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— Das„Mil. W. Bl“ veröffentlicht diesen Abend den Text der mit der Besatzung von Toul abgeschlossenen Kapitulation, welche gleichlautend mit der Kapitulation von Sedan ist. Ein weiterer Artikel bestimmt indeß, daß im Falle ein be dauerlicher Vorfall, wie der in Laon, sich wiederholen sollte, mit der ganzen Garnison nach dem Belseben des Großherzogs von Mecklen⸗ burg verfahren werden solle. Einer gleichen Borsichtsmaßregel wird man sich auch wohl in Straßburg bedient haben.— Der Staats- minister Delbrück wird aus München zurücker⸗ wartet. Seine Mission, die ihn in Angelegen⸗ heiten des deutschen Einigungswerkes nach München führte, wird in eingeweihten Kreisen als von dem be⸗ friedigendsten Erfolge begleitet angesehen.— Die so schmerzlich von den Angehörigen der im Felde stehen⸗ den Truppen vermißte Einrichtung, Packete nach dem Kriegsschauplatze senden zu können, tritt binnen Kurzem, zunächst versuchsweise, ins Leben. Die Packete sind, und zwar in ½ Folio-Briessorm auf. ugeben, in Leinwand zu verpacken und ist die Adresstung durch Anheften einer Correspondenz- karte zu bewirken. Das Gewicht des Packete darf 3 Pfund nicht übersteigen.
Wiesbaden, 28. Sept. Marschall Mac Mahon ist beute Mittag mit seiner Gemablin hier angekommen.
Bayern. München. Die Infanterie⸗ Kanonen Batterie ist nach dem Kriegsschauplatz abgegangen.
— Staatsminister wieder verlassen.
Frankreich. Tours. Touls Einnahme, durch einen Reitboten bekannt geworden, ver⸗ schlimmert noch die Stimmung der Stadt. Der Sitz der Regierung wird in den nächsten Tagen südwärts verlegt werden.
— 27. Sept. Die„Amtszeitung“ sagt: „Frankreich nimmt jeden billigen Friedensvorschlag an, opfert aber nichts von seinem Gebiet und seinen Festungen.“ Gambetta versichert in seinem Luftballonbillet: die Hauptstadt könne sich über den Winter balten.— Der Präfekt von Mezieres meldet vom 26. Sept., daß der behufs Wegschaffung der Verwundeten auf 48 Stunden geschlossene Waffenstillstand gekündigt ist und die Belagerung von Mezieres erwartet wird.
— Das„Journal officiel“ vom 25. Sept. veröffentlicht einen Bericht über die Vorgänge am 24. Sept. Der Tag verlief ruhig. Das Fort Mont Valerien und die Batterie von St. Quen feuerten in großer Entfernung auf feindliche Co- lonnen vor Montexon und dem Steinbruch von Orgemont. Vor St. Cloud sinb Kanonenboote die von Suresnes nach Paris zurückgingen, leb— haft angegriffen worden. Das Feuer der Mitrailleusen brachte den Feind zum Schweigen und fügte ihm beträchtliche Verluste zu. Diesseits sind zwei Matrosen schwer verwundet. Das Fort d'Jssy unterhielt ein lebbaftes Feuer auf Sevres, wo der Feind Batterien zu etabliren scheint. Die bei Triel vom Feind erbaute Brücke soll unter dem Gewicht der Kanonen nachgegeben haben, wobei 3 Kanonen in den Fluß gestürzt sein sollen. Der Bericht schließt: Die Situation ist eine gute.
