den Namen
früheren Debatte eingenommenen prinzipiellen Standpunkt gleichfalls bel, schließt sich aber der ersten Kammer an, um überhaupt das Gesetz zu Stande zu bringen. Dumont will mit Gold⸗ mann auf den früheren Beschlüssen beharren. Nach längerer Debatte fällt bei der Abstimmung der Wernhersche Antrag mit 26 gegen 22 Stimmen und beharrt demnach die Kammer auf dem früheren Beschluß.— Die früher beschlossene Bedingung zu dem Gesetz über Zuziehung der Einkommen- steuerkapitalien zu den Communallasten, daß der Unterschied zwischen den Gemeindeausgaben II. und III. Klasse wegfallen müsse, wird gegen eine starke Minderheit fallen gelassen. Auf eine Vorstellung von Mitgliedern der israelitischen Religions- gemeinde zu Oppenheim, die Wahl ihres Vor— standes betreffend, beantragt der Ausschuß, der Regierung zu empfehlen, anzuordnen, daß der israelitischen Gemeinde zu Oppenheim, aber auch den übrigen israelitischen Gemeinden, die sich noch in gleicher Lage befinden, gestattet werde, die Mitglieder ihrer Vorstände direct durch sämmt— liche Gemeindemitglieder zu wählen.
— 30. Dez. Die zweite Kammer verwarf in ibrer heutigen Sitzung nach fünfstündiger De— batte über die von der Regierung der Bank für Süddeutschland ertheilte Erweiterung der Con- cession, Noten zu emittiren(von dem doppelten des eingezahlten Capitals auf das Dreifache), den darauf bezüglichen Antrag des Abg. Dumont, diese Concessionserweiterung für verfassungswidrig zu erklären, mit 38 gegen 4 Stimmen. Ebenso wurde der Antrag der Majorität des Ausschusses, die Kammer möge erklären, daß die Regierung durch die Erweiterung der Concession das Interesse des Landes nicht gewahrt habe, mit 22 gegen 19 Stimmen abgelehnt. Dagegen ersuchte die Kammer die Regierung: 1) das Zustandekommen eines das Bankwesen betreffenden Bundesgesetzes nach Kräften zu fördern und bis dahin keine Con- cessionserweiterung eintreten zu lassen; 2) auf Errichtung von Bankfilialen in Mainz, Worms, Offenbach und Gießen hinzuwirken. Ersteres Er— suchen fand einstimmig, letzteres mit allen gegen acht Stimmen statt. Die Kammer vertagte sich hierauf.
Preußen. Berlin. Nach Aeußerungen der hiesigen Blätter wird Graf Bismark Anfangs Januar nicht nur die Geschäfte wieder völlig übernehmen, sondern auch im Abgeordnetenhaus wieder persönlich eingreifen.
— Der„Staatsanz.“ meldet: Die bayerische Regierung hat sich bereit erklärt, über den Ab- schluß eines Jurisdictionsvertrags mit dem nord- deutschen Bunde zu unterhandeln.
Oesterreich. Wien. Der Unterwerfung der Insurgenten ist die Amnestie auf dem Fuße gefolgt. Wie hiesige Blätter aus Cattaro melden, hat der Kaiser die Gemeinde Braic und alle übrigen, bis nun unterworfenen Insurgenten be— gnadigt.
Frankreich. Paris. Im gesetzgebenden Körper wurde der Deputirte Schneider mit 190 von 230 Stimmen wieder zum Präsidenten ge- wählt. Nach der Wahl des Bureaus ergriff der neugewählte Präsident Schneider das Wort und dankte der Kammer zunächst für das ihm wiederum bewiesene Vertrauen, daß sie ihn berufen habe, sich der großen Mission zu unterziehen, die künftig- hin dem gesetzgebenden Körper zufallen werde. „Der Brief des Kaisers“, äußerte er,„ist die Krone unserer Verfassungsänderungen und so wichtig für unsere Institutionen, daß man ihm einer friedlichen Revolution geben Vor ähnlichen Thaten müssen die Vor- urtheile verschwinden, die Feindseligkeiten sich beruhigen. Ich lade alle Männer patriotischer Gesinnung ein, sich zu einigen, um das Kaiser- reich zu befestigen und alle Freiheiten sich ent— wickeln zu lassen. Der Kammer, die heute mit den Vollmachten des parlamentarischen Regimes
könnte.
ausgeslattet wurde, steht es zu, ein gutes Belspiel
zu geben und durch die Mäßigung und Würde
ihrer Debatten zu zeigen, daß sie allein von der
Liebe für das Wohl des Staates beseelt ist.“ — Die„Frante“ meldet, es sei noch keine
definitive Ministerliste festgestellt, doch seien die Verhandlungen so weit vorgeschritten, daß am Donnerstag bereits die Namen der ntuen Minister im offiziellen Journal erscheinen könnten.
