Ausgabe 
29.7.1869
 
Einzelbild herunterladen

Carmeliterinnen versammelt u. einzudringen versucht. Durch die Wache zurückgewiesen, zogen sie nach dem Jesuitenkloster, insultirten den dortigen Rektor und zertrümmerten die Fensterscheiben. Eine An- zahl Verhaftungen fand statt.

Ueber die befreite Nonne Barbara Übryk erfährt man aus Krakauer Correspondenzen, daß dieselbe nicht, wie das Gerücht ging, verstorben, sondern eher auf dem Wege leiblicher und geistiger Besserung sei. Ihre Antworten waren im Ganzen klar; nur manchmal verfiel sie in Tobsucht. Die Nonnen haben den Versuch nicht gescheut, die Spur des Verbrechens durch Vermauern der schauerlichen Zelle und Ausreißung der Wände zu verwischen, wodurch sie ihre Sachen nur ver- schlinmert haben. Man sagt, der Bischof habe von Rom aus die Ordre erhalten, bei steigender Aufregung der Bevölkerung das Kloster räumen und die Nonnen in andern Conventen unterbringen zu lassen.(In unserem nächsten Unterhaltungs- blatte werden wir einen ausführlichen Bericht über das Ereigniß im Krakauer Kloster bringen. D. R.)

Schweiz. Bern. Aus einer Rede Stämpfli's im schweizerischen Ständerath über Milizsystem und stehendes Heerwesen heben wir folgende Stellen hervor:Das Milizsystem gewähet eine weit höhere Garantie für den Völkerfrieden. Es gibt auf der einen Seite nicht die nöthige Spann kraft zum Angriffskriege, auf der anderen dagegen die höchste denkbare Kraft zur Vertheidigung. Denken wir uns z. B. Deutschland statt mit einem stehenden Heere, mit einer organisirten Miliz von 4 Millionen Männern, keine Macht der Welt würde den Gedanken eines Angriffes gegen Deutschland hegen; besäße England statt seiner 250,000 Mann stehender Truppen und 100,000 Freiwilligen, 2 Millionen organisirte Miliz, Invasionsgelüste benachbarter Mächte würden nie auskemmen. Das Milizsystem schafft keinen eigenen Soldatenstand, keinen Gegensatz zwischen Bürgern und Militär, keine widersprechenden In⸗ teressen und Bestrebungen zwischen Volk und Armee, nicht jenen Ehrgeiz, der nach Schlachten dürstet, nur um in Sold und Grad zu avanciren. Das Milizsystem schont die Freiheit des Bürgers und zerstört nicht gewaltsam den Lebensberuf und die Lebensbestimmung eines Dritttheils der ganzen jungen männlichen Welt. Es treibt den jungen Mann nicht zur Selbstverstümmelung, nicht zur heimlichen Auswanderung, nicht zur Desertion, und ein jahrelanger Zwangsdienst in Kasergen wird nicht zur wegraffenden Seuche gegen den Soldaten. Es schafft keine ausgedienten oder ausrangirten Soldaten und keinen Pensionirten- stand. Die Zahl der Männer, die ihre besten Lebensjahre im Heere zugebracht und nachher kaum mehr im Stande sind, sich einer bürgerlichen Arbeit zu widmen, dürfte bei stehenden Armeen fast so groß sein als das aktive Heer selbst. Das Miliz. system erschöpft die Staatskräfte nicht in dem Maße, daß für andere Zwecke und besonders für die allgemeine Volkserziehung nichts mehr übrig bleibt. Nur mit Abschaffung der stehenden Heere und der Einführung des Milizsystems vermag das alte Europa dem gewaltig aufstrebenden neuen Welttheile das Gleichgewicht zu halten. Ohne diese Radicalreform wird, bevor fünf⸗ zig Jahre vergehen, nicht Europa, son⸗ dern Amerika der volkswirthschaftlich vorgeschrittenste und politisch prädo⸗ minirende Welttheil sein.

Frankreich. Paris. Wie derAvenir national meldet, beschäftige man sich höheren Orts vielfach mit einer Petition an den Senat, die schon nahezu 50,000 Unterschriften zähle und die für Paris die municipalen Freiheiten zurückfordere, welche die anderen Gemeinden Frankreichs genießen.

