Befestigung seines inneren wie seines äußeren Friedens rechnet. In dieser Zuversicht, meine Herren, spreche ich die Hoffnung aus, Sie im nächsten Jahre, und zwar bald nach dem Beginn desselben, an dieser Stelle wieder zu begrüßen.
— Der„Staatsanzeiger“ veröffentlicht das Gesetz vom 13. d. über den Staatshaushalt des norddeutschen Bundes für 1870. Hiernach be⸗ ziffert sich die Ausgabe auf 75,958,495 Thaler (71,752,106 Tblr. an laufenden und 4,206,389 Thlr. an außerordentlichen Ausgaben), die Ein- nahmen auf dieselbe Höhe. Die zu den Ein⸗ nahmen im nächsten Jahre infolge des Gesetzes, betreffend die Portofreiheiten im Gebiete des norddeutschen Bundes, hinzutretenden Mehrerträge der Poslverwaltung werden auf 1,800,000 Thlr. veranschlagt und sind von den auf 24,858,723 Thlr. festgestellten Matrikularbeiträgen nach einem durch den Bundesrath vorläufig und unter Vorbehalt der Genehmigung dee Reichstages festzustellenden Vertheilungsmaßstabe in Abzug zu bringen.
— Wie die„Berliner Börsenzeitung“ hört, soll bezüglich der Eisenbahnsteuer, die Anfangs in dem betreffenden Ausschusse des Bundesraths sich einer sehr wohlgefälligen Aufnahme zu erfreuen gehabt, eine Wendung im Plenum des Bundes— rathes eingetreten und das ganze Projekt aller Wahrscheinlichkeit nach zu den Todten geworfen sein.
Wiesbaden. Die„Mittelrh. Ztg.“ schreibt: Die Königsgeburtstagsfeier hat hier ein eigen— thümliches Nachspiel. Bekanntlich wurden die üblichen 101 Kanonenschüsse trotz vorher geäußerter Bedenken und Warnungen vor dem Kursaal in das Herz der Stadt hinein losgelassen. Dadurch wurden nun den Besitzern der beiden Pavillons läden in der alten Colonnade durch Zertrümmern von Fensterscheiben(und durch den Luftdruck be⸗ wirktes) Herabschleudern von Glas- und Porzellan— waaren, darunter werthvolle Alterthümer, Beschä— digungen von 18 Tylrn. und resp. 150 Thaler zugefügt. Das königl. Kriegsministerium verwies die rechtsuchenden Beschädigten an den„Garnison— Aeltesten“, Herrn Obersten v. Colomb. Der Herr Oberst aber hält sich ebensowenig verpflichtet zur Schadlos haltung und— prozeßt, wiewohl alle relevanten Thatsachen durch Polizeipersonen constatirt sind. Selbstverständlich werden diese Vorgänge vielfach besprochen.
Sachsen. Leipzig. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde hat einen Aufruf an die Vorstände und Vertreter der israelitischen Religionsgemeinden Deutschlands ergehen lassen, worin dieselben zu einer am 29. Juni und an darauf folgenden Tagen in Leipzig abzuhaltenden Synode eingeladen werden. An diese erste Synode soll sich unmittelbar die Gründung eines periodisch
wiederkehrenden Gemeindetages anschließen.
Baden. II. Heidelberg. Die Abstim⸗ mung über die Frage, ob in unserer Stadt gemeinschaftliche Schulen errichtet werden sollen, ist am 22. und 23. d. entschieden worden und zwar durch einen glänzenden Sieg zu Gunsten der Gemeindeschulen, indem die Protestanten mit 909 Stimmen gegen 8, die Katholiken mit 492 gegen 160 und die Israeliten mit Stimmeneinhellig⸗ keit für solche sich auesprachen. Böllerschüsse und Glockengeläute verkündeten die Siegesfreude und von dem Thurme der protestanlischen Kirche er— tönte der katholische Choral„Großer Gott, Dich loben wir,“ während sich die Stadt mit badischen und deutschen Fahnen schmückte. Abends brachte man den Männern, die durch entschiedenes mann— haftes Auftreten diesen glänzenden Sieg herbei— geführt, einen großartigen Fackelzug, wie ihn Heidelberg noch nie gesehen, denn es mögen wohl 1000 Fackelträger gewesen sein, welche sich bei einbrechender Dunkelheit durch die Straßen der Stadt vor die Wohnungen der Herren Dr. Mittermaier, v. Berg und Professor Hofrath Frlebreich bewegten und piesen ihre Huldigungen darbrachten.
Hesterreich. Wien. Die„Wiener Ztg.“ wird von competenter Seite ersucht, mitzutheilen, daß die von einigen Blättern des Inlands und Auslands veröffentlichten Berichte über eine an—
dung entbehren. Die ungarische Finanzverwaltung hofft auch die Ausgaben des laufenden Jahres wie in den Jahren 1867 und 1868 ohne Defizit decken zu können, da die indirekten Steuern und die sonstigen Einnahmen bisher überraschend günstige Resultate liefern.
