Ausgabe 
5.5.1870
 
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haben, ihre Stimmen auf der französischen Bot⸗ chaft abgeben könnten. Cernuschi, der aus- gewiesene römische Emigrant, hat der Kasse des demokratischen Comites die Summe von weiteren 100,000 Frs. übermittelt.

DerSiecle berichtet: Herr Protot, Advocat, gegen welchen ein Verhaftbefehl zur Aus⸗ führung gebracht wurde, hat Widerstand geleistet, indem er auf den Polizeicommissär Herrn Clement einen Revolverschuß gethan hat. Herr Pretot ist nach Mazas abgeführt worden. Man erfährt nicht, ob der Schuß getroffen hat.

Die Ansicht, daß das zu so gelegener Stunde aufgetauchte neueComplot ein von dem Kaiserreich in Scene gesetzter, schon so oft da⸗ gewesener, abgenutzter Kunstgriff sei, findet immer mehr Anhänger und sowohl in der französischen als auch namentlich in der deutschen Presse be- gegnet man vielfach dieser Beurtheilung und Blätter wie die Köln. Ztg. und die Kreuzzeitung selbst, vermögen ihre Zweifel über die Art und Weise des Zustandekommens dieser wunderbaren Per- schwörung nicht zu unterdrücken. DieMarseillaise parirt den Schlag, welchen die Polizei gegen die Demokratie führen wollte, mit folgenden einfachen Worten:Seit dem 31. April haben die Ver⸗ haftungen in Paris wieder ihren Anfang ge nommen; die Regierung nimmt abermals ihre Zuflucht zur Gewalt und Einschüchterung. Die Polizei wird ohne Zweifel alle möglichen Mittel anwenden, um eine Volksbewegung und Unord⸗

nungen hervorzurufen, in der Absicht, die Wähler der Landbevölkerung und den furchtsamen Theil der Bourgeoisie einzuschüchtern. Heute haben wir die Verhaftungen, morgen wird die Reihe an den Casse⸗Tetes und übermorgen wenn wir nicht wachsam sind an den berüchtigten weißen Blousen sein. Unter solchen Umständen ewpfeblen wir den Bürgern auf's dringendste die größte Klugheit und die größte Ruhe. Lassen wir uns zu keiner Zornesbewegung, selbst zu der legitimsten, hinreißen; isoliren wir vielmehr die Agents pro- vocateurs, um in völliger Ruhe unsere Rechte zu wahren. Großbritannien. London. Im Hause der Lords legte Lord Clarendon die Correspon⸗ denz über die marathonische Affaire auf den Tisch nieder. Lord Carnanon, sprach dem Lord Clarendon und dem Unterstaatssecrelär des Auswärtigen Hrn. Hammond den wärmsten Dank des Hauses aus für die Art ihres Vorgehens in der Sache. Auf der griechischen Regierung laste eine schwere Verantwortung; ihr Endurtheil werden beide Häuser zurückhalten müssen bis der Sachverhalt vollständig vorliege. Dieser Ausschub aber, das hofft Redner aufs innigste, werde das jetzt vor⸗ herrschende Gefühl des Grauens und Abscheues nicht abschwächen, noch ein Jota von der Strafe nehmen, welche geübt werden müsse, wenn die Stunde der Abrechnung gekommen sei.

Donaufürstenthümer. DerN. fr. Pr. schreibt man von Galatz:Laut telegraphischen Berichten rottete sich am 24. April um 8 Uhr Abends der Pöbel in Tekutsch(Hauptstadt des Distriktes gleichen Namens) zusammen, übersiel und mißhandelte die dortigen jüdischen Einwohner bestehend aus circa 36 Familien verwun⸗ dete mehrere Personen, plünderte ihre Wohnungen und Verkaufslocale, demolirte die Synagoge und, wie es bei den aufgeklärten Rumänen gewöhnlich Gebrauch, raubte and zerriß die dort vorgefun- denen Thoras. Dieser Uafug dauerte ohne jede Intervention Seitens der Ortsobrigkeit vier Stunden; erst um Mitternacht, sei is, daß dieses Häuflein wehrleser Opfer schon gänzlich aus⸗ geplündert und genügend geschlagen und mißhan delt war, oder daß die Angreifer schon ermödet waren, zog sich diese Horde wieder zurück.

