Ausgabe 
26.8.1869
 
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4 Aufl dit kein tagt bcbt!

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nassucht.

bei der Ober⸗Posldirektion eingelaufen sind, ö 355 diese, nach unserer Ansicht nicht febr erung immer noch fort. Hoffen wir, daß die frühere zweckmäßigere und deßhalb mehr frequentirte Einrichtung recht bald wieder hergestellt werde. Frankfurt. Wenn sich zum ersten Rennen am Samstag nur wenig Publikum eingefunden hatte, so lockte der zweite Renntag Tausende hinaus in den Wald. Kopf un Kopf drängte sich die Menge auf den Tribünen und un dem Waldsaum. Aus den Bädern hatten sich viele Frauzosen und Engländer, Freunde des Sports, eingefun den und auf der ersten Tribüne hörte man fast eben so viel sanzöfisch als deutsch sprechen, namentlich, da die Damen derhaute volse sich auffällig bemühten, entweder englisch oder französisch zu reden. Die Toileiten waren ausgesucht prächtig. An Wetten auf dies oder jenes Pferd fehlte es zicht; es war ein eigenes Bureau etablirt, wo Jeder mit Napoleons- und Friedrichd'ors auf fünf Gulden(letzteres waren der gexingste Einsatz) sein Glück versuchen konnte. Um dem Publikum etwas Neues zu bieten, hatte eine Unzahl junger Leute um die Erlaubniß nachgesucht, in einer der Pausen ein Velocipederennen zu veranstalten, was edoch für diesmal nicht gestattet werden konnte. Das Schluß dennen am dritten Tage war ebenso lebvaft von Seiten ves Publikums besucht, wie diejenlgen Tags vorher. Die Rennen fielen außerordentlich glänzend aus, namentlich rtweckte hohes Inieresse, daß fast jedesmal eine größere Anzahl Pferde um den Preis concurrirten. Sämmiliche Renuen verlief ohne besondern Unglücksfall. Frankfurt. Der Sommer geht mehr und mehr zur Neige und das demnächst zu erwartende Herraunahen der ungünstigeren Jahreszeit hat die Verwaltung des Zoolo⸗ zischen Gartens veranlaßt, ausnahwsweise eine Preis⸗ rmäßigung für Sonniag den 29. August eintreten zu assen. Es wird an diesem Tage der Eintrittspreis auf 2 kr. für jede Person herabgesetzt sein und am Nachmit⸗ ge ein Concert stattfinden. Die betreffenden Eisenbahnen werden, wie seuher, auch an diesem Tage den Besuchern es Zoologischen Gartens eine Ermäßigung des Fahrpreises zewähren. Die Thiersammlung des Etablissementis hal in etzterer Zein wieder wesentliche Bereicherungen erfahren,

Nachdem alle Gauner zurückgekehrt sind, erfolgt erst bie Vertbeilung der Beute. Alles dieses geschleht mit der größten Gewissenhastigkeit. Die Ausflüge der Berliner Gauner sollen in diesem Jahre vorzüglich auf Wiesbaden, Ems und ähnliche deutsche Bäder gerichtet sein, was durch einzelne hierher gelangte Mittheilungen von Berliner Bade⸗ gästen, die schon in unliebsame Berührung mit den Industrierittern gekommen sind, bestätigt wird.

