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Samstag den 24. April.
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hessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger ZJulelligenzblalt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
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Hessen. Darmstadt. Der Kammer liegt die Beschwerde einer an der oberhessischen Linie Gießen⸗Grünberg-Fulda gelegenen Gemeinde vor, welche behauptet, daß durch die Projektirung der Anlage mitten durch die Ortschaft der Ortsverkehr empfindliche Störungen erleiden werde, und daß diesem Nachtheil durch Umgehung des Dorfes be⸗ gegnet werden könne, wenn nur die Gesellschaft die dadurch erwachsenden Mehrkosten tragen wolle. Mit Bezug auf die in Rede stehende Beschwerde— vorstellung hat der erste Ausschuß der zweiten Kammer eine Ansicht von principieller Wichtigkeit und Tragweite ausgesprochen. Der Ausschuß glaubt nämlich, daß die Vorstellung nicht zu be⸗ rücksichtigen sei wegen des bei dem Administrativ- Justizhofe anhängigen Verfahrens. Dieses sei ein Rechts verfahren, auf welches die Kammer keinerlei Einfluß üben dürfe; ferner deßhalb, weil das Materielle der Vorstellung die Feststellung einer Bahnlinie betreffe, welche nach dem auf dem vorigen Landtage gefaßten Beschlusse und der Natur der Sache lediglich der Staatsregierung überlassen werden müsse, da es nicht Sache der Kammern sein könne, in solchen technischen Fragen, welche einen Gegenstand der Ausführung bilden, ein Urtheil abzugeben.
— Das Gesetz vom 12. Mai 1868, betr. die Ausgleichung der Kriegskosten, hatte vorgesehen, daß das Ausgleichungsgeschäft noch im Laufe des vorigen Jahres zum Abschluß kommen würde und deßbalb densenigen Gemeinden, welche Beträge herauszuzahlen haben, dreijährige Fristen resp. Zahlungstermin per 1. Januar 1870, resp. 1871 und 1872, gewährt. Da indeß die umfangreiche Ausgleichung der einzelnen Beträge erst dieser Tage vollendet werden konnte, hat das Ministerium des Innern durch eine Gesetzesvorlage proponirt, die Zahlungstermine auf 1. Juli des betreffenden Jahres hinauszuschieben.
— Nächsten Samstag wird die erste Kammer u. A. auch das Militärbudget berathen. Der deßfallsige, von dem Grafen Görz erstattete Aus⸗ schußbericht trägt auf Zustimmung zu dem von der zweiten Kammer mit 25 gegen 22 Stimmen gefaßten Beschluß der Bewilligung einer jährlichen Pauschsumme von 3,066,918 fl. an, gewährt also dem Kriegsministerium in facto die Mittel zur Einführung der preußischen Gagen, schließt sich aber, was die speciell hessischen Einrichtungen be⸗ trifft, im Wesenklichen den Beschlüssen 2. Kammer, resp. deren Abstrichen an.
Gießen. In Bezug auf die dem„Fr. J.“ entnommene Mittheilung über dahier stattgehabte Studenten ⸗Excesse bringt jetzt genanntes Blatt nachstehende wesentlich anders lautende Darstellung: In der Nacht vom 15. auf den 16. d. M. ent⸗ stand ein Streit zwischen 6—7 Studenten(meist Mitglieder der Burschenschaft„Germanla“) einer- seits und zwei Corpestudenten andererseits. Das darunter befindliche Mitglied des Corps„Star- kenburgia“ hat dabei von keiner Waffe Gebrauch gemacht, erhielt dagegen einige Verwundungen, wurde mit einem schweren Instrumente zu Boden geschlagen und blieb längere Zeit bewußtlos liegen. Nach einem Verhör wurde dasselbe wieder auf freien Fuß gesetzt.
Preußen. Berlin. Der„Staateanz.“ enthält eine königliche Verordnung, wonach der Zollvereins⸗Bundesrath auf den 28. April ein- berusen ist.
