Hessen. Darmstadt. Das Großherzog ⸗ liche Regierungsblatt Nr. 58 enthält:
1. Verordnung, das Verhältniß der französischen Fran⸗ kenstücke und Centimen zur Landesmünze betr. 5
II. Bekanntmachung der Großherzoglichen Commission für Posi⸗Angelegenheiten, die Personenpostcourse bezw. die Personengeldcourse zwischen Mainz und Alzey, sowie zwischen Mainz und Wöllstein betreffend. g
III. Uebersicht der für das Jahr 1869 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der in 1886 enistandenen Kriegs⸗ kosten in den Gemeinden Klein-Gumpen, Schlierbach, Seidenbach und Winkel, Kreises Lindensels.
IV. Verzeichniß rechtskräftig gewordener, in Gemäß⸗ heit des Art. 30 des Strafgesetzbuchs im Regierungsblott bekannt zu machender Straferkenninisse der Gerichte der Provinz Starkenburg.
V. Ermächtigungen zur Annahme fremder Orden. S. K. H. der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 12. Dezember dem vortragenden Rath bei dem Ministerium des Großh. Hauses und des Aeußern, Geh. Legationsrath Dr. Neidhardt die Erlaubniß zur Aunahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj, dem Kaiser von Rußland verliehenen St. Annen⸗Ordens 2. Klasse,— dem Kammer— herrn und Ministerialsekretär I. Klasse bei genanntem Ministerium Carl von Werner die Erlaubniß zur An⸗ nahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Kaiser von Rußland verliehenen St. Stanislaus⸗Ordens 2. Klasse,— dem Ministerialkanzlisten 1. Klasse bei dem Ministerium des Großherzoglichen Hauses und des Aeußern, Jaide, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem Kaiser von Rußland verliehenen St. Stanislaus⸗Ordens 3. Klasse,— und an demselben Tage dem Hofcavalier von Hilchenbach, dienstihuend bei Ihrer Königl. Hoheit der Frau Landgräfin Friedrich von Hessen, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem König von Dänemark verliehenen Commandeurkreuzes 2. Klasse des Danebrogk-Ordens— zu ertheilen. g
VI. Namensveränderungen. S. K. H. der Groß⸗ herzog haben allergnädigst geruht: am 1. Dezember dem Ludwig Ochs zu Gernsheim zu gestatten, daß derselbe stati seines bisherigen Familtennamens Ochs künftighin den Familiennamen Keilmann— und am 9. Dezember der Elisabeih und Caroline Horst zu Wingershausen zu ge— statten, daß dieselben statt ihres bisherigen Familiennamens Horst künflighin den Familiennamen Schaacke— führen.
VII. Diensinachrichten. S. K. H. der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 15. Nov. den Finanz⸗ Aspiranten Mulch aus Friedberg zum Steueraufseher— zu ernennen;— am 19. Nov. den Distriktseinnehmer der Distriktseinnehmerei Nieder⸗Mörlen, Keim, in gleicher Diensteigenschaft in die Disttiktseinnehmerei Friedberg,— den Distriktseinnehmer der Distriktseinnehmerei Ortenberg. Wenzel, in gleicher Diensteigenschaft in die Distriktsein⸗ nehmerei Nieder⸗Mörlen zu versetzen;— den Finanz⸗ Accessisten Zimmer aus Lich zum Distriktseinnehmer der Distriktseinnehmerei Ortenberg,— zu ernennen;— am 23. Nov. dem Schulamtsaspiranten Geibel aus Nieder⸗ Weisel die erledigte zweite evangelische Schulstelle zu Sauer⸗Schwabenheim,— dem Schulamtsaspiranten Fischer aus Gleimenhain die erledigte evangelische Schulstelle zu Stangenrod,— sowie am 26. Nov. dem evangelischen Schullehrer zu Zell, Windecker, die erledigte evangelische Schulstelle zu Schwickartshausen,— und dem Schulamts⸗ aspiranten Röder aus Fränkisch⸗Crumbach die dritte evangel. Schulstelle zu Schaafheim— zu übertragen;— am 26. Nov. den evangelischen Pfarrer zu Wendelsheim, Carl Wolf, zum Dekan des evangel. Dekanals Alzey für die Zeit dis zu Ende des Jahres 1872,— und am 1. Dezember dem Schullehrer an der ersten Abtheilung der ersten evangel. Stadtmädchenschule zu Darmstadt, Mit⸗ prediger Vogt, die erledigte evangel. Pfarrstelle zu Langd zu übertragen.
