Ausgabe 
29.7.1869
 
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1869.

Donnerstag den 29. Juli.

N 87.

Ober

essischer Anzeiger.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblalt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Die Beitreibung der Gemeindeintraden, hier Einsendung der Kostenverzelchnisse vom

Das Großherzogliche Kreisanit Friedberg

2. Quartal d. J.

n die Großherzoglichen Bürgermeistereien Assenheim, Bauernheim, Bönstadt, Butzbach, Griedel, Ilbenstadt, Nieder-Mörlen, Ober-Florstadt, Pohl-Göns, Rockenberg Staden, An die sofortige Einsendung der rubr.

Verzeichnisse werden Sie erinnert.

Friedberg am 27. Juli 1869.

Maibach, Münster,

Trais-Münzenberg, Weckesheim.

Trapp.

Hessen. Darumstadt. Der diesjährige andwirthschaftliche Lehreursus für Volksschullehrer dird am 2. k. M. um 8 Uhr Vormittags eröffnet derden. Ueber die Betheiligung sind wir erfreu ächer Weise zu berichten im Stande, daß außer inigen Anmeldungen aus der bayerischen Pfalz and der preußischen Provinz Westphalen über 60 zehrer aus dem Großherzogthum den Cursus fre suentiren werden. Der Unterricht findet, gleichwie ein vorigen Jahre, in den Localitäten der poly chnischen Schule statt, nachdem die Direktion eerselben in dankenswerther Bereitwilligkeit wieder um die erforderlichen Räumlichkeiten zur Verfügung estellt hat. a

Der Direktor an der früheren technischen Schule Proftssor Dr. Philipp Fischer und der behrer an der früheren technischen Schule Professor r. Phil Büchner sind zu ordentlichen Professoren im der poltztechnischen Schule, ferner die Lehrer 4 der früheren technischen Schule, Dr. Rudolph Preser, Philipp Waibler, Dr. Heinrich Dölp, Ir. Eugen Thiel, Dr. Adam Nell, Joseph Kumpa ind Gustav Eger zu ordentlichen Lehrern an der volytechnischen Schule ernannt, sowie gleichzeitig en ordentlichen Lehrern an der polgtechnischen Schule Dr. Rud. Dreser, Philipp Waibler, Dr. heinr. Dölp, Dr. Eugen Thiel, Dr. Adam Nell, Iir. Alexander Brill und Dr. Theodor Schäffer der Charakter alsProfessor verliehen worden. serner ist der Lehrer an der höheren Bürgerschule Idar im Großherzogthum Oldenburg, Dr. Lopold Dippel, zum ordentlichen Professor an dir polytechnischen Schule, insbesondere für das Ahrfach der Botanik und der Zoologie ernannt norden. Oberbausekcetär Anton Louis ist zum heisbaumeister des Kreisbauamts Bingen ernannt worden.

Friedberg. Wie derWett. B. meldet, hen die Gemeinden des Postbezirks Butzbach % der Ober-Post-Direktion in Darmstapt eine Jarstellung eingereicht, worin sie über die seit dem Juni d. J. eingetretene Aenderung in Beför ze ung der Fahrpost⸗Stücke mit der Main⸗Weser⸗ Zuhn Beschwerde erheben und um Abhilfe bitten. Du der um 7 Uhr 45 Minuten in Kassel, sowie e 2 Uhr 30 Minuten Nachmittags in Frankfurt abgehende Zug keine Poststücke mehr befördert, so tit dadurch eine große Störung und Verzögerung zu Paquet Post⸗Verkehrs ein, welche die ganze In gegend empfindlich trifft und namentlich für die Oichäftswelt sehr nachtheilig ist. Die mit dieser Nordnung verknüpften Nachtheile und Störungen in geschäftlichen Verkehre, treten recht schlagend in dem einen Beispiele hervor, daß alle Fahrpost- slice, welche früh Morgens schon in Nauheim jür Post gegeben werden, erst am folgenden Nergen sogar in dem nur eine halbe Stunde entfernten Friedberg eintref- . Mehr braucht man zur Charakterisirung hier postalischen Neuerung nicht zu sagen. Es birfte deßhalb sehr am Platze sein, daß auch tere Bezirke, dem Beispiele Butzbachs folgend, ut Einreichung von Beschwerdeschriften nicht

U

zögerten, um die Abhülse genannter Uebelstände um so sicherer und rascher herbeizuführen.

§ Nauheim. Bezüglich Abänderung des an Rücksichtslosigkeit gegen die Lokalinteressen alles Dagewesene überbietenden Fahrplanes der Main- Weser⸗Bahn hat der Abgeordnete Curtman (Nauheim Reichelsheim) eine Interpellation an die Großherzogliche Staatsregierung gerichtet, worin Auskunft erbeten wird, ob dieselbe und welche Schritte sie zur Abstellung dieses unerträg- lichen Mißstandes gethan habe. Abhülse scheint dringend nothwendig, da über Das, was mit dem Fahrplane vom 15. Juli d. J. dem Publikum geboten, auch nur eine Stimme der Verurtheilung laut wird.