— Die„N. Fr. Pr.“ erfährt, daß zwischen den Cabinetten von Paris und Florenz ernsthafte Verhandlungen über die Räumung des Kirchen- staates durch die französischen Truppen stattfinden, nachdem das französische Cabinet seine Geneigt— heit kundgegeben, noch vor dem Zusammentritt des Concils zur Septemberconventton zurückzukehren.
— In Galizien macht die Auffindung der Ueberreste des polnischen Königs Kasimir Sen— sation. Kasimir, der Große genannt, starb am 5. November 1370 und war der letzte aus dem Stamme der Piasten. In einer Gruft der Kathe— drale von Krakau fand man unter einer Marmor- platte den Sarg, in welchem die Gebeine des Königs lagen. Auch das Scepter und der Reichs- apfel, beide von Silber, und die Krone(diese nur aus vergoldetem Kupfer) fanden sich vor. In den gläubigen Schichten des Volkes deutet man diese Wiederauffindung als ein Anzeichen der, bevorstehenden Wiederherstellung des groß— polnischen Reichs.
Frankreich. Paris. Der Kaiser ist in Begleitung des kaiserlichen Prinzen nach dem Lager von Chalons abgegangen, wo er von dem Marschall Bazaine empfangen werden soll.
— Das Leiborgan des Kaisers,„Le Peuple“, enthält in einer seiner letzten Nummern folgende classische Mittheilung:„Herr v. Dalwigk, Premier— minister des Großherzogthums Hessen, gleichzeitig fortschrittliches Mitglied(membre progressiste) des norddeutschen Zollparlaments, hat dieser Ver sammlung eine Proposition unterbreitet, welche bezweckt, das Zusammentreffen der Zollparlaments— Sessionen mit denen der Einzellaudtage zu ver hindern.“ Gezeichnet: der Redaltionssekretär Leguevel de la Combe.
Aus Brest kommt die Nachricht, daß am 21. d. die zweite telegraphische Verbindungslinie der alten mit der neuen Well glücklich begonnen worden ist. Das Ende des französisch⸗atlantischen Kabels, welches an dem Leuchtthurm von Minou an der Küste von Brest befestigt und an einer durch eine Boje bezeichneten Stelle des atlan— tischen Oecans versenkt worden war, ist am 20. d. von dem„Great Eastern“ aufgenommen und die Verbindung mit dem auf dem Schliff befindlichen 93600 Meilen Kabel glücklich hergestellt worden. Um 3 Uhr bei herrlicher klarer Mondnacht und ruhiger See ist der„Great Eastern“ mit seiner in jeder Beziehung theuren Last in den atlantischen Ocean hinausgedampft, begleitet von den besten Wünschen für das Gelingen seiner großen Aufgabe. Ein Telegramm vom 23. d von Bord des„Great Eastern“ an Julius Reuter meldet, daß das Schiff 214 Seemeilen von Brest entfernt und von dem Kabel 310 Seemeilen versenkt seien. Die elek— trische Leitung befinde sich im besten Zustande.
Großbritannien London. Der Vice könig von Aegypten ist angekommen.
Spanien. Die nach der Eidesleistung des Regenten, Marschall Serrano, von demselben verlesene Thronrede schließt mit den Worten: Von dem Ehrenposten aus, auf den Sie mich erhoben haben, sehe ich die politischen Parteien nicht, ich sehe nur den Fundamentalvertrag, der Jedermann verpflichtet, mich zu allererst, den alle Welt respektirt und in Vollziehung setzt, ich sehe unser geliebtes Vaterland, welches sich nach Stabilität u. Ruhe sehnt, zugleich aber nach Freiheit und Fortschritt dürstet, und endlich, als höchsten Wunsch in Ausübung meiner Funktionen, das baldige Ende eines Interregnums, unter welchem die Constitution aufrichtig und redlich in Ausführung kommen wird, die indivi— duellen Rechte sich friedlich und mit Ordnung be— thätigen werden, und die Freiheit auf der breiten Grundlage der moralischen und materiellen Ord— nung errichtet werden wird, damit der von der constituirenden Cortes erwählte Monarch eine glückliche und segensreiche Regierung für das
gebliche mißliche Finanzlage Ungarns der Begrün—
Vaterland gewinne, dem ich alle meine Sorge,
alle meine Ergebenheit und mein ganzes Leben geweiht habe. N
Italien. Der Depukirte Lobbia ist in Italien der Held des Tages, nachdem ihm sein muthiges Auftreten gegen die Corruption in den Finanz- Angelegenheiten einige Dolchstöße und Pistolenschüsse zugezogen hat. Das Volk versteht in solchen Dingen keinen Spaß und man bezeich⸗ nete sofort deutlich genug die moralischen Urheber des Attentats als der Regierung nahestehende hohe Persönlichkeiten. Es folgten am 16. und 17. d. heftige Ausbrüche der Volkswuth in Mailand, auch in Turin und anderen Städten.