Frankfurt. Ju der letzten Monatssitzung des land⸗ wirihschasttichen Monats-Clabs imHotel Drexel hielt Hr. Major v. Grolman einen anziehenden Vortrag über Züchtung des landwirchschaftlichen Ardeilopferdes, Die Beschlußsassung über einen in vergangener Sitzung ge⸗ stellten Antrag, die, interessante Verhandlung über den landwirihschafilichen Fortbiloungsunlerricht auch für weitete Kreise nutzbringend zu machen, wurde auf eine spätere Zusammenkunft veriagt.

Vom Main. Die Landwirthe, welche sich schwedische Arbeiter kommen ließen, sind theils gut, theils schlecht mit denselben gefahren, namentlich war Letzteres da der Fall, wo die Burschen von der Landwirihschaft nichts verstanden. Allgemeines Lob findet ihr zuvorkommendes Benehmen und waren sie da, wo sie bei Herrn A. durchgegangen sind, bis zum letzten Augenblick artig, so daß man ihre Absicht gar nicht merkte. Die Polizei wurde gegen einige Ausreißer, jedoch vergeblich, zu Hülse gerufen. Ein Theil derselben arbeitet in Offenbacher Fabriken. Am 20. lrifft wieder ein Transport Schweden in Niederwöllstadt ein.

Gießen. Der biesigeAnzeiger schreibt: Wie groß der Aberglaube noch im Volk wurzelt, davon legt auch unser benachbarter Ort Wieseck Zeugniß ab. Ein Knabe von dort bekam Krämpfe und weiß in diesem Zu⸗ stande genau Tag und Stunde anzugeben, wann dieselben wiederkehren. Zu allem Ueberfluß gibt er an, daß, so lange eine Person, welche er genau beschreibt, sich im Zimmer befindet, seine Krämpfe andauern. Es haben nun einige alte Weiber nichts Eiligeres zu ihun, als die Meinung zu verbreiten, daß der Junge verhext set und zwar von derselben Person, welche er in seinem Delirium so genau beschreibt. Ein in Wieseck sich aufhaltender Schreinergeselle will nun den Jungen kuriren und hat herausgebracht, daß diese Persönlichkeit, welche den Jungen verbext haben soll, kein anderer sei, als der Ortsbürger Balthaser Weller. Er gibt sogar weiter an, daß er sich im Walde mit diesem Manne hetumgeprügelt babe und daß er ein Mal unter dem Arme trage; gewiß das güastige Zeichen, um einen der Hexerei zu beschuldigen?! Der fragliche Schteinergeselle treib! sogar seine Hexenkaren so weit, daß er in das benachbarte Lollar gerufen worden sein soll, um dort ein Paar verhexte Kühe zu kuriren. Wäre es unter so bewandten Umständen nicht am Platze, daß von Seiten der Behörden solchem Unfuge gesteuert wird, zumal der intelligente Theil der Bewohner von Wieseck solches Treiben mit Abscheu ansieht.

Darmstadt. Bei dem vom badischen Reunverein in Mannheim veranstalleten Rennen gewann beim Offi⸗ ziershürdenrennen(Distanz 1600 Meter, 6 Hürden) wo⸗ bei 7 Pferde gingen, die FuchssinteLobe des Grafen Isenburg-Philippseich,(Oberlieutenant im hiesigein 2. Reiterregiment,) den ersten, von dem Prinzen Wilhelm von Baden gestistesen Ehrenpreis, und eine Geldprämie von 300 fl.

