Ausgabe 
21.8.1869
 
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daß die Polizei solche vollständig verhindern konnte. Am letzten Montag fanden jedoch ernstere Ruhe- störungen vor dem Kloster statt. Die Zeitungen berichten darüber, daß eine große Menschenmasse daselbst versammelt war, welche durch den Vorgarken drang und die Scheiben des Klosters zertrümmerte. Die Schutzmannschaft war zahlreich vertreten und nahm mehrere Verhaftungen vor. Es circulirt das Gerücht, ein Mönch, dem ein Stein an den Kopf geflogen, habe sich mit einem Beil bewaffnet und sei gegen die Eindringlinge losgegangen, mit gewaltigen Schlägen sich Bahn brechend. Erst 2 Ubr Nachts war die Ruhe wieder her- gestellt. Die Patres haben es, in Folge dieser Gefahren, vorgezogen, das Kloster zu verlassen und sich vorläusig in der Stadt einzuquartieren. Eine Schutzmannschaftswache hat einstweilen ihr Quartier in den verlassenen Räumen aufgeschlagen.

die diesjährige Uebungsreise der Offi⸗ ziere des norddeutschen Generalstabes, welche unter persönlicher Leitung des Chefs des Generalstabes, General v. Moltke, erfolgt, wird sich auf das ganze sächsische Landesgebiet ausdehnen und nament⸗ lich auch den an der öͤsterreichischen Grenze ge: legenen sächsischen Disteicten eine erhöhte Auf- merksamkeit zuwenden.

Homburg. Die Abreise des Königs nach Kassel ist auf Sonnabend 9 Uhr Morgens fest⸗ gesetzt. In Gießen findet Truppenbesichtigung statt und wird das Dejeuner eingenommen; in Fritzlar ist ebenfalls eine Truppeninspektion an⸗ gesagt. Während des Aufenthalts in Kassel wird der König auf Schloß Wilhelmshöhe residiren.

Sachsen. DasDr. J. berichtet:Seit dem 14. d. sind imSegengottesschachte wieder mehrere Leichen unter den Brüchen vorgefunden worden, so daß die Gesammtzahl nun 261 be⸗ trägt; 4 Leichname wurden am 14. d. Vormittags nach dem Füllorte transportirt. Laut dem Ver⸗ zeichnisse werden nur noch 13 Verunglückte unter den Trümmern aufzufinden sein. Da möglicher · weise die Befürchtung auftauchen könnte, daß einige der Verunglückten nicht dem Erstickungs⸗, sondern dem Hungertode zum Opfer gefallen seien, so dürfte die Mittheilung zur Beruhigung dienen, daß bei allen denjenigen, welche das Unglück um einige Stunden überlebt haben, das mitgenom⸗ mene Frühstücksbrod völlig unberührt aufgefunden worden ist.

Baden. Aus Karlsruhe wird gemeldet, daß im Lager von Forchheim Schießversuche mit der Galling⸗Kanone(Kugelspritze) vorgegommen wurden. Die Wirkung auf eine Scheibe in Bataillonsbreite soll ganz furchtbar gewesen sein. (Sehr erfreulich im Interesse der Menschlichkeit!!)

Oesterreich. Wien. Die Reichsraths⸗ Delegation hat das Marinebudget genehmigt. Dasselbe beträgt im Ordinarium 7,473,312 fl., im Extra-Ordinarium 1,909,953 fl.

Schweiz Bern. Die Ausweisungen der jungen Frankfurter, welche Schweizer⸗Bürger ge⸗ worden sind, hat den Bundesrath zu dem Be⸗ schlusse veranlaßt, die preußische Regierung um Auskunft über diese Maßregel aufzufordern.

Basel. Die Schweiz ist in der Cultur noch entsetzlich weit zurück. Im Budget des Kantons Baselstadt, das Mill. Fr. beträgt, sind für das Erziehungswesen 467,239 Fr.(47 Fr. auf den Kopf der Bevölkerung,) für das Militär da- gegen nur 100,000 Fr.(2 Fr. auf den Kopf) ausgeworfen.