Ein Dekret des Kaisers beruft die General räthe des Reichs zu einer Session ein, die am 23. August beginnen und spätestens am 6. Sept. schließen soll. Die Arrondissementsräthe aller De partements vereinigen sich zu einer fünftägigen Session am 5. September. Dieses Dekret hat sür das ganze Kaisertreich Gültigkeit mit Ausnahme des Departements der Seine(Paris).

tionnel sind die Minister andauernd thätig mit der Redaktion des Senatus-Consulte. Genanntts Blatt erklärt sich zu der Angabe ermächtigt, daß

der Geist, welcher diese Redaction erfüllt, in sehr

aufrichtiger Weise liberal sei. Die Principien der Botschaft würden darin eine ausgedehnte und loyale Anwendung finden.

Der diesjährige 15. August wird als der hundertjährige Geburtstag Napoleons gefeiert und soll dieser Tag von dem jetzigen Herrscher Frank⸗ reichs unter allen Umständen zu einer politischen Bedeutung erhoben werden, so daß, was jetzt vorgeht, nur als Vorbereitungen zu den Ueber raschungen zu betrachten sein wird, mit denen der 15. August die Welt in Erstaunen setzen soll. DerFigaro erzählt, daß der gesetz gebende Körper jetzt vollständig von den Deputir⸗ ten verlassen sei, nur Herr Raspail erscheine täg lich, lasse sich den Sitzungssaal öffnen und setze sich zehn Minuten lang auf seinen Platz, um auf diese Weise gegen die Vertagung der Kammer zu protestiren. i

In Paris hat Chasseloup-Laubat als neuer Präsident den Staats rath mit einer auffallend liberal gefärbten Rede eröffnet. Ob es im Auftrag des Kaisers geschah oder ob wirklich der alte Minister Louis Philipp's verhaltene liberale Gesinnungen kundzugeben hatte, darüber wird man Aufschluß noch abzuwarten haben.

Großbritannien London. Die irische Kirchenbill hat die Genehmigung der Königin er halten. Der Thronfolger Prinz von Wales reist mit seiner Gemahlin nach Wildbad. 5

Spanien. Madrid. Es wurde eine Ver⸗ schwörung entdeckt, deren Zweck war, die Citadelle von Pampeluna in die Luft zu sprengen. Car listische Priester, Offiziere und Agenten wurden dabei verhaftet.

DerImpareial sagt: Die carlistischen Haufen, welche sich in der Mancha zeigten, sind vollständig geschlagen und zerstreut worden. Die Nachrichten aus den anderen Provinzen lauten befriedigend.

Rußland. Die Nachrichten aus den ehe maligen Gebietstheilen des Königreiches Polen lauten übereinstimmend dahin, daß die russische Regierung mit unerbittlicher Strenge in ihren Maßregeln zur Russifizirung des Landes fortfährt.

Amerika. Newyork. Telegramme melden die vollendete Auslegung des französisch⸗amerika⸗ nischen Kabels und den Empfang bei der Landung an der amerikanischen Küste als einen sehr erfreu lichen. Newyorker Blätter drücken ihre Befriedigung darüber aus, daß die Auslegung des französisch⸗ amerikanischen Kabels glücklich beendet sei und tadeln die Bestrebungen, dem Unternehmen Hin dernisse zu bereiten.

* Friedberg. Die Bewohner längs der Maln Weser⸗ bahn werden nicht wenig überrascht sein, in öffentlichen Blästern(siehe unseren heutigen Inseratentheil) die An⸗ kündigung eines durch die Direction genannter Bahn für nächsten Sonntag den 1. August veranstalteten Ver⸗ gnügungszuges von Frankfurt nach Kassel zu finden. Das reiselustige Publikum konnte sich bis daher derartiger Arrangements von Seiten der Main-⸗Weserbahn nicht erfreuen und wird darum gewiß den ersten Versuch, mit welchem dieselbe hier entgegenkommt, freudig begrüßen. Von der zu wünschenden zahlreichen Beiheiligung wird es indeß abhängen, ob wir für die Folge die Wiederholung äynlicher Annehmlichkeiten erwarten dürfen. Die erwähnte Bekanntmachung enthält die näheren Bestimmungen bezüg⸗ lich der Beiheiligung. Abfahrt auf der Station Fried⸗ berg Morgens 620, Fahrpreis von da nach Kassel und zurück II. Klisse 5 fl. 15 kr. III. Klasse 3 fl. 18 kr.