Bingen. Vor einigen Morgen fuhr der Aßmanus⸗ bäuser Markinachen, mit ungefähr 20 Personen und Ge⸗ päck schwer beladen, nach Hause zurück. Kaum in der Milte des Rheins angelangt, schöpfte er Wasser und sauk vor den Rheinmühlen unter. Durch das Geschrei der Passagiere aufmerklam gemacht, ließ ein Müller seine Muhle stille steßen, an deten Rädern einige Personen sich anklammerten, bis sie durch Kähne geholt werden konnten; andere wurden von dem gerade vorüberfahrenden Traject⸗ boot mittels seines heruntergelassenen Nacheus und durch mehrere Schiffer Nie sogleich herbeieilten, aufgefischt. Ein Mann schwamm auf die Insel des Mäusethurme. So ist glücklicherweise kein Menschenleben zu beklagen. Ueber⸗ ladung des Kabnes soll wie häufig so auch hier Ursache des Unfalls gewesen sein.

Heidelberg. Daß hie und da noch Hexenverfolgungen vorkommen, ist leider nichts Ungewöhnliches; auch hier sah sich dieser Tage eine Frauen sperson genöthigt, Schutz zu suchen vor den wiederholten öffentlichen Anschuldigungen von zwei jungen Frauen, welche behaupten, daß ibre Kinder von derselben behext seien(1)(Siehe den Artikel unter Gießen.)

Ems.(Falsches Papiergeld) Kürzlich wurde in einem hiesigen Bankgause eine falsche Thüringer Banknote über 20 Tylr. eingenommen. Die Note, die sehr schlecht liihographirt ist, trägt das Dalum: Sonders⸗ hausen, den 1. Mai 1856. Wir machen bei Vorkommen auf dieses Falsificat aufmeiksam.

Ueber eine Räuber⸗Affaire bei Athen,

welche vor einigen Wochen sich ereignete und seit⸗ dem die Tagespresse, namentlich die englische, leb⸗ haft beschäftigt, kommen jetzt folgende Details in die Oeffentlichkeit: Der erst vor wenigen Tagen in Athen eingetroffene Lord Jocleyn F. Muneaster, der mit seiner jungen Gattin und dem Bruder der Gräfin de Crey, Herrn Frederie Vpuer, auf einer längeren Reise begriffen war, wandte sich am 9. April an die britische Gesandtschaft in Wien und ließ bei der griechischen Regierung anfragen, ob man ohne Gefahr das Schlachtfeld von Marathon besuchen könne. Die Antwort war, es sei durchaus keine Gefahr vorhanden. Banditen gebe es überhaupt in Attica nicht, es solle indessen zum Ueberfluß eine Escorte gestellt werden. Letztere war denn auch, bestehend aus vier Gendarmen, früh Morgens am 11., als sich die Reisegesellschaft zu ihrem Ausfluge auf den Weg machte, zur Stelle. Außer Lord und Lady Muncaster und Herrn Vyner nahm noch ein eng lischer Advokat, Hr. Lloyd, nebst Frau und Töch⸗ terchen, der Legationssekretär Herbert und der Legationssekretär von der italienischen Gesandt⸗

schaft, Graf de Boßt, an der Partie theil. In

zwei Wagen(die Escorte war beritten) besuchten die Reisenden das Schlachtfeld. Auf der Rück fahrt nun, unweit Pikermis(vier Wegstunden von Athen), als sich eben die Gesellschaft in fröh⸗ lichster Stimmung befand, wurde sie durch mehrere in großer Nähe aus dem Dickicht abgefeuerte Flintenschüsse aufgeschreckt. Die Kutscher trieben

ihre Pferde an, und bald waren sie aus dem

Bereiche der Kugeln, als plötzlich neben ihnen neue Schüsse aus einem zweiten Versteck fielen.

