Ausgabe 
3.12.1870
 
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Der Correspondent desM. Abendbl. bei der hessischen Divislon schreibt aus Andonville vom 22. d., karz vor dem Abmarsch nach Tourp, nördlich von Artenay: Der Gesundheitszustand unserer Truppen ist fortwährend ein befriedigender, obwobl täglich einige Kranke in die verschiedenen Lazarethe oder nach Haus gebracht werden. Das Wetter ist schön und auffallend mild für die gegenwärtige Jahreszeit, und obwohl wir uns bier auf einer kahlen, baumlosen Hochebene befin- den, haben wir weder von Sturm, noch von Schnee zu leiden. Sämmtliche Truppen waren bisher einquartiert, was freilich im Falle einer Action für einige Tage aufhören wird. Daß man auf letztere rechnet, geht auch daraus hervor, daß sämmtliche Truppen für drei Tage mit eisernen Beständen versehen sein müssen. Eiserner Bestand ist bekanntlich der Vorrath an Brod, Fleisch, Kassee und Reis, welcher jedem Soldaten gegeben wird, wenn Aussicht auf Bivouak vorhanden ist. Am Sonntag feierte die Hessische Plonnier Compagnie den Tag ihres fünfzigjährigen Be standes. Bekanntlich hat sich unsere Pionnier Compagnie durch ihre vorzüglichen Arbeiten auch in diesem Kriege wiederholt ausgezeichnet, und wurden ihre Führer wie die übrigen Offiziere und ein Theil der Mannschaft durch Verleihung des eisernen Kreuzes ausgezeichnet.

Preußen. Berlin, 30. Nov. Reichstag. Die Petition wegen Erlaß eines Gesetzes, be treffend die Versorgung der Familien der zu

den Fahnen einberufenen Reservisten und Landwehrmänner, wird dem Bundeskanzler überwiesen. Im Laufe der Debatte erklärt Staatsminister Delbrück, die Angelegenheit beschäftige den Bundesrath, welcher den An trag des Ausschusses erwarte. Ueber die Petition auf Erwerbunz der französischen

Flottenstation von Saigon bei dem Friedens schlusse wird zur Tagesordnung übergegangen Die Commission hatte die Ueberweisung an den Bundeskanzler gewunscht. Die nächste Sitzung des Reichstages findet Donnerstag statt. Tagesordnung: Interpellation Duncker und Roß wegen des Fahrwassers der Elbe; ferner Generaldebatte über die Verträge mit Baden, Hessen, Würtemberg und Bayern.

DerStaatsanzeiger veröffentlicht das Gesetz vom 29. November, betreffend den ferneren Geldbedarf für die Kriegführung.

DieProvinzial-Corresp. schreibt: Die Pontusfrage geht immer entschiedener einer friedlichen Loͤsung entgegen. Der von unserer Regierung ausgegangene Vorschlag einer Con ferenz zur Erörterung der Frage hat zunächst die Zustimmung Rußlands und Englands ge funden. Naͤch der zu erwartenden Beistimmung der übrigen Mächte wird die Conferenz un verweilt in London zusammentreten. Bei der versoͤhnlichen Stimmung aller Betheiligten ist an einem friedlichen Ausgang der Besprechungen kaum zu zweifeln.

DerStaatsanzeiger theilt eine Pu blication des Generalstabschefs des 14. Armee corps mit, wonach General Barral, welcher in der Loirearmee commandirt, während der Belagerung von Strasburg die Artillerie be fehligte und bei der Capitulation den Revers unterzeichnete, wodurch er sich auf Ehrenwort verpflichtete, nicht gegen Preußen zu kämpfen. In Folge hoherer Verwendung durfte er ab reisen, ohne nach Strasburg zurückzukehren, nachdem er das Ehrenschreiben unterzeichnet hatte. Barral ist somit im vollsten Sinne wortbrüchig.

DerBörsenzeitung zufolge erfolgte gestern Seitens der Bundesfinanzverwaltung definitiv die Acceptation der Propositionen des Consortiums für die Uebernahme der neuen norddeutschen Bundesanleihe,

DieNordd. Allg. Ztg. constatirt, daß der franzosische KriegsdampferDesalx am 28. Nov. englische Meilen von Dunge neß, also unzweifelhaft innerhalb Kauonen schußweite vom englischen Boden und mithin nach voͤlkerrechtlicher Bestimmung in britischen

Gewässern die Rostocker BarkeFrei- in Be⸗ schlag nahm, trotzdem der Lootse(ein Engländer) den commandirenden Lieutenant der franzoͤsischen Seeleute darauf aufmerksam machte, daß beide Schiffe sich in dem Augenblicke in britischen Gewässern befänden. Darin liegt eine wissent⸗ liche flagrante Verletzung des britischen Gebietes und der britischen Neutralität. Der norddeutsche Gesandte reclamirte in einer Note vom 8. Nov. sofort gegen die Zulassung eines solchen Neu tralitätsbruchs. Lord Granville bemerkt darauf, die Sache werde die volle Aufmerksamkeit der britischen Regierung erhalten.

