Ausgabe 
3.3.1870
 
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Anträgen der Abgeordneten Kirchmann und Fries, mit 115 gegen 81 Stimmen beschlossen.

Nach demB. B. C. soll der König von Preußen persönlich gegen die Aufhebung der Todesstrafe sein, weil er darin eine Schmälerung der Hoheitsrechte erblickt. i

Wie derKarlsr. Ztg. ohne Zweifel von ofsiziöser Stelle aus Berlin gemeldet wird, entbehrt die Nachricht von der Entlassung Mühler's aller Begründung. 0

Bayern. München. Der baverische Ge sandte in Wien, Graf Brap, hat telegraphischen Berichten nach dem Könige seine Geneigtheit, das Portefeuille des Aeußeren zu übernehmen, aus- gesprochen und man sieht seiner Hierherkunft von Wien in den allernächsten Tagen entgegen.

Baden. Karlsruhe. DieKarlsruher Zeitung bringt einen Artikel in Bezug auf den Antrag des Reichstagsabgeordneten Lasker, in welchem sie erklärt, daß die badische Regierung diesem Antrag durchaus fremd sei. Ihre politische Richtung berube wesentlich auf den Landes-In- teressen und Rückfichten Badens. Der Artikel schließt mit den Worten:Die Regierung stätzt ihre Hoffnung auf die Erreichung Dessen, was die Interessen des Landes dringend erheischen, und darauf, daß diese Interessen im entscheidenden Punkte mit den unvertilgbaren Bedürfnissen und Bestrebungen des gesammten deutschen Volkes zu⸗ sammenfallen. Die Hoffnung kann nur gestärkt werden durch die wiederholte nachdrückliche Er⸗ klärung des Bundeskanzlers, daß auch er die gegenwärtige halbe Einigung Deutschlands nicht als ein Definitivum betrachte.

Oesterreich. Aus Krakau kommt die Nachricht, daß Barbara Ubrtk am 24. Februar im Heiligengeist⸗Spitale gestorben sei. Das Leichenbegängniß soll aus Furcht vor Demon- strationen geheim Statt finden.

Wien. Die Wiener Buchdruckerei und Schriftgießereibesitzer werden am 1. März in ihren Offtzinen einen neuen Tarif, welcher den Verdienst der Gehülfen wesentlich gusbessert, in's Leben treten lassen. Der Strike der Setzer dauert in⸗ zwischen fort und scheint schwere Consequenzen für andere Kreise nach sich zu ziehen; denn W. Bl. zufolge bereiten jetzt auch die Kellner, die Gerber, die Bäcker, die Schneider und Schuhmacher der österreichischen Hauptstadt Arbeitseinstellungen für die nächste Zeit vor.

Ein offizieller Bericht an den Budget⸗ Aus schuß gibt an, daß die Rettungsarbeiten im Salzbergwerk von Wieliczka bis Ende 1869 bereits 294,787 fl. gekostet haben. Der Werth des ausgepumpten und in die Weichsel abgeleiteten Salzwassers ist nicht veranschlagt. Nach den offiziellen Versicherungen sollten die angesammelten Wassermassen spätestens bis Ende Juni 1869 aus gepumpt und die Süßwasserquelle verstopft sein. Es ist aber bis heute noch nicht gelungen.

Schweiz. Schweizer Blätter bringen fol. gende Nachricht: Von dem Kanton Aargau wurde dem Bischof von Solothurn anbefohlen, von Rom unverzüglich an den Sitz seiner Diözese zurückzukehren, da ihn, wie es in der Motivirung beißt, die Diözesan⸗Kantone für Besorgung seiner bischöflichen Angelegenheiten und nicht dafür be⸗ solden, daß er in Rom für die Infallibilität des Papstes wirke.

Frankreich. Paris. Fast alle Blätter beschäftigen sich mit der Kammersitzung vom 25. Febr., in welcher mit dem Zugeständniß der Regierung, sie wolle auf die offiziellen Kandida⸗ turen verzichten, daspersönliche Regiment zu⸗ sammengestürzt ist mit der Niederlage, welche die Rechte der Kammer erlitten. DieLiberte nennt die Sitzung eine würdige Feier des Jahrestages der Ploklamation der Republik. DiePresse sazz Der gestrige Tag ist des Sadowa der Rechen gewesen. Zum ersten Mal hat sie das Minlsterium von vorn angegriffen und ihm eine regelrechte Schlacht geliefert; sie hat eine jener Niederlagen erlitten, von denen man sich nicht wieder erbolt.