Frankreich. Paris. Sicherem Verneh⸗ men nach wird der General Leboeuf den Marschall Niel im Kriegsministerium ersetzen.

DerReveil theilt mit, daß die politi⸗ schen und Preßyverurtheilten sich für Paris allein auf 253 beliefen.

DerPublic sagt, der Prinz Napoleon werde mit der Kaiserin der Eröffnung des Suez⸗ canals beiwohnen und hierauf, ohne Konstanti⸗ nopel zu berühren, nach Indien gehen.

Türkei. Konstantinopel. Man ver⸗ sichert, die Antwort des Vicekönigs von Egypten sei eingetroffen und laute zufriedenstellend.

Aegypten. Die Arbeiten am Suez-Canale werden ununterbrochen und mit großem Eifer gefördert; trotz aller Anstrengungen werden aber bis zum 17. November die Arbeiten an mehreren Punkten nicht fertig werden. An eine Eröffnung des Canals für die eigentliche Schiffahrt unter den Bedingungen, wie sie durch die vollständige Ausführung des Bauprojectes geboten werden sollen, ist vor der ersten Hälfte des Jahres 1870 absolut nicht zu denken.

Amerika. Weitere Berichte vom Kriegs- schauplatze in Paraguay in amerikanischen Blättern melden, daß Lopez sich vor der Hand noch bei Ascura in einer so starken und unzugänglichen Stellung befinde, daß es nicht möglich sei, sie mit Erfolg zu recognosciren. Ueber die eigent⸗ liche Lage des Feindes sei man in Folge dessen im allüirten Lager eben so sehr im Unklaren, als ob man noch 1000 Meilen entfernt sei.

Nachrichten aus New⸗Nork vom 10 8 melden: Der DampferCleopatra von Mont⸗ real nach London scheiterte am Sonntage an der nämlichen Stelle, wo am Sonnabend der Ham burger DampferGermania untergegangen-war Passagiere und Mannschaft wurden gerettet, das Schiff aber gänzlich verloren.

Frankfurt. Der Großherzog von Hessen hat dem hiesigen Bürger Herrn A. Auerbach als Anerkennung für ein üderreichles Werk eine Bufennadel nebst Dankschreiben übersandt

Mainz. Unsere Industrie⸗Ausstellung gewährt ein überraschend prächtiges Bild, das, wenn auch lange nicht vollständig, doch von außerordentlichen Fortschritten unserer Gewerbe zeugt. Unsere Leder- und Schuhfabrikation tritt mit all dem Glanze ihres Weltrufes in ihren vorzüg⸗ lichsten Leistungen auf. Höchst interessant sind die Muster⸗ sammlungen für den Export in die überseeischen Länder. Verdienstliche Leistungen zeigen die Eisengußbranche, die Bauschreinerei, die Maschinenfabrikation, die neue und bereits zu einem herrlichen Aufschwung gelangte, sowohl lechnische wie auch Kunslindustrie der Cementproducte. Die Fabrikation von Möbeln ist in seyr reicher und ele⸗ ganter Fülle vertreten. Aus dem wohlgelungenen glänzen den Bilde unseres heimischen Fleißes spricht die schon so oft gehörte Lehre, daß der Triumph der Industrie überall da gesichert ist, wo Capital und Intelligenz Hand in Hand gehen. g

Worms. Zu dem 7. mittelrheinischen Turnfest, das den W. bis 30. Aug. innerhalb der Mauern unserer alt⸗ ehrwürdigen Kaiserstadt abgehalten wird, haben sich bereits gegen 1200 Festgäste angemeldet, und glaubt man, auf eine schließliche Betheiligung von 1000 Turnern rechnen zu dürfen. Leider beträgt die Zahl der zur Disposition gestellien Wohnungen erst 600 und will man den Rest in Massenquartieren unterbringen. Nach dem Programme findet den 28. Auzust der Turntag, den zweiten Tag Festzug mit Freilurnen, den dritten Tag Preisturnen mit Preisvertheilung stau. Durch ein sich in sieben Unterab⸗ theilungen spaltendes Comité werden die verhällnißmäßig großarligen Vorarbeiten getroffen.

