1870.
Vienstag den 1. Jebruar.
M 14.
an Oberhessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Intelligenzblalt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samfiag.
Amtlicher Theil.
Hetdeilen W ztr. Ardeiten.
ig.) Regierungsrath Trapp, der Sectionsvorsteher Großherzogl. Steuer- Commissar Hechler und circa 60 Vereinsmitglieder.
Nachdem der Sectionsvorsteher Großh. Steuer- Tommissär Hechler die Anwesenden begrüßt hatte, wurden sofort n Gemäßheit der Tagesordnung folgende Fragen der Diskussion zuterworfen.
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d. N. Mun 1) Durch das Eingehen vieler kleinen Brennereien in Folge der n ke ketzigen hoheren Besteuerung wird sich fur nicht wenige Wirtihschaften b, e ue, l 1 1 z 98
Nathan i Futtermangel einstellen. Dadurch werden veränderte Anbauverhältnisse
1 jeboten sein; welches sind für die hiesige Gegend die zweckmäßigsten org Faid ind lohnendsten? 1 Allsenig gab sich lebhaftes Bedauern über die Nothwendigkeit
er Einstellung der meisten kleinen Brennereien kund, welche sich bei em Mangel an Wiesen in der Wetterau um so fühlbarer machen werde, mehr der Landwirth zur Fütterung in dem Abfall aus den Bren— iertien einen Ersatz für diesen Abgang gefunden habe. Ein Aequi⸗ N valent wird schwerlich gefunden werden, doch weist die eingetretene Biet lenderung in den seitherigen Verhältnissen darauf hin, die vorhan— enen Wiesen, so weit als ausführbar, zur Erzielung des höchstmög⸗ tperger. ichen Grasertrags,-wie dies bereits in verschiedenen Gewarkungen — eschehen ist, einer Verbesserung zu unterwerfen und künstliche Ent von Münzenberg empfiehlt
al nd Be wässerungen anzulegen. * en Landwirthen der Wetterau, den seitherigen Kartoffelbau auf die
Oberverwalter Lorenz
. Halfte zu beschrägken und dafür Luzerne und Runkelrüben zu ziehen,
und glaubt, daß hierdurch einigermaßen geholfen werden könne. 1 2) Der Obstbau hat in den letzten Jahren in einigen hiesigen unn Zemeinden glänzende Resultate geliefert; dem ohnerachtet wird er in um. manchen Gemeinden noch sehr wenig kultivirt. Wie ist mehr Interesse afür zu erregen und derselbe mehr zu heben? a Die Debatte über diesec Frage bewegt sich, nachdem Herr Steuer⸗Commissär Hechler die Mittheilung gemacht hatte, daß ie glänzenden Erträgnisse in dem vergangenen Herbste hauptsaächlich un den Gemarkungen Ostheim und Nieder⸗Weisel wahrgenommen wor— len, was um so auffälliger sei, als in beiden Gemeinden für den Obstbau gar nicht übermäßig viel geschehe und also wohl die gute 11 lage das schöne Resultat veranlaßt habe, zuerst über lokale Verhält- risse und gipfelt dann in der allgemeinen Ansicht, daß die Ausbildung von Baumwärtern für jede Geweinde als das beste Foͤrderungsmittel
für den Obstbau bezeichnet werden müsse.
Der J. Direktor, Regierungsrath Trapp:— Seit nehreren Jahren seien in dem Budget des Bezirksvereins namhafte „ Deträge zur Unterstützung junger Leute aus dem Kreise, welche durch 10 Kras— Pesuch einer Fachanstalt, die nöthigen Kenntnisse in der Obstbaum— 1 zriedrig saltur sich zu verschaffen geneigt wären, vorgesehen, ohne daß auffal— 58 del ander Weise davon Gebrauch in wünschenswerther Ausdehnung ge— wacht werde; bis jetzt seien zwölf junge Leute auf Vereinskosten in er pomologischen Anstalt zu Reutlingen ausgebildet worden, von nelchen sich Philipp Bender in Södel besonders auszeichne. Neben zer Ausbildung von Baumwärtern empfehle sich auch zur Hebung der Obstkultur Bezug von Stämmen aus großen anerkannt vorzüglichen Obst— 6 dumschulen, wie eine selche des Fiskus bei Hof-Rheinfelden zu Waller— rst üädten bestebe.(Redner theilt Exemplare des Verzeichnisses der dort **„ habenden Stamme aus). Es sei Hoffnung, daß eine ähnliche zu 1 Salzhausen für unsere Provinz gegründet werde, was um so vortheil—
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7701174 hafter für uns erscheine, weil sich für die immerhin rauhere Gegend 0%,„r Wetterau, aus milberen bezogene Bäume weniger eignen. Er 0 gate schließlich, insbesondere die Herren Bürgermeister, ihn in seinem Lestreben junge Leute zum Besuch der Baumwärterschule zu gewinnen,
0 enn, Nunterstützen, da dies ja nur im Juteresse der Gemeinden liege. 117% Deconom Konrad Schudt von Steinfurth weist darauf
e m, daß die Baumwärter nur zweimal im Jahre in der Lage seien, „sonderen Verdienst zu machen. Dieser Umstand trage seiner Ausicht nach die Schuld daran einmal, daß die vorhandenen Baumwärter von en Baumbesitzern zu wenig zugezogen würden, weil sie für ihre Dienst—
Geschehen Butzbach den 29. Dezember 1869.