Aus Ungarn wird folgende harmlose Schauerge⸗ schichte gemeldet: Die berüchtigte Krakauer Klosteraffaire hat eine förmliche Manie für Klostermysterien hervorge rufen, so daß in diesem Genre überall die furchtbarsten Gräuel an das Tageslicht gezogen werden. Auch das Franziskanerkloster zu Kerskemet in Ungarn war der Schauplatz einererschrecklichen Einsperrung. Dieser Tage schrieb Jemand einen Brief an den Bürgermeister, daß im Franziskanerkloster ein Mönch eingemauert sei. Der Bür⸗ germeister war zwar fern, aber der Magistrat versammelte sich sosort, telegraphirte an das Ministerium und erhielt bald die Erlaubniß, eine Untersuchung im Kloster vor- nehmen zu dürfen. Darauf erscheint die stäbtische Depu lation im Kloster:Wir wollen den eingemauerten Mönch schen. Die Patres scheinen nicht sehr entsetzt; man sucht einen Pater Ubryt, findet ihn aber nicht. Schließlich be⸗ merkt man an abgelegener Stelle eine geschlossene Thüre. Was ist das? Die muß geöffnet werden. Allgemein ist die Ueberzengung, daß hier die Stätte des Entsetzens ist. Die Thüre öffnet sich, und im Halbdunkel sieht man wirk⸗ lich einen Mönch, der aber weder unbekleidet, noch mager, noch traurig, sondern im Gegentheil sehr lustig ist; er war wirklich eingesperrt, aber nur, weil er sich des Morgens betrunken hatte und man ihm im Kühlen Gelegenheit bieten wollte, ungestört seinen Rausch auszuschlafen. Die Commmission entfernte sich befrtedigt!

Alexander von Humboldt. (Schluß.) Die Richtung seines Geistes, welche zur geistigen Richtung seines Jahrhunderts geworden ist, trach tete in allen Stücken nach dem Vergleiche, denn

unter denen wir besonders einen prächtigen afrikanischen die Bedeutung des Einzelnen wird erst durch seine

Strauß, ein Stachelschwein und eine große einer afrikanischer Vögel hervorheben.

Kostheim Nachdem die hiesigen Schulen am 5. und 6. Juli wegen der Masernkrankheiten geschlossen worden waren, sind sie heute wieder eröffnet worden. Im Janzen sind seit dieser Zeit 28 Kinder gestorben, sämmt⸗ ich unter 4 Jahren, kein Schulkind.

Köln. Zum Fortbau des Domes wurden in den rsten sieben Monaten 96210 Thlr. verwendet, zum größten er Dombau⸗Lotterie entnommen. Wie sehr die gewöhn⸗ ichen Beiträge abgenommen, erhellt aus der Thatsache, in den drei letzten Monaten durch dieselben zusammen ur 2412 Thlr. vereinnahmt wurden. Der Bau schreitet rüstig vor, daß nur noch wenig Jahre bei derselben Anstrengung bis zur Vollendung erforderlich sind.

Berlin. Einer der gewandtesten hiesigen Taschen⸗ ebe, der Exschneidermeister Jablowsky, wurde am 13. Aug. Übends auf dem Hamburger Bahnhof auf frischer That übgefaßt; der Verhafteie sieht, wegen mehrfacher Vor⸗ zestrafungen, einer vieljährigen Gefängmißütafe entgegen, weshalb er es für aut fand, sein Herz durch interessaute Enthüllungen zu erleichtern, die er auf freundliches Zu eden in gemessener Resignation bei der Criminalpolizei eponirte. Nach seinen Mittheilungen befindet sich die Nehrzahl der Berliner Industrieritter gegenwärtig auf teisen, und zwar größtentheils in den Bädern. Beim beginn der Saison finden sich kleine Diebsgesellschaften, urchschnittlich vier bis fünf Personen stark, zusammen, eren jede sich ein besonderes Terrain für ihre Thätigkeit In der Regel befindet sich bei einer solchen Hesellschaft auch ein Frauenzimmer, welches durch eine mziehende Persönlichkeit die Unternehmungen der Gauner imterstützt. Obwohl jede dieser Berliner Diebsgesellschaften auf eigene Hand operirt, so fehlt dem Ganzen keineswegs ene einheitliche Orgauisauon. Größere Geldsummen und Werihsachen, welche im Falle einer Entdeckung zu Ver mihern werden oder der Polizei in die Hände fallen nuten, werden gleich nach ihrer Ennvendung aus den Lädern nach Berlin geschickt, wo eine, Allen gemeinsame Lertrauensperson, die zu diesem Zwecke hier zurückbleibt. se in Empfang nimmt und förmlich Buch darüber führt,

weisen.

