Ausgabe 
3.2.1870
 
Einzelbild herunterladen

Im gesetzgebenden Körper beantwortete Minister Buffet die Interpellation über die Dekrete vom 9. Jauvar, betreffend die temporäre Zu⸗

lassung fremder Fabrikate. Derselbe wies die Mißbräuche und Betrügereien nach, welchen durch die Dekrete ein Ende gemacht werde, und fügt hinzu: Die Regierung werde solche Abschlüsse, welche eine bestimmte Zeit vor dem Erscheinen der Dekrete gemacht seien, gelten lassen. Ein Gesetz über temporäre Zulassung fremder Fabrikate solle in Kurzem vorgelegt werden. Die Rede des Ministers fand gute Aufnahme und wurde die einfache Tagesordnung mit 181 gegen 6 Stimmen angenommen. 8

Rußland. Nachrichten aus Petersburg berichten von der Entdeckung einer weit verzweigten russischen Verschwörung Folgendes: Am Thron⸗- besteigungstage des Kaisers(den 19. Februar) sollte und soll noch eine Art Bartholomäusnacht oder sicilianische Veeper in Scene gesitzt, die kaiserliche Familie ausgerottet, alle Deutschen er⸗ mordet und statt dessen einerein slavische Ver⸗ waltung organisitt werden. Man erzählt, über 700 Personen seien durch die vorgefundenen Papiere compromittirt. Eine Menge sind ergriffen und spurlos verschwunden. Frauen sind auch bei der Sache betheiligt. Bestätigung ist abzuwarten.

In dem Bericht des Firanzministers über das Reichsbudget für das Jahr 1870 heißt es: Die Erhöhung fast sämmtlicher Einkünfte dauerte, Dank der friedlichen Entwicklung der moralischen und materiellen Interessen, in Jahr 1869 fort. Die Finanzen des Reiches erwerben immer mehr eine dauerhafte Grundlage.

S. Friedberg. Ein erschütternder Todesfall hat in unseten Mauern allgemein die größte Theilnahme hervor⸗ gerufen. Es starb nämlich, seit wenigen Tagen nur am Scharlachfieber erkrankt, verflossenen Mont ig der Großb. Liculenant Momberger vom hiesigen Jägerbataillon, ein von seinen Vorgesctzten und Kameraden werihgeschätzter, bei seinen Untergebenen beliebter und verehrter junger Offizier von 20 Jahcen, der sich in der kurzen Zeit seines Hierseins auch außerhalb der wilitärischen Kreise viele Freunde und Gönner zu erwerben gewußt halte. Gestern in den Nachmittagsstunden fand das feie liche Leichen begängneß mit militäcischen Ehren unter Vorantriit der Musik und unter zahlreicher Bethenligung der hiesigen Einwohnerschaft stalt. Friede seiner Asche!

K. Friedberg. Es ist zwar schon in einer früheren Nummer dieses Blattes auf die gegenwärtig dahier weilende Menagerie des Hru. Kleeberg aufmerksam gemacht und der Besuch derselben für Eltern mit ihren Kindern und für Lehrer mit ihren Schülern empfobsen worden unter besonderem Hinweis auf die sehr selten in so schönen und kräfugen Exemplaren gezeigten Thiere. Einsender hat die Menagerie mit seinen Kindern dieser Tage besucht und muß gestehen, die gehegten Erwartungen fand er in hohem Maße übertroffen; noch selten sah er in den verschiedenen, von ihm schon besuchten zoologischen Gärten einen so kräft g gebauten, majestät:schen Löwen, wie den des Hrn. Kleeberg; vengalischer Tiger, Leopard, Pyäne, Wölfe sind alle Prachtexemplare. Was Einsender dieses aber noch nie gesehen, das ist die bewunderungswürdige Sicherheit des Bändigers im Verkehre mit diesen wilden Bestien und die ausgezeichnete Dressur des Löwen, der Hyäne und der Wölfe, welche gehorsam wie der gelehrige treue Hund dem Worte und dem Winke ihres Herrn folgen und mit größter Bchendigkeit und Gewandtheit über dessen Arm und Nücken und durch einen papiernen Reif ꝛc. springen. Cs lohnt sich in der Thal der Mühe für Erwachsene wie für Kinder dieß selten gebotene Schauspiel zu sehen und deß⸗ halb glaub! Einsender nochmals vornämlich die Bewohner der umliegenden Orie zum Vesuche von Kleeberg's Menagerie aufmuntein zu zollen.

