Ausgabe 
22.5.1869
 
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Lebenslänglichkeit des Bürgermeisteramtes aufgeho⸗ den und das deßfallsige Gesetz bereits erlassen. Man begrüßt diese Neuerung allseitig mit Freuden, da man vieler Orten hoffen kann, bald von lästigen drückenden Verhältnissen befreit zu werden, welche bei der lebenslänglichen Anstellung der Bürgermeister leider zu oft sich ergeben haben.

Baden. Heidelberg. Nach Beschluß der ständigen Deputation des deutschen Juristen- tags soll dieser am 26., 27. und 28. August d. J. in unserer Stadt abgehalten werden.

Oesterreich. Wien. Nach einem Ber- liner Telegramm derN. fr. Pr. soll es im Werke sein, eine Begegnung zwischen dem Könige von Preußen und dem Kaiser Franz Joseph im Laufe des Sommers zu Stande zu brinden. Zu diesem Zwecke soll sich der Erstere in ein böhmi⸗ sches Bad begeben. In Hofkreisen werde mit Eifer an der Erfüllung dieses Projekts gearbeitet. Auch halte man eine Reise des preußischen Kron⸗ prinzen nach den österreichischen Staaten nicht für unmöglich. Berlin dagegen stünde nach derselben Quelle der Besuch des Czaren bevor.

DieWiener Ztg. publizirt vie kaiser liche Sanktion des Volksschulgesetzes.

Frankreich. Paris. Auch in Marseille fanden nach einer von Gambetta abgehaltenen Wahlversammlung zahlreiche Zusammenrottungen statt. Banden durchzogen die Straßen und sangen die Marseillaise, wobei Verhaftungen vorfsielen. Ebenso fanden in der Stadt Thiers im Depar tement Puy⸗de⸗Döme Unruhen statt.

In Nimes wurde am Sonntag ein Haufe von 300 Individuen, welcher die Marseillaise sang, vor der Präfektur zerstreut. In der Nähe von Bourges geriethen Aufwiegler mit der Gendarmerie in Conflikt und befreiten einen Gefangenen, welchen dieselbe gemacht hatte. Aehnliche Ruhestörungen, jedoch von keiner besonderen Bedeutung, werden guch noch aus anderen Gegenden Frankreichs gemeldet.

Aus Paris liegt die Nachricht vor, daß 132 Verhaftungen der zurückgebliebene Nieder schlag der vorübergebrausten Wahlbewegung sind. Die angeklagten Redakteure desRappel wollen den Beweis liefern, daß die Tumulte, welche die Veranlassung zu diesen Verhaftungen boten, ledig lich durch die geheimen Aufhetzer der Regierung angestiftet und durch das absichtlich brutale Vor gehen der Polizeimeute vergrößert wurden.

Großbritannien. London. DieTimes veröffentlicht folgende Depesche aus Philadelphia, datirt 17. Mai: Motley(der neu ernannte Ge⸗ sandte in England) reist übermorgen ab. Derselbe wird die Alabamafrage nicht wieder eröffnen und wofern dies von Seite Englands geschehen sollte, den früheren Standpunkt Amerikas festhalten, ohne Sumners Anschauungen zu vertreten.

Gutem Vernehmen nach sind die enropäischen Unionsgesandten von ihrer Regierung unterrichtet worden, daß dieselbe von dem Wunsche nach friedlicher Austragung der Alabamafrage beseelt sei.

Spanien. Der Republikaner Garrido, einer der erleuchtetsten politischen Köpfe Spaniens, hat in der Cortes versammlung rund heraus erklärt, daß der Versuch, einen spanischen König im Aus- lande zu suchen(also auch Monipensier) das Signal zu dem erbittertsten Bürgerkriege sein werde. Garrido hat die Revolution von vorigem Jahre und den Sturz Isabella's in seinem Buche: Das heutige Spanien bereits 1867 mit der größten Bestimmtheit angekündigt. Sein Urtheil hat deßhalb wohl einigen praktischen Werth. Silvela, welcher dem Republikaner Serraclara im Namen der Commission antwortete, erklärte, daß die Republik ernste äußere und innere Verwicklun⸗ gen herbeiführen würde. Er beschwört die Repu blikaner, nach dem Votum für die Monarchie ihre Sitze in den Cortes inne zu behalten, wenn sie nicht den Bürgerkrieg hervorrufen wollen. Herr Salustiano de Olozaga und andere Deputirte beglückwünschen den Redner. Ein Theil derlibe ralen Union fährt fort, sich der Idee der Regent schaft lebhaft zu widersetzen.