Amerika. Die letzten Nachrichten aus Paraguay bestätigen die früheren Mittheilungen, wonach die Bewegungen der Alliirten auf dem Kriegsschauplatze keineswegs im Fortschreiten be— griffen sind. Die mit der brasilianischen Post eingehenden Zeitungsberichte aus Rio-Janeiro, die bis zum 23. v. M. reichen, melden sogar von einer Schlappe, welche die den Manduriva hinaufgegangene Panzerflotte der Brasilianer, deren Aufgabe die Vernichtung der schon so lange verfolgten feindlichen Dampfer war, durch eine Art von Hinterhalt erlitten hat, indem ein Corps des Generals Lopez den Fluß mit Ketten und gesällten Baumstämmen verbarricadirt hatte und den Alltirten einen heißen Tag bereitete.
— Die Washingtoner Berichterstaster mehrerer Newyorker Blätter behaupten, der Präsident werde in der Alabama Angelegenheit keinen wichtigen Schritt thun, bis der Congreß wiever zusammen⸗ tritt(4. Dezember).
* Aus Wölfersheim geht uns von glaubhafter Seite folgende Mittheilung zu, für deren Richtigkeit wir indeß dem Herrn Einsender die Verautwortlichkeit über⸗ lassen: Gesteen am 20. d. M. wurde das sogenannte Kirscheufest in Wölfersheim gefeiert, welches einen schlimmen, sogar blullgen Verlauf genommen hat. In dem nur 5 Minuten entfernten Södel war preußische Artillerie von dem 11. Regiment einquartiert, welche tbeilweise am Tage schon in Wölfersheim anwesend war und sich im Saale von Scherrer durch Tanz und freundlichen Verkehr mit den Bürgern vergnügte. Am Abend fanden sich dieselben Solbatlen wieder ein, sie waren aber nicht so freundlich ale am Tage, sie zeigten unverholen eine gewisse Kampf⸗ lust und so brach denn gegen 12 Uhr man kann sagen ohne vorhergegangenen Stkeit, ein Kampf aus, der so heftige Dimenstonen annahm, daß preußischer Seits auf datz Kommando eines Wachtmeisters in geschlossener Stel. lung von der blanken Waffe Gebrauch gemacht und selbst auf die Damen eingehauen wurde, was mehrere Verwun⸗ dungen zur Folge hatte. Es erhielt sogar eine bejahrte Frau einen Säbelhieb auf den Kopf, so daß sie jetzt in ärztlicher Behandlung liegt. Auch selbst der Wirth wurde in seinem Buffet überfallen und bekam eine Wunde in da; Bein, daß er das Bett nicht verlassen kann und ärztlich behandelt wird. Nachdem die Sturmglocken ertönten, eilten die Bürger von Wölfersheim auf den Kampfplatz und es war gut, daß sich die preußischen Helden entfernt hatten, denn im andern Fall würden sie wohl ihren Uebermuth schwer zu büßen gehabt haben..
Vom Taunus. Der Feldbergsest-Ausschuß ladet zu
dem am 4. Juli d. J. stattfindenden 16. Feldbergseste,
Morgens 11 Uhr anfangend, alle Freunde und Förderer dieses Volksfestes, sowie selbstredend fämmtliche Turner ein. Diejenigen, welche sich an den Wettübungen, bestehend in Hoch- und Weitspringen, Laufen, Steinstoßen und Schwebe⸗ baumgehen mit Velastung zu betheiligen wünschen, haben sich bis zum 1. Juli a. c. bei Herrn Lehrer Gusla v Schmitz in Darmstadt schrifilich anzumelden.
Darmstadt. Zu der vom 3. bis 6. Juli zu Darmstadt statthabenden Maschinenausstellung sind bereits 200 grögere und ebensoviel kleinere Maschinen angemeldet worden. Das landwirihschaftliche Maschinenwesen wird hierbei besonders hervorragend vertreien sein und wird der Techniker und Landwirth nur selten eine Gelegenheit finden soviel des Neuen und Piaktischen nebeneinander zu sehen. Auch die für die Monsheimer Genossenschafts-Brennerei bestimmten Apparate und Maschinen, sowie ein Disposttions⸗ plan über die ganze Einrichtung derselben, werden aus⸗ gestell! sein.
Marburg. Die Dr. Roser'sche Privatklinik, bie jetzt schon stark besetzt ist, wurde unter den glücklichsten Auspicien eröffnet. Hauptmann v. U., einer der ersten Leidenden, welcher die Klinik vetrat, trug seit dem letzten Kriege eine Kugel im Bein, welche von den berühmtesten Aerzten in Parig, London ꝛc., welche darum consuftirt worden waren, nicht herausgebracht werden konnte, die aber das Leben des Kranken ernstlich zu gefährden anfing. Der sichern hand unseres Roser war es vorbehalten, die Kugel auf⸗ zufinden und glücklich herauszuziehen. Der Kranke ist gerettet
Aus Lorch am Rhein wird gemeldet, daß dort am 23. d. Abends halb 11 Uhr eine ziemlich starke Erd— erschüllerung wahrgenommen wurde, welche, begleitet von einem dumpfen, unterirdischen Rollen, ca. 10 Secunden dauerte. Leicht bewegliche Gegenstände geriethen in's Schwanken und veränderten ihre Lage.
Gti
104
12 kl., pflanzen Rensest Presop.