C. Obermörlen. DasMainz. Abendblatt vom 22. Jau. d. J. bringt einen ArtikelAus der Weiterau, demzufolge die Sierblichkeit während des Winters in Obermörlen eine so große gewesen sein soll,daß sast kein Tag rerging, an welchem nicht ein Todier sich in irgend einem Hause besand. In welch vollstäueiger Un⸗ keuniniß der hiesigen Verhälinisse der Lokalberichterstalter des Mainz. Abendblattes sich befindet, erhellt am besten au? einer Zufammenstellung der Zabl der Todteofälle während der l tzien 5 Jahrgänge. Darnach starben

im Jayre 1805 71 Inciviouen, 1866. 7 1867 43 75 7 1868 53 1869 38

5* 8* 5 es farben also im Jahre 1869 weniger Personen als in

den 4 früheren Jaht, ängen, von einer Verbß.kerung von über 2000 nicht ganz 2% ein so günstiges Verhalsniß, wie is wohl nur wenige Orte von gleicher Größe wie Obermörten aufzuweisen vermögen.

Frankfurt. Die Verhandlungen gegen den Haud⸗ lunge tommis Götz, welcher angeklagt ist, un den J ihren 1800 bis 1863 eine große Auzahl der schamlosesten Bricse

geschrieben und verbreitet zu haben, wodurch in sehr acht⸗ bare, ebrenwerthe Familien Frankfurts durch die abscheu⸗ liqysten Verleumdungen Unfriede getragen und mitunter die traurigfien Folgen veranlaßt wurden, sind dieser Tage vor den Assisen geführt worden. Der Gerichtshof erkannte auf 3 Jahre Zuchthaus, 50 Thlr. Geldbuße, event. 14 Tage weiteres Zuchthaus, sowie die Kosten.. Frankfurt. Ju den Palmengärten fangen die Pflanzen bereits zu blühen an und steben ganze Gruppen schon in schönstec Blüthe. Die Gärten werden bereiie fleißig von den Actionären besucht.

Frankfurt. Am Sonntag hatten unsere Feldberg⸗ besteiger, die bekanntlich im Sommer, sowie Winters im bohen Schnee ihre Ausflüge machen, das Vergnügen, drei Damen die Tour mitmachen zu sehen. Nach der Auesage des Feldbergbesitzers ist dies das erste Mal, daß Frauen aus Frankfurt zu dieser Jahreszeit den Feldberg bestiegen haben. Es hatte sich oben eine Gesellschaft von 1820 Personen zusammengefunden, welche durch die schönste Fernsicht fich belohnt sahen für den mühsamen Weg durch den Schnee. 0

Frankfurt. Der landwirihschaftliche Monateclub wird sich in seiner nächssen Sitzung am 7. Februar mit der Frage über die zweckmäßigste Form des landwirth⸗ schasteschen Unterrichts für die verschiedenen Classen der Landwirtbe beschäftigen.

Dabmstadt. Die hiesigen Zeitungen melden: Dem Vernehmen nach wird Herr Stadipfarrer Domkap tular und geh. Obersiudienrath Dr. Lüft, schon längere Zeit, leidend seine hiesige Stellung und unsere Stadt verlassen. Dieser Enischluß ist um so lebhafter zu bedauern, als Herr Dr. Lüft sich hier während seines 35 jährigen Wirkens durch mildes und nach allen Seuen maßvolles Wesen in einer segensreichen Amtsführung bei den Prolestanten und Katholiken der allgemeinsten Achtung erfreute. Sein Weg⸗ gang wird in allen Kreisen schmerzlich empfunden werden. Großgerau. Nachdem im Laufe der l'itzten Wo he und zwar am 26. Vormittags 6 Uhr 58 Min., am 28. Vormittags 7 Uhr 2 Min., am 29. Vormittags 7 Ubr 20 Min. und am 30. Vormiztags 7 Uhr 50 Min. leich⸗ tere Erderschütterungen verspürt wurden, sand am letz genannten Tage Vormittags 11 Uhr 15 Min. wieder ein kräftiger, in kurzem Zeitintervall sich wiederholender, ver⸗ likaler Erdstoß stait, der seiner Iniensität und Qualität nach mit den Srößen dritter Kalegerie von Anfang No vember v. J. zu vergleichen war.

Bonn. Friedrich v. Diergarbt dahier hat vach bdeß⸗ fallsigen Zatungsberichten dem deutschen Hospital in New⸗ Dork, 50000 Doll. unter den alleinigen Bedingungen über. sandt, daß dafür permanent zebn Freibetten reservirt werden und daß sein Name geheim gehalten werde.Erstere Be⸗ oingung, so sagt ein Londoner Blatt,wird man heilig halten, letztere ist durch eine amerikanische Zeitung ver⸗ letzt worden. Möge der treffliche Mann sich darüber durch den Gedanken trösten, daß Hunderttausende jetzt seinen Namen segnen, und daß sein Beispiel Die, denen ihre Mältel dergl ichen erlauben, zur Nacheiferung an⸗ pornen wird.(In London hal man das Geheimniß besser zu bewahren gewußt, allein die letzte Noiiz legt die Vermuthung nahe, wer der deuische Edelmann ist, welcher das deutsche Hospital in London mit einer ähnlichen Summe unter äbnlichen Bedingungen beschenkt hat.)