Aus Oberhessen. In der am 15. d. M. staltge⸗ habten Ausschußsitzung des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen wurde den beiden Brüdern, dem Guts pächter Dr. Gros in Colnhausen, Vicepräsident des land wirthschaftlichen Vereins von Oberhessen, und dem Gräfl. Gutsverwalter Gros in Arnsburg, erstem Sekretär des landwirthschafllichen Vereins von Oberhessen, wegen ihres langjährigen Wükens in dem landwirihschaftlichen Verein von Oberhessen die leimdwiethschaftliche Verdienstmedaille 1 Klasse zuerkannt. Ersterer bekleidet das Amt eines Vicepräsidenien seit 19, und letzterer das Amt eines ersten Sekretärs seit 25 Jahren.

Frankfurt Die Hanauer Eisenbahn ist den anderen Bahnen mit einem guten Beispiel vorausgegangen, indem sie vom 1. August ab auch Reloufbillete für die Schnell- züge ausgibt. N

* Frankfurt a. M. Der hiesige zoologische Gar⸗

Nach einer offiziösen Note desConstitu

ten hat in den letzten Tagen mannichfache Bereicherungen

erfahren. So trafen namenillch eine größere Anzahl von

reiherarligen Vögeln ein, unter denen besonders ber Löffel reiher mit dem seltsam gestalteten Schnabel, sowie der brafilianische Ibis, welcher durch seine hochroiht Farbe auffällt, Erwähnung verdienen. Auch mehrere Vier jüßer sind angekommen, worunfer ein Schakal, 5 Känguruh, einige isländische Ponys der kleinsten Race. Von besonderem Interesse aber sind zwei Chamäles aus Afrika, deren Behälter beständig von zahlreichen Be

schauern umgeben ist. Wegen seines Farbenwechsels

das Chamäleon längst allgemein bekannt und sprüchwörß, lich geworden und es wird daher allgemein die Gelegen, heit, solche Thiere lebend zu sehen, mit Freude begrüff werden. Besonders merkwürdig gebildet sind die Augen, die Füße und die Zunge, welch' letztere weit hervorgeschnel werden kann und zum Fangen von Fliegen und anderen Insecten dient, von welchen das Thier lebt.

Frankfurt. Am 26. d. M. waren vier Schneiden gesellen im Begriff von Niederrad nach hier zurückzukehren als sie vier Soldaten mit blanken Säbeln des Wegs in, Wald kommen sahen. Drei der Civillisten fanden es fi gerathen, quer in den Wald zu gehen, der vierte, welchg sich nichts bewußt war, ging leider zu seinem Unglück dei Wegs weiter, denn er bekam von den Soldaten dig scharfe Hiebe über den Kopf und liegt nun schwer erkran darnieder.

Frankfurt. Kommenden Sonntag findet ein Sechz⸗ kreuzertag im zoologischen Garten stalt. Die Besucht! werden gut thun, etwas vorsichtiger als ein Steinmetz am verflossenen Zwölfkreuzertag zu sein. Derselbe be schäftigte sich mit dem Füktern der Bären und legte mi eigener Hand derKatharine ein halbes Brödchen in da Rachen, in Folge dessen er Verletzungen an den Fingen davontrug.

