Ausgabe 
25.11.1869
 
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ich meine Stimme gegen die Ausschreitungen er⸗ hoben habe, welche sie entehren und die sie zu Grunde richten möchten, so konnte man an dem Schrei meines Schmerzes die Stärke meiner Liebe ermessen. Als unser Aller Herr und Meister sich gegen die Tempelschänder mit der Geißel bewaffnete, da erinnerten sich seine Schüler des Wortes der Schrift:Der Eifer deines Hauses hat mich ver⸗ zehrt. Ich bleibe meiner Kirche treu, aber ich bin darum nicht minder empfänglich für die Theil nahme, welche man im Schooße anderer Kirchen Allem, was ich in den Gränzen des Katholicismus sagen oder thun kann, zu schenken so freundlich ist. Ich habe übrigens niemals geglaubt, daß die von Rom getrennten christlichen Gemeinschaften von dem heiligen Geiste enterbt und ohne einen Antbeil an dem ungeheuren Werke der Vorbereitung des Reiches Gottes sind.

Auf dem auswärtigen Amte ist die Nach⸗ richt eingelaufen, daß der berühmte Reisende Werner Munzinger, zur Zeit französischer und englischer Vice ⸗Consul in Massuah, auf einem Ausfluge rach Abessenien von Räubern angefallen und von vier Kugeln getroffen worden ist. Man hat ihn sofort nach Keren transportirt und der Gouverneur von Massuah sandte ihm seinen Leib; arzt Aly Sciutli nebst 22 Soldaten und dem Dragoman seines Consulats. Die Kugeln befinden sich im rechten Arm, im Rücken und der Schulter, und der Arzt hofft, den Reisenden trotzdem am Leben erhalten zu sehen.

Spanien. Madrid. Ueber die Weigerung des Herzogs von Genua, den spanischen Thron anzunehmen, ist außer der von derTimes aus- gegangenen Behauptung hier nichts Definitives bekannt.

Ein amtlicher Bescheid in Betreff des Herzogs von Genua ist aus Florenz noch nicht hier eingegangen. Gegenüber anderslautenden Nachrichten wird in Regierungskreisen betont, daß für die Annahme oder Ablehnung der spanischen Krone Seitens des Herzogs von Genua in erster Linie die Entschließung des Königs Viktor Emanuel als Vormund des Herzogs in Betracht kommt, welche zur Zeit noch nicht vorliegt.

Die Minorität der republikanischen Partei wird noch nicht in die Cortes eintreten. Der Wiedereintritt derselben erfolgt erst nach einem von Castelar zu erlassenden Manifeste, in welchem die Gesinnungsgenossen aufgefordert werden sollen, in der Presse und in den politischen Clubs große Mäßigung zu ber bachten, sobald die verfassungs⸗ mäßigen Bürgschaften wieder hergestellt sind.

Italien. Florenz. DerCorriere Ita⸗- liano meldet: Der König sandte den Grafen de Sonnaz zu dem neugewählten Kammerpräsi⸗ denten Lanza, um ihn mit der Bildung eines neuen Cabinets zu betrauen. Die Antwort Lanza's ist noch unbekannt.

Menabrea zeigte in der Deputirtenkammer an, daß in Folge des Kammervotums das Mini⸗ sterium abtritt.

Türkei. Konstantinopel. DieTurquie analpsirt die letzte Antwort des Vicekönigs von Egypten und bebt deren Unzulänglichkeit hervor, wie auch die Ueberreichung derselben durch den Consul, anstatt durch den Vezier. DieTurquie sagt, die Zeit der Versöhnlichkeit sei vorbei und droht dem Vicekönig mit Absetzung, nölhigenfalls unter Anwendung von Waffengewalt.