Türkei. Konstantinopel. Die Behaup⸗ tung, der Vicekönig habe 75 Millionen Francs an die Pforte gezahlt, um den Ausgleich herbei— zuführen, wird als völlig grundlos bezeichnet. Der Vicekönig hat weder eine Zahlung an die Pforte gemacht, noch ist ihm eine solche zu— gemuthet worden.
— Der türkischegyptische Conflikt scheint wieder neu aufzuleben. Die Pforte verlangt die Auslieferung der vom Khedive angeschafften Chassepots und Panzerschiffe, sowie die Unter— ordnung der egyptischen Armee und Flott(unter einen vom Sultan ernannten türkischen Comman— danten. Der Vicekönig aber will, wie es scheint, darauf nicht eingehen, und darum zieht sich auch seine Reise nach Konstantinopel, die gleich nach dem Beiramsfeste stattfinden sollte, in die Länge.
Gießen. Vor den Assisen des I. Quartals 1870 kommen folgende Anklagen zur Verbandlung: Den 3. Januar Vormittags 9 Uhr gegen Karl Hinkel von Vilbel, wegen ausgezeichneten Diebstahls; Vertheidiger: Großh. Hofgerichtsadvocat Hensler.— Denselben Vormiltags 11 Ubr gegen Ludwig Ockel von Unter- Schmitten, wegen ausgezeichneten Diebstahls; den 4. Januar Vormittags 9 Uhr gegen Markus Roth von Nieder-Obmen, wegen Meineids; Vertheidiger: Großb. Hofgerichtsadvocat Dr. Schüler.— Den 5. Januar Vormittags 9 Uhr gegen Konad Stengel von Ostheim, wegen Meineids; Verthei diger: Großh. Hofgerichtsadvocat Baist.— Den 6. Januar Vocmittags 9 Uhr gegen Johannes Georg II. von Lan⸗ denhausen, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg; Vertheidiger: Großh. Hofgerichtoadvocat Hirschhorn.— Den 7. Januae Vormittags 9 Uhr gegen Wilhelmine Schunk ledig, und Heinrich Knaf ledig, von Büdingen, wegen Meineids, Anstiftung bierzu und össentlicher thär⸗ licher Ehrenkränkung; Vertheidiger: Großh. Hoszerichts⸗ Advocat Dr. Muhl und Engelbach II.— Den 8. Januar Vormittags 9 Uhr gegen Johannes Luft von Engelrod, wegen verschiedener Diebstähle und Eigenthumsbeschädigung; Vertbeidiger: Großb. Hofgerichtsadvocat Krauskopf.
Frankfurt. Die Schneebahn hat eine neue Industtie zu Tage gefördert. Einige unternehmende Köpfe, Besitzer von Schlittenstühlen, wie solche auf dem Rechneigraben in Gebrauch sind, fahren nämlich die Leute gegen eine kleine Gebühr, wohin sie wollen. Eine Fahrt in der Stadt kostet 12 ke.
Frankfurt. In der am 3. Januar statthabenden
Zusammenkunft des landwirihschaftlichen Monatsclub wird die beim Reichstage des norddeuischen Bundes einzureichende Denkschrift, betreffend die Einführung der Brennerei— Fabrikaistcuer, vorgelegt werden. Gleichzeitig findet eine weitere Besprechung über das Verhäliniß der Dienstherr⸗ schaften zu den Dienstdoten statt.
Frankfurt. Der einzige hiesige Toxis'sche Postbeamte, welcher sich im Jahre 1867 den Abmachungen zwischen der preußischen Regierung und dem Fürsten v. Thurn! und Taxis nicht fügte, sondern sein Recht bei den bayeri— schen Gerichten weiter verfolgte, hat in diesen Tagen glänzend gesiegt, indem das Oberappellationsgericht in München den Fürsten Taxis nicht nur zur Zahlung des rücktändigen Diensteinkommens des gedachten Beamten nebst Zinsen und Kosten, sondern auch zu dessen lebens länglicher Pensionirung mit vollem Gehalt verurtheilt hat. Ein von Hen. Prof. Dr. Zöpfl zu Heidelberg in dieser Sache abgegebenes ausführliches Rechtsgutachten, das im Druck erschienen ist, wurde durch besagtes Urtheil seinem ganzen Umfange nach bestäligt.
