— Die zwischen dem norddeutschen Bunde und Nordamerika seit längerer Zeit schwebenden Verhandlungen wegen eines Vertrages zur Reform der auf die Auswanderung bezüglichen Verhält- nisse waren bekanntlich an der amerikanischerseits aufgestellten Forderung ins Stocken gerathen, daß die internationalen, zur Aburtheilung durch an Bord der Schiffe während der Ueberfahrt nach Amerika begangenen Vergehen und Verbrechen einzusetzenden Gerichtshöfe ausschließlich aus Amerikanern gebildet werden sollten, was man hier selbstverständlich als unzulässig ansah und statt dessen gemischte Gerichtshöfe vorschlug. Der „Köln. Zeitung“ wird nun gemeldet, daß die Schwierigkeit auf dem Punkt sei, gehoben zu werden, und dem Abschluß des Vertrages, wegen dessen übrigens von Seiten Amerikas mit mehreren Regierungen zugleich unterhandelt wurde, so gut wie keine Hindernisse mehr entgegenständen. Die Verhandlungen werden hauptsächlich in Washington geführt, wo der Abschluß des Vertrages auch erfolgen wird.
— Der„Staatsanzeiger“ meldet, daß der König dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Fürsten Clodwig zu Hohenlohe das Großkreuz des rothen Adlerordens verliehen hat.
Hannover. Vor einigen Tagen wurden, wie die„H. A.“ berichten, ungefähr 40 ehemalige Welfenlegionäre in Uniform, aber ohne Waffen, unter militärischer Escorte nach Minden trans- portirt, um dort für ihr militärisches Vergehen eine Strafe zu verbüßen.
Düsseldorf. Wie dem„Bürgerm. Bl.“ mitgetheilt wird, gibt es auch in dem Verwal- tungsbezirke des Präsidenten v. Kühlwetter eine Schule, in der die 18jährige Tochter des Elementar- lehrers in der zweiten Classe wegen Mangels eines Gehülfen Unterricht ertheilen muß. Die Stadt liegt im industriellen Theile des diesseitigen Regierungsbezirks und hat circa 15,000 Einwohner.
Ems. Am 1. Juni traf mit dem König Graf Bismarck hier ein. Die russischen Gesandten Graf Oubril und Freiherr v. Brunow sind eben- falls hier anwesend, daher vermuthet man auf diplomatische Conferenzen. Der König wird zu einem längeren Kurgebrauch Mitte Juni hier wieder eintreffen.— Der Großherzog von Olden— burg wird ebenfalls zum Besuch bei dem Kaiser von Rußland erwartet.
Kassel. Die Inkustrie-Ausstellung für das gesammte Hauswesen wurde am 1. Juni Mittags um 12 Uhr im Ausstellungsgebäude mit der Jubel⸗Ouvertüre von Weber, ausgeführt von der Mannsfeldt'schen Capelle zu Frankfurt a. M., eröffnet, worauf der Maschinenfabrikant Herr Carl Keerl die Bedeutung dieses Ereignisses für das Gewerbewesen mit kurzen Worten auseinandersetzte und die Ausstellung für eröffnet erklärte.
Baden. Karlsruhe. Mit dem 1. Juni tritt das neue Gemeindegesetz in Wirksamkeit. Nach den Uebergangsbestimmungen bleiben nur diejenigen Bürgermeister und Gemeinderäthe, welche von der Gemeindeversammlung gewäblt sind, vom Antritt ihres Amtes an gerechnet noch sechs Jahre im Dienst. Im Uebrigen soll die Neubildung sämmtlicher Bürgerausschüsse und der Gemeinde— räthe, sowie die Neuwahl der Bürgermeister bis zum Schlusse des Jahres 1871 vollzogen werden.
Aus Baden wird der„Deutschen Allg. Ztg.“ berichtet:„Durch den kürzlich stattgehabten Besuch des Prinzen Wilhelm in Stuttgart ist zwischen dem badischen und würtembergischen Hofe ein gutes Einvernehmen hergestellt worden, was um so leichter zu erzielen war, als man sich in Stutt— gart schon seit geraumer Zeit den in Karlsruhe maßgebenden politischen Ansichten, besonders in der deutschen Frage, mehr genähert hatte, als das früher der Fall war.“
Oesterreich. Wien. Eine Privatdepu⸗ lation, bestehend aus Agramer Bürgern, zumeist Oppositionellen befindet sich in Wien, um dem Kaiser eine Repräsentation gegen das Vorgehen der Landesregierung in Agram zu unterbreiten.
