Ausgabe 
28.8.1869
 
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auf, den Platz zu räumen, was bis zum Einbruch der Dunkelheit auch jedes Mal ohne Widersetz⸗ lichkeit geschah. Weniger gefügig zeigte sich die Menge in später Abendstunde. Gegen 9 Uhr war der Tumult so groß geworden, daß die Schutzmannschaft nach wiederholter vergeblicher Aufforderung die Ruhestörer mit der blanken Waffe bis zur Ahrens'schen Brauerei zurücktrieb.

Das Generalpostamt theilt in einer Be⸗ kanntmachung vom 24. d. nachstehende die ver⸗ lorne und wiedergefundene Postsendung von dem DampfschiffeGermania betreffende Auskunst mit:Das Ober⸗Post⸗Amt in Hamburg hat am 23. d. M. Nachmittags durch das Postdampfschiff Cimbria die Correspondenz und Drucksachen empfangen, welche aus den Vereinigten Staaten von Amerika mit dem PostdampfschiffGermania abgesandt waren. Das genannte Ober⸗Post⸗Amt hat das Trocknen der Postsendungen veranlaßt und wird dieselben, so weit die schriftlichen Adressen nicht unlesbar geworden sind, nach dem Bestimmungsorte weiter expediren. Die Briefe, zum Theil an den Rändern zerscheuert, sind viel⸗ sach offen vorgefunden, weil sie nur mit Gummi verklebt gewesen. Offen vorgefundene Briefe wer den vor der Weitersendung von Hamburg mit dem Postdienstsiegel verschlossen und mit einer ge⸗ druckten Notiz versehen werden, daß sie zu jener Post gehörig gewesen sind. Von den Drucksachen wird ein großer Theil als nicht versendungsfähig bezeichnet, weil die Aufschriften derselben am Meisten von der Durchnässung gelitten haben.

Die soeben erschienene Rang⸗ und Quar- tierliste der preußischen Armee und Marine pro 1869 enthält zum ersten Male in vollständiger Zusammenstellung die sämmtlichen Heerestheile der norddeutschen Bundesarmee, mit Ausschluß des königlich sächsischen(12.) Armeccorps und der hessen ⸗darmstädtischen Division. Nach dem Per- sonalausweise der Liste gehören der Generalität und dem Stabsoffiziertorps gegenwärtig an: 1 Generalfeldmarschall(Graf Wrangel), 1 General⸗ feldzeugmeister(Prinz Karl) mit dem Rang. eines Feldmarschalls, 46 Generäle, 55 General- lieutenants(2 Bürgerliche), 108 Generalmajore (7 Bürgerliche), 152 Obersten der Infanterie (16 Bürgerliche), 51 der Cavallerie(2 Bürger liche), 38 der Artillerie(17 Bürgerliche), 15 des Ingenieurcorps(13 Bürgerliche) und 2 des Trains(bürgerlich); ferner 110 Oberstlieutenants der Infanterie, 36 der Cavallerie, 43 der Artillerie, 20 der Ingenieure und 2 des Trains, sowie 733 Majore in allen Waffengattungen. Unter beiden letztgenannten Chargen befinden sich 318 Bürger⸗ liche, von denen auf die Artillerie und Ingenieure 138 kommen. Man ersieht hieraus, wie sehr vor wiegend das adelige Clement über das bürger⸗ liche im Offiziercorps ist. Es ergeben sich unter einer Generalität von 208 Köpfen nur neun ein⸗ fache bürgerliche Namen und von diesen neun gehören sieben dem Artillerie- und Ingenieurcorps an. Von 51 Obersten der Cavallerie sind nur zwei bürgerlich; diesen Beiden ist aber die Füh⸗ rung eines Regiments nicht anvertraut. Was schließlich das Flagg⸗ und Stabsofsiziercorps der Marine anbetrifft, so umfaßt dasselbe gegenwärtig: 1 Admiral(Prinz Adalbert), 1 Viceadmiral, 2 Contreadmiräle, 5 Capitäne zur See und 19 Corvettencapitäne, sowie 2 Obersten, 3 Oberst⸗ lieutenants und 2 Majore. Von diesen 35 Stabsoffizieren sind nur 6 adelig; für die Wasser⸗ Carriere scheint der Adel weniger Beruf zu fühlen.