Worms. In Bezug auf deu ttagischen Tod des Müßhlenbesitzers Scheuer hat die Untersuchung ergeben daß der Gedödtete einen Schrotschuß in das Gesicht, zwölf Messerstiche in die linke Seite der Brust, wovon jedoch nur Einer das Herz etwas verletzt, sowie eine klaffende Wunde in den Hals empfangen hatte. Die Art und Weise, wie die Messerstiche geführt wurden, lassen wohl auf einen Selbstmord schließen. Da aber weder ein Messer noch eine Schießwaffe ber der Leiche und in deren Uingebung aufgefunden werden konnte, so scheint die Sache bis jetzt noch in ein räthselhaftes Dunkel gehüllt zu sein.

Vom Oberrhein wird gemeldet, daß es in voriger Woche an verschiedenen Orten des Schwarzwaldes geschneit bat und man seine Zuflucht zum warmen Ofen nahm. Die Temperatur sei in der Gegend von Waldshut, das unmittelbar am Rhein liegt, der sonst im Oktober gewohn⸗ ten gleich. 5 N

Herrieden. Wie im Monat Juni, sind die beiden Passäte auch jetzt wieder ungünstig für uns gelagert, so daß bei Polarsnömung und hohem Barometerstand trübe und kühle Witterung herrscht und sich der Himmel nur allmälich aufheitert.

Zur Erhebung der obrigkeitlich ge⸗ nehmigten Collecte für das Mathilden⸗ Landkrankenhaus in Darmstadt ist gegenwärtig ein Beauftragter dieser Anstalt in unserer Stadt.

Spanien. Mabrid. Den neuesten Nach⸗ richten zufolge wurde die Bande Polo's von den Truppen genbthigt, in die Ebene herabzusteigen und dann vollständig geschlagen und zerstreut. Eine große Anzahl hat sich ergeben, Polo selbst ist gefangen.

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In dem MathildenLandkrankenhause finden Kranke ohne Unterschied der Confesston Aufnahme, ärztliche Behandlung und heilsame Pflege, weßhalb die Unterstützung dieser Anstakt jedem Menschen⸗ freunde empfohlen zu werden verdient.

f Ein Freund der Anstalt.

Für die Hinterbliebenen

der im Plauen'schen Grunde verunglückten Bergleute*

ist, wie anderwärts, so auch in unserer Stadt die Theil⸗ nahme gewiß schon bei Vielen rege geworden. Da das Unglück aus den Zeitungen hinlänglich bekannt ist, so ist eine Schilderung desselben hier überflüssig. Indem wir uns deßbalb auf die Mittheilung beschränken, daß 279 Bergleute umgekommen sind, welche 221 Wittwen und 650 Kinder binterlassen haben, bitten wir dringend um Gaben zur Linderung der großen Noth und erklären uns zur Welterbeförderung derselben bereit.

Friedberg am 16. August 1869.

Der Vorstand des Hülfsvereins: Baur. Diegel. Fertsch. Foucar. Mayer Hirsch. Dr. Köhler. Mayer. Müller. Nau. Pilger. Rausch II. Steinberget, Steinhäuser. Trapp II.

Der Expedklion d. Bl., welche sich zur Entgesen nahm von Gaben gleichfalls bereit erklärt hat, sind zu den bereils bescheinigten Beträgen weiter zugekommen: Von A. Fel. ling 30 kr., Pfarrer Buchhold in Ossenheim 2 fl. 36 kr. J. A. Nauheim 1 fl. 45 kr., Hofgerichtsadvokat Seyd 3 fl., J. Hanstein III. 30 kr., Ungenannt 18 kr., W. R. 1 fl. 45 kr., von Lehrer Bullmann zu Bauernheim und etlichen Schülern 2 fl. 48 kr., Pachter Hill zu Fauerbach 1 fl. 45 kr., Ungenannt 4 fl., aus dem Hotel zu den drei

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Einheimischer 23 fl. Im Ganzen bis jetzt bei der Exp. eingegangen: 95 fl. 12 kr.