Offenbach. In dem dieser Tage zur Ruhe bestaltetn großh. hess. Obristlieutenant a. D. Friedr. Ruppers, burg ist wiederum einer der ältesten hessischen Veteranen, deren Häuflein nur noch auf sehr wenigen Augen steht zur großen Armee versammelt worden. Der Verblichene welcher das hohe Altar von 83 Jahren erreichte, hat dan spauischen Feldzug der hessischen Armee mitgemacht, und g. rieth mit vielen Kameraden nach der Cinnahme von Badajoz in englische Gefangenschaft, infolge deren er mi anderen Kampfgenossen längere Zeit in Schottland in; ternirt war. 5

Langen. Ein in hicsiger Nähe stationirter Bahn⸗ wärter der Main⸗Neckar⸗Eisenbahn, Vater von 16 Kindern, hat sich am 25. d. Mis. erschessen. Man vermuthet, dafß Nahrungssorgen die Molive des Selbstmordes gewesen sinde,

Darmstadt. Am letzten Samstag kamen mehren Dienstmänner aus einer höchst unbedeutenden Veranlassung in lebhaften Streit, so daß einer derselben von dem anden mit dem Tode bedroht ward. Dieser versah sich in Folge dessen mit einem Dolch, und das ste Zusammenkreffen gab sofort Veranlaffung, daß der mit dem Dolch Versehene seinen Gegner auf offener Straße tödlich verwundete.

Lindenfels i. O. Am 1. August wird hier zu Ein weihung des neuen Turnplatzes ein Turnfest abgehalum werden. Der Festzug beginnt Nachmittags halb 3 Uhl Von 47 Uhr Preisturnen auf der Burgruine.

Heidelberg. Die von mehreren Blättern gebracht Nachricht von einer sehr bedenklichen Erkrankung des Prch Gervinus wird dahin berichtigt, daß derselbe bereiss wieder genesen ist.

Köln. Die Vollendungsbauten am Dome zu Köln schreiten zusehends vor. Der nördliche Thurm hal dee Höbe des vorhandenen südlichen Thurmes erreicht. Das Kapitelsaal- und Sakristeigebäude ist bis auf die Errichwuß des aus Eisen konstruirten Dachwerks vollendet. Die Un gebungen des Domes sind aus städtischen Mitteln du Pflasterungen, Trottoir- und Gartenanlagen bis auf Klein keiten regulirt worden. Im Jahre 1868 sind zur Volleh dung des Domes im Ganzen 385,617 Thlr. 13 Sgr. 6 Pf verausgabt worden, wovon auf den nördlichen Thurmban 161,385 Thlr. 24 Sgr. 7 Pf. kommen. Bis jetzt, d. seit dem Jahre 1864, har die Ausgabe für den Ausban des nördlichen Thurmes 550,080 Thlr. betragen.

Vom Schwarzwald wird gemeldet, daß die in der Nähe von Villingen gelegene Pulreriaühle mit einem en erschütternden Krachen in die Luft geflogen ist. Sämm liche Arbeiter, fünf an der Zahl, darunter ein Vaser ua acht Kindern, fanden dabei einen gräßlichen Tod. D. einer schwarzen Masse ähnlichen Stücke ihrer Körper lag in einer Entfernung von 200 bis 1000 Schritten um Der Schaden des Fabrikherrn beläuft sich auf ungesis 9000 fl.

Aus Herrieden, 22. Juli, wird derFränk, ih, geschrieben: Der im Nordwesten Europa's fast stadion gewordene Luftwellenberg hat einen bedeutenden Vorspril nach dem Centrum unseres Erdtheils genommen, währ sich das im Nordosten befindliche Luftwellenthal verließ Da die Polarluftiströmung fast über ganz Europa 00 52 Stationen unter 60) verbreitet und dus Lufimh nur im Nordosten unruhiger ist, so dauert ungeachlek d nicht hohen Barometerstandes unser schönes Wekter Lane als es den Landwirthen lieb ist. Die Barometerdiffera Europa's von vorgestern waren 23 Smm, 745 8 Ri

und 769 6 Valentia in Irland, die Wärmeunterschal Morgens 7 Uhr 15.90, nämlich 9.40 Cyristiansund 25.30 Perpignan. Ueberhaup: ist es jetzt im Westen gene die Regel viel heißer wie bei uns, in Paris erreichte ah 19. Nachmittags der Maximumthermometer 30 50. Ai in Nordamerika war es bis zum 17. noch immer c warm, doch steht dort wegen des fallenden Barometelsd und heftigen Südwindes eine Aenderung bevor.

ihres e daber al dulch au bei unte als sont nicht be

Gle Schönn an den Belenhe

2090 f soll dn Ordd Flur

2

erbabtl werden