Schweiz. Die Frage der Trennung der Kirche vom Staat, welche demnächst im Canton Neuenburg zur Entscheidung kommen wird, hat
auch ihre internationale Seite. Die hauptsäch⸗ lichste practische Schwierigkeit, welche sich einer Lösung des Bandes zwischen Kirche und Staat entgegenstellt, liege nämlich in der Bestimmung über das Schicksal der kirchlichen Güter, und da zeigt es sich, daß in dem von den Großmächten und der schweizerischen Eidgenossenschaft unterzeich⸗ neten Staatsvertrag von 1857, welcher die Unabhängigkeit Neuenburgs von Preußen an- erkannte, ein Artikel enthalten ist, nach welchem „die Einkünfte aus den im Jahre 1848 dem Staatsvermögen einverleibten Kirchengütern ihrer ursprünglichen Bestimmung nicht entfremdet wer- den dürfen.“
— Nachdem die von der Schweiz zu über⸗ nehmenden Verbindlichkeiten für das Unternehmen der Gotthardtbahn gesichert sind, hat der Bundes- rath beschlossen, der Bundesversammlung eine Vorlage betreffs eines intercantonalen Vertrages zu machen.
Frankreich. Paris. Das istaelitische Centralcomite erhielt ein Telegramm aus Sereth (Donaufürstenthümer) vom 30. Mai, wonach am Samstag Abend die Israeliten zu Boloschan von den Christen angegriffen und niedergemetzelt wur— den. Die Verfolgungen dauerten bis Mitternacht. Am folgenden Tage erneute sich die Gewaltthätig⸗ keit. Die Juden verließen die Stadt.
— Die„Agence Havas“ meldet aus Bern unterm 31. Mak, italienische Flüchtlinge hätten sich bei Lugano vereinigt und eine Bande gebildet, welche die Gränze unweit des Comersees über ⸗ schritten habe. Die italienische Regierung habe zwei Bataillone gegen sie abgesandt. Der Bundes- rath hatte angeordnet, die noch übrigen Flücht— linge im Innern der Schweiz zu interniren und die Gränze aufs Strengste zu bewachen. Eine spätere Meldung der„Agence Havas“ von eben⸗ daher besagt, daß die Schaar der Flüchtlinge, welche Lugano verlassen, von den italienischen Truppen zerstreut sei. Eine große Anzahl der- selben habe aufs Neue das Gebiet der Schweiz betreten und sei verhaftet worden.
— Am 30. Mai hat die Kammer sich auf zwei Tage vertagt, ihre letzte Debatte galt einem ernsten Incidenzfallee Der Pariser Deputirte Jules Ferrp brachte die Blatterseuche zur Sprache und aus den verschiedenen Reden und Unter— brechungen ging nur Das deutlich hervor, daß Deputirte, Minister und alle Laien der Wissen⸗ schaft hier im Finstern tappen und die Wissenschaft selbst ihr letztes Wort in der Bekämpfung der Giftblattern noch nicht gesprochen hat. Sicher ist, daß trotz aller Maßregeln die Opfer zunehmen, daß in letzter Woche 215 Sterbefälle durch die Blattern vorgekommen sind,— die größte Zahl seit Ausbruch der Epidemie. N
Belgien. Brüssel. Die in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag von dem Wachtposten entführten 8 Gewehre sind wieder gefunden wor- den. Sie wurden in zwei Paketen verschlossen in der Nacht vom Samstag auf Sonntag durch ein Individuum per Wagen vor die Thür des Ge— nerals Thibaut gebracht und dort niedergelegt. Von dort nahm die Commandantur sie in Empfang. Das Ganze war, wie Anfangs allgemein an- genommen wurde, nur ein Spaß, aber ein ärger licher für die wachsamen Soldaten.
Spanien. Madrid. Die Commission, welche mit der Feststellung des Gesetzes über die Wahl eines Monarchen betraut ist, schlägt vor, die Wahl für gültig zu erklären, wenn sich die anwesenden Deputirten mit einer Mehrheit von einer Stimme für dieselbe aussprechen. Die Session wird bis zur Wahl eines Königs dauern. Der Tag der Wahl wird acht Tage vorher be— kannt gemacht werden.
— Die beiden gefangen gehaltenen Engländer sind John Bonel und sein Neffe John A. Bonel, welche Gibraltar bewohnen, wo sie sehr eingezogen leben, obgleich sie sich in einer wohlhabenden Lage befinden. Sie hatten die Gewohnheit, Spazierritte in der Umgegend der Stadt zu machen. Auf einer dieser Promenaden wurden
ste von fünf Spitzbuben angegriffen, unter dem Vorwande, daß man ihnen ein Pserd verkaufen
solle, und in die Gebirge fortgeschleppt. Die spanische Regierung hat die energischsten und zu ⸗ gleich die vorsichtigsten Maßregeln ergriffen, um sie zu befreien. Man hofft zu einem schleunigen Erfolge zu gelangen. Man versichert, einer der Uebelthäter habe bereits Schritte gethan, um sich mit den Behörden in Beziehung zu setzen. Man glaubt sicher zu sein, daß das Leben der beiden Sequestrirten nicht in Gefahr ist.