Friedberg. Am 19. d. M. fand in Nauheim auf dem Danes Fritz'schen Felsenkeller die Wanderver⸗ sammlung des Oberh. Bienenzüchtervereins statt. Die Verhandlungen desselben bezogen sich hauptsächlich auf die bei der letzten Ueberwinterung der Bienen gemachten Er⸗ fahrungen, auf die Fütterung der Bienen mit Kartoffel zucker und auf die Wahl der Betriebsmethode und dle Art der Vermehrung, welche für unsere Wetterau wohl die geeignetsten sein mochten. Ueberwiegend gingen die Ansichten dahin: Das Ueberwintern iin Keller ist bei Wintern mit milder, wechselnder Temperatur nachtheilig; die Bienen werden vorzeitig unruhig und sind, wenn's Frühjahr kommt, nicht in der rechten Verfassung. Besser ist eine Einhüllung der Stöcke im Freien mit Werg oder Grummet, so dick, daß die Temperatur in denselben sich möglichst gleich bleibt. Das Füttern der Bienen mit Kartoffelzucker taugt im Allgemeinen nichts; nur unter besonderen Umständen und mit Candis vermischt kann er benutzt werden. Eine Verbindung von Dzierzon- und Strohstöcken ist zweckmäßig. Vermehrung durch Ableger ist der durch Schwärme vorzuziehen. Zu Präsidenten sind erwählt worden: Pfarrer Deichert von Grüningen und Conreetor Luft von Butzbach; Pfarrer Köhler von Eschenrod ist aus dem Vorstand ausgetreten. Nächstjährige Versammlung in Obereschbach. Vor Beginn der Ver handlungen wurde das sog. Abtrommen an einem Stock auf dem Bienenstand des Oekonomen Stoll in Nauheim praktisch gezeigt und eine Besichtigung der ausgestellten Gegenstände vorgenommen. Besondere Aufmerksamkeit erregten die Ausschleudermaschinen zur Gewinnung des Honigs aus den Waben, ohne diese zu zerstören, so daß sie von den Bienen wiederholt zum Honigeintragen benutzt werden können, und eine Drohnenfalle. Die Ver sammlung hat gezeigt, daß die Bienenzucht in der Wetterau schon einen erfreulichen Aufschwung genommen hat und, in rechter Weise betrieben, auch in unserer Gegend ein lohnender Nebenerwerbszweig ist. Darum versuche es da⸗ mit, wer einen geigneten Standort im Garten oder Hof raum hat; ein süßer Lohn ist ihm beschieden.

Frankfurt. Der hiesige Zoologische Garten hat in der letzten Woche in seinem Innern und Außern ge⸗ schmackvolle decorative Veränderungen erfahren. Hierzu zählen namentlich die Herstellung des malerisch schönen Wasserfalls auf der Storchwiese und die Anlage eines zweiten Weihers daselbst und die nun allenthalben ange brachten und durch eine Loeomobile in fortwährender Thätigkeit erhaltenen Springbrunnen. Der große Weiher, welcher nun genügenden Zu- und Abfluß hat, gewährt von der über ihn führenden Brücke mit seinem großen Springbrunnen in der Mitte einen überraschend schönen Anblick, der durch den Wasserfall im Hintergrund noch gehoben wird. Der Besuch der begonnenen Garten conecerte ist ein ganz enormer und wollen wir nicht ver fehlen, das Publikum auf den kommenden Sonntag stattfindenden Zwoͤlfkreuzertag mit Concert aufmerksam zu machen.

Frankfurt. Wie man vernimmt, sollen vom 1. Juni ab regelmäßige Personenbesörderungen mittelst der Ver⸗ bindungsbahn von den West-Bahnböfen zum Hanauer Bahnhof und umgekehrt in's Leben kreten; auch soll aber erst von einem späteren Zeitpunkte an eine Sialion der Verbindungsbahn am Mainufer, welche von bier abgehende Güter zur Expedition nach allen Bahnen übernimmt, errichtet werden. Die erste Serie der Frankfurter Militärpflichtigen, welche sich durch Entfernung in das Ausland dem Eintritt in den preußi⸗ schen Mililärdienst entzogen hat, wird kommenden Dienstag vor der Strafkammer abgeurtheilt. Die zweite Serie, sieben junge Frankfurter, sind wegen derselben Vergehen auf den 24. Juni vorgeladen. Nach mäßiger Schätzung sollen im nahen Bornheim am Mittwoch, dem vierten Franlsurter Pfingstfeiertage, eiwa 8000 Menschen von bier aus in den Wirthschafisgärien daselbst anwesend gewesen sein. Das Wetter war günstiger als an den vorausge- gangenen Feiertagen. i

Worms. Bei Eppelsheim ist der Zug von Worms nach Alzey gehend, entgleist und sind dabei fünf Güter⸗ wagen verunglückt, die iheilweise über den Damm ge⸗ worfen wurden. Ein Wagenwärter hat dabei eine Quet⸗ schung davongetragen, welche glücklicherweise nicht be⸗ deutend ist.

Der Weiher in Friedberg, seine wünschenswerthe gänzliche Beseitigung oder Verlegung. Miigetheilt von H. B.