Das Abendblatt desJournal officiel bestätigt, daß der Staatsrath die Reduktion des

Contingents pro 1871 um 12 15,000 Mann beschlossen habe.

Obgleich vielfache Bankette zur Feier des Jahrestages der Proclamation der Republik von 1848 abgehalten wurden, so kam es doch nirgends zu Demonstrationen. f

Großbritannien. London. Eine Ver⸗ minderung der Flokten- und Heeresausgaben um 1,883,000 L. dies sind die Ergebnisse dessen, was Kriegs- und Flottenminister in ihrem Bereiche für dieses Jahr zusammengestrichen haben. Davon kommen auf die Flotte 746,111 L., auf das Heer 1,136,900 L. Gewiß ein bedeutendes Er- sparniß, zumal wenn man bedenkt, daß das letzte Armee⸗Budget ebenfalls um eine Million L. ver⸗ ringert worden war. Somit beträgt dessen Er- mäßigung seit der Uebernahme durch das gegen⸗ wärtige Kriegsministerium schon 2,692,000 L.

Spanien. Die beschäftigungslosen Arbeiter haben auf ihren Versammlungen ein Gesuch an die Cortes beschlossen und bereits überreicht, welches nach einer kurzen Einleitung lautet:N die Arbeit unser einziges Erbtheil ist und gegen wärtig mehr als 40,000 Arbeiter und eben so viele Familien wegen Mangels an Arbeit zu Grunde gehen, so ditten wir die verfassunggeben den Cortes, mit der erforderlichen Beeilung die sociale Frage zu lösen, indem sie alle Mittel nahelegen, um die Söhne der Arbeit von dem sicheren Tode zu erretten und das Land vor ernsten Kämpfen zu bewahren.

Nußland. Petersburg. Der bereits vor zwei Jahren angeregte Plan, in Sibirien eine Universität zu errichten, ist neuerdings wieder aufgenommen worden. Es haben sich von den in Irkutsk, Tobolsk und Omsk freiwillig zurück gebliebenen Verbannten mehrere zur Uebernahme von Lehrerstellen erboten, unter ihnen zehn Lite raten, die auf deutschen Univeisitäten studiet haben, und acht Priester, die im Seminar ihre Ausbil- dung erlangten.

Amerika. DieNewyorker Handelsztg. meldet einen Vorgang, welcher ernste Folgen haben könnte. Auf den Straßen von Havana wurde auf vier Amerikaner gefeuert, weil sie blaue Hala binden trugen. Zwei von ihnen wurden getödtet, die Anderen verwundet. Der Generalcapitän ist außer sich, und Herr Fish verlangt Erklärungen. Wollte man Krieg, so würde es nicht an Grün den fehlen.

Ober-Mörlen. Unser Gesundheitszustand beschästigt noch immer(in Nr. 46) das Mainzer Abend blatt). Nur tritt stait des H' Correspondenten ein R⸗Correspondent auf(falls nicht P-Correspondent aus Gründen schwieg und als R-Correspondent hervorsprang, um den H zu sekundiren). R behauptet gerade wie, mit solchen Beweisen den hiesigen unzünstigen Gesund heitszustand, daß wir kaum mehr zu folgen vermögen, zumaldes Lebens Unverstand mit Wehmuth zu genießen uns eben nicht amüsirt. Der R bricht eine neue Bahn in der statistischen Berechnung: denn nach seiner Theorie ist, falls z. B. in einem Dorfe von 2000 Seelen in einer Woche 4 Personen zufällig sterben, die Sterblich keit eine enorme, nämlich 10,5%; sterben gar z. B. in einem solchen Dorfe in einem Tage 3 oder 4 Personen so ist die Sterblichkeit unerhört, denn nach R's Theorie sind es ganze 540%. E ist aber auch galant, er wirft uns vor, daß wir in Nr. 20 d. Bl.die Grenzen des Anstandes und der guten Sitte überschritten hätten. Das kann wahr sein, denn wir haben gegen etwas zu kämpfen versucht, wogegen die Götter vergebens kämpfen, nämlich gegen Gescheidigkeit im Uebermaß. R wirft uns weiter eine närrische Wuth vor. Das Ist, gelinde gesagt, ein zu kühner Sprung, haben wir doch in Nr. 20 uns schuldig erklärt aus Versehen geirrt zu haben, während wir nur die Behauptungen des H nicht gelten ließen, und sogar zum Schlusse harmlose Wünsche in Bezug auf Berichte über Consum gebratener Gänse und Epidemieen des Borstenvieh's in K. äußerten, um damit die seltene Begabung unseres Freundes in R anzuerkennen. Und wenn X in solchen harmlosen Wünschennärrische Wuth erblickt, so muß es ihm, als er die Antwort an M beherzigte, ergangen sein, wie dem Prinzen Katzen⸗ jammer, dem sich, weil er voll Galle ist, Alles was sich um ihn befindet, in grüngelber Farbe repräsentirt. Indessen sehen wir in aller Wuth, wenn's denn so sein soll, den wuthlosen weiteren lilerarischen Produkten des R oder Hentgegen, vielleicht dürfte auch, da eben der März begonnen, ein ergänzender Bericht über die Katzen⸗ sepidemieen in K., bald zu erwarten sein. Schließlich