DieVolksztg. bemerkt: Für den im Justizministerium ausgearbeiteten Entwurf eines norddeutschen Strafgesetzbuchs erscheint es auch nicht wenig charakteristisch, daß an den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auch der Adelsverlust ge knüpft ist. Das war bisher nur in Preußen, Braunschweig, Waldeck und Lippe-Detmold der Fall. In allen übrigen norddeutschen Staaten, sogar in Anhalt und Mecklenburg, Reuß und Schaumburg-Lippe muß der adelige Spitzbube oder Betrüger auch im Zuchthause seinen Adel behalten und kann nicht zu einerbürgerlichen Canaille herabsinken. Das preußische Justiz⸗ Ministerium beharrt bei der Ansicht, daß der Adel

trotz der Verfassungsurkunde(Standes vorrechte finden nicht statt) gleich den Titeln und Orden als eine äußerliche Auszeichnung fortbestehe und deßhalb im Strafgesetzbuche gleich Titeln und Orden behandelt werden müsse.

Bayern DieAllg. Ztg. bringt einen Artikel über Regierung und Parteien in Bayern, worin es heißt: Fürst Hohenlohe habe seinen Plan in Bezug auf die deutsche Politik nie auf⸗ gegeben:Die Wahrung der bayerischen Sou veränetätsrechte und der Unabhängigkeit des Landes, zugleich die Anbahnung der nationalen Verbindung der süddeutschen Staaten mit dem norddeuischen Bunde und damit die Einigung des zur Zeit getrennten Deutschlands in der Form eines Staatenbunbes. Sehr beachtenswerth in dem Artikel ist der Hinweis, daß von den 1866er Verträgenfür Bayern rechtlich nur der Berliner Friede und die Nikolsburger Präliminarien ver- bindlich sind, weil nur diese letzteren und nicht der Prager Frieden als maßgebend für die künftige Gestaltung Deutschlands von Bayern anerkannt wurden. Dem Prager Frieden ist Bayern in keinem Rechtsakte beigetreten; derinternationale Charakter des zu schaffenden süddeutschen Staaten⸗ vereins, welcher in Art. 4 dieses Friedens stipulirt wurde, hat also für Bayern keine Geltuag.

Oesterreich. Wien. Die ungarische Delegation halte für die Kriegsflotte 9/0 Mill. Gulden bewilligt, um 700,000 fl. mehr als die österreichische Delegation. Bei der Debatte wurde besonders die Sicherung Dalmatiens hervorgehoben, welches die Ungarn nach der Bestimmung des ungarisch⸗croatischen Ausgleichsgesetzes als Bestand theil des Gebietes der Stephansktone betrachten. Auch auf die Wahrscheinlichkeit von Conflikten im Orient wurde hingewiesen. Der Besuch des Exkönigs von Neapel bei dem Kaiser von Oester reich in Ischl wird mit Unterhandlungen über das in den Händen der italienischen Regierung befind- liche Privatvermögen des Ersteren in Verbindung gebracht. Der italienische Gesandte, Marchese Pepoli, soll neuerdings Anträge in dieser Be⸗ ziehung gestellt haben. König Franz II. würde sich verpflichten müssen, nicht mehr nach Italien zurückzukehren.

DiePresse meldet: Die Creditanstalt, der Bankverein, die Wiener Bank, das Haus Rothschild nebst drei französischen Häusern consti⸗ tuirten sich als Gründerconsortium für eine all gemeine europäische Eisenbahnbank, dotirt mit Hundert Millionen Gulden. Die Gesellschaft be schloß, bei der Pforte um eine Coneessionserthei lung für die türkischen Bahnen nachzusuchen. Am 25. d. traten die Südbahn und die Staats- bahn dem Vertrage bei.

Das Consortium, welches die Lieferung von Monturen für die neue Honvedarmee über nommen hat, mußte sich verpflichten, bis Ende Dezember 1869 den nöthigen Vorrath für 83,000 Mann in Pest abzuliefern.