— 26. Sept. Der Präfect des Departements du Nord telegraphirt von Lille an den Minister des Innern in Tours:„Wir erhalten von Paris folgende Nachricht durch eine von uns dort zurück gelassene Brieftaube. Gestern, am 23. Sept., hat die Division Mandhy die Höhen des Plateaus von Villejuif, welche die Preußen besetzt hielten, angegriffen. Der Kampf hat um 3 Uhr Nachts begonnen. Nach einem mehrstündigen Feuer haben unsere Feldbatterien, von den Geschützen der Forts unterstützt, die Redoute der Mühle Jaque bei Ville⸗ juif und die Redoute des Hautes Bruyeres voll— ständig genommen. Sie haben sich dort gehalten und nehmen sie noch ein. Der Verlust des Fein— des war beträchtlich. Die Mobilgarden hielten sich gut. An demselben Tage hat Contreadmiral Saisset eine glänzende Recognoscirung nach Bourges zu, an der Spitze von 200 Füsilieren, 400 Mann Marine-Infanterie und 8 Compagnien Eclaireurs der Seine gemacht. Der Admiral hat den Feind
Delbrück hat München
aus dem Dorfe Drouch energisch vertrieben. Gleichzeitig ließ General Bellamont das Dorf Pierresitte bei Paris angreifen. Der Feind, in beträchtlicher Stärke, ward nach recht lebhaftem Kampf aus seinen Positionen geworfen. Unsere Truppen haben ihren Rückzug auf Saint-Denis, ohne beunruhigt zu werden, vollführt. In Coreux ist ein aeronautischer Ballon mit zahlreichen Depeschen angekommen.
— Wie man hört, ist in Paris sehr stark die Rede davon, den Herzog von Aumale zum Präsidenten der französichen Republik ernennen zu lassen. Auf der französischen Botschaft zu Brüssel versichert man Aehnliches. Trochu will dadurch die conservative Partei für die Republik gewinnen.
— Aus Orleans vom 26. Abends wird ge⸗ meldet, daß die Stadt von den Franzosen geräumt ist. Preußische Truppen sind noch nicht eingerückt.
Belgien. Brüssel. Es geht das Ge⸗ rücht, daß die zwei letzten Altersclassen, welche die Regierung erst vor einiger Zeit entlassen hatte, abermals, und zwar auf Veranlassung Preußens, einberufen sein sollen. Bestätigt sich die Nachricht, so läßt sich daraus schließen, daß die preußische Armee eine abermalige Action nahe bei der bel gischen Gränze, Lille, Dünkirchen u. s. w. im Schilde führt.— Ein aus Paris mit großer Noth und Mühe entkommener Mann, der über Calais hier eingetroffen, entwirft ein schreckliches Bild der dort herrschenden Zustände. Es ist die vollste Anarchie. Tag und Nacht, sagt er, hört man Flintenschüsse fallen. Von einer Polizei ist ebensowenig mehr die Rede, als von Gerichten, An dem Tage, wo er sich rettete, hatte man ge— rade die flüchtigen Zuaven mit Kanonen und Flintenschüssen empfangen und eine beträchtliche Anzahl in den Straßen von Paris niedergemacht.
— Aus Paris wird vom 26. d. gemeldet: Die Regierung hat eine Proclamation erlassen, in welcher die Gerüchte als unwahr bezeichnet werden, daß die Regierung die Politik, wegen welcher sie auf den Ehrenposten der Gefahr ge— stellt worden sei, zu verlassen gedenke. Die Re- gierung werde diese Politik bis zum Ende aufrecht halten und keinen Zoll Gebiet, keinen Stein der Festungen abtreten.
Italien. Rom. Versuchte Ruhestörungen in republikanischem Sinne wurden sofort unter- drückt. Die politischen Gefangenen wurden am 22. d. in Freiheit gesetzt. Die Schweizerwache versieht nach wie vor den Dienst im Vatican, wo. der Papst residirt. General Masi wurde durch königl. Dekret zum Militär ⸗Commandanten der Stadt ernannt.
Rußland. Warschau. Eine kleine An⸗ zahl gefangener Turcos ist aus Preußen nach dem Königreiche Polen entlaufen; dieselben wurden in den hiesigen Kasernen untergebracht.