Amerika. Aus einem Berichte des Schatz meisters der Vereinigten Staaten ergibt sich, daß die Einnahmen zu-, die Ausgaben abgenommen haben und daß im Hinblicke auf die entsprechenden sechs Monate des Vorjahres die Resultate um nicht weniger als 56,034,967 Dollars günstiger

vernichtet sein mitsammt ihren Bewohnern. Das Wasser des Flusses Canca stieg seine gewöhnliche Höhe, und die dadurch verursachte rasche Strömung brachte Lava, Menschen⸗ und Thierleichen von der Stätte der Verwüstung mit

herab. Afrika. In Cairo hat am 22. Nov. ein glänzender Ball stattgefunden, dem der Kaiser von

Oesterreich, sowie die Gesandten Oesterreichs und Rußlands beiwohnten. Der Kaiser von Oester⸗ reich hat das Projekt der Reise nach Brindisi wegen Krankheit des Königs von Italien aufgegeben.

Der DampferLatif ist, nachdem er zwei Tage auf dem Grunde des Canals versandet, flott gemacht. Mehrere andere Dampfer sind ebenfalls auf den Grund gestoßen, jedoch ohne große Schwie⸗ rigkeit flott gemacht wotden und ueiter passirt.

* Friedberg. Ein von Dar nistadt und Großgerau gemeldeter, am Morgen des 22. 7 Uhr 12 Minuten ver⸗ spürter Erdstoß ist noch an vielen Orten wahrgenommen worden, so in Roßdorf, Fürth i. O., Pfaffenbeerfurth Oberbeerbach, Niederramstadt, Schwanheim, Schönberg, Philippseich Frankfurt a. M. Worms. In Groß⸗ gerau scheint die Erschütterung wieder am hefligsten ge⸗ wesen zu sein, man zählte daselbst 10 stärkere Erdstöße.

Frankfurt. Am 22. Morgens 7 Uhr 10 Minuten ward hier wieder ein Erdstoß von 68 Secunden Dauer gespürt. Wie aus derDarmst. Zig. zu ersehen, ist auch in Darmstadt, demRh. Kur. zufolge auch in Wiebaden und Rüdesheim dieselbe Beobachtung gemacht worden; an letzterem Orte unterschied man drei rasch aufeinander folgende Stöße.

Frankfurt. Es soll dahier eine ueueZeitung erscheinen und die Concession zur Herausgabe schon ertheilt sein. Dieselbe wird sich nicht mit Politik, auch nicht mit Belletristik, sondern mit einem Zweige der Volks⸗ wirthschaft befassen. Der Zweck des Blattes ist nämlich, den Abonnenten ein regelmäßiges, sorilaufendes Verzeich⸗ niß über diejenigen Personen in Frankfurt zu geben, welche ihren eingegangenen Werpfc nicht nachge⸗ kommen find. Elwa 300 Personen sollen bis jetzt auf die Zeitung abonnirt baben.(Ob wohl auch milde Bei⸗ tcäge von auswärts angenommen werden?)

Frankfurt. Das deutsche Hochstift hat nun zehn Jahre seines Bestehens hinter sich. Die Mitgliederzahl beziffert sich nach der desfallsigen Fesistellung auf ca. 950, von denselben sollen 401 zur Klasse der Gelehrten und Künsiler gehören und 552 werden als Theilnehmer auf⸗ geführt. Davon kommen im Ganzen 252 auf Frankfurt. Das Goethehaus wurde in diesem Jahre von ca. 2500 Personen besucht, welche 1796 fl. als dankbare Erinnerung zurückließen.

Darmstadt. Auf den am Sonntag Abend nach 5 Uhr von Mainz hier ankommenden Bahnzug wurde von schon ziemlich erwachsenen Jungen mit Steinen geworfen, hierdurch mehrere Feuster zertrümmert und dem Vernehmen nach ein Offizier am Auge verletzt.

Darmstadt. DieDarmst. Zig. schreibt vom 22. d.: Seit der Nacht vom 19. auf den 20. bemerkt man bier wieder öfters Bewegungen der Erdoberfläche. Gestern wurden hier z. B. mit Gewißheit um 3 Uhr Nachmittags und um 7 Übr Abends Erschütterungen beobachtet; desgleichen mehpere während der heutigen Nacht, und heute Morgen um 7 Uhr 12 Min. beobachtete man einen ziemlich starken, mehrere Sekunden andauernden Erdstoß.