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) Wir hatten in dieser Angelegenheit die Debakten für geschlossen erklärt. Da aber dasAbendblatt die selbe wieder aufgreift, so glaubten wir nachstehender Er⸗ wiederung einen Platz einräumen zu sollen.

Die Red.

bitten wir H und R die sogenannten Retourchatsen 1 vermeiden, denn wir sind nicht einmal angehender Journallt, geschweige denn ein Publicist. Noch zum Schlusse das

Wort an H und R!Macht noch Artikel mehr, daburch empfeblt ihr sehr, Namen und Ort.

Gießen, 25. Februar. Die Sitzungen des Schwur⸗ gerichts der Provinz Oberhessen vom I. Quartal l. J. werden Montag den 4. April, Vormittags 9 Uhr, unter dem Vorsitze des zum Präsidenten bestimmten Großher⸗ zoglichen Hofgerichtsraths Herrn Dr. Müller beziehungs⸗ weise des zu dessen Stellvertreter ernannten Großherzoglichen Hofgerichtsrachs Herrn Muth eröffnet werden und es sind demzusolge in der heute stattgehabten öffentlichen Sitzung Großherzoglichen Hofgerichts dieser Provinz die Haupt⸗Geschwornen in folgender Ordnung ausgeloost wor⸗

den: 1) Konrad Kromm VI., Metzger in Schotten, 2) Hein⸗ a

rich Suppes, Landwirth in Maar, 3) Wilhelm Ros, Branntweinhändler in Lauterbach, 4) Karl Jugharbt, Zeugfabrikant in Gleßen, 5) Johann Wilhelm Kurz, Kaufmann daselbst, 6) Conrab Dietz II., Bürgermeister in Heisters, 7) Johannes Hofmann III., Landwirth und Müller in Altenschlirf, 8) Johannes Oehl, Mehlhändler in Grünberg, 9) Franz Vost, Fabrikant daselbst, 10) Jo⸗ hannes Schrimpf I., Landwirth in Schlechtenwegen, 11) Heinrich Diefenbach XI., Landwirth in Berstadt, 12) Christian Löber I., Bäcker und Oeconom in Gießen, 13) Albert Kraatz, Commissionär daselbst, 14) Georg Slark II., Landwirth in Harbach, 15) Philipp Zinßer, Färber in Grünberg, 16) Louis Kloch, Pachter in Birk⸗ lar, 17) Philipp Scheuermann, Landwirth in Echzell, 18) Dr. Hermann Hoffmann, Professor in Gießen, 19) Heinrich Müller, Landwirth in Weid-Moos, 20) Jacob Pflanz, Landwirth in Unter- Wegfurth, 21) Friedrich Möller II., Müller in Angersbach, 22) Wilhelm Sei⸗ bold II., Bürgermeister in Vilbel, 23) Heinrich Simon, Landwirth in Fleschenbach, 24) Idhannes Alt, Geld⸗ wechsler in Lauterbach, 25) Johannes Jöckel V., Schild⸗ wirth in Grünberg, 26) Heinrich Conrad Schaubach, Deconom in Nieder-Florstadt, 27) Georg Schul, Lein⸗ wandfabrikant in Schlitz, 28) Heinrich Stöpler II., Fabri⸗ kant in Lauterbach, 29) Friedrich Maurer, Rentier in Gießen, 30) Seligmann Reiß, Kaufmann in Herbstein.