Offenbach. Dem vor einiger Zeit dahier verstorbe⸗ nen Volksschullehrer und pädagogischen Schriftsteller Fried- rich Eck ist noch nach seinem Tode eine späle Anerkennung dadurch zu Theil geworden, daß ihm, nach kürzlich hier eingetrossener Zuschrift, bezüglich einer von den„Freien pädagogischen Blättern“, herausgegeben von Jessen in Wien gestellten Preisfrage:„Ist ber Religionsunterricht in der Schule dem Lehrer oder Pfarrer zu überweisen?“ der Preis für seine Abhandlung zuerkannt wurde.— In der hiesigen Chaisenfabrik Dick und Kirschten werden eben zwölf Wagen für den Transport Verwundeter vom Schlacht⸗ seld für den deutschen Hülssverein in London nach eng⸗ lischem Modell gebaut.
Darmstadt. Zur Beruhigung für Diejenigen, welche ein Interesse daran nehmen, daß Staats-⸗Reservelazarethe nicht zur Aufnahme ansteckender Krankheiten benutzt werden, diene die Nachricht, daß das Gesetz des Nord- deutschen Bundes die Pflege der Verwundeten durch die Reservelazareihe ausdrücklich vorgesehen hat, und daß S. K. H. der Großherzog die Pflege der mit ansleckenden Krankheiten Behafteten in diesen Lazarethen ausdrücklich verboten hat.— Einer der hier internirten französischen Offiziere, welcher der deutschen Sprache mächtig, richtete unlängst auf dem Markte an Jemand die Frage: Ob die Umgegend von Darmstabt romantisch sei? und erhielt da— rauf dle Antwort: Na se is hesse⸗damstädtisch!
Darmstadt. Dieser Tage wurden einem in der Schützenstraße wohnhaften Anwalt eine große Partie Klei— der und Teppiche im Werth von etwa 400 fl. von einem Dieb, ber sich eingeschlichen, entwendet. Um dem vollen— deten Gaunerstück noch die Krone aufzusetzen, hatte der Dieb die Frechheit einen Dienstmann zu requiriren, um
bas gestohlene Gut in mehrere Packete zusammengeschnürt Hause bes Bestohlenen wegbringen zu la* eines schon oft bestraften auswärtigen Subsects
von dem Hause Inbeß gelang es der Thätigkeit in Person in der Herberge„zur Heimath“ ausfindig zu machen und in Sicherheit zu bringen.
Darmstadt, 28. September. Heute Früh ging unsere 4. Expedition zur Hessischen Division ab. Dieselbe bestand 1) aus allgemeinen Liebesgaben in 18 Faß Branntwein, 6 Faß Bordeaux, 400 Flaschen Rum, circa 1000 wollenen Demben, Jacken und Strümpfen, und 40000 Cigarren; 2) aus an und zur Besorgung übermittelten Gaben für einzelne Angehörige der Division aus circa 4000 Collis. Mitie nächster Woche wird die 5. und bis auf weitere Bekanntmachung letze Sendung zu unseren Feldtruppen abgehen und rechnen wir darauf, daß uns bis dorthin noch außer allgemeinen Neebesgaben, wozu sich ganz besonders Branntwein eignet, auch baare Beiträge zur Deckung unserer sehr bedeutenden Expeditionskosten zufließen.
Mannheim. Der Krieg entwickelt ganz neue Branchen von Erwerbsthätigkeiten. Man braucht nur auf die Marketender hinzuweisen, Leute, welche durch einen Feldzug meist— relativ— ceich werden. Einen Breslauer Juden traf ich, welcher der Armee nachreiste und die Felle der geschlachteten Ochsen und die Häute der gefallenen Pferde aufkaufte. Er zahlte für das Stück durchschnittlich 10 Groschen, selten einen halben Thaler. So habe er in Böhmen 1866 gegen 20,000 Thaler verdient, versicherte er schmunzelnd, und ich bin sehr geneigt, ihm zu glauben. Einen Berliner fand ich, der nur leere Säcke aufkauste, natüllich um ein Spottgeld; ein anderer, der wahrschein⸗ lich kein Anlagekapital besitzt, sammelte die Scherben zer⸗ trümmerter Flaschen c. und auch der machte sein Ge; schäft dabei.