Frankreich. Paris. DasJournal officiel erklärt, daß die Amnestie keine Anwen⸗ dung finde auf Personen, welche wegen Complottes gegen das Leben des Kaisers oder einer andern politischen Persönlichkeit verurtheilt worden seien.

Ueber das Befinden des Kaisers waren am 24. d. sehr beunruhigende, aber arg übertrei⸗ bende Gerüchte in Umlauf. Daß die Genesung langsamer vor sich geht, als man in der vergan- genen Woche hoffte, haben wir schon gemeldet. Von einer ernstlicheren Verschlimmerung in dem Befinden Napoleons III, wie diese an der Börse behauptet wurde, war an den unterrichten Stellen nichts bekannt. Auch das Gerücht, daß die Kaiserin von Fontainebleau nach St. Cloud zurückgekehrt wäre, statt ihre Reise nach Lyon fortzusetzen, wird von derPatrie als aus der Luft gegriffen bezeichnet.

DasOffizielle Journal meldet, die Kaiserin und der kalserliche Prinz seien auf ihrer Reise nach Corsica am 24. d. Abends in Lyon angekommen, wo ihnen Seitens der Behörden und Bevölkerung ein sehr freundlicher Empfang zu Theil geworden.

Spauien. Madrid. Man sieht dem

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Ausbruch einer Krisis im Ministerium entgegen. dl fn Die Regierung beabsichtigt gegen die 2,[ Ueen welche den Befehlen bezüglich der carlistischen! Bewegung den Gehorsam verweigern, Maßregeln e zu ergreifen. Es werden abermals Tru en, l in der Stärke von 6000 Mann, nach Cuba abgehen. 1 Die amtliche Zeitung hält die Nachrichten 9 von der Grenze für sehr befriedigend. Don ing e Carlos' Anhänger, welche sich an verschiedenen

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Boden übergetreten, um sich in ihre Heimath] erich w zurück zu schleichen. Ueber Carlos selbst weiß] Manne man nichts Bestimmtes. Die Einen behaupten, nid o er habe das Departement Bayonne verlassen. Auen 1 Andere läugnen es. Gewiß aber ist, daß seine th

hervorragendecen Anhänger sowohl in Bayonne] Tage die als in Perpignan, von der Polizei gefaßt und! 1 7 in's Innere Frankreichs abgesandt worden sind. aue 5. ber De

7 Friedberg. Am Mittwoch Abend wurden die! 15 Leichen zweier Soldaten vom 4. Inf.⸗Negt., welche bei ckopplle Okarben in der Nidda um's Leben gekommen, in das hiesige Fegg Misi är⸗Lazareth verbracht. Näheres und Zuverlässiges achten 0 konnten wir über dieses traurige Ereigniß nicht in Er⸗ Sul fahrung bringen. Die Leiche des einen aus Rheinhessen Wusser g gebürtigen Verunglückten wurde heute Vormittag dahier Vermißte

beerdigt; die Eliern des anderen ließen ihren Sohn nach Nuß der Heimath Lich verbringen. uc O. Nauheim. Das von den Offizieren der großherzog⸗ 1 ö lichen Reiterbrigade am Nachmittage des 25. d. in der Nähe wisc( des Teiches bei Niedermörlen abgehaltene Wettrennen hatte Bauten

eine große Menschenmenge aus der Nähe und Ferne her⸗ vzoger beigezogen, die sich das für unsere Gegend ganz neue suchungs Schauspiel auzusehen wünschten. Der Platz war weithin Kill D. dicht überfüllt von Zuschauern, theils zu Roß und Wagen; Hausgen auch die in Friedberg weilenden hohen Hertschaften, e

JJ. GG. und KK. HH. die Prinzen Karl, Alexander und Ludwig nebst Gemahlinnen und Prinz Wilbelm hatten sich 52 eingefunden. Das Rennen verlief ohne Slörung und Unglücksfall. Bei dem ersten Rennen war Sieger Lieutenant de Bardalles; bei dem zweiten erhielt den ersten Preis