Sendung Stellung im Ganzen erkannt. So prüfte er die

Erzeugungswerthe Mexicos im Gegensatze zu den anderen spanischen Colonieen und den englischen Besitzungen in Indien. Ex ermittelte die Gefammt leistung der Erde an gewissen Gütern, um der örtlichen Erzeugung ihren bestimmten Rang anzu⸗ Er zuerst zeigte den tiefen Unterschied zwischen dem Ackerbau der gemäßigten und der heißen Zone. Aus den Akten der Bergbauämter und der Münzstätten der neuen Welt wagte er zuerst urkundlich die Menge edler Metalle zu er⸗ mitteln, die seit det Entdeckung aus Amerika nach der alten Welt sich ergossen haben und er zuerst beobachtete mit Sicherheit die merkwürdige Strö mung der edlen Metalle von West nach Ost. Es läßt sich daher behaupten, daß Humboldt es ge wesen sei, der die Staatswirthschaft zur mathe malischen Begründung der Verkehrsgesetze ange- halten habe.

Von nicht geringerer Wichtigkeit war Humboldt's zweite große Reise, die er im Jahre 1829 in Gesellschaft von Ehrenberg und G. Rose nach Central-Asien unternahm. Durch die eigenen Beobachtungen, sowie vermöge der durch sie an geregten Studien chinesischer geographischer Quellen gelangte Humboldt zu neuen und wichtigen Auf schlüssen über den Bau und die Gliederung dieses ungeheuren Continents. Die tepographischen und geologischen Erörterungen hierüber bilden den ersten Theil seines berühmten Werkes über Central Asien. Die mühselige Anhäufung von Messungs ergebnissen führt uns doch nur zu einem Bild des senkrechten Baues unserer Erdvesten, welches so

starr und leblos ist, wie das Antlitz der rauhen Mondoberfläche. Aber tiefe und sinnreiche Be⸗ ziehungen für den Entwicklungsgang unseres Ge⸗ chlechtes liegen in dem senkrechten und wagrechten Bau der Erde versteckt. Es ist die Abhängigkeit der örtlichen Klimate von der gegebenen Gliederung und Stellung der Festlande, welche Humboldt im zweiten Abschnitte seiner Arbeit zu ergründen ver sucht. Ein Leser, der sich über Centralasien zu unterrichten wünscht, sieht sich hier von dem Ver⸗ fasser verrathen, der ihn fortzieht zur Betrachtung des ganzen Erdkörpers, welche allein zur Erkennt⸗ niß höherer Gesetze führen kann. Hier bricht die Sonne des Humboldt'schen Genius in aller Klar heit hervor. Selbst ein Erdenraum wie Central Asien wird ihm nur eine Oertlichkeit, die ihn nicht fesseln darf, sondern von der er sich losringt, um zur Anschauung des Ganzen zu gelangen.

Im Jahre 1826 siedelte Alex, v. Humboldt dauernd nach Berlin über und hielt daselbst vom 3. November 1827 bis 26. April 1828 seine berühmten 61 Vorträge in der Singakademie, deren Inhalt später im Kosmos sorgfältig aus⸗ gearbeitet wurde. Dieses Werk gibt in einer noch unerreichten Art der Compilation den Stand des Wissens von der Erde und den Himmelsräumen, wie er war zur Zeit jener Vorträge, ja noch zur Zeit des Erscheinens vom ersten Bande(1845). Bei der Ausarbeitung des dritten und folgender Bände, welche den speziellen Ergebnissen auf dem Gebiete der kosmischen und tellurischen Erscheinun⸗ gen gewidmet find, überholte den Autor das Alter mit seiner Weitschweifigkeit und der sinkenden Fähig⸗ keit, neue Forschungen zu verarbeiten. Man ist in unseren Tagen geneigt, den Werth des Kosmos zu unterschätzen, weil die Wissenschast sich mittlerweile zu höheren Wahrheiten erhoben hat, aber das Verdienst jener großartigen Arbeit kann nur gerecht beurtheilt werden nach der Zeit, in welcher sie erschien.