Saarbrücken. An die städtische Behörde dahier kam dieser Tage ein Schreiben des Commandeurs des Füsilier⸗ bataillons des 40. Infanterie-Regiments des Inhalts, daß aus dortiger Gezend und dem übrigen Deulschland zahl⸗ reiche Gaben eingingen, welche für Füsilier August Kuischke bestimmt seien. Da aber ein Soldat solchen Namens weber jetzt noch früher bei seinem Bataillon stehe, glaube er im Sinne der freundlichen Geber zu handeln, wenn er die aus Cigarren Tabak, Pfeifen, Geld ꝛc. bestehenden Gaben der Mannschaft des Bataillons vertheile, die erklärten, alle „Kulschkes“ zu sein. Eine ebenfalls für den gemüthlichen Kutschke gesandte schöne Uhr habe er unier Zuflimmung sämmilicher Kameraden einem Füsilier übergeben, ber sich in einem der letzten Gefechte besonders tapfer benommen hätte und seines Humors wegen jetzt von der Mannschaft den Spitznamen Kutschke erhalten habe. Durch diese pro⸗ saische Auflösung wäre demnach die schnell populär gewor⸗ dene Person des poctischen Kutschke amtlich in das Reich der Fabel perwiesen.
Magdeburg. Der amiliche„Anzeiger“ spricht mit Recht seine Entüstung aus über die in Magdeburg vor⸗ kommenden Prellereien, deren Opfer die gefangenen französischen Offiziere sind. Beim Geldwechseln gibt man ihnen österreichische Gulden für preußische Thaler, die Droschkenkulscher lassen sich doppelte Taxe zahlen u. s. w.
unserer Polizei den
Literarisches.
„Vom Kriegsschauplatz“ verlangt augenblicklich Jeder zu hören und zu sehen, und wer Beides in hohem Maße besriedigen will, dem empfehlen wir Hallberger's illustricte Kriegs ⸗Zeisung„Vom Kriegsschauplatz“. Die neueste Nummer derselben bringt an Illustrationen: das Porträt des Prinzen August von Württemberg; einen Plan der norpwestlichen Befestigung von Straßburg mit den Belagerungsarbeiten; die Verladung eines eroberten französischen Provianttrains bei aus dem Kampfe bei Weißenburg kanern); Prinz Friedrich Karl rekognoszirt vor Metz; Verwundete auf der Ludwigsbahn in Mainz; das frauzö⸗ sische Panzergeschwader vor Helgoland, und vier humoristische Bilder: Sinnverwandtes im Krieg und Frieden. den literarischen Inhalt betrifft, so gesiehen wir gern, daß die von Wilhelm Müller geschriebene, in dieser Zeitung laufende„Geschichte des Kriegs von 1870“ zu den Volks⸗ thümlichsten und übersichtlichsten Beschreibungen wichligsten Geschichtsepoche unseres Jahrhunderts gehört. Der übrige Text reiht sich diesem Hauptartikel würdig an und so können wir wohl sagen, daß diese Kriegozeilung lexllich und bildlich zu den besten und dabei preiswürdigsen Erscheinungen dieser Ari gehört.
(Gesecht mit den Afri⸗
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Wir erinnern an die Mittheilungen über Gesundheitspflege, welche Herr Ur. Lorenz, an ihn gerichteten Bitten entsprechend, heute Abend am 1. October 7 Uhr im Trapp'schen Saale zu machen die Güte haben will, und laden zu zahlreichem Besuche ein.— Gewiß wird diese Ge⸗ legenheit, sich über die Maßregeln zur Verhütung von Krankheiten belehren zu lassen, Vielen will. kommen sein, denn hat man diese kennen gelernt und befolgt man sie, so hat man gethan, was man thun kann und darf darum das Weitere ohne Furcht Gott anheimstellen. Ein Eintritts“ geld von 12 Kreuzern(und wems beliebt meht) wird am Eingange des Saales zum Besten unserer Verwundeten erhoben werden.
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