VIII. Concurrenz für die evangelische Pfarrstelle zu Dalsheim mit einem Gehalte von 602 fl. 32 kr.;— die erste evangel. Schulstelle zu Stammheim mit einem Ge⸗ halte von 310 fl. 57½ kr. nebst vier Stecken Holz zur Heizung bes Schullokals;— die evangel. Schulstelle zu Kesselbach mit einem Gehalt von 300 fl. nebst 4 Stecken Holz zur Heizung des Schullokals.
— Prinz Ludwig von Hessen ist am 27. d. von der Orientreise wieder hierher zurückgekehrt.
— Wie man vernimmt, beabsichtigen die gering besoldeten Civilstaatsdiener, bis zum Range der Revisoren aufwärts, demnächst eine den vollständig veränderten Zeitverhältnissen entsprechende Erhöhung ihrer Gehalte in Anregung zu bringen.
— Der zweiten Kammer ging die Antwort auf die neuliche Interpellation des Abg. Edinger bezüglich des Coalitionsrechtes zu und stellt die Regierung eine dasselbe regelnde Gesetzesvorlage in Aussicht. Auch die Interpellation des Abg. K. J. Hoffmann wegen Herstellung der Bahn verbindung bei der Luisa bei Sachsenhausen wird beantwortet, und ist hiernach die preußische Re⸗ gierung mit den Vorarbeiten beschäftigt. Ueber die Regierungsvorlage, den mit dem Präsidium des norddeutschen Bundes abgeschlossenen Vertrag wegen Aufhebung der Portofreiheit der Dienstsachen in Starkenburg und Rheinhessen betreffend, ent— steht eine längere Debatte, aus welcher wir her-
vorheben, daß sich Dumont unbedingt gegen den⸗ selben erklärt. Redner ist der Ansicht, daß in! einiger Zeit von Seiten Preußens die Zumuthung eines Aversums erfolgen werde, dies halte er aber für äußerst gefährlich und stelle er deßhalb das Amendement, die Kammer wolle als Bedingung der Annahme des Vertrags beschließen, ein an Preußen zu zahlendes Aversum für Portofreiheit der Dienstsachen bedürfe der vorherigen Genehmigung der Kammer. Der Regierungscommissär sowie einige Abgeordnete sind dagegen der Ansicht, daß der Vertrag nur vortheilhaft für die Staatskasse sei, indem die Dienstsendungen wie seither expedirt, von der Post notirt und vom Staate bezahlt würden, wogegen dem Staate wieder 0,68 Proz. der Einnahmen des norddeutschen Bundes aus dem Postregal an den Matricularumlagen abge⸗ schrieben werden. Fink hält den vorliegenden Vertrag für die erste Uebereinkunft mit Preußen, durch welche Hessen keine Haare lassen müsse. Bei Abstimmung nimmt das Haus den Vertrag selbst gegen 9 und das Dumont'sche Amendement gegen 8 Stimmen an.— Einen weiteren Gegenstand der Berathung bildet der Gesetzentwurf über die Mobiliar ⸗Feuerversicherungs-Gesellschaften, durch welchen der Unterschied zwischen den inländischen und ausländischen Gesellschaften aufgehoben werden soll. Nach mehrstündiger Debatte spricht sich die Kammer für die Gleichstellung derselben und für Entrichtung von 2 Proz. ihrer Brutto-Prämien⸗ einnahme an den Staat aus.
Preußen. In der Denkmalssache hat das Amtsgericht zu Celle das General- Commando zu Hannover, so wie das Garnisons-Commando in Celle zu der angedrohten Geldbuße von je 100 Thlrn. und zur Tragung aller Kosten verurtheilt. Damit ist, des von beklagter Seite erhobenen Einwandes ungeachtet, das Provisorium aufrecht erhalten, und der Streit um das Besitzrecht an dem Denkmalsplatze wird seinen Fortgang nehmen.