Gießen. Vergangenen Samstag brannte es in der im Oswald'schen Garten befindlichen Menagerie Kleeberg's. Durch Unvorsichtigkeit beim Pfannkuchenbacken gerieth das Fett in Brand. Um das Feuer zu ersticken, schüttete man Wasser in dasselbe, worauf denn die Flamme erst recht in die Höhe schlug, so daß das über dem Coaksofen zum Trocknen lagernde Stroh alsbald sich entzündete und die hellen Flammen aus dem Zeltbache schlugen. Der Kalt⸗ blütigkeit der Wärter gelang es indeß, des entfesselten Elementes ohne weiteres Unglück Herr zu werden, so daß, als eine Spritze ankam, die Gefahr beseitigt war. Von den Insassen der Menagerie ist keines beschädigt, nut bedurfte es längerer Zeit, um die erschrockenen Thiere zu berubigen. Möge man sich in Zukunft ein wenig vor⸗ sichtiger benehmen.

Frankfurt. Das Immobilien-⸗Geschäft hat im ab⸗ gelaufenen Monat Februar einen ungeahnten Ausschwung genommen und erinnert der erzielte Umsatz an die Glanz⸗ periode vor 1866. Dae umgesetzte Capital beziffert sich, soweit uns bekannt, auf 1,120,000 fl. Hand in Hand damit gingen die Er- und Vermiethungen von Wohnungen. Hoffentlich wird die wiedererwachende Baulust den Mangel an Logis mittlerer Größe bald beseitigt haben.

Vom Main. Nach einer Bekanntmachung der Direction der Main-Neckar-Bahn werden nunmehr auf dieser Bahn Rundreise-Billets, gültig während 30 Tagen und für alle Züge, mit bedeutend ermäßigten Fahrpreisen abgegeben. Vor der Hand sind folgende 4 Touren einge⸗ richtet: 1. Tour. Frankfurt nach München und zurück über Heidelberg, Bruchsal, Stuttgart, Ulm, Augsburg, München, Regensburg, Nürnberg, Würzburg, Aschaffen⸗ burg, oder in umgekehrter Richtung. II. Tour. Frankfurt nach Prag und zurück über Mannheim, Heidelberg, Bruchsal, Stuttgart, Ulm, Augsburg, München, Regens⸗ burg, Schwandorf, Furth a. W., Prag;, Furth a. W., Schwandorf, Nürnberg, Würzburg, Aschaffendurg, oder in umgekehrter Richtung. III. Tour. Frankfurt nach Wien und zurück über Heidelberg, Bruchsal, Stuttgart, Ulm, Augsburg, München, Salzburg, Wien, Linz, Passau, Regensburg, Nürnberg, Würzburg, Aschaffenburg, oder in umgekehrter Richtung. IV. Tour. Frankfurt nach Constanz (Bodensee) und zurück über Heidelberg, Carlsruhe, Baden, Appenweier, Offenburg, Freiburg, Müllheim, Basel, Waldshut, Neuhausen, Schaffhausen, Constanz, Bodensee⸗ Dampfschiffe, Friedrichshafen, Ulm, Stuttgart, Heilbronn, Jaxifeld, Wimpfen, Heidelberg, oder ab Heidelberg in um⸗ gekehrter Richtung über Wimpfen ꝛc.

Graz. Die Affaire Unger fährt fort, die öffentliche Aufmerksamkeit zu beschäftigen. Das von der Grazer

Tagespost publicirte medieinische Gutachten der Gerichts⸗ ärzte spricht sich für die in hohem Grade vorhandene

Wahrscheinlichkeit eines gewaltsamen Todes aus,

Verloosungen. 5 Wien, J. März. Bei der heutigen Ziehung der 100 fl.⸗Loose von 1864 fiel der Hauptgewinn von 200,000 fl. auf Serie 3950 Nr. 71, der zweite Treffer auf Serie 2562 Nr. 14, der dritte Treffer auf Serie 3950 Nr. 29, der vierte Treffer auf Serie 3544 Nr. 89. Außerdem wurden folgende Serien gezogen: Serie. 41 509 803 1284 1748 und 2574.

Istaelitischer Goltesdienst in Friedberg. B 90 i 3 Freitag Abends Me 5 Samstag Morgens Uhr.

* Domanic Berstege

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