Oberlieutenaut v. Gemmingen, den zweiten Rittmeister 1 Follenius, den Ehrenpreis Oberlieutenant Heyl; Lieutenant 2399 v. Schenck errang bei dem dritten Rennen den ersten Termine Preis, den zweiten Lieutenant de Bardalles und den Ehrenpreis Oberlieutenant Graf zu Isenburg. l * Nauheim. Wir erlauben uns das geehrte 68 Publikum darauf aufmerksam zu machen, daß die Amer! 5 kanische Ausstellung zu Nauheim im alten Kursaale 5 nur noch Samstag und Sonntag geöffnet ist. Wie wir 3 erfahren, hat der Besitzer sich enischlossen, für diese letzten 9 beiden Tage den Preis auf 6 kr. zu ermäßigen, so daß N es Jedem möglich wird, diese interessanten Ansichten zu 40 beseben, wozu wir auch dem Publikum nur rathen können. Offenbach. Kaum dürfte eine andere Stadt im 2 J Großverzogthum, was das Wachsthum der Bevölkerung ö anbelangt, mit Offenbach gleichen Schritt halten. War 3 fu man erst vor wenigen Jahren genöthigt, 6 neue Schulen ö zu errichten, so erheischen die Bedürfnisse schon wieder die 4 Gründung 4 weiterer Schulen. Laut Beschluß des Stadbt- 0 vorstandes werden noch im Verlaufe dieses Herbstes zwei! und im nächsten Frühjayre die beiden anderen Schulen f N errichtet werden. In Rücksicht auf die Zahl der katholischen 1. Schüler, welche sich zur Gesammtheit der Schüler wie 2 zu 5 verhält, werden dieses Mal 2 katholische und 2 O

evangelische Lehrer angestellt. Durch diesen Act wird die 23038 Parität zwischen Katholiken und Protestanten bezüglich 2 hr

der Lehrer in unserer Volksschule hergestellt. Zur Er⸗ anlagen hebung von Collecten für die Hinterbliebenen der verun⸗ blelend e glückten Bergleute ist bier ein Comité zusammengeireten, Sam an dessen Spitze die Geistlichen der katholischen, evangelischen Irie

und israelitichen Religon stehen. So ist's recht! 1 Darmstadt. Auf Einladung des hiesigen Arbeiter⸗ Vereins hält der Gründer und Anwalt des allgemeinen Verbandes Deutscher Erwerbs- und Wirthschafts⸗Genossen⸗ 0 schaften, Herr Schulze-Delitzsch, einen Vortag in einer U allgemeinen Versammlung im großen Ritsert'schen Saale Samstag den 28. August Abends Uhr, und wird auß

Wunsch auch Fragen, welche an ihn gestellt werden, bee Bürs antworten. Die Mitglieder des Arbeiter-Vereins haben, 2 Un, gegen Vorzeigung ihrer Mitglieds-Karte freien Zutrill, ein gu Nichtmugl eder dagegen haben nach§. 10. der Skatulen von Ef des Vereins ein Einkriusgeld von 6 Kreuzern zur Deckung 7on 9, der Druckkossen zu bezahlen. 0 Krippen

Worms. Die provisorische Tagesordnung zu der am Hu

13. September l. J. dahier stat findenden6. Versamm lung von Lebrern an Mittelrheinischen Realschulen uud verwindten Anstalten ist von dem hiesigen Local⸗Comise be eits festgestellt: Nach Ankunft der Züge Zusammenkunst im Worreischen Garten; um 12 2 Ubr Sitzung ii Saale des Hotel Hartmann: 1) Eröffnung der Sitzung und Begrüßung durch einen Vortrag des Vorsitzenden des Local-Comite's, Hen. Dr. Wiegand, 2) Wahl der Ge⸗ shäfigleitung, 3) Bestummung der zu haltenden Vorträge und Verhandlungen. Angemeldet sind bis jetzt außer den oben erwähnten Vortrage des Hrn, Dr. Wiegand: Vorlrag des Hrn. Prof. Seipp über die Methode des Unterricht im Französischen und Vortrag des Hrn. Dr. Marx fiber