Oesterreich. Wien. Gutem Vernehmen nach haben Oesterreich, Italien und England den von Preußen gemachten Vorschlag einer

Conferenz angenommen, nachdem ausdrücklich,

erklärt war, Rußland werde dem Vorschlage ohne Präjudiz beitreten.

Schweiz. Bern. In Folge bundesräth⸗ lichen Beschlusses ist der Durchzug der Einbe⸗ rufenen zur französischen Armee gänzlich verboten. Eine Beschlagnahme von Waffen, welche seit dem 29. October auf dem Bahnhof von Lausanne stattgefunden hat, betrifft 4200 Gewehre, 112,500 Cartouchen und 663,000 Kapseln.

Belgien. Brüssel. Die Nordarmee wird, wie das Gerücht geht, den strategischen Plan, sich mit der Loire-Armee zu vereinigen, aufgeben, ihren Rückzug nach Lille antreten und nicht einmal die Festung Arras zu halten versuchen.

DieIndependance veröffentlicht bereits Details von der Schlacht am Sonntag bei Amiens. Das Centrum der Franzosen war ein stark befestigtes Lager, auf ihrem rechten Flügel Villiers-Bretonneux(an der Amiens-Reims-Eisen⸗ bahn), auf ihrem linken Flügel zwischen Aves⸗ Dury. Manteuffel hatte sein Centrum in Moreuil (Straße Amiens-Compiegne). Blutiger zehnstün⸗ diger Kampf endete mit vollständiger Niederlage der Franzosen, die nur bei Dury sich behaupteten.

Ein Brüsseler Blatt berichtet, daß der Graf v. Chambord an den König von Preußen geschrieben und ihn mitlieber Vetter angeredet, aber gar keine Anwort erhalten habe. Ebenso habe das preußische Hauptquartier es abgelehnt, einen legitimistischen Agenten zu empfangen.

DieIndependance hat aus Tours den 28. Nov, folgendes Telegramm: Cremieux und Glais-Bizoin sind angeblich zur Anfeuerung der Loire-Armee abgereist. Der Kriegsminister setzte mehrere Commandirende wegen Unentschlossenheit ab.

Ueber den nächtlichen Besuch, welchen die Garibaldianer im Palais des Bischofs von Autun abgestattet haben, berichtet derGaulois, daß dieselben mit blanken Waffen in das Zimmer ein- gedrungen seien, worin sich der Bischof eben zur Ruhe begeben. Sie durchsuchten Alles auf's Ge- naueste und behaupteten, eine politische Mission zu haben; nach ihrem Abzug ergab sich jedoch, daß sie statt eines etwa hier versteckten Spions nur das kostbare Kreuz des Bischofs und dessen Taschenuhr an sich genommen, außerdem aber das Siegel des Bischofs confiseirt haben.

Großbritannien. London. Die Blatter sprechen aus, daß die preußische Vermittelung dankbar anzuerkennen sei, und hoffen auf eine friedliche Lösung mit Rußland.

Die Königin Viktoria hat die Kaiserin Eugenie besucht. Wie man vernimmt, wird die Kaiserin, nachdem sie den Besuch der Königin erwidert bat, im Laufe dieser Woche nach Wil⸗ helmshöhe abreisen.

Daily News bezeichnet die Angaben der auswärtigen Journale über eine Spaltung im Kabinet als leere Gerüchte. Das Kabinet sei über die Behandlung der Pontusfrage voll ständig einig.

Italien. Florenz. Der König empfing in großer Audienz die Glückwünsche des Magistrats wegen der spanischen Königswahl. Die spanische Deputation besteht außer 25 Deputirten aus 2 Generalen, 61 Offizieren, 14 Kammerherren und 12 Hofbeamten. Es werden derselben königliche Ehren erwiesen.

Türkei. Konstantinopel. Der Con-

serenzvorschlag ist von der Pforte angenommen worden, die Einberufung der Redif's 75 t.

