Ausgabe 
3.9.1870
 
Einzelbild herunterladen

Wiedererwerbung von Elsaß und Lothringen, auf rie Zurücdkweisung jeder fremden Einmischung in die Frledensverhandlung sowie auf eine würdige Gesammtvertretung des deutschen Volkes ausdrücken.

Würzburg. Die von hier abgeführten französischen Ossiziere erhielten bei ihrer Ankunft in Erfurt die Ordre zur sofortigen Weiterreise nach Stettin. Am 29. Aug. passirten dahier sechs geheizte Locomotiven, welche nach Nancy zum Betriebe der Bahn bestimmt sind; auch eine größere Anzahl sächsischer und preußischer Bahn- Inspectoren und Postbeamten gingen bereits nach dem Elsaß und Lothringen ab.

Landau. Das 30. baperische Landwehr⸗ bataillon(Speier) passirte unseren Bahnhof. Sein Bestimmungsort u ist Weißenburg, wo es bei den Bürgern einquartirt werden soll, zur Strafe dafür, daß in einem dortigen Hause, wie man vernimmt, französische Soldaten seit dem 4. Aug. verheimlicht worben waren. Außerdem müssen von den Bürgern täglich 2 Franken jedem Sol- vaten Kriegsentschädigung ausgezahlt werden.

Würtemberg. Stuttgart, Gutem Ver- nehmen nach hat der Minister des Auswärtigen, Freiherr v. Varnbüler, seine Entlassung erbeten und erhalten. Freiherr v. Svitzemberg, ber diesseitige Gesandte am Verliner Hofe, ist hierber berufen.

DerStaatsanzeiger meldet die Eat- lassung des Frbrn. v. Barnbüler von der Ver- waltung seiner Ministerien sowie von dem Präsi⸗ dium des Geheimen Rathes, unter allerhöchster Anerkennung der von ihm geleisteten Dienste. Zum interimistischen Nachfolger ist Graf Taube ernannt.

Oester reich. Wien. Die Aufstellung dreier neuer Reserve- Armeen in Norddeutschland wird hier sehr bemerkt. Man erblickt in dieser Maßregel einen eminent politischen Act, ein sehr handgreifliches Argument für den in der gesammten deutschen Presse verfochtenen Satz, daß jede fremde Einmischung bei den Fried ensverhandlungen, welche Deutschland den Preis seiner so blutig erkauften Siege schmälern könnte, ferngehalten werden müsse. Frankreich. Paris, 30. August. Der Personenverkehr zwischen Paris und Brüssel ist bis auf weitere Ordre eingestellt worden, ebenso der Personenverkehr zwischen Paris und Calais und der zwischen Paris und Boulogne wird demnächst gleichfalls eingestellt werden.

Im gesetzgebenden Körper sagt Picard, hinter dem Rücken des Ministeriums bestände eine geheime Regierung. Der Minister des Innern, Chevreau, erwidert, der jetzige Moment, wo man von Einigkeit spreche, sei für solche Insinuation unpassend.

Das Ministerium des Junern veröffent licht unter Reserve folgende Mittheilungen: Der Marsch des Feindes auf Paris scheint

aufgehalten zu sein. Mac Mahon setzt seine Bewegung fort. Derselbe hat kein ernsthaftes Engagement gehabt. Chalous scheint bestimmt 1 zu sein. Die Nationalgarden von isne und anderen Departements organisiren sich, um dem Feinde einen kräftigen Wider- stand entgegenzusetzen.

Nach derPresse, würden das Kriegs ministerium, das Ministerium des Auswärtigen, das Finauzministerium und das diplomatische Corps sich nach Bourges, das Ministerium des Innern nach Tours begeben, während das Justizministerium und der öffentliche Unterricht in Paris verblieben.

Die österreichische Gesandtschaft und das österreichische Generalconsulat retteten vor gestern nach Brüssel ihre Archive und Werth gegeustände. Seit Freitag sind nahezu 80,000 personen von Paris fluͤchtig nordwärts gereist.

30. August.Figaro veröffentlicht ein Telegramm aus New-Nork, wonach aus verschie denen Städten der Union 20 Schiffe von sehr starlem Tonnengehalt und außerordentlich armirt, ausgelaufen selen, die eine Verstärkung der deut schen Kriegemarine bilden sollen. Die Absicht dieser Flotte sei, die französischen offeuen Städte zu plündern. Diese Nachricht rief allgemeine Be

uuruhigung und Bestürzung bervor, so daß die

Regierung die Nachricht mit 0 Bestimmtheit dementirte, mit dem Bemerken, daß auf a Maßregeln ergriffen seien, um diese Flotte energisch zu empfangen. 1

DemSchwäb. Merk. wird von hier telegraphirt:Die Situation der Fremden wird stündlich beängstigender, unter 3000 aus Splonsr· wuth seit Donnerstag Verhafteten sind selbst 150 Oesterreicher. Metternich remonstrirt. Das deutsche Hotel Meyerbeer(in den elyseeischen Feldern) wurde von Volkshaufen verwüstet. In den Markt- hallen kam es zu Gräuelscenen wegen übertriebener Forderungen der Bauern für Lebensmittel.

