die Einkommensteuer kommen; den Rest liesert die Erwerbsteuer. Den Löwenantheil nahm der Staat, nämlich fast 3/0 Millionen; 398,000 fl. bezog das Land(Niederösterteich) und nur 852.000 fl kamen der Stadt zu Gute. Die übrigen Bedürf⸗ nisse der letzteren werden durch die Verzehrungs⸗ steuer und durch die Einnahmen aus den der Stadt gehörenden Zinshäusern gedeckt. Das Gesammtergebniß der direkten Steuern Wiens im Jahre 1868 beläuft sich auf fast 17 Millionen Gulden, circa 30 fl. auf jeden Kopf.
— Der vömische Correspondent des Krakauer „Czas“(er soll römischer Kammerherr sein) meldet, im Vatican sei große Freude über den Wunsch des Königs von Preußen, daß ein Nuntius für Berlin ernannt werde. Vorläufig wolle jedoch Pius IX. nur einen apostolischen Delegaten in die preußische Hauptstadt senden. Der Correspon— dent erwähnt auch der Hoffnungen, die man in Rom über die Möglichkeit einer Bekehrung des preußischen Hofes hege. Ein Cardinal soll gesagt haben, die deutsche Kaiserkrone sei wohl einer Messe werth.
— Die Russen sollen in Podolien und Bess— arabien bereits 85,000 Maun concentrirt haben. In den nussischen Gränzfestungen finden sich öfter rumänische Offiziere ein; die russischen trinken mit ihnen auf treue Waffenbrüderschaft und baldiges Wiedersehen im Felde. Nach dem„Pester Lloyd“ find vor Kurzem in Bukarest 20 preuß. Offiziere angekommen, um als Instruktoren in der rumäni— schen Armee zu dienen. Die Zahl der aus Preußen bezogenen Kanonen wird auf 96 und die der Hinterladungsgewehre auf 120,000 an-
gegeben. Triest. Nachrichten vom 28. d. besagen: Die Bahndepots, die Waarenmagazine und
die Dogana(Douane) stehen in vollen Flammen. — Vorgestern herrschte hier eine Kälte von 18 Gr., die ältesten Leute erinnern sich nicht eines so strengen Winters.
Schweiz. Im Kanton Thurgau ist in neuerer Zeit eine Verfassungsreform vorgenommen worden. Gegen einzelne Bestimmungen derselben hat sich der Bischof von Basel veranlaßt gesehen zu protestiren. Sein Protest wurde ihm aber mit folgendem Begleitschreiben zurückgestellt:„Hoch- würdigster Herr Bischof! Nach Anhörung Ihrer neuesten, unsere Verfassungsrevision betreffenden Eingabe vom 14. Januar l. J. hat der Ver- fassungsrath beschlossen, es sei diese Eingabe ihres unwürdigen und anmaßlichen Inhalts wegen ihrem Verfasser einfach zurückzustellen.“ Der bezügliche Beschluß erfolgte mit 90 gegen 15 Stimmen.