Der am westlichen Theil der Stadt befindliche Weiher ein Reservoir von zufließendem reinen Quellwasser und zugleich für das aus der Stadt aus Canälen, Gossen und Cloaken ꝛc. zuströmende Regen-, Spül-, Wasch⸗ 1c.-Wasser zur Bedienung des großen Wasserrades der städtischen Wasser⸗ leitung ist schon von vielen Seiten und zum öfteren als ein Mißstand erkannt worden, dessen Beseitigung nicht allein wünschenswerth, sondern geradezu als ein unabweisbares Gebot erscheint und dürfte es daher wohl am Mlatze sein, erwähnte

bekannt ist, daß

Angelegenheit in diesem Blatte einmal näher zu erörtern. Wir sagen: nicht allein wünschenswerth ist die Besettigung dieses Mißstandes, da es nur zu

Spaziergänger, sowie die Besitzer

und Besucher der zunächst gelegenen Gartenwirth⸗ schaften und ebense die zunächst angrenzenden Bewohner in diesem Stadttheile in Folge des pestilenzartigen Geruches, den der Weiher nament- lich bei anhaltender Hitze und Trocknung verbreitet, hiermit einverstanden sind und ein Interesse daran haben; sondern in Beziehung auf den Gesundheits- zustand der Bewohner der Stadt ist es nach den Aeußerungen Sachverständiger ein wirkliches Bedürfniß und unabweisbares Gebot. Von einer gänzlichen Beseitigung wird mit Rücksicht auf den Bedarf des Triebwassers für das große Rad der städtischen Wasserleitung abgesehen werden müssen. Es kann sich also nur um eine zweckmäßige Ver⸗ legung resp. Beschaffung eines Reservoirs an anderer Stelle handeln. In der Nähe der Mauer des Militär-Schießplatzes, wo das dem Weiher zuströmende Wasser eine nach Osten laufende Richtung nimmt, ist ein schmales, der Stadt gehöriges Stück Land, das mit Benutzung des angrenzenden Wassergrabens, durch Eindämmung und theilweise Ausgrabung und mit weiterer Be nutzung eines Theils des in der Nähe befindlichen städtischen Bleichplatzes und mit Fortsetzung von hier in nördlicher Richtung bis zum Uebergang über den Seebachsgraben dem Dr. Aug. Trapp'schen Hause gegenüber ein fast gleich großes Terrain als der Weiher ergiebt und zur Veranlagung eines Reservoirs daher dienlich erscheint. Die an dieser Stelle auszugrabende Erde, insoweit solche nicht zur Eindämmung verwendet werden muß, dürfte mit von anderer Stelle zu beschaffendem Grunde zur Trockenlegung des Weihers dienen können; das hierdurch gewonnene Land mit Be⸗ nutzung des Rains zwischen dem Mahyer'schen Grundstück und dem Weiher mit Bäumen bepflanzt dürste für die Stadt zur Vermiethung in ein⸗ zelnen Parzellen eine vortheilhafte und nutzbringende Veranlagung geben und würden jedenfalls die Her- stellungsfosten sich hierdurch doppelt bezahlt machen. Würde man die bezeichnete Stelle jedoch nicht für geeignet finden, so dürfte eine Erwerbung der der Schießmauer zunächst gelegenen Wiesen in dies⸗ seitiger Gemarkung nicht allzu große, ja fast gar keine Opfer von der Stadt verlangen, da ja in diesem wie in jenem Falle durch die Trockenlegung des Weihers ein ebenso großes Terrain gewonnen wird. Mit letzterer Veranlagung ließe sich, da hier nur reines Quellwasser zu- und abfließt, ganz gewiß auch eine Bade- Anstalt verbinden, die für viele Bewohner Friedbergs ein Bedürsniß ist. Wie die Veranlagung eines Reservoirs, das um den Abfluß rasch zu bewirken möglichst hoch angelegt sein sollte, auch beliebt werden möge, so ist es selbstverständlich, daß von der oder jener Stelle des so beschafften Reservoirs das Wasser, um auf das große Rad geleitet zu werden, mittelst Herstellung eines gepflasterten Troges oder wenn man Kosten sparen will, vermittelst eines offenen Grabens bewirkt werden muß, deren beide Ver⸗ anlagungen aber theils um festen Grund zu finden und theils um eine Verbreiterung des zu gewin- nenden Landes zu ermöglichen, so weit als thunlich an den Rain zunächst dem Spaziergang anzulegen sein würden. Will man die Kosten in letzterer Be⸗ ziehung nicht allzusehr in Betracht ziehen, so würde eine Thonröhrenleitung am Empfehlens- werthesten sein, da ja hierdurch auf der anderen Seite auch mehr Land zur Bebauung erzielt werden wird. Das aus der Stadt kommende Wasser müßte an den betreffenden fünf Stellen, am Besten über den angelegten Trog oder Graben laufend, durch den trocken gelegten Weiher und das Mayer'sche Grundstück in den nahegelegenen Wehrgraben abgeleitet werden, was mit wenigen Kosten zu erreichen ist und mit ziemlich steiler Abdachung den raschen Abfluß ermöglicht und so den Geruch beseitigen würde. Etwas Weiteres dürfte mit der Verlegung des Reservoirs noch in Betracht zu ziehen sein, der gänzliche Weg- fall der oft wiederkehrenden Reinigungskosten des Weihers. Möchten diese wohlgemeinten An deulungen an geeigneter Stelle einer Prüfung unterzogen werden und Beherzigung finden. Dies wünscht der Einsender dieses mit noch gewiß sehr vielen anderen Bewohnern der Stadt.