Belgien. Ein am Pariser Bahnhofe an- geschlagenes Placat kündigt an, daß bis auf weitere Ordre seit dem 30. Aug. Morgens 7 Uhr die Personenzüge nech Belgien eingestellt sind.

Es ist den französischen Präfecten der nördlichen Gränzdepartements der Befehl ertheilt worden, den General Cluseret zu verhaften, wenn er französisches Gebiet betreten sollte.

31. Aug.Etoile belge meldet aus Carignan vom 30. v. M.: Der Kaiser ist- in Ferme la Hibella eingetroffen und wird Jer er- wartet. Der kaiserliche Prinz soll in Avesnes (befestigte Stadt im Nord Departement) sein. DieIndependance belge meldet: Der Kaiser weigert sich, die von Palikao angeordnete Er- setzung Failly's durch Wimpffen(5 Corps) zu bestätigen.

Dasselbe Blatt hat eine Depesche aus Avesnes, Departement du Nord, erhalten, nach welcher der kasserliche Prinz am 30. v. M. Abends um 5 Uhr in Begleitung von einigen Hundert- garden dort eingetroffen und in dem Hause des Gerichtsprästdenten von Avesnes abgestiegen ist.

31. Aug. Nach derEtoile belge sind die Preußen so eben in Carignan eingerückt in Folge eines am 31, stattgefundenen Gefechts mit beträchtlichen Verlusten auf beiden Seiten. Die Preußen haben 4 Mitrailleusen erobert. Die Einwohner vor Carignan flüchten. Heute Morgen hat ein neues Gefecht sich entsponnen bei Armigny (zwei Kilometer von Douzy auf der Straße von Sedan nach Montmedy). Die belgischen Recog⸗ noscirungstruppen stehen an der Gränze. Das Hauptquartier des Grafen v. Flandern ist n Philippeville aufgeschlagen. In den Gränzwäldern

zwischen Belgien und Frankreich zeigen sich Nachzügler. Frankfurt. Dr, Frank v. Lichtenstein, ein junger

hiesiger hoffnungsvoller Arzt, welcher am 1. December als Assisteut in das biesige Bürgerspital eintreten sollte, hatte sich als Freiwilliger dem Gardeschützenbataillon angeschlossen. Im Begriffe, auf dem Verbandplatze in der Schlacht bei Graveloite einen Verwundeten zu verbinden, traf ihn eine Kugel in die Brust, welche ihn augenblicklich tödtete. Mehrere Milglieder des hiesigen freiwilligen Sanstätscorps, welche die Schlacht miigemacht und auf den Verbandplätzen thätig waren, besiäligen, daß trotz der Genfer Flagge auf diese geschossen worden sei. Alle hier ankommenden, aus Frankreich ausgewiesenen Deutschen stimmen darin überein, daß die schändlichsten Gewaltthätigkeiten von der Regiezung wle vom Volke gegen die Deulschen verübt würden. Die Schilderungen sind der Art, daß jedem Hörer das Herz in Uunmuth über diese Bestialitäten auswallt. Unter Begleitung des Fürsten von Isenburg fuhren gestern mehrere Bienstmänner nach Metz um dort die Leiche des Fürsten von Isenburg-Wächtersbach auszugraben und hierher zu bringen.

Frankfurt. Der General von Voigts-Rhetz schreibt (nach Angabe derKöln. Zig.) an den Oberpräsidenten von Hannover:Um gesund bei der Cernirung von Metz zu bleiben, sind Rum, Chocolade, starke Weine, Leibbinden, Fußlappen(auch wohl wollene Strümpfe und Socken 7), Schinken wünschenswerth. Ein beherzigens⸗ werther Fingerzeig für die Hülfsvereine! Die bei den Franzosen so belieble Verletzung der Genfer Convention hat in dlesen Tagen auch einen unserer Mitbürger in große Gefahr gebracht. Herr Dr. med. G. Schott, Feld- arzt im 3. badischen Dragoner Regiment, wurde, während er beschäftigt war, Verwundete bei der Vorpostenketie vor Straßburg aufzusuchen, nebst den ihn begleitenden drei Krankenträgern von den Franzosen gefangen genommen und trotz energischer Prolestaulon nach Straßburg ab⸗ geführt. Der fanalische Pöbel bedrohte die Gefangenen der Art, daß man sie in einem Wagen durch die Ssadt lransportiren mußte. Etst am folgenden Morgen wurden sie wieder in Frelhett gesetzt. Da sich in letzter Zeit außerordentlich viel Leute an die Eisenbahnwaggons heran⸗ drängten und bei den Gefangenen ihr Französisch an den Maun zu bringen suchten, wobel nicht zu vermeiden war, daß verletzende Aeußerungen flelen, so ist der Verkehr mit den Gefangenen strengstens untersagt: Diejenigen, welche

ee

mit denselben zu thun baben, sollen ihre Conversation

auf bas Nothwendigste beschränken. 1 1 6 9 Am 27 August kam ein aus 40 Wag ndener Zug mit thells schwer, theils leicht

verwundeten Franzosen hier an. Die ersteten blleden hier,

die letzteran wurben unter Begleitung von.