Frankreich. Paris. Der„Siecle“ ver- öffentlicht folgendes Schreiben des Präsidenten der provisorischen Regierung von Kreta:
„Meine Herren Redakieure des„Siecle“! Viele Per⸗ sonen, sympathisch für die Leiden meines Vaterlandes Kreia gesinnt, haben mich gefragt, ob wir vermittelst Reformen und Concessionen uns aufs Neue dem Sultan unterwerfen könnten. Hierauf antworte ich im Namen aller meiner Landsleute, deren unerschülterlichem Willen ich hiermit nur Ausdruck verleihe, Folgendes: Nein, niemals, sollie selbt Griechenland, gezwungen durch die Diplomatie, uns verlassen, könnten wir uns wieder unter dieses Joch zurück⸗ begeben. Die Mitzeleien unserer Kinder, unserer Frauen, unserer Greise, mit kaltem Blute von der türkischen Armee unter Mustapha⸗Pascha und Omer⸗Pascha vollbracht, könnten wir alles Das jemals vergessen? Wir würden diese Verbrechen verzethen; aber die Gebeine unserer Väter, von den Türken auf allen Landstraßen Kreias zerstreut, aus den Gräbern hervorgezogen nach einem, jn zwei Jahr hunderten der Ruhe, gestalsen uns weder zu vergessen noch zu vergeben. Wir werden Alle unsere Pflicht zu erfüllen wissen, wie wir sie bis jetzt erfüllt haben: uns tödten zu lassen bis auf den letzten Mann, oder die Ver⸗ einigung mit Griechenland, unserem Vaterlande, zu erreichen, von dem keine menschliche Macht uns jemals wird trennen können. Auf diesen einstimmigen Enischluß aller meiner Landsleute bezieht sich die Mission, mit der ich für die Vereinigten Staalen von Amerita beauftragt bin. Ge⸗ nehmigen Sie u. s. w. Coustantin Voludaki, Prä⸗ sident der provisorischen Regierung von Kreta, außer ordentlicher Gesundier für Amerika. Paris, Grand Hotel, 23. Imuar 1869.“
E Beßzeichrend für die hiesigen Verhältnisse ist die Hartnäckigkeit, mit der die öffentliche Meinung an allen Sensationsnachrichten festhält, die eine Machtaugmentation Deutschlands, resp. des norddeutschen Bundes, involviren. Die längst dementirte Kunde von den Wechselverträgen zwischen
dem norddeutschen Bunde einerseits und Bayern und Würtemberg andererseits wird hier als „Zeichen der Zeit“ noch immer discutirt und verursacht in gewissen Schichten der Bevölkerung nicht geringe Aufregung.
— Dem„Gaulois“, der sich stets durch Sen- sationsnachrichten hecvorzuthun weiß, geht von seinem Correspondenten in Konstantinopel, Herrn Lermina, folgendes Telegramm zu:„Halten Sie die Weigerung Griechenlands aufrecht, dem Pro lokoll der Conferenz beizutreten. Die Ereignisse werden die Sicherheit meiner Nachrichten darthun. Die griechischen Bankbillets haben Zwangscours. Ein Theil der türkischen Flotte verläßt Syra und geht nach Kreta. Die Untersuchung uber die Affaire des„Enosis“ ist geschlossen.“ g
Belgien. Brüssel. Da in Belgien die Krone nur an männliche Nachkommen vererblich ist, so erscheint der dieser Tage erfolgte Tod des Kronprinzen, wescher die einzige Hoffnung des belgischen Thrones war, von großer Bedeutung und kann leicht zu wichtigen Folgen führen. Es lebt zwar noch ein Bruder des Königs, der Prinz von Flandern, aber er ist bis jetzt kinderlos und man zweifelt daher an der Geburt eines Thron— erben. Eine Erbfolge würde nun zwar in Belgien keine Schwierigkeit machen, wenn nicht Frankreich in der Nähe wäre, wenn man nicht wüßte, daß Belgien längst für die Arrondirung der französischen Grenzen ausersehen ist und nun vielleicht noch mehr ins Auge gefaßt wird. Aus diesem Grunde ruft der Tod eines Kindes gewisse Beunruhigung wach.— 5
Großbritannien. London. Ein Tele- gramm der„Times“ aus Madrid meldet, daß die Mörder des Gouverneurs von Burgos Kloster— mönche gewesen seien. Es seien Truppen dorthin gesendet worden.— In Betreff der Haltung Griechenlands äußert das erwähnte Blatt, daß von dem Cabinet zu Athen eine stark reservirte Zustimmung zu der von der Conferenz angenom— menen Erklärung erwartet werde.
— Der Dampfer„Hipparchus“ brachte nach Liverpool Nachrichten von Montevideo vom 27. Dec v. J. Nach einem daselbst aus Buenos⸗ Ayres eingetroffenen Telegramm hätten die Allliirten Angostura am 21. und 22. Dec. angegriffen und in Besitz genommen. Lopez sei, von den Alliirten verfolgt, entflohen.
