gelleidet ist, sieht sie nicht mehr so verwildert aus. Die ganze Gestalt ist aber ein Bild grenzenlosen Jammers, ihr Gesicht hat gar kein Fleisch. das Auge ist eingefallen, die Augenbrauen und Augen. wimpern gänzlich ausgefallen, der Augapfel selbst glanzlos. Sie spricht manchmal ganz verständig, oͤfter jedoch großen Unsinn, so daß die Gerichts⸗ ärzte sie längere Zeit beobachten müssen.
— Der Verfasser der anonymen Anzeige hat sich jetzt dem Gerichte gestellt, es ist ein Herr Gonsierowski, Besitzer eines Auskunftsburcaus. Das Nähere wird folgendermaßen erzählt: Pater Lewkowiez, ein Carmelitermönch, der lange Zeit in dem Carmeliterinnenkloster das Amt eines Beichtvaters führte, verließ vor einiger Zeit Krakau, begab sich nach Trzebinia, woselbst er eines Tages in berauschtem Zustande dem dortigen Pfarrer, einem alten, würdigen Greise, das Geheimniß ent- deckte. Dieser verständigte hiervon seinen Cousin Gonsierowski in Krakau, der dem dortigen Gerichte und dem Justizwinisterium gleichzeitig die Anzeige machte. Doch— welche sonderbare Verkettung der Umstände!— In dem Momente, wo der Schleier der anonymen Anzeige sich zu lüften be. ginnt und das Gericht nach Demjenigen fahnden will, der in der Trunkenheit des traurige Faktum ausplauderte, stirbt dieser so wichtige Zeuge. Man meldet nämlich, daß am 25. d. Pater Lewkowiez im Carmeliterkloster zu Czerna bei Krzenowice das Zeitliche gesegnet hat.— Die
auf Ordre des Oberstaatsanwalts inhaftirten Nonnen— die Oberin der Carmeliterinnen, Fräulein v. Wenzyk und ihre Stellvertreterin
wurden durch den Polizeicommissär unter Escorte einer Husaren⸗ Abtheilung abgeholt und in das Strafhaus abgeführt.
— Bezüglich der Kloster-Affaire telegraphirt man der„Presse“ aus Krakau unterm 27. Juli: „Der gestern arretirte Geistliche ist Carmeliterprior zu Czerna, Namens Julian Kozubski, der vom Carmeliter⸗General das Beaufsichtigungsrecht über die Barfüßler⸗Carmeliterinnen hatte und daher den Klosterunfug kennen mußte. Die gestern gemeldete Nachricht, daß Pater Lewkowies, ein wichtiger Zeuge, gestorben ist, bestätigt sich. Heute wurde eine Gerichtscommission nach Czerna bei Krzeszowice abgesendet behufs Revision des Carmeliterklosters.
Frankreich. Paris. Nachrichten aus Madrid melden, daß die carlistischen Banden in der Mancha sich in vollständiger Auflösung befin- den. Die stärkste derselben zählt vielleicht noch 50 Mann. Das ganze Unternehmen ist somit als mißlungen zu betrachten. 8
— In der Rue Notre Dame des Champs fand am 24. d. Nachts eine furchtbare Feuers⸗ brunst statt. Die dort gelegenen Remisen, Werk⸗ stätten und Vorrathskammern der Gesellschaft der Petites Voikures geriethen etwas nach Mitternacht in Brand, und da starker Wind war, so standen bald alle Gebäude— sie bedecken ungefähr einen Raum von 12,000 Metres— in Feuer. Das Etablissement brannte gänzlich nieder. Von den 560 Wagen, die sich in demselben befanden, wur⸗ den kaum 50 gerettet, und die großen Vorrätbe gingen vollständig zu Grunde. Glücklicherweise konnte jedoch der größte Theil der Pferde in Sicherheit gebracht werden.