Aus dem Kreise Gießen wird derDarmst. Ztg. geschrieben: Unerwartet ist in diesen Tagen ein neuer Fahrplan für die Main-Weserbahn, gültig vom 15. Juli bis auf Weiteres, statt des ersten am 1. Juni veröffentlichten erschienen. Dieser neue Plan hat in der Provinz Oberhessen und namentlich im nördlichen Theile derselben nicht geringeres Mißfallen erregt, da er die Interessen der Bewohner, besonders derer, die nicht unmittel bar an der Eisenbahn wohnen, außer Acht läßt. Es ist denselben, um nur das Hauptsächliche her vorzuheben, geradezu unmöglich gemacht, in Einem Tage nach Frankfurt oder Darmstadt zu reisen, ihre Geschäfte zu besorgen und wieder heimzu kehren. Es gehen des Morgens allerdings drei Züge nach Frankfurt. Der eine geht aber schon um 5 Uhr 18 Min. von Gießen ab und kann demnach von Personen, die von den Stationen entfernt sind, kaum benützt werden. Der zweite Zug, welcher um 8 Uhr 38 Min. in Gießen expedirt wird, ist ein Courierzug, mithin für ge⸗ wöhnliche Leute, denen doch auch die Eisenbahn dienlich und förderlich sein soll, zu theuer, nament lich da keine Retourbillete Geltung haben. Der folgende Zug geht erst um 11 Uhr 31 Minuten, folglich zu spät, um früh nach Frankfurt oder Darmstadt zu gelangen, dagegen gehen des Abends von 5 Uhr 25 Min. bis 8 Uhr drei Züge rasch binter einander. Auch für die Richtung nach Marburg sind die Interessen von Gießen und der Umgegend nicht genügend berücksichtigt worden. Während des Morgens von 8 Uhr bis 11 Uhr 10 Minuten vier Züge gehen, der eine nur 30 Minuten nach dem andern, geht von 11 Uhr an bis Abends um 5 Uhr 6 Min. kein Zug, und dann kommen wieder zwei Nachtzüge um 11 Uhr 12 und 12 Uhr 42 Min. Einsender dieses wünscht recht sehr, daß er bald die Beseitigung dieser Uebelstände zu berichten im Stande wäre.

Preußen. Berlin. Die Berliner Woh nungsstatistik zeigt die in volkswirthschaftlicher und socialer Beziehung höchst beachtenswerthe That sache, daß drei Viertel aller Berliner Wohnungen aus solchen bestehen, die entweder gar kein heiz bares Zimmer haben, oder wovon nur eines und zwei heizbar sind; und daß in diesen drei ungün stigsten und zahlreichsten Wohnungsklassen zugleich die größeste Dichtigkeit der Bevölkerung existirt.

Nicht weniger als 49,1 Proz. sämmtlicher Wohnungen (mit einem Bevölkerungsantheil von 42,9 Proz.) haben nur ein einziges heizbares Zimmer; 12 Proz. von der Gesammtzahl der Wohnungen entbehren sogar der Küche; dagegen befinden sich in der glücklichen Lage mehr als 5 Zimmer bewohnen zu können nur 10½ Proz. der Berliner Bevölkerung eine Thatsache, die wohl deutlich genug beweist, daß nur ein kleiner Bruchtheil der Bevölkerung über den Durchschnilt mitiserer Wohlhabenheit sich erhebt, und die bei städtischen Steuerfragen sehr in Betracht zu ziehen ist. Bemerkenswerth ist auch, daß die Preußen unter allen europäischen Nationen die meisten Kinder und zugleich die fürzeste Lebensdauer baben.(2)

Der Obertribunalsrath Dr. Waldeck hat aus Gesundheitsrücksichten die Mandate für den Reichstag und Landtag niedergelegt.

Fulda. Hr. v. Farnoczy, Primas und Fürstbischof von Salzburg, hat in Gemeinschaft mit unserem Bischof an das österreichischt und deutsche Episcopat eine Einladung erlassen, wo nach sich die hohen Herren am 1. September d. J. am Grabe des heiligen Bonifacius, des Apostels der Deutschen, zu einer Berathung über Concil angelegenheiten einfinden sollen.

Oesterreich. Wien. Eine neue Version des schon so oft verbreiteten Gerüchtes einer Allianz zwischen Frankreich, Oesterreich und Italien taucht wieder auf und besagt:In Rom wird zuber⸗ sichtlich versichert, daß ein formeller Vertrag zwischen Frankreich, Oesterreich und Italien ab⸗ geschlossen ist, demzufolge Frankreich im Falle eines Krieges von Italien durch ein Contingent von 50,000 Mann unterstützt werde, während das letztere gleichzeitig die Provinz Viterbo besetzen wird.

Der Reichskanzler hat aus Anlaß der verschie denen Enthüllungen über angebliche Abmachungen Oesterreichs mit Frankreich aus dem Jahre 1866 an die österreichischen Gesandtschasten ein Rund schreiben gerichtet, welche zunächst diese speziellen und ohnehin durch keinerlei Attenstücke erhärteten Enthüllungen in das Gebiet der Erfindungen verweist.

Pest. DerUngarische Lloyd meldet fol gende Mortara-Affaire: In Bacsföldvar läßt der Ortspfarrer unter gerichtlicher Assistenz sämmtliche neugeborne Kinder der dortigen Nazarenengemeinde den Eltern entreißen und taufen.

Krakau. In Folge der bekannt gewordenen scheußlichen Ereignisse in dem Carmeliker-Kloster versammelten sich am 23. d. Nachts 11 Uhr mehrere hundert Personen vor demselben und machten Anstalten zum Sturme. Sie schlugen die Klosterthür ein und drangen ins Kloster; ein Steinregen fiel auf die Klosterfenster. Die herbei geeilte Polizei mußte Militärhülfe requiriren, um die Eingedrungenen aus dem Klostervorhofe zu verdrängen. Die Unruhen dauerten bis 1 Uhr nach Mitternacht. Vor dem Kloster steht fort

während Militärwache. Auch am Abend des 24.,

haben große Volksmassen sich vor dem Kloster der