Spanien. Madrid. Das Bekanntwerden des Attentates von Burgos veranlaßte in Madrid eine große Aufregung und führt zu einer Demon⸗ stration gegen den päpstlichen Nuntius und mehrere Mitglieder der Geistlichkeit. Volkshaufen zogen vor das Hotel des Nuntius, entfernten das an dem Gebäude angebrachte Wappenschild und riefen: „Nieder mit dem Nuntius! Es lebe die Freiheit der Bekenntnisse!“ Migr. Franchi, welcher recht zeitig gewarnt worden war, hatte sich auf die französische Botschaft geflüchtet.— Aus Burgos werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der Civil⸗ Gouverneur wurde in der Kathedrale selbst er⸗ mordet. Der Leichnam desselben, schrecklich ver⸗ stümmelt, wurde durch mehrere Straßen geschleift. Die Mitglieder des Domkapitels befanden sich zu derselben Zeit in der Kirche und blieben unthätig. Der Dechant, die Provisoren und zwei Domherren sind verhaftet. 0 1
— Die„Gaceta“ bestätigt die Verhaftung von 70 Personen, darunter viele Geistliche.— Es herrscht in ganz Spanien große Aufregung.
— Eine Depesche des„Gaulois“ aus Madrid meldet, daß der Civilgouverneur von Burgos er⸗ mordet worden sei und die Behörden dem Militär- commando die Regierung übertragen hätten. Es seien Verhaftungen vorgenommen worden.
Italien. Florenz. Der„Corriere Sar⸗ degna“ meldet, daß im Hafen von Cagliari eine französische Fregatte mit Truppen angekommen ist, welche nach der Levante bestimmt sein sollen.
Türkei. Die Pforte suspendirte die gegen griechische Unterthanen gerichteten Ausweisungs⸗ maßregeln, in Erwartung der Antwort Griechen— lands auf die Declaration der Conferenz. Man glaubt, daß dieselbe ablehnend ausfallen wird.
Amerika. Newyork. Die hiesige„Handels-
Ztg.“ bringt folgende eigenthümliche Mitthellungen. „Es finden,“ schreibt sie,„jetzt ernste Bemühungen statt, um den zukünftigen und jetzigen Prästdenten, wenigstens oberflächlich und scheinbar, mit einander zu versöhnen, denn es naht die Zeit, wo Beide in demselben Wagen nach dem Capitol fahren müssen, um ein kleines Geschäft unter einander abzumachen, und da wäre es doch gar zu fatal, wenn sie nicht einmal ein Wort mit einander wechseln konnten.... Nalürlich beschäftigt man sich viel damit, hinter die eigentlichen Ansichten und Pläne des künftigen Präsidenten zu kommen. Was man davon bereits wissen will, bezieht sich auf zwei Punkte: auf die Staafslasten und das Beamtenwesen. Mit Energie habe er sich gegen das System einer zu liberalen Subsidirung von Eisenbahnen und anderen Unternehmungen erklärt und seine Meinung dahin ausgesprochen, daß Alles aufgeboten werden müßte, die Lasten zu verringern, die Schuld zu reduciren und die Baarzahlung wieder einzuführen. Den Augiasstall des Beamten: unwesens habe er sich gründlich zu fegen vor- genommen. Ohne Rücksicht auf Parteistellung wolle er bewährte Angestellte der jetzigen Ver- waltung im Amte lassen, unter den Corrumpirten aber um so gründlicher aufräumen, und bei An- stellungen nur Tüchtigkeit und Redlichkeit berück— sichtigen, weßhalb er auch im Prinzip durchaus für Einführung von Examinationsbehörden sei. Wenn das wirklich seine Absichten sind, so möge er bei ihrer Ausführung vom Glück begünstigt sein. Die Verworfenheit der Beamtenschaaren, die in der kurzen Zeit, so lange in der Regel ihr Weizen blüht, ihre materielle Zukunft möglichst zu sichern trachten, ist ein Krebsschaden in den Verhältuissen der Union; eine Aenderung zum Besseren wäre ein großes Ver dienst.