Aus Groß⸗Gerau bringt dasselbe Blatt folgende Nachricht vom gleichen Dalum: Gestern Morgen um ½11 Uhr wurde ein ganz leiser Erdsioß wahrgenommen. Heute Nacht aber, kurz nach ½2 Uhr, ereignete sich wieder ein kurzer verticaler Stoß drilter Stärke, welchem einige Secunden nachher ein dumpfes Nollen unter der Erde

folgte. Etwa 5 und 10 Minuten nachher wurden noch zwei kurze leise Stöße vernommen. Worms. Eine grauenhafte That wurde dahier

verübt. In der Nähe der Landungsbrücke der Dampf⸗ boote fand man den 21 Jahre alien Johaun Eberhard Schlegel, Schiffbauer von hier, erschlagen. Nicht weit von der Leiche entfernt lag ein Prügel von enormer Dicke, mit welchem wahrscheinlich der Mord verübt wurde. Als Thäter ist der Taglöhner Jacob Holleriethraus Speyer, welcher an einer im Rheine dayier befindlichen Bagger⸗ maschine arbeitet, verhaftet.

Alzey. Sicherem Vernehmen nach hat der hiesige Stadtrath in einer im Laufe dieser Woche abgehaltenen Sitzung beschlossen, die jährlichen Gehalte der Lehrer an der biesigen Volksschule auf 700 fl. und die der Vikare auf 400 fl. zu erhöhen. Hoffentlich folgen noch recht viele Gemeinden des Landes diesem schönen Beispiel.

einen Fuß über N

Das Hamburger Post⸗Dampfschiff Bavaria, Capt. ranzen, welches am 23. October von hier und am 26. October von Havie abgegangen, ist am 17. d. Mts.

wohlbehalten in New⸗Orleans angekommen.

O Zustände in Paraguay. Eine der vielen südamerikanischen Republiken heißt Paraguay und liegt an den Ufern des Flusses gleichen Namens, der nach seiner Vereinigung mit den Flüssen Parana und Uruguay. als La. Plata in den atlantischen Ocean mündet. Die Republik Paraguay erstreckt sich zwar über ein Gebiet von über 9000 Q.- M., was beiläufig/ von der Größe Deutschlands bedeutet, ist übrigens nur zum geringsten Theile angebaut und hat eine Be⸗ völkerung, die an Zahl etwa der des Großherzog⸗ thums Baden gleichkommt(1,300,000). Der Präsident oder vielmehr Dictator dieser Republik ist der in der letzten Zeit so viel genannte Lopez. Schon über 4 Jahre zieht sich ein Krieg hin zwischen ihm und seinen Nachbarn nach Osten und Süden, dem Kaiserreich Brasilien, dem Frei⸗ staat Uruguay und der argentinischen Republik. Ueber die Ursache dieses Krieges ist sich hier nicht aufzuhalten. Lopez behauptet für die Unabhängig⸗ keit Paraguay's das Schwert ergriffen zu haben; nach Allem aber, was nunmehr über ihn in Europa bekannt wird, ist die Annahme gar nicht ungereimt, es habe ihm die Gründung eines KaiserreichesLa Plata vorgeschwebt, und sei zu diesem Zweck von ihm der Kampf vom Zaun gebrochen worden. Trat doch zur selben Zeit auch das Kaiserreich Mexiko in's Dasein.