8 ZeitschriftGlückauf bringt die herzerbarmenden schristlichen Nachlässe mehrerer Verschütteten und bemerkt dazu:Viele der Unglücklichen sahen, und dies mit wahrem Heldenmuthe, stundenlang dem Tode in's An⸗ gesicht. Wie mögen sie gelitten, haben! Sterben ist kein Kinderspiel. Nur das unerschütterliche Gottvertrauen und der feste Glaube auf das Wiedersehen der Ihrigen hielt die Männer aufrecht. Ruhe ihrer Asche! Ven den schriftlichen Aufzeichnungen fügen wir zu den bereits mit⸗ getheilten noch folgende hinzu, welche auf eine Schiefer⸗ lafel geschrieben sich fanden:

Leb wohl meine liebe Frau, Lebt wohl meine lieben Kinder. Ich reich Euch meine Hände, Lebt wohl meine Eltern, verlaßt meine Frau nicht, Lebt wohl Alle meine Bekannten, verlaßt meine Frau und Kinder nicht lebt wohl. Lebt wohl meine beiden Geschwister seht wohl auf meine Frau und Kinder, lebt wohl, meine letzte Stunde Leb wohl. Carl Hanisch. 1. Uhr. An einem Stempel waren folgende Worte zu lesen?Um 3/1 Uhr waren wir alle hier in diesem Jammerlhale. Alle Kameraden (21 an Zahl).Glückauf bemerkt weiter hinzu:Welche treue Liebe zu Weib und Kind und zu den hren gallen, welche brüderliche Freundschaft und Kameradschaft unter einander welche heldenmüthige, gläubige Gottergeben⸗ heil! Da ist kein Weheschrei der Verzweiflung, kein Murren wider Gott und ihr trauriges Loos; heim zu ibren Lieben ziehen die Gedanken, auf ein fröhlich Wiedersehen dort oben hoffen sie. Die Mildthätigkeit hat der drückendsten Noth vielleicht auf Wochen hinaus genügende Abhülfe ge⸗ leistet, aber wie wird es künftig werden? 221 Wittwen und 650 Kinder! Helfet! Helset!!!

Einweihung des nen hergerichteten Realschulgebäudes.)

O Friedberg, am 19. Aug. Ein schönes Fest wurde heute in unsern Mauern gefeiert, die Einweihung des neu hergerichteten Realschulgebäu⸗ des. Das alte Gebäude war theils baufällig und seine innere Einrichtung unzweckmäßig, theils reichten bei der vorgenommenen Erweiterung der Schulanstalt durch Hinzufügung von noch 2 Klassen seine Räume nicht mehr aus, und so mußte zu einer theilweisen Renovation desselben und dem Aufbau eines dritten Stockes geschritten werden. Indessen zeigten sich bei der Inangriffnahme des Werkes immer tiefergehende Schäden, namentlich des Mauerwerkes, und das nunmehr seiner Be⸗ stimmung übergebene Gebäude ist darum ein fas von Grund auf neues geworden. Eine natürliche Folge davon war, daß der Zeitpunkt, bis z welchem man den im Nachsommer vorigen Jahre begonnenen Bau vollenden zu können hoffte, etwas hinaus geschoben werden mußte. Um so meh. hatten die Lehrer und Alle, die bei der genannte Anstalt interessirt sind, Ursache zur herzlichen Freud auf die heutige Feier, da bei der Art und Weiss wie während etwa/ Jahren die einzelnen Klasses in verschiedenen, theilweise weit von einander en fernt gelegenen Lokalen untergebracht waren, man cherlei Unzuträglichkeiten nicht ganz vermieden werden konnten. Die Festfeier wurde durch eine Zug eingeleitet, der von der Burgkirche aus dur

) Wir halten die Ausführlichkeit dieses Berichtes fil. geboten, weil darin ein Stück Zeitgeschichte unserer Stab!

sich abspiegelt. Die Red.

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