— Im Bundeskanzleramte haben die Arbeiten zur Aufstellung des Bundeshaushaltsetats für das Jahr 1871 begonnen und werden die betreffenden Entwürfe dem Bundesrathe alsbald nach dessen Wiederzusammentritte zugehen. Große Aenderungen gegen den Etat von 1870 dürften in demselben kaum vorkommen. Die Ausgaben für das Ober- Handelsgericht sind nicht neu, da dieselben schon pro 1870 Berücksichtigung gefunden haben. Die Ausgaben für die consularische Vertretung dürften dagegen eine Vermehrung erfahren, wie in Folge der beabsichtigten Errichtung eines neuen General⸗ consulats in Peru c.
Oesterreich. Wien. Die„Wiener Ztg.“ veröffentlicht in ihrem amtlichen Theile das sanc tionirte Gesetz, betreffend die Forterhebung der Steuern bis Ende März.— Die„Presse“ theilt mit, daß die Minorität des Ministeriums(Taaffe, Potocky, Berger) vom Kaiser beauftragt worden sei, ebenfalls ein Memorandum auszuarbeiten und ihre Ansichten über die Lage zu entwickeln. Die Erledigung des Entlassungsgesuches der genannten drei Minister ist damit vorläufig vertagt.
— Die österreichische Regierung, oder wohl richtiger die neben dem Ministerium thätige Ca- marilla, soll die Absicht haben, den letzten Ver- haftungen der Arbeiterführer noch weitere derartige Maßregeln folgen zu lassen. Die Verhafteten wurden des Nachts in ihren Betten überrascht, und nur einer von ihnen vermochte zu entfliehen, indem er den Spüreifer der Polizisten auf seine Papiere lenkte und sich selbst durch eine Seiten⸗ thür entfernte. Diese Maßregeln haben in den Arbeiterkreisen Wiens große Aufregung hervor— gerufen.
Frankreich. Paris. Die„Presse“ ver ⸗ nimmt, daß Herr Ollivier nach einer Unterredung, die er mit den Herren Thiers und Daru gehabt hat, die Unterhandlungen über die Bildung eines aus dem linken Centrum combinirten Ministeriums wieder aufgenommen hätte.
— Der Kaiser hat den folgenden Brief an Emil Ollivier gerichtet:„Herr Deputirter! Da mir die Minister ihre Demission eingereicht haben, wende ich mich mit Vertrauen an Ihren Patrio-
tismus, um Sie zu bitten, mir diejenigen Per-
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sonen zu bezeichnen, welche im Verein mit Ihnen im Stande sind, ein homogenes Cabinet zu bilden, das getreulich die Majorität des gesetzgebenden Körpers repräsentirt und entschlossen ist, den Senatus⸗Consult vom 8. September nach Wort⸗ laut und Geist auszuführen. Ich rechne auf die Ergebenheit des gesetzgebenden Körpers für die großen Interessen des Landes, sowie auf die Ihrige, um mich an der Aufgabe, welche ich mir gestellt habe, das constitutionelle Regime regel⸗ mäßig durchzuführen, zu unterstützen. Glauben Sie, mein Herr, an meine Geneigtheit. Napoleon.“ — Das„Journal officiel“ kündigt an, daß die Minister bis zur Ernennung ihrer Nachfolger mit den Geschäften betraut bleiben.
Darmstadt. In der vorigen Woche wurden an ver schiedenen Tagen dier wieder mehrere leichte Erd erschütterungen verspürt.— Am Nachmitlag des 24. d. bat sich dahier ein sehr beklagenswerthes Unglück ereignet. Das einzige 4 jährige Kind eines hiesigen Schuhmacher⸗ meisters flürzte nämlich, während der Vater den Ehristbaum putzte, in ein im Garten eingegrabenes Regenfaß und ertrank. Der Schmerz der bedauernswerthen Eltern läßt sich wohl denken.
Bensheim. Im hiesigen Bahnhofe versuchte dieser Tage ein Mann noch einzusteigen, nachdem der Zug sich schen in Bewegung gesetzt hatte, wurde aber von dem Condukteur zurückgestoßen, so daß er das Gleichgewicht verlor und rückwärts stürzte, wobei er lebensgefährliche Verletzungen davon trug.