— Die„Prov.⸗Corr.“ schreibt: Die Staats- regierung beschäftigt sich mit der Vorberathung
wichtiger innerer Reformen, welche in der nächsten Land tagssession zur Vorlage kommen sollen, nament- lich in Betreff der Kreisverwaltung, der Selbst— verwaltung der Corporationen, der ländlichen Polizeiverwaltung, der Landgemeindeverfassung und des Unterrichtswesens.
— Der Bundesrath hat, wie hiesige Blätter erfahren, die Vorlage eines Gesetzentwurfs, betr. die Entschädigungspflicht der Eisenbahnen, zur Berathung im Reichstage beschlossen.
— Eine in Karlsbad erscheinende Zeitung bringt nachfolgende, ihr angeblich von einer den Berliner Hofkreisen angehörenden Persönlichkeit zugekommene Nachricht: Die bereits signalisirte Badereise des Königs nach Karlsbad kann jetzt als gesichert angenommen werden, nachdem der Wunsch einer vollständigen Aussöhnung mit Oester⸗ reich und einer rückhaltslosen Annäherung an dasselbe, der seit langem hier vorherrschend ist, in neuester Zeit mit großer Lebhaftigkeit in den leitenden Kreisen zu Tage tritt. Die Badereise des Königs dürfte, so glaubt man hier, die natür- liche und willkommene Gelegenheit zur Begegnung der beiden Monarchen bieten, der wohl eine Fühlung von Hof zu Hof vorausgehen dürfte.
— Der Twesten-Münster'sche Antrag und die Rede des Grafen Bismarck bilden noch immer das Hauptthema in den leitenden Artikeln der officiösen Blätter. Daß der parlamentarische Sieg der vereinigten Fraktionen ohne thatsächliche Folge bleiben werde, wird auch von der„Provinzial- Correspondenz“ wiederholt. Doch ist dieses Blatt im Hinblick auf die hereinbrechende Steuerfrage sichtlich bestrebt, dem Feinde goldene Brücken zu bauen. Der Gang der Berathung sagt dasselbe, habe von Neuem erkennen lassen, daß über die Ziele der Bundespolitik und in Betreff der bis— herigen Wirksamkeit der Bundesverwaltung trotz mancher Meinungsverschiedenheit über einzelne Punkte doch in der Hauptsache nach wie vor eine wesentliche Uebereinstimmung zwischen dem Bundes- kanzler und dem Reichstage herrscht. Von einem „Entweder— Oder“, wie es die national⸗liberalen Blätter angekündigt hatten, von einem„drohenden Abfall“, von der Aufstellung von Bedingungen für das weitere Zusammenwirken mit dem Bun- deskanzler sei in der ganzen Verhandlung nicht die Rede gewesen.
— Ju Reichstage fand die zweite Berathung des Etats des norddeutschen Bundes für 1870 statt. Die Etats des Bundeskanzleramte, des Bundesraths und des Reichstags werden geneh— migt. Bei der Berathung des Etats des Mini— steriums der auswärtigen Angelegenheiten äußert Twesten den Wunsch, der Bundeskanzler möge dem Reichstage, nach dem in anderen europäischen Staaten herrschenden Gebrauche alle diplomatischen
Aktenstücke, etwa in Form von Blaubüchern, mittheilen.
Marburg. Der Vieekanzler der hiesigen Universität und Senior der Jauristenfacultät,
Professor Dr. Eduard Sigismund Löbell, ist am 19. d. im Alter von 78 Jahren, an den Folgen eines in voriger Woche eingetretenen Blutschlag— flusses gestorben.
Sachsen. Unter der Geschäftswelt Leipzigs ist, nach dem„Leipz. Tagebl.“, der Wunsch nach einer einheitlichen Art für Amortisation von öffent— lichen Werthpapieren und Papiergeld aller Art, ingleichen für Entwerthung von Münzen für das Gebiet des norddeutschen Bundes laut geworden. Als Grundsatz möchte man festgehalten wissen,
daß keine Amortisationsfrist cher zu laufen beginne, als vom Tage des ersten Abdrucks der diesfallsigen Bekanntmachung im Bundesgesetzblatte, was in der Sache natürlich ein besonderes Reichsgesetz voraussetzen würde.