Rusiland. Petersburg. Der Vorschlag, die orientalische Angelegenheit durch eine in London

zusammentretende Conferenz zu regeln, hat hier eine sehr günstige Aufnahme gefunden⸗

Frankfurt. Die letzten Tage führten Kranke und Verwundete, theils Deussche, theils Frauzosen durch unsere Stadt. Ein Zug halte nicht weniger als 1500 Patienten. Dazwischen kamen noch erhebliche Ge fangnentransporte hier durch. Nach einem hier in Um⸗ lauf befindlichen Gerüchte soll ein Theil der Diedenhofener Gefangenen in Frankfurt casernirt werden. Die fünfte Abtheilung des Fraukfurter Sanlätscorps(Bureau Har⸗ monie), lauter frische, jugendlich kräftige Gestalten unter Führung der Herren Osse und Wentz, welche erst vor einigen Tagen aus dem Felde heimgekehrt sind, sind nach Troyes abgegangen. Diese, wie bie anderen noch im Felde siehenden Abtheilungen werden nicht eher zurückkehren, als bis der Friede geschlossen.

rankfurt. Ein angesehener Bürger aus Mühlheim im Elsaß ist als Ueberbringer warmer Bekleidungsgegen⸗ stände für die gefangenen Franzosen hier eingetroffen. Derselbe glaubte, die Franzosen frierend, vor Hunger ab gezehrt und zähncklappernd zu finden, und war erstaunt, seine ehemaligen Landsleute so wohlgenährt anzutreffen.

Darmstadt. Die Mitrailleusen-Ausstellung ergab einen Reingewinn von etwas über 1000 fl., die dem Hülfsverein übermacht wurden. Die hier ausgestellse Mitrailleuse trat am 30. Nov. ihre Reise nach Worms an. Dieser Tage wurden vor dem hiesigen Bezirksstrafgericht zwei hiesige Dienstimänner und ein Frauenzimmer, abgeurtheilt, die in verschiedenen Dͤrfern des Odenwalbdes sich einer schändlichen Prellerei schulbig machten. Sie gaben vor, Geld für die verwundeten Soldaten zu sammeln und er⸗ schwindellen sich auf diese Weise beträchtliche Summen. Einem Bauern, der der Gesellschaft nicht recht traute, sagte einer derselben:Gigubt Ihr denn, es gäbe Jemand, der so schlecht sei, sich an Geld, das für arme Unglück⸗ liche bestimmt ist, zu vergreifen? Leider sollen derartige Schwindeleien öfter vorkommen. r

Berlin. Das Generalpostamt hat unterm 26. d. M. folgende Bekanntmachung erlassen;Im norddeutschen Postverkehr sollen fortan Drucksachen unter Band, welche im Uebrigen den reglemenarischen Vorschriften entsprechen, auch dann gegen die ermäßigte Taxe besördert werden, wenn das Stireif- oder Kreuzband die Außenfläche der Sendung ganz bedeckt. Das Band muß aber stets so angelegt sein, daß dasselbe abgestreift und die Beschrän⸗ lung des Inhalis der Sendung auf Gegenstände, deren Versendung unter Band gestattet ist, erkannt werden kann In Betreff der Größe des Bandes bei, solchen Drucksachen, welche nach Orten außerhalb des norddeutschen Postgebiels gesandt werden, tritt eine Veränderung in den bisherigen Vorschristen nicht ein.

Bitte.

Da wir beabsichtigen auch in diesem Jahre eine Christbescheerung für die Kinder, welche die hiesige Kleinkinderschule besuchen, zu ver⸗ anstalten, so bitten wir die Bewohner unfrer Stadt uns dazu mit Gaben, zu deren Empfang jede der Unterzeichneten bereit ist, freundlichst unterstützen zu wollen.

Obwohl in diesem Jahre die Ansprüche an die Opferwilligkeit so überaus groß und viel fach sind, so hoffen wir doch für unsere Kleinen keine Fehlbitte zu thun und bemerken, daß die Zahl der Kinder der Kleinkinderschule in diesem Winter eine außergewöhnlich hohe ist.

Friedberg den 1. Dezember 1870.

A. N. Klippstein. Ch. Werner. Th. Diefenbach. E. Trapp.

Christgeschenke für unsere Soldaten im Felde.

Einem von Gießen ausgegangenen Aufrufe zur Uebersendung von Christgeschenken an unsere im Felde stehenden hessischen Soldaten schließen wir uns an und sind bereit, Pakete, welche uns bis zum 13. Dezember franco hier- her geliefert werden, kostenfrei an das Comité in Gießen zu befördern, von wo dann die Sendungen durch einige zuverlässige Männer nach dem Kriegs schauplatze den Angehörigen unserer Division überbracht werden sollen.

Friedberg den 2. Dezember 1870.

Das Comité zur Erfrischung durchziehender Truppen und Versorgung der hess. Feldtruppen: C. Bindernagel. C. Groß. G. Hieroni⸗ mus. J. Koob. J. Morschel. A. Metzen⸗

dorf. J. Pfeffer. Ph. Ritzel. Gerson Schulhof. G. Schwarz C. F. Schleuning⸗ A. Velte.

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