— Der„Constilutionnel“ ist in den Stand gesetzt, wichtige Entschlüsse der Regierung anzu⸗ kündigen, welche von dem Wunsche derselben zeugen, ernstlich in die Bahn der Ersparnisse einzulenken und ihr Vertrauen in die Aufrechterhaltung des Friedens zu bethätigen. Die angekündigten Naß- regeln bestehen in der Enilassung von 500 Mann per Regiment, oder 50,000 von der Gesammtheit der Linienregimenter.— Von competenter Stelle wird indeß diese Nachricht dahin berichtigt, daß nach der militärischen Inspicirung halbjährige Urlaubsertheilungen wie alljährlich von ungefähr 18,000 Mann eintreten werden. Außerdem werde der Jahrgang 1863(ungefähr 18,000 Mann) bereits vor dem gesetzlichen Termin, nämlich 1. Oct., beurlaubt werden.
— Der ganze Hof wird zum Napoleonsfeste, dem 100 jäbrigen, Paris und dessen Umgegend meiden. Der Kaiser bleibt an dem Tage bei
seinen Soldaten im Lager von Chalons; die Gattin will die Stadt besuchen, wo des ersten Napoleon Wiege stand.
Großbritannien. London.„Daily News“ tadelt die in der Sitzung der Delegationen vom Frhrn. v. Beust gehaltene Rede wegen der darin enthaltenen Verdächtigungen Preußens. Das Uebelwollen der preußischen Regierung Oesterreich gegenüber sei nicht erwiesen. Ungarn sei wenig geneigt, die preußenfeindliche und franzosenfreund⸗ liche Politik des Reichskanzlers zu unkerstützen.
Spanien. Die Carlisten haben ihren ersten Schlag— nicht geführt, sondern erhalten. In der Mancha zeigte sich an der Eisenbahn zwischen Manzonares und Ciudad Real eine Bande von angeblich 500 Mann, als deren Anführer ein Brigade-General Sabariego genannt wurde. Von den beiden erwähnten Städten aus wurden Truppen zur Verfolgung abgesandt, welche unter dem Be- fehl des Obersten Tomaseti die Anführer schlugen und versprengten.
— Auch aus Madrid wird ein Scandal gemeldet, welcher sich in einem dortigen Nonnen⸗ floster zugetragen hat und viel von sich reden macht, obgleich man dort zu Lande an derartige Dinge schon ziemlich gewöhnt ist. Der seitherige Caplan des Klosters, Diego Navarro Alonso, rächte sich für seine Absetzung, indem er die Be⸗ hörden an einen geheimen Gang führte, durch welchen die Nonnen nächtliche Besuche von der Außenwelt erhielten. Gleichzeitig veröffentlichte er jedoch auch nachfolgende Mittheilung:„Lange bevor mir die Weisung zukam, meine Wohnung zu verlassen, beobachtete ich mit größtem Schrecken und nicht geringerer Ueberraschung, daß der neue Caplan, Antonio Millan, in die Wohnungen der Nonnen durch ein verborgenes Pförtchen eindrang, von dem ich keinerlei Kenntniß gehabt, da es vollkommen versteckt ist. Zugleich bemerkte ich, daß die Besuche Millan's bei den Nonnen in späten Nachtstunden stattfanden; es kam einmal vor, daß, während ich mit meiner Familie speiste, an das Pförtchen geklopft wurde, und daß Pater Millan eintrat, der hier durchaus nichts zu thun hatte, da ja ein Priester anwesend war. So mußte ich glauben, daß diese geheime Verbindung, die für sich allein schon eine strafbare Handlung bil— dete, zu andern und nicht weniger tadelnswerthen Mißbräuchen diente und dienen konnte, welche mir mein Gewissen nicht erlaubte, der Behörde zu verschweigen.“