Italien. Aus Florenz schreibt man: In Genua und den Nachbardörfern fanden, in Folge des letzten Versuchs, auch dort Banden zu bilden, Haussuchungen statt. Die in der Provinz Como aufgetauchte Bande wird von den Truppen ver⸗ folgt. Die Regierung hat am Comersee An⸗ stalten zu einer Barkenbzerbindung mit der Schweiz getroffen.
Rom. Das Ereigniß des Tages in Rom ist noch immer die Philippika, mit welcher der primas von Ungarn am zweitletzten Feiertage auf das Gebäude von Scheingründen, welches die Vertheidiger der päpstlichen Unfehlbarkeit auf⸗ gerichtet haben, eingestürmt ist.„Wenn ich das Wort ergreife, so geschieht es, weil ich mich ge— drängt fühle, einer unabweisbaren Ueberzeugung Ausdruck zu geben. Dieselbe zu verschweigen erachte ich gleich einem moralischen Tode. Lieber aber physisch sterben, als meinem Gewissen den Mund verschließen.“ Bischof Ketteler entwickelte die bereits in seiner Broschüre niedergelegten Argumente. Er sagte, daß durch eine förmliche Erklärung der päpstlichen Unfehlbarkeit der Epis⸗
copat von der Stufe hinuntersteige, welche er in
allen früheren Jahrhunderten der Kirche ein⸗ genommen habe, daß er nicht mehr eine lehrende Körperschaft sein werde, sondern eine lernende.
Pisa. Der Herzog von Modena verweigerte die Zahlung der ihm aufgetragenen Entschädigung an die politischen Gefangenen vom Jahre 1859, weßhalb sein Palasf und seine Grundstücke hier gepfändet wurden. Der Herzog appellirte und wurde die Verhandlung auf den 6. Juni bestimmt.
Rußland. In Warschau nimmt wieder die alte Jagd auf Trauerkleider ihren Anfang. Die dortige Polizei hat jüngst einige Damen in Schwarz auf der Straße verhaften lassen. Die⸗ selben sind jedoch bald wieder freigelassen worden, da sie die schwarze Farbe ihrer Kleidung aus dem Modejournal legitimirten.
Friedberg. Dieser Tage wurde hier ein Soldat wegen eines groben Vergehens gegen die Sittlichkeit verhaftet.
Grostgerau. Sonntag den 29., Morgens nach
3 Uhr, und Montag den 30., Morgens 3 Uhr 20 Min., haben wieder recht fühlbare Erdstöße stattgefunden. Stuttgart. Neben so„manchem Mann, so manchem Helden“, welchen das Schwabenland gebar, ragt als eine Größe von welthistorischer Bedeutung ersten Ranges der Nachfolger des Kopernikus, der Vorläufer Newtaus, der unsterbliche Kepler. Seiner Vaterstadt Weil soll nun am 24. Juni das projeklirte Denkmal zu Theil werden, zu dem Spenden aus allen Theilen Deulschlands wie aus Frankreich und Nordamerika zusammengeflossen sind.
Als vor einigen Jahren das
Werner'sche Mädcheninstitut
in Friedberg gegründet wurde, hegte man von verschie⸗ denen Seiten gelinden Zweifel, daß ein solches neben einem bereits bestehenden aufkommen könne. Die Er— fahrung hat das Gegentheil gelehrt.— Von fünf Kindern ist die Zahl auf über fünfzig angewachsen und wurden so viele Pensionärinnen angemeldet, daß die Räumlich⸗ keiten zu klein wurden.
Eine neue Schulwohnung, welche bis zum Herbste d. J. fertig sein soll, mit fünf sehr geräumigen, gesunden Lehr⸗ sälen, wird dem Institute eine glänzende Zukunft verbürgen; umsomehr, da außer den früheren, anerkannt tüchtigen Lehrkräften, Heer Seminarlehrer Marx, Herr Reallehrer Lang, eine Engländerin und eine Französin den Unterricht ferner mitertheilen werden, wodurch den Kindern Gelegen⸗ heit geboten wird, sich in allen Fächern vollkommen auszubilden. Das Institut muß überhaupt auf guten Grundlagen basiren, denn wie so viele Institute, welche dem äußeren Scheine nur Rechnung tragen, würde es im Entstehen zusammengebrochen sein, wenn die Erfolge den Anforderungen der Zeit nicht entsprochen hätten. Jeder, der der diesjährigen, sowie den früheren Prüfungen der Kin⸗ der beigewohnt, mußte sich in dem Gedanken freuen, seine Kinder einer Anstalt anvertraut zu haben, die wie die der Fräulein Werner für geistiges und leibliches Wohl ihrer Pfleglinge so bedacht ist und welche durch eine ebenso umfassende als gründliche Geistesbildung die beste Grund⸗ lage zum materiellen Fortkommen derselben legt.
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