Worms. Ale Beweis, daß man nicht immer mit Gewißheit auf schriftliche Belege hin den im Auslande erfolgten Tod eines Anverwandten, als in Wirklichkeit erfolgt, annehmen muß, können wir auch einen Fall von hier miuheilen. Dieser Tage kehrte nämlich ein junger Mann, wescher seit dem Jahre 1865 in Amertka verweilte, zur größten Ueberraschung von dort zurück, da er von einen Angehörigen dahier längst als todt betrauert war, indem die Mutier einen amtlich beglaubigten Todesschein aus Amerika hatte. Der zuxückgekehrte Sohn machte nämlich den Krieg mit, ward verwundet, vermißt und als lodt in der Mannschaftsliste aufgeführt
Kassel. Aus dem etliche Stunden von hier entfernten Städtchen Felsberg wird mugetheilt, daß auf der Domaine Mulielhof kürzlich fast gleichzeing sieben Personen in einer Weise erkrankien, daß der herbeigerußene Arzt, Dr, Heuser, Trichinenkrankheit erkennen zu müssen glaubte, und sich deßhalb veranlaßt sah, Fleischstücke von zwei, einige Wochen vorher beschlachteten Schweinen mikroskopisch zu unter⸗ suchen. Die Untersuchung lieferte dae Eigebniß, daß das Fleisch mit zahlreichen Trichinen zersetzt war.
Paderborn. um ersten Weionachtgsetertage eutglelste
schlenen beladener Extrazug Die dadurch bewürkien Zer— trümmerungen an Wigen und Befrachtung sind riesig und mim fand unser den Trümmern drei Leschen, sowie etliche
wil nn hier und Warburg ein auch mit vielen Eisenbahn ö
er Cyankali gethan hatte. Das Gift wirkte rasch.
Verwundete.
Aus Baden. Nie deg Bades Antogast Fabrtkant Mathiß aus Freiburg beraubt und ercrordel. Zwei dieser That beschuldigte In
dividuen sind dieser Tage von dem Schwurgericht zu Offenburg des Raubmorbes für schuldig erklärt und zum Tode verurtbeilt worden.
Vom Bodensee. In Ueberlingen ii ein großer Thell des neuerrichteten Boulevards beim Löwen mit großem Getöse in den See gerutscht; man befürchtet weitere Einstürze. Die technische Behörde ist damit be⸗ schäfligt, die Ursache des Unglücks zu ergründen. Der Schaden ist beträchtlich, da das Boulevard die Stadt elwa 6000 fl. gekostet hatte.
Paris. Im Proceß Traupmann haben die öffentlichen Verhandlungen unter großem Andcange bes Publikums am 28 d. begonnen. Aus dem sehr umfang⸗ reichen Anklageakt geben wir nachstehenden kurzen Aus zug: Am 20. Sepiember 1869 wurden auf dem Felde von Pantin, in der Nähe von Paris die Leichen einer Frau und fünf Kinder leicht verscharrt aufgefunden. Die Be⸗ amten des Nordbahnhofes machten daraufhin die Anzeige, daß Tags zuvor eine Frau Kink, die mit 5 Kindern von Noubaix angekommen, nach ihrem Manne gefragt habe und später nicht mehr gesehen worden sei. Als man den Beamten die Leichen zeigte, bestätigten sie, daß es die der Frau und der 5 Kinder seien. Nachfragen über die Fa⸗ milie Kink ergaben: Johann Kink, Mechaniker und seine Frau wohnten mit 6 Kindern, deren ältesles, Gustav, 16, das jüngste ein Mädchen, 2½ Jahre alt, in Roubaix. Im Hotel des Bahnhoses zu Paris, wo Frau Kink am 19. September nachfragte, war ein Reisender unter dem Namen Johann Kink abgestiegen, nach Auffindung der Leichen aber verschwunden. Gleichzeitig verlor man die Spur von Gustav Kink, so daß die Annahme wahrscheinlich wurde, Vatec und Sohn hätten das Verbrechen begangen. Da wurde Traupmann am 23. September in Havre der Gendarmerie verdächtig und arretirt. Auf dem Wege zum Staatsanwalt suchte Traupmann durch einen Sprung in ein Hafcubassin zu entrinnen; er wurde jedoch aus dem