Strahlend von Jugendfrische und geschmückt mit allen Zierden Humboldt'schen Geistes sind die Ansichten der Natur, ein Buch, das jeder Ge bildete gelesen haben sollte. In ihnen entwarf er mit einem für Nachahmer gefährlichen und nicht ganz tadellosen Styl, aber mit malerischer Kraft und zündenden Worten, erregt durch den Wechsel der Gemüthsstimmung, jene unvergleichlichen Schil⸗ derungen der Orinocofälle, der nächtlichen Stimmen im Urwalde und vor Allem der Steppen und Wüsten. Diese künstlerischen und wissenschaftlichen Gemälde der starren und lebendigen Natur frem⸗ der Räume hat die meisten seiner Nachfolger zur Nachahmung gereizt, aber noch immer ist das Muster und der Meister unerreichbar geblieben.

Neben den bahnbrechenden Gedanken und Arbeiten, welche sich an die Betrachtung des Erd balls als eines kosmischen Individuums anknüpf⸗ ten, erscheinen die übrigen Arbeiten Humboldt's über spezielle Gegenstände der Geognosie, Physik, Chemie u. s. w. weniger bedeutend, und wir können uns hier umsomehr der Nothwendigkeit entheben, davon zu sprechen, als es in dieser Skizze nur galt, diejenigen Verdienste Humboldt's hervorzuheben, die seinen Namen für alle Zeiten unsterblich machen.

Markt- Anzeige.

2371 Freitag den 27. d. M. wird der zweite diesjährige Schweinemarkt dahier abgehalten, was wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringen.

Rodheim am 21. August 1869.

Großherzogliche Bürgermeisterei Rodheim Jacobi.

* Material-Lieferung.

2369 Montag den 6. September d. J., Nachmittags 2 Uhr, soll dahier der Bedarf an nachstehenden, zum triebe der Braunkoblengruben Weckesheim, Dorn⸗Assenheim und Wölfersbeim pro 1870 erforder⸗

then Materialien, als:

Schachtpfähle, Rüböl, Groß- und Kleineisen, Nägel, Drahlstifle, Putzwolle und Steinkohlen auf dem Submissionswege an den Wenigstfordernden vergeben werden. Die Offerten müssen längstens bis zum angeführten Termine versiegelt, frankirt und mit der Aufschrlft:

neferung von

betreffend versehen,

bet der unterzeichneten Stelle abgegeben sein, bei

nelcher auch die Lleferungobedingungen jederzeit eingesehen werden können.

Grube Weckesheim den 23. August 1869.

Fürftliche Berg- Verwaltung Kr ö ber.

Oeffentliche Aufforderung. 2370 Heinrich Görg II. Eheleute von Nieder⸗ Florstadt haben zur Abwendung des förmlichen Con⸗ cursprocesses um Zusammenberufung ibrer Gläubiger Behufs Abschlusses eines Nachlaß- oder Stundungs⸗ vertrags gebeten.

In dem Termine

Freitag den 17. September l. J., Morgens präeceis 9 Ubr,

sind desbalb die Forderungen an die schuldnerischen Ehe⸗ leute um so gewisser anzumelden und etwaige Vorzugs rechte geltend zu machen, als sonst von den ausblelben⸗ den oder picht gebörig vertretenen Gläubigern unterstellt wird, sie stimmten den von der Mehrheit der erschienenen Gläubiger in obiger Beziehung gefaßt werdenden Be⸗ schlüssen bei.

Friedberg am 20. August 1869.

Großberzogliches Landgericht Friedberg

Reitz, Hofmann, 4 Lanorichter. Landgerichte⸗Assessor. 1 8 be K. Friedrid Glacé-andschule, rep