Asien. Ueber die Ausdehnung des jüngst in Assam stattgehabten Erdbebens und den durch dasselbe angerichteten großen Schaden treffen noch immer traurige Berichte ein.
L. Friedberg am 28. Januar. Heuie Abend hiel: Herr Dr. Lorenz seinen Vortrag über Lungenschwind⸗ sucht. Es ist dies hier das erste Mal, daß von ärztlicher Seite über einen medizinischen Gegenstand öffentlich zum Publikum gesprochen worden ist, und schon deßhalb ver⸗ dient der genannte Vortrag in diesen allem Gemeinnützigen gewidmeten Blättern besonders eiwähnt zu werden. Wenn irgendwo so ist auf medizinischem Gebiete ein Heraustreten der Wissenschaft auf den Markt des Lebens, ein Vermitteln der von derselben errungenen Erkenniniß an die Gesammt⸗ beit verdienstlich und geboten. Leben und Gesundhelt sind die höchsten irdischen Güter, und Krankheiten vor- beugen ist leichter als sie heilen. Für das Publikum kann es darum nichts Näherliegenderes und Interessauteres geben, als über die Vorgänge im eigenen Körper auf— geklärt zu werden, und für den Arzt, der seinen Beruf von der wissenschaftlich⸗ humanen Seite erfaßt, nichts Er⸗ freulicheres, als Gelegenben zu haben, richtige Ansichten über das Wesen der Krankgeiten und über die Mittel zu ihrer Verhütung zu verbreiten. Wie viel Gutes kann dadurch gestiflei werden! Ein veirnachlässigter Katarrh kann Lungenschwindsucht und frühzeitigen Tod zur Folge baben, und wie leicht nimmt der Unwissende einen Katarrh! Daß aber derartige Gegenstände dem Verständniß auch eines größeren Publikums nahe gebracht werden können, das hat der heutige, ebenso interessante als lehrreiche Vor⸗ trag über Lungenschwindsucht bewiesen.
Aus Oberhessen. In weiteren Kreisen ist eine, unserem berühmten Landsmanne dem Professor Freiherrn von Liebig zu München, weten seiner großen Verdienste um die Landwuthschaft zu gewährende nationale Aus- zeichnung angeregt worden, die in Form eines Chren⸗Ge⸗ schenkes demselben gewidmet und aus den, durch Sub⸗ scription zu erbringenden Mitteln angekaust werden sotl. Auf Anregung des Präsidenten des landw. Vereins für Oberhessen werden nun alle Freunde und Verehrer Liebig's, namentlich aber die Landwirthe unserer Provinz zu recht zahlreicher Betheiligung eingeladen. Da die Haupfaner⸗ kennung Liebig's in der möglichst zahlreichen Betheiligung liegt, so sind auch die kleinsten Beiträge willkommen.
Frankfurt. Ueber die»igenthümlichen Launen des diesfährigen Winters bringt das„Fr. J.“ folgende Mit⸗ theilungen: Während im höhern Norden, namenilich in den Seestädten von Flensburg, Stettin, Danzig und Königsberg, bis Petersburg, Haparende und Christiansand eine verhältnißmäßig ziemlich milde Temperatur hertscht, macht sich in Süd- und Mitteldeutschland ein strengeres Regiment des Winters fühlvar. Diese Erscheinung zeigt sich von Breslau(wo dieser Tage der Thermomelerstand auf— 180 gemeldet wurde) und Ratibor bis Kölu, Coblenz und Trier. Wiener Blättern zusolge herrscht in Ober- und Niederösterreich eine Kälte, die an die un- wirthlichen Gestade Finulands erinnert. In diesem Winter ist nun auch der seltene Fall eingetreten, daß ein Theil des Bodensees fest zugefroren ist.
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