Amerika. Die Vereinigten Staaten scheinen dazu ausersehen zu sein, im Laufe der Zeit die größte und mächtigste Nation zu umfassen. Die Bodenfläche oder das Areal derselben beträgt nun gegen drei und eine halbe Million(englische) Quadratmeilen und die Bevölkerung etwa vierzig Millionen Tausende von Menschen strömen jedes Jahr von allen Erdtheilen, dürfen wir jetzt wohl schon sagen, hierher, um eine Heimath sich hier zu suchen und zu gründen, und es ist noch Raum für Millionen da, abgesehen davon, daß der gegen⸗ wärtige Länderbesitz sich schon in Jahrzehnten un⸗ gemein vergrößern kann. Wahrlich, wir dürfen wohl sagen, daß die Ver. Staaten dazu bestimmt scheinen, die größte und mächtigste Nation dieser Erde zu werden, wenn sie auf der Basis freier Institutionen, wie jetzt, vereinigt bleiben. Nach dem Census von 1860 beirug die Bevölkerung der Ver. Staaten 31,443,320. Da das Census- Bureau damals ein jährliches Wachsthum von drei Prozent der Bevölkerung als Durchschnitts maßstab aufstellte, so würde der Census im Jahre 1870 eine Bevölkerung von 42,328,432, der Census vom Jahte 1880 würde eine solche von 56,450, 241, der von 1890 eine solche von7 7, 266,989 und der von 1900 eine solche von 100,355,802 ergeben. Die Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten würde demnach in etwa 30 Jahren, nach jenem mäßigen Prozentsatze bemessen, größer sein, als die jetzige von Großbritannien, Frankreich, Spanien und Preußen zusammengenommen und weit größer als die irgend einer zu einem Nationalverbande geeinigten Nation. Aber selbst diese große Bevölkerung vong Millionen würde, nach dem jetzigen ungeheuren Gpiete der Ver.
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Staaten, auf die Quadratmeile nur 28 Meuschen ergeben, während bei der gegenwärtigen Bevsl⸗ kerung vom Staate Newyork etwa 94 Menschen auf eine Quadratmeile kommen, und in Massa⸗
chusetts, dem bevölkertsten Staate, etwa 137.
Nach diesem Maßstabe könnten die Ver. Staaten jetzt etwa 600,000,000 Menschen beherbergen. Was die Deckung der öffentlichen Schuld betrifft, so ergibt sich, daß fast für jeden Dollar der Natioralschuld, wie sie jetzt noch ist, ein Acker Land zur Deckung derselben vorhanden ist. Wir sehen aus diesen Zahlen, wie groß das Länder- gebiet der Ver. Staaten schon jetzt ist, und wie lange wirb es wohl noch dauern, bis zu demselben auch das Gebiet geschlagen wird, welches jetzt Britisch-Amerika, Mexiko und Westindien umfaßt?
* Friedberg. Für die Inkeressenten unter unsern Lesern bringen wir die Notiz, daß von der Main⸗Nickar⸗ und Großh. Badischen Bahn während der Monate Juli, August und September l. J.(erstmals am 24. Juli, letzt. mals am 26. September) jeden Samstag und Sonntag Lustfahrt-Billete von Frankfurt und von Darmstadt nach Baden-Baden ausgegeben werden, welche auch zur Rück⸗ reise bis zum letzien Zuge der Main⸗Neckar⸗Bahn(aus Heidelberg 728 Abends) je am nächstsolgenden Montag Güllgkeit haben und den Reisenden gestatten, die Fahrt wäbrend dieser Zeit in beiden Richtungen zu Heidelberg und zu Karlorühe unterbrechen zu können. Die Fahr⸗ preise betragen: Frankfurt-Baden und zurück: II. Classe 4 fl.— III. Classe 2 fl. 30 kr. ö
Friedberg. Am 3. und 4. August wird das hessische Feldartillerie- Regiment Nr. 11 auf seinem Rück⸗ marsche von Mainz nach Kassel unsere Stadt passiren und ibeils in derselben, theils in Nauheim, Dorheim und Nieder⸗Mörlen Quartiere mit Verpflegung nehmen.