Doch auch diesem Hinterhalt entrannen sie glück⸗

lich durch die Schnelligkeit der Pferde. Schlimmer aber erging es ihnen beim dritten Hinterhalte. Bei einer Biegung des Weges machten die Pferde plötzlich Halt, indem vor ihnen eine zahlreiche Räubertruppe gelagert war, die, das Gewehr im Anschlag, den Kutschen Halt gebot. Die vier begleitenden Gendarmen warfen sich da plötzlich auf die Räuber und schossen auf sie, wurden aber

don einem Kugelhagel empfangen, der zwei Gendarmen vom Sattel warf und ein Pferd tödtete. Die Reisenden wurden unter Drohungen

aus den Wagen gezerrt und genöthigt, mit den Banditen den Pentelikus hinaufzusteigen. Man war indessen noch nicht 50 Schritte vom Wege entfernt, als eine Militär-Patrouille von 6 Mann sich näherte und auf die Räuber zu feuern begann. Der Ueberzahl der Bande gegenüber, die zwischen 20 bis 30 Mann zählte, fanden es die Soldaten jedoch für gerathen, das Feuer einzustellen, um⸗ somehr, als dasselbe den Gefangenen gefährlich werden konnte; die Räuber setzten darauf die beiden Damen, Lady Muncaster und Frau Lloyd, nebst deren 5jährigem Töchterchen in Freiheit und sandten dieselben mit den 2 underletzten Gendarmen nach Athen zurück, wo sie Nachts ankamen und die traurige Geschichte von ihter Lustpartie er⸗ zählten. Die englische und italienische Gesandt⸗

schaft wandte sich sofort an das Kriegsministerium

und es wuide unverzüglich Besehl gegeben, daß eine Schwadron Cavallerie und eine Abtheilung Infanterie aufbrechen sollte, die Räuber zu ver folgen. Nach reiflicher Ueberlegung hielt man es jedoch für besser, diesen Befehl zu widerrufen. Mittlerweile mußten die Herren der Gesellschaft bergauf bergab, durch Dick und Dünn der Bandt folgen, welche in erster Linie sich genöthigt sah, an ihre Sicherheit zu denken. Erst nach zwei⸗ tägigem Umherziehen, wobei außer Wasser und Brod wenig Nahrung abgefallen war, sandte der Räuberhauptmann Lord Muncaster als Abgeord- neten auf Ehrenwort nach Athen, um Kleider, Lebensmittel und das Lösegeld zu besorgen. Die erste Forderung von 50,000 L. wurde nach einigem Verhandeln auf 25,000 L. herabgesetzt, und das war die Summe, welche Lord Muncaster decken mußte. Mit Hülfe der Gesandtschaft gelang es, die nöthigen Gelder aufzutreiben, und der Ab⸗ gesandte benachrichtigte den Räuberbauptmaun, daß die geforderte Summe gezahlt werden solle⸗ Da inzwischen aber einige Zeit verflossen war, die griechische Presse nach Kräften Capital aus der Sache schlug, um das Ministerium anzugreifen, und letzteres sich halb genöthigt sah, etwas zu thun und Truppen zur Verfolgung der Schnapp hähne ausrücken zu lassen, so gingen die Räuber auch einen Schritt weiter und verlangten ihrer- seits Straflosigkeit. War man arch zur Zahlung des Lösegeldes bereit, die Amnestie konnte jedoch mit Rücksicht auf die Bestimmungen der Verfassung nicht bewilligt werden. Die Räuber, vom Militär blofirt, suchten nach Euböa zu entkommen, zuvor erstachen sie aber die Gefangenen, welche wegen Ermattung nicht folgen konnten. Bald darauf kam es zu einem Gefecht zwischen Militär und Briganten, in welchem die Letzteren 9 Todte (darunter den Chef der Bande) verloren. Einer der Briganten fiel verwundet in die Hände der Soldaten. Zwölf der Räuber, unter welchen sich vier Verwundete befanden, wurden eifrigst verfolgt.

Verloos ungen.

Wien, 2. Mai. In der heutigen Nummel-Ziebung der 1860er Loose siel der Haupttreffer auf Serie 4840 Nr. 4; der zweite Treffer auf Serie 10494 Nr. 19; der dritte auf Serie 14308 Nr. 6. Auf Serie 7600 Nr. 9 und Serie 3792 Nr. 5 fielen 10,000 fl.

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