des hiesigen Sanitätscorps nach Breslau birigirt. Die meisten Gefangenen waren Spahis und Turkos vom reinsten Ebenholz, schwarz, breisen aufgeworfenen Lippen und gebrückter Nase. Die Freundlichkeit, mit welcher man den Gefangenen entgegenkommt, steigert, wie es scheint, auch deren Ansprüche, denn mehrfach wurden von ben selven Confituren und Chocolade verlangt.

Darmstabt. Daß die in bem Bessunger Orangerie haus

liegenden verwundeten Turcos noch nichtso zahm wie

eine Hauskatze geworden sind, wie sich ein auswärtiges Blat von hier berichten läßt, beweist eine kürzlich dort gespielte Scene. Ein am Fuß bedeutend verwundeter Turcos, der im Freien auf einer Bank saß, gerieth mit einem andern verwundeten Franzosen in Händel. Der ganz wüthend gewordene Turcos, der 11. auf seinen Fuß treten konnte, erbob die Bank gegen seinen Widersaget und drohte ihn todtzuschlagen. Nur mit großer Mühe gelang es, den Wüthenden, der, wie wir hören, zun weile von hier weggebracht werden soll, von Gewaltthäligkeit

abzuhaften.

Darmstadt. Am 29. August starb in Pont à Mousson Ernst Schwab, der 20jährige Sohn des hiesigen Kauf manns Theodor Schwab. Im Dienste der Humanstät war er mit dem Grafen v. Erbach⸗Schönberg(der zu denjenigen Johannitet Rittern zählt, die sich durch freund- liches Benehmen auszeichnen) als freiwilliger Kranken- pfleger vor 14 Tagen von hier abgerri. Er erlag den Strapazen und Entbehrungen, die mit dem Amt, das er übernahm, verbunden sind.

In Weinheim a. d. B. wurde, wie von bort kom⸗ mende Leute versichern, zeitweise das Bombardement vor Straßburg deutlich vernommen. 11

Trier. Eine ergreifende Episode erzählt dieTrler.

ig. aus der Schlacht bei Metz wie folgt: Die brei

öhne des Metzgers Peter Blau, die bei dem zweiten Garde ⸗Grenadier Regiment in derselben Compagnie und in demselben Gliebe nebeneinander standen, sind in dem blutigen Gefecht bei Metz vom 18. Aug. gleichzeitig von dem feindlichen Blei getroffen worden. Einer wurde leicht verwundet, der zweite aber schwer, während der dritte, von zwei Kugeln in die Brust getroffen, dort auf der Stelle geblieben ist. Als seine beiden Brüder neben ihm N einer ihn fragte, wie er sich befinde, war sein letztes Wort:Deck mich zu, es wird mir kalt! Der Leichtverwundete ist bereits hier bei seinen Eltern ein⸗ getroffen, die Ankunft des andern wird noch erwartet.

erlin. In der preußischen Verlustliste Nr. 3 finden

wir als Verwundeten genannt Herrn v. Schenk, Lieutenant im wesipreußischen Kürassir-Regiment Nr. 5. Ueber die Art der Blessur ist dem Namen beigefügt:Von seinen Quartiergebern in Wörth durch Messerschniste an beiben Händen verwundet.

Lazareth Turnhalle.

Unser Magazin und Büreau ist von heute an nicht mehr in dem Lokal Frohsinn, sondern in dem Hause des Herrn Heinrich Müller II. Wwe., hinter der Turnhalle gelegen. b

Alle Gaben bitten wir bei dem Rechner des Hülfsvereins Herrn Jean Huber abzugeben und diejenigen Gegenstände, welche dem Verderben unterliegen, auf unserem Büreau, Nachmittags von 2 bis 4 Uhr, zum Abholen bei Bedarf, anzu- melden.

Artikel, die gegen Zahlung geliefert werden sollen, dürfen nur gegen Bestellzettel, ge zeichnet von einem der Verwaltungs Mitglieder abgegeben werden und sind diese sammt Rechnung allwöchentlich läugstens bis Samstag 4 Uhr auf unserem Büreau einzureichen,

Friedberg den 3. September 1870.

Die Verwaltungs Commission. Ph. Billa u. Reallehrer Blickhahn. E. Ermus. Fr. Hecht. J. Hoffmann. Reallehrer Dr. Schmid. Director Schäfer,

Bitte

um Wein und Cigarren für das Laza⸗ reth Turnhalle, welche beide Artikel sehr nöthig thun und mangeln.

0 Für das Comité: Jean Huber.

Schwarze Kaiser-Cinte et in Flaschen 8 und 14 kr. stets zu bahen bei Bindernagel& Schimpff⸗

07

witst