Frankfurt. Nach dem eben verössentlichten Tarif für den eisernen Steg hat jede denselben passirende Person 1 kr. zu entrichten, Befreiung findet für Militärs im Dienst, öffentliche Beamten ꝛc. statt— Das Haus James Rothschild in Paris bat 24,000 Fr. dem Unter⸗ stützungs⸗Comits in Memel überwiesen, behufs Durch führung des Auswanderungsplanes der nothleidenden Israeliten in Westrußland.
Frankfurt. Kommenden Montag Nachmittag wird sich der landwirthschaftliche Monatsclub im„Hotel Drexel“ versammeln. Auf der Tagesordnung steht die Frage über die Bedeutung des Aubaues der Handelsgewächse.
Offenbach. Der im Anschluß an den„Allgemeinen Frauenverein für Krankenpflege im Großherzogthum Hessen,“ welcher unter dem Präsidtum der Prinzessin Ludwig bie Heranbildung tüchtiger Pflegerinnen zu rein humanen. allen confessionellen Bestrebungen fernstehenden Zwecken anstrebt, kürzlich auch in unserer Stadt ins Leben gerufene Zweigverein verfügt bereits über eine Jahreseinnahme von deiläufig 300 fl. und wird demzächst eine erste geschulte Pflegerin zur Verfügung gestellt bekommen.— Bei dem kürzlich abgehaltenen miuelrheinischen Schießen hat sich ein Ueberschuß von circa 4000 fl. ergeben.
Darmstadt. Durch polizeiliche Verfügung ist für die Stadt Darmstadt eine Hundesperre angeordnet worden.
„Die Veranlassung dazu dot die nothwendig gewordene
Tödtung eines von der Beißwuth befallenen Pferdes, das vor etwa vier Wochen von einem Hunde au dem man Zeichen der Wuth bemerkt haben will, gebissen worden.
Hirschhorn. Dahier wurde dem 1849 im Kampfe mit den Reichstruppen gefallenenen Hanauer Turner Wedekind von seinen Kameraden ein Denkmal errichtet. Zur Enthüllung desselben kamen eine Anzahl Hanauer Turner hierher, welchen sich Freunde und Kampfgenoffen aus Heidelberg und Heilbronn angeschlossen hatten.
Marburg. Das Niederreißen und Abbrechen auf dem hiesigen Schlosse ist nahezu vollendet, die Gitter an den Fenstern sind sämmtlich verschwunden und der Aus⸗ bau für den neuen Zweck, zu dem dleses altehrwürdige Gebäude bestimmt ist, schreitet rüstig fort.
Kassel. Am 26. d. bewegte sich ein unabsehbaret Leichenzug, wohl über 40 Wagen, dem Friedhose zu; man beirdigte den früher peru bolivianischen Feldmarschall Braun, welcher früher unter Bolivar an der Befreiung des dann nach diesem genannten Landes von Spanien thätig mitgewirkt hatle. Seit einer langen Reihe von Jahren wohnte Braun von Monten'gro hier in seiner Balerstadt. Während der letzten Sommer hielt sich Braun zur Kur in Bad Nauheim auf. 1
Italien. Denen, welche sich gegenwärtig über die große Hitze beschweren, mag zum Troste gereichen, was darüber aus Italien berichtet wird. Während wir, schreibt man aus Tukin, hier unter einer Hitze von 390 Centi⸗ grades zu schmelzen wähnen, haben unsere Mailänder Nachborn 36 und die Florentiner gar 38) auszuhalten, und aus Caltanisetta in Stcilien wird geschricken, daß die Einwohner dort eine gelinde Atmosphäre von 450 ein⸗ athmen und obendrein an Wassermangel leiden.
4% Die Fabrikation von Liebig schem Fleisch⸗ extract hat im Jahre 1868 50— 60,000 Pfund betragen und die Fabrikanten hoffen, daß sie bis zu 1.000, 000 Pfd. liefern können. Da ein Ochse nur 8-9 Pfund Fleisch⸗ extract liefert, so würden 125,000 Stück Horuvieh dazu nöihig sein In La Plata in Brasilien werden jähelich 3½— 4 Millionen Stück, das Stück zu 13 Thaler, geschlachtet.
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