Baden. Heidelberg. Die Abstimmung für Einführung gemischter Schulen steht in unserer Stadt in ungefähr 14 Tagen in Aussicht. Das freisinnige Heidelberg wird bei dieser Gelegenheit zeigen, daß es seiner Schwesterstadt Mannheim nicht nachsteht.— Man beschäftigt sich hier sehr lebhaft mit dem Plane, im Mittelpunkt der hie sigen Bahnhöfe und der ringsum liegenden Gast-⸗ höfe und Pensionen ein Kur- und Conversatione⸗ haus mit Garten und Musiktempel zu errichten. Das Hauptgebäude soll aus einer geräumigen Vorhalle, großem Saale mit Restauration, Lese⸗, Spiel⸗ und Billardzimmer u. s. w. bestehen, außerdem eine lange Galerie zum Auf- und Ab⸗ wandeln der MineralwasserTrinkenden daran an- stoßen. Ein solches Etablissement würde gewiß ein Anziehungspunkt mehr für die Fremden wer⸗ den und dem schönen Heidelberg eine neue Zierde verleihen.
Oesterreich. Wien. Die„Presse“ mel⸗ det: Das preußische Cabinet habe in Paris durch den Grafen v. d. Goltz seine Sympathie und Uebereinstimmung mit der in der Rede Lavalette's definirten friedlichen Politik erklären lassen.
— Die„Presse“ erfährt aus Paris über die franco-belgische Angelegenheit, daß nach der Zurück⸗ ziebung unzureichender erster Vertragsentwürfe neue Entwurfs-Grundlagen gegenwärtig diseutirt werden und daß die Zuversicht auf eine Lösung der obschwebenden Frage unerschüttert sei.— Dasselbe Blatt berichtet, England habe neuerdings seine Vermittlung in der belgisch-französischen Eisenbahnangelegenheit angeboten.
— Das Herrenhaus nahm das Landwehr— gesetz an und genehmigte den deutsch⸗östtrreichischen Telegraphenvertrag und den Gränzregulirungs⸗ vertrag mit Preußen.
Pest. Das Unterhaus ist interimistisch zu⸗ sammengetreten. Der Alterspräsident verkündet, die feierliche Eröffnung des Reichstags werde Samstag erfolgen. Die äußerste Linke verlangt die Entfernung der königlichen Fahne von der Königsburg. Graf Andrassy erklärt, während der Reichstagseröffnung würden auch ungarische und erbatische Rationalfahnen aufgehißt.
Frankreich. Paris. Die Opposition befolgt bei den bevorstehenden Wahlen die eigen- thümliche Taktik, daß sie überall, wo sie keinen ausgiebigen Candidaten zur Hand, aber leidliche Aussichten hat, eines ihrer Häupter aufstellt. So wird Jules Simon in sieben Wahlcollegien auf— gestellt, Thiers in einem halben Dutzend, Garnier— Pagds und Picard jeder in dresen u. s. w. Ob die Opposition mit dieser Taktik viel gewinnen wird, muß die Folge lehren.
— Der„Constitutionnel“, indem er auf die letzte Rede Bismarck's im Reichstage zurückkommt, drückt den Wunsch aus, daß dieser politische Rück— zug, in conservativer Richtung ein definitiver und vor Allem ein mit Erfolg verknüpfter sein möge, denn es sei leichter, sich mit der Revolution zu verbinden als sie zu bekämpfen. Der Friede und die wahre Freiheit in Europa seien auf's Engste von der neuen Entwickelung der preußischen Politik abhängig.
— Die„Liberte“ meldet, daß sogleich, nach-
dem die Wahlen vollzogen sein werden, der gesetz—