Aus Goldberg in Schlesien keimt die Nachricht von dem Tode eines Anfangs der 40 er Jabre wegen seiner politischen Toäligkeit vielgenaunten Ritlergutsbesitzers, späteren Parlamentsabgeordneten Schlöffel. Nach dem Jahre 1849 siedelte Schlöffel nach Amerika über und kebite erst vor einigen Jahren von dort zurück, um die litzten Jahre seines Lebens bei seiner in Goldberg ver⸗ heltatheten Tochter zuzubringen. Von Newyork wird gleichzeitig der Tod eines anderen bekannten Parlaments⸗ abgeordaelen, des Dr. Fr. Rößler gemeldet. Derselbe halte in Niwyork das erste deutsche Privathospital gegründet und erfreute sich eines großen Rufes als Chirurg und Geburtshelfer. Rößler, bekaunt aus dem Jahre 1848 unter dem Namen Neichecanarienvogel, halte nach Spren gung bes Stuttgarter Rumpfpaxlaments ein unfreiwilliges Logis auf dem Hohenasperg bezogen. allein es gelang ihm von dort zu enikemmen, worauf er längere Zeit in der Schweiz zubrachte und später nach Amerika übe rzog.

Paris. Intcressant ist es, wie die Paxiser Blätter den Kaiser Napoleon nennen. Das affiz. Journal nennt ihn:S. M. Kaiser. Der Const tutionel respektwoll: Seine Majestät der Kaiser. Die France kurzweg:; Der Kaiser. Das Pays einfach:Seine Mi jestät. Der Siecle vernaulich:Napoleon III. Die Coche gleichgültig:Napeleon. Der Reveil achselzuckend: Die Exceutivgewall. Der Rappel geistreich:Cesar. Die Marseillaise, Nocheforts Z iung, unerbiulich: Sarbdanapal, Heliogabal, Herodes, und wenn sie recht wülbend ist:Sarbauapal. Sobn der Königin Hortense.

Verloos ungen.

Wien, 1. Febr. Bei der heute stattgehabten Serien⸗ ziehung der 1860er Loose wurden folgende Serien gezogen. 149 296 477 481 825 1270 148 1953 2383 2602 2338 3792 3877 4063 4282 4672 4738 4840 4906 5521 5812 6129) 6153 6208 6441 6197 6617 6635 6655 6822 7600 8337 8346 8721 9556 9923 10249 10252 10394 11387 11660 12064 12360 12104 1246

12508 13109 13269 13594 1337 13539 14368 1445

14097 16033 16025 17708 18459 18753 18513 10960 19373 19800 19515 19939.

Braunschweig, 1. Februar. Bei der heute stattge⸗

suntenen Serienz ehung der Braunschw iger 20 ⸗Thaler⸗ Leo wurden felgende Serien gezonen: 2936 3944 5465 6514 0048 8921 9483 9651 und 9892.

Frauenverein u Krankenpflege

zu Friedberg.

Nachdem die von dem Frauenverein für Krankenpflege dahier im Herbst 1868 engagirte Krankenpflegerin vor mehreren Monaten ibre Stelle wieder verlassen hat, ist es dem Comi's des Bereins gelungen, biese Stelle neu be⸗ setzen zu können.

Die am heutigen Tage von ihm in Dienst genommene Krantenpflegerin, Anna Klein von hier, hat auf Ver⸗ anstaltung des, unter dem Protectorate der Prinzessin Alice K. H., zu Darmstadt bestehenden Alice-⸗Frauenvereins, in den Rochus⸗Hospitale zu Mainz den Krankenpflegedienst berufsmäßig erlernt und von dem dortigen Hoopitalarzt Herrn Dr. Hochgesand ein sehr zünstiges Zeugniß über ihre Befähigung erbalten.

Das Comits hofft, daß ibr Dienst von nun an von recht vielen Seiten in Anspruch genommen werden, und dadurch einem unleugbar vorhandenen und vielfach empfun⸗ denen Bedürfniß Abbülfe verschafft werden wird.

