Dr. Kühne über den Suez⸗ Kanal, mit mehreren in doppelfarbigem Druck vortrefflich ausgeführten Situationsplänen.

Bei der Billigkeit des Preises(1 fl. 3 kr. pro Quartal) dürfteAus allen Welttheilen bald neben derGarten⸗ laube undDaheim eine beliebte, weitverbreitete Fami lienlektüre bilden.

Verloosuunugen.* Darmstadt, 4. Jan. Bei der heute stattgefundenen Ziehung der Großh. Hess. 50⸗-fl.-Loose erhielten nachstebende Nummern folgende Preise: Nr. 198 10000 fl., Nr. 90529 3000 fl. Nr. 31740, 35059, 35313, 43537, 67589, 71878, 83392, 106052, 121787 je 1000 fl., Nr. 24017, 28979, 33334, 36998, 38417, 41875, 43230, 53166, 62280, 70049, 80295, 81543, 91259, 110249, 117565, 120846, 121523. 126520 je 400 fl.

Wien, 3. Januar. Bei der heutigen Ziehung der österreichischen Creditloose wurden folgende Serien und Nummern gezogen: Serie 3902 Nr. 13 200,000 fl., Serie 1332 Nr. 85 40,000 fl., Serie 45 Nr. 1220 20,000 fl. Ferner die Serien: 432 476 1139 1300 1489 1491 2175 2105 2784 3212 3348 3504 4108.

Nicht slüssige Stempelfarbe

in Stangensorm, welche nicht schmutzt und rasch voll⸗ ständig trocknet, per Stück 21 kr. bei

Bindernagel& Schimpff

in Friedberg.