Nachrichten vom Kriegsschauplatz kamen uns nur spärlich zu und waren unzuverlässig. Bald hieß es:Lopez ist geschlagen, dann wieder; die Verbündeten haben sich mit großem Verlust zurückgezogen. So viel war bald klar: Lopez war ein entschlossener Gegner, und die Verbündeten, die ihn auf einer Morgenpromenade züchtigen zu können meinten, flutzten gewaltig Angesichts der Schwierigkeiten, die sich ihnen entgegenthürmten. Selbst als die Hauptstadt Assumcion eingenommen war, war damit Lopez's Widerstandskraft nicht erschöpft. Jeden nur halbwegs haltbaren Punkt auf's äußerste vertheidigend, zog er sich zurück, und völlig überwunden ist er bis auf den heutigen Tag noch nicht, obgleich wiederholte Zeitungsnach richten ihn nach Bolivia sich haben flüchten lassen. Dies Alles mußte unsere Bewunderung erregen und ihm unsere Sympathien erwecken. Gleich einem Friedrich II. schlug er sich mit einem zehn⸗ fach überlegenen Feinde herum, überall neue Hülfs mittel und neue Truppen aus dem Boden stampfend. Das ganze Völkchen stand bis zum letzten Mann unter den Waffen, nur seines Winks gewärtig; ja Bataillone von Knaben und Frauen kämpften unter seinen Fahnen. Welche Begeisterung far die Sache, für welche es focht, mußte dies Völkchen durchglühen, mit welch' abgöttischer Verehrung mußte es au dem Helden emporblicken, der in wahrhaft antiker Größe an seiner Spitze stand. So schien es.(Schluß folgt.)

Für die Wittwe und Kinder

Seifert von Oberwöllstadt sind bei uns nachträglich noch eingegangen: Von H. P. 30 kr., Ungenannt 1 fl.

Die Gesammtsumme der uns güligst überlassenen Gaben, 59 fl. 59 kr., haben wir Namens der Geber der Wittwe Seifert eingehändigt, welche dieselbe mit dem Ausdruck der dankbarsten Gesinnungen gegen ihre Wohl⸗ thäter in Empfang genommen und uns gebeten hat, den freundlichen Gebern ihren herzlichen Dank aussprechen zu. wollen. Indem wir dies thun, schließen wir gleichzeitig, die von uns unternommene Sammlung. Die Expedition.

Schiffs nachrichten.

sind. Eine ganz hübsche Summe für den Anfang der neuen Verwaltung!

Nach den neuesten Nachrichten fand ein heftiger, von großen Zerstörungen und Verlusten an Menschenleben begleiteter Ausbruch des Vulkans Purate in det südamerikanischen Republik Colum- bia statt. Gegen halb 3 Uhr früh am 4. Oct. begann der Massen Asche und Bimsstein auszuwerfen. Zwei oder drei Dörfer an seinem Fuße sollen gänzlich

Berg mit gewaltiger Eruption ungeheure

Mitgethrilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent.

Das Hamburg New⸗Yorken Post⸗Dampjschiff Borussia, Capi. Hebich, welches am 30. Octbr. von hier direct nach New⸗Hork abgegangen, ist am 19. d. 2 Uhr Morgens wohlbehalten in New⸗York angekommen.

Das Hamburger Post⸗Dampfschiff Teutonia, Capt. Barends ging, expedir! von Herrn Augusi Bolten, William Miller's Nachfolger, am 20. November von Hamburg via Häbre und Havanna nach New-Orleans ab. Außer einer starken Bries- und Packetpost haue dasselbe 12 Passagtere in der Cajüte und 67 Passagiere un Zwischendeck, so wie 150

Tons Ladung.

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8 0

Dringende Bitte.

Füe eine Familie, die vor Kurzem hierber gezogen ist und die sich in grenzenloser Noth befindet, wurde vom verschiedenen Privatpersonen in engerem Kreise gesammelt und die Beträge sofort der Familie übermacht. Mam bittet dringend um milde Gaben und ist die Expedition bereit dieselben in Empfang zu nehmen.

Mehrere Meuschenfreunde.

Bei Wirth Steinhäuser gesammel!

Bereits gingen ein: 2 fl. 10 kr., imFrohsinn gen

und gleich abgeliefert:

sammelt 4 fl. 24 kr.

des in hitsigem Bahnhofe verunglückten Justus

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