Da die beschränkten Mittel des Vereins nicht erlauben, die Dienste der Pflegerin in allen Fällen unentgeltl ch zu gewäbren, so wird auch fernerhin für dieselben von den Interessenten die früher festgesetzte Vergülung erhoben wer⸗ den, nämlich:

a) für eir zelne Tage: von Mitgliedern des Vereins 24 kr. nebst Vertöstigung oder 48 kr. ohne dieselbe, von Nichi⸗Mitgliedern 1 fl. nebst Verlöstigung;

b) bei längerer Krankheitsdauer, für die Woche: von Miigliedern 2 fl. nebst Verköstigung, von Nicht⸗ Mitgliedern 5 fl. nebst Verköstigung.

Außerdem würde es in Fällen der Verwendung det

Pflegerin außerhalb der Stadt Friedberg den Interessenten oeliegen, für deren Transport an den Ort ihrer Ver⸗ wendung Sorge zu tragen. 5

Wir machen jedoch darauf aufme:ksam, daß durch die Gescpäftsordnung des Vereins ausdrücklich vorgeseben ist, für Minderbemittelte eine Ermäßigung dieser Vergütung eintreten zu lassen, sowie daß don Ar⸗ men keine Vergütung in Anspruch genommen werden wird. Das Comité hal es sich zu einer beson⸗ deren Aufgabe gemacht, auf eine zweckmäßige und sorgfältige Krankenpflege dei den Armen, wo sich das Bedürfniß einer solchen oft am sühlbarsten macht binzuwirken, und rechnet darauf, daß es durch eine rege Theilnahme des Publikums und die wohlwollende Unterslützung der Armenbebörden in den Stand gesetzt sein wird, in allen Fällen, wo seine Hülfe in Anspruch genommen wird oder sich ein Bedürfniß nach derselven zeigt, armen Kranken unentgeltliche Pflege zu Theil werden zu lassen.

Das Comité wünscht, daß sich die Thäligkeit der Vereins⸗ pflegerin nicht blos auf die biesige Stadt beschränken, sondern auch auf die Umgegend ausdehnen möge, und macht darauf aufmerksam, daß dieselbe von ihm verpflichtet worden ist, so vald sie in der Stadl nicht beschäftigt ist. in den Orien des Kieises Friedberg und eventuell auch außerhalb desserben ihre Dienste zu leisten. Man erlaub« sich an die Herren Aerzte, sowie an alle Diejenigen, die von Fällen, wo die Hülfeleinung der Vereinspflegerin heilsam sein könnte, Kenniiß erhalten, die Betbeiligten auf den Verein auf⸗ merksam machen und zur Benutzung der von ihm gebotenen Hülfe veranlassen zu wollen.

Im Uebrigen verweisen wir, was beu Zweck des Vereins und die Art der von ihm bcabsichtigten Thätigkeit beteifft, auf die von uns angenommene Geschästsordnung, welche gleichzeitig mit dieser Bekann machung zur allgemeinenKennt⸗ niß gebracht wird. Wir empfehlen zugleich das gemeinnützige

Unernehmen des Vereins angelegentlich der Un terstützung

Aller, denen das Wohl ihrer Mimenschen am Herzen liegt, und hoffen, daß sich die Ueberzeugung von der hohen Wichtigkeit der Aufgabe, welche sich unser Verein gestellt hat, für eine zweckmäßige und wohl geordnete Pflege der Kranken thätig zu sein, immer mehr Bahn brechen wird. Insbesondere hoffen wir, daß der Verein durch zahlreiche Beitriite von Mitgliedern, sowohl in, als außerhalb der Stadt, in den Stand gesetzt werden werd, seine Aufgabe auch fernerhin, und zwar mit ver⸗ flärkten Kräften zu verfolgen. Der Jahresbeitrag ist auf 36 kr. sestgesetzt, höhere Beuräge, sowie außerordeutliche Gaben werden mit Dank angenommen.

Friedberg den 27. Januar 1870.

Das Comité des Frauenvereins für Krankenpflege: Elise Trapp. Anna Lorenz. Emilie Trapp. Bertha Reitz. Marie Fertsch. Marie Weckerling. Auguste Klipstein. Emilie Huber.

Hilda Dleffenbach.

Bei Bindernagel& Schimpff in Friedberg und Nauheim ist vorrätbig

Neuster CTuschen-Jahrplan Winter- eee Dienst

eee

5 far die Mittel Rheingegend, Hessen, Nessau, Frankfurt, Rhein⸗Preußen.

omen der serumenle f

90 Esch Dur 18 Rich 320 Ei 0 Cle. 1 200 8 100 12500 S Der er Mlun Hause Lich den

0 Aus Ponalh n Mieise von riogen, b. ichttung Bußluageft

Lauda

im hi igen there J.

Under weit 6 Sd de