Wasser geholt. Man fand bei ihm, sorgfältig in den Klei⸗ dern verborgen, Quittungen, Wechsel und andere Werth⸗ papiere auf den Namen Kink. Außerdem 210 Franken, 2 Uhren und andece Gegenstände, die später als Eigen⸗ thum der Familie Kink erkannt wurden. Traupmann verweigerte Anfangs jede Auskunft. Später erzählte er, er habe dem Johann Kink und Gustav Kink nur Beihilse bei Ausübung des Verbrechens geleistet und sich hierauf nach Havre begeben, um Alles zur Ueberfahrt der beiden Geuannten und seiner selbst vorzubereiten. Die Nach⸗ sorschungen ergaben jedoch, daß diese Erzählung erdichtet und Traupmann der einzige Thäter sei. Den ersten Wider⸗ spruch brachte die Entdeckung der Leiche Sustavs, die am 26. September auf dem nämlichen Felde aufgefunden wurde und die nach wissenschaftlicher Prüfung früher als die andern Leichen eingescharrt sein mußten. Als Traup⸗ mann vor sein siebentes Opfer geführt wurde, sagte er nur: Ich wußte nicht, daß er(Johann Kink) auch diesen ermordet hale. Die Vocuntersuchung hat jedoch heraus⸗ gestelln: Daß Traupmann den Johann Kink in die unbe⸗ wohnte Gegend von Wattwiller gelockt. Es war dieß am 25. August. Inmitten eines Waldes forderte Traupmann den Johann Kink auf, aus einer Flasche zu trinken, in die Traup⸗ mann plünderte die Leiche aus und vergrud sie. Die Nachforschungen, die nach dem bezüglichen Geständnisse des Angeschuldigten angestellt wurden, bestätigten die Geständ⸗ nisse. Man fand die Leiche des Jodaun Kink und eine Analyse der Eingeweide ergab, daß Johann Kink auf die angegebene Weise vergiftet worden ist. Traupmann dot von da an alles Mögliche auf, sich in den Besitz einer Summe Geldes von 5500 Franken zu setzen, die Frau Kink nach Guebwiller geschickt hatte. Die Post machte indessen Schwierigkeiten und Traupmann reiste nach Paris zurück. Hier wohnte er mit Gustav Kink zusammen im Bahnhotel. Von da läßt er Gustav Kink am 17. Sep tember an seine Mutter schreiben, am nächsten Sonntag nach Paris zu kommen und Geld und Werihpapiere mit⸗ zubringen. In der Nacht hat Traupm ann Gustav er⸗ mordet.— Es folgt nun in dem Anklageact eine ausge dehnte Darlegung der von Traupmann zur Ausführung des Mordes gemachten Vorbereitungen und der durch die Voruntersuchung festgestellten Einzelnbeiten der schrecklichen That selbst, die nach den früheren Berichten als bekannt betrachtet werden dürfen.— Der Verlesung des Anklage⸗ actes börte Traupmann fäast gletchgiltig zu; nur als im Anklageakte die Intriguen angeführt werden, um die Familie Kink nach Paris zu locken, wird Traupmann erregt und blaß. Bei der Verlesung der Umstände des Mordes scheint der Angeklagte gar nicht bewegt. Traup⸗ mann beharrt in seinen Angaben, daß er mit Kink Vater Falschmünzerei vorbereitete, und sagt, daß der Mitschuldige dem Johann Kink Gift gereicht habe. Ferner sagt er, daß drei Mitschuldige seien, die in Mühlhausen wohnen.
Eine telegraphische Depesche, Paris, 30. Dezember, meldet, daß Traup- mann zum Tode verurtheilt worden ist.
Für die in grosser Noth befindliche Familie
find mittlerweile noch bei uns eingegangen von; Hofgerichts
Advokat Seyd 2 fl. 30 kr., Ungenaunnt 18 kr, Frau& 30 kr, Sib. 30 kr., A. Feiling 24 ke., L. 30 kr R. 35 kr., Ochsenmetzger E. Hanstein 30 ki
Im Ganzen sind uns 15 fl. 29 ke. bis jetzt zugekom
Im vorigen Sommer wurde in dee men, wovon wir vor den Weihnachloseiertagen schon der beiressenden Familie 15 fl. zugestellt haben.
Die Expedition