Berlin. Der dem Renz'schen Extrazuge zugestoßene
Eisenbahnunfall ist für die Gesellschaft ohne alle Folgen:
geblieben. Die„B. B. Z.“ meldet darüber:„Dem Exlrazuge, welcher die gesammte Renz'sche Kunstreiter⸗ Gesellschaft mit allen Pferden ꝛc. von Dresden aus nach Berlin führte, ist am 23. Holtzdorf ein Unglücksfall dadurch zugestoßen, daß eine mit Rangiren beschäfligte Locomolive von dem Führer des Zuges nicht rechtzeitig bemerkt wurde und so die beiden Focomotiven mit voller Kraft aufeinander stießen. Die Locomotiven sind beide sehr bedeutend beschädigt worden, an Personen ist aber keinerlei Schaden vorgekommen, was wesenilich dem Umstande zuzuschreiben ist, daß der Führer der Rangirmaschine, als er den Zusammenstoß als unver⸗ meidlich erkannte, von seiner Locomolive herabsprang. Der Renz'sche Exlrazug langte in Folge dieses Vorkomm⸗ nisses stalt um 3 Uhr Nachmittags erst Abends um 9 Uhr in Berlin an.“ Soweit dis jetzt festgestellt, sind sämmk⸗ liche Pferde, die arg zusammengeschüttelt worden, mit beiler Haut davongekommen, so daß die gande Gefahr sich auf einen gewalligen Schreck beschränkte. Herr Renz mit Familie passirte den Schienenweg erst später mittelst des Courierzugs, so daß ihm die Verwirrung und der Schreck erspart wurden.
O Die armen Vögelchen bitten!
Der Winter ist wieder da. Er fängt an gar finster und streng drein zu schauen. Die Kinder drängen sich um den warmen Ofen; der einsame Wanderer zietzt den Mantel enger an und eilt, ein gastlich Dach zu erreichen. Der Schlitten mit seinen über und über in Pelz und schützende Decken gehüllten Insassen saust mit lustigem Schellengeklingel vorüber. Die Pferde greifen muthig aus; sie eilen dem warmen, jutterreichen Stalle entgegen. Nur wir armen Vögelchen sitzen aufgepustet, ein Bild des Jammers, auf kahlem Baumast und schauen traurig⸗ sehnsüchtig nach Euren Wohnungen hin. Hu! wie ist es kalt!. Und doch thäte uns das nichts! Haben wir doch ein warmes schützendes Kleid. Aber der Hunger, du lieber Gott, der Hunger! Schon tagelang Nichts im Kröpschen, Nichts im Magen! Das Blut erkaltet, die Glieder er⸗ starren, und um uns herum die öde, kahle Winterland⸗ schaft, Alles mit tiefem Schnee bedeckt: was soll aus uns werden?— Wie ist unser sonst so zahlreiches Völkchen zusammengeschmolzen! Kaum hie und da ist eins der Unserigen anzutreffen. Wohl wissen wir, daß viele unseres Geschlechts, um der Winternoth zu entgehen, einstweilen ausgewandert sind, ein Auskunftsmittel, zu welchem wit uns einmal nicht enischließen können; indessen ist es unserm schwachen Vogelverstand nicht verborgen geblieben: unsere Zahl vermindert sich von Jahr zu Jahr. Es ist nicht mehr wie früher so recht wohnlich für uns in Euren Gärten und Feldern. Alles so licht, so jeglicher Gefahr preisgegeben. Und wenn wir nun noch in Frost und Schnee umkämen, was für Nutzen hättet ihr davon? Wenn der schöne Frühling kommt, würde Euch unser fröhlicher Gesang nicht erfreuen, und das Ungeziefer in Garten und Wald Euch Verheerungen anrichten, daß es ein Grausen wäre. Doch wir wollen weder klagen, noch an unseren Nutzen erinnern, wir wollen nur bitten. Wir wissen, ihr habt uns gern; darum vertrauen wir in unserer Noth auf Eure Hülfe. Vergeßt uns nicht, beauftragt Eure Kinder, uns ein paar Körner, ein paar Brosamen binzustreuen. Nur ein paarz mit so Wenigem, das bei Euch in Stube und Küche doch umkommt, ist uns ge⸗ holfen. Duldet auch nicht, daß mau unseren Hunger dazu benutze, uns zu fangen und zu derderben. Wir werden zutraulich herankommen, wenn wir Eure Sorge um uns sehen. Aber vergeßt uns nicht, thuts bald und so lange Frost und Schnee anhält. Uns hungert und friert so sehr!
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d. Vormittags bei der Station
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— Ord. Nr.
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