Protokoll über die Versammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Friedberg, Section Butzbach, zu Butzbach. Gegenwärtig der I. Direktor des Bezirksvereins Großherzoeglicher leistungen in den beiden Jahreszeiten einen zu hohen Kohn in Anspruch
nähmen, andererseits aber, daß die Ergreifung der gebotenen Mittel zur Ausbildung als Baumwärter so wenig Liebhaber finden, weil diese eben ihre Thätigkeit in einem großen Theil des Jahres lahm gelegt wüßten. Es empfehle sich darnach zu erwägen ob nicht Baum— wärter mit firen Besoldungen anzustellen seien oder wenigstens denen, die sich ausbilden wollten, ein ständiger Verdienst in Aussicht gestellt werden konne. Weiter halte er auch für den Obstbau förderlich, wenn Seitens der landwirthschaftlichen Vereine Prämien für vorzüg— liche Leistungen darin an Privatobstbaumzüchter ausgesetzt würden.
Lehrer Rapp von Gambach schließt sich dem Vorredner, was dle Stipulirung einer festen Besoldung für Baumwärter anbe— langt, durchaus an und hält es für zweckentsprechend, wenn dies aus Gemeindemitteln geschehe. Jedenfals könne man die Gemeinden hierzu in gleicher Weise für verpflichtet erkennen, wie sie für den Schutz der Felder durch Anstellung von Feldschützen mit fester Besol— dung zu sorgen habe. Es sei sicher, daß nur durch eine solche oder ahnliche Einrichtung Baumwärter auch auf die Dauer und in aus— reichendem Maße zu erhalten seien; Redner erwähnt noch einer in Preußen bestehenden guten Maßregel Dort sei mit jeder Volksschule obligatorisch eine Baumschule verbunden und der Unterricht in der Obstkustur mit gleichzeitiger praktischer Demonstration dem Lehrer zur Obliegenheit gemacht. Auch für unsere Verhältnisse lasse sich eine derartige Einrichtung nur empfehlen.
Beigeordneter Vogt von Butzbach: Es mache einen unangenehmen Eindruck, wahrnehmen zu mussen, daß die Obstbäume der Gemeinden in außerordentlicher Weise vernachläßigt würden; das schlechte Beispiel der Gemeinde habe Einfluß auf die Privatbaum⸗ besitzer, er halte in erster Reihe eine Einwirkung auf die Ortsvor— stände für sachgemaͤß, damit durch eine bessere Pflege der gemeinheit⸗ lichen Obstbaumanlagen, eine mitunter nicht unergiebige Einnahme- queile den Gemeinden nicht verschlossen bleibe, die Privaten würden dann schen nachfolgen.
Gutsbesitzer Bender von Gambach empfiehlt so viel wie möglich gewohnliche Obstsorten anzupflanzen, die einen regele mäßigeren und ergiebigeren Ertrag abwurfen; auch er halte für die erste Nothwendigkeit die Vermehrung der gelernten Baumwärter, diese könnten dann den jungen Leuten ihrer Gemeinden die nöthigen Kennt⸗ nisse beibringen.
Kreisassessor Haas glaubt einen Grund in der seitherigen geringen Anmeldung in der entfernten Lage der seither von Aspiran— ten aus dem Kreise unter Beihülfe des Bezirksvereins besuchten Anstalt in Reutlingen finden zu sollen, und weißt darauf hin, daß diesem Mißstand durch die Einrichtung eines Cursus für Obstdaum— wärter in Darmstadt also in unserer Nähe abgeholfen sei. Wenn dieser Cursus auch zunächst fur Theilnehmer aus Starkenburg de⸗ stimmt sei und die Kosten von dem landwirthschaftlichen Verein dieser Provinz getragen würden, so wisse er doch aus einer früheren An— frage, daß derselbe auch Schülern aus Oberhessen nicht verschlossen wäre; er sordere daher die Versammlung auf bei ihren Bemühungen, Bewerber um den Zuschuß aus der Bezirksvereinskasse zu ermitteln, diesen Umstand zu berücksichtigen, da gewiß ein junger Mann, schon der geringeren Reisekosten wegen, lieber nach Darmstadt, als nach Reutlingen gehe.
3. Ist das Einsperren der Tauben zur Saatzeit noͤthig und sind dehfallsige Vorschristen zum Einsperren wirklich gerechtfertigt e
Veranlassung zu dieser Frage der Tagesordnung gab eine der landw. Zeitschrift beigegebene Denkschrift des Herrn Pfarrer Snell zu Reichelsheim im Kreise Friedberg betitelt: Einige Winte zur Be— kämpfung der Unkräuter. Der Gegenstand ruft eine lebhafte Die— kusston hervor in welcher sich theils für, theils gegen das Einsperren Meinungen geltend machten.
Wahrend Oeconom Schudt von Steinfurth eine Einsperrung der Tauben nicht für geboten erachtet, weil dieselben erwiesener Maßen eine große Quantitat Unkrautsaamen von den Feldern ver— tilgten, und der hierbei an der Einsagat verursachte Schaden um deß—


