Ausgabe 
20.11.1869
 
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Benda stab.

i se.

1869.

Samstag den 20. November.

N 136.

Oberhessischer Anzeiger.

Gthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblalt

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Für die Monate November und Dezember kann auf denOberhessischen Anzeiger bei der Verlags-Expedition mit 20 kr., bei den Poststellen mit 32 kr. abonnirt werden.

Amtlicher Theil.

Mtreffend: Die fäbrliche Aufnahme des Erndte⸗Ertrags in sämmtlichen Gemeinden des Großherzogthums,

hier für das Jahr 1869.

Das Großherzogliche Kreisamt

Friedberg an die Großherzoglichen

Es stehen noch viele von Ihnen mit Erledigung unserer Verfügung vom 29. v.

Clledigung hiermit erinnern.

Friedberg am 18. November 1869.

Bürgermeistereien des Kreises. M. zurück, weshalb wir an deren sofortige n

Hessen. Darmstadt. Der Oberforstrath Enst Braun und der Professor bei der poly⸗ tihnischen Schule Dr. Adam Nell sind zu Mit- gedern der Prüfunge-Commission für das Finanz- ud technische Fach ernannt worden.

Die beiden hiesigen Organe der deutschen Alkspartei, dieHessische Landeszeitung und die essischen Volksblätter kündigen in ihren neuesten Nmmern an, daß beide Blätter vom 1. Dez. d zu einem Organe sich vereinigen werden. Mt dem 1. Januar soll dann auch noch eine Brgrößerung des Formats der neuen Zeitung eitreten. Die Vereinigung beider Blätter wird um denselben als ein Schritt der Eintracht gegen un gemeinsamen Feind aller liberalen Parteien, gigen die Verpreußung und Unterjochung des dutschen Vaterlandes bezeichnet. Das neue Blatt vll, wie die beiden alten Blätter, aus denen es tstanden ist, kämpfen für die Vereinigung des stammten deutschen Vaterlandes auf freiheitlicher uno föderalistischer Grundlage.

Mainz. Bischof Frhr. v. Ketteler wird sich Anfang der kommenden Woche in Begleitung e Dompräbendaten Dr. Reich und des Grafen zn Galen zum Concil nach Rom begeben. Wie tg heißt, werden sechszig Bischöfe in der Concilia n Peterskirche nicht erscheinen, überhaupt dort gen 130 Sitze leer bleiben. Aus Anlaß des Encils ist vom Papste ein Jubiläumsablaß unter dt Bedingungen der Beichte, der Communion, de Fastens und des Gebetes, nach seiner(des Pystes) Meinung ausgeschrieben.

Preußen. Berlin. Im Abgeordneten⸗ leise erklärte der Minister des Innern dem An g Eberty gegenüber(Aufhebung der Beschrän liggen der Preßfreiheit), das Bedürfniß einer Anderung der Preßgesetzgebung sei zweisellos, s könne jedoch nur ein neues, das ganze be

fende Gebitt umfassendt Gesetz abhelfen, mit nen Ausarbeitung die Regierung auch beschäftigt i die Vorlage könne vielleicht noch in dieser zission eingebracht werden. Der Minister ersucht n Zurückziehung des Antrags Eberty, resp. Ab⸗ tung von der Tagesordnung. Das Haus be mt nach kurzer Debatte das letztere. Das cus nahm sodann den Antrag des Abg. Bonin e gesetzliche Regelung der Bestimmungen über % Befähigung der höheren Verwaltungsbeamten % ebenso beinahe einstimmig den Antrag in Commisston, über das Schreiben der nord sheswigschen Abgeordneten Ahlemann und Krüger zn Tagesordnung überzugehen.

Im Herrenhaus vertheidigte Graf Lippe siuen bekannten Antrag gegen die Entwürfe eines ewafgesetzbuchs und einer Civilprozeßordnung für in norddeutschen Bund. Der Justizminister er lätte: Eine Ueberschreitung der Competenz des Amdes ist nicht vorgekommen. Das Oberhandels gucht ist nur ein starker bedeutungsvolle Ansatz einem einzigen deutschen obersten Gerichtshofe.

Der Bundesrath und der Reichstag stehen über der Kritik des Herrenhauses. Dem Antragsteller standen solche Angriffe am wenigsten zu, da er selber die von ihm getadelten Zustände schaffen half. Nach der Rede des Justizministers entspann sich eine längere Debatte.

In der Sitzung des Herrenhauses, wo Graf zur Lippe seinen zur Berathung gestellten Antrag, betreffend das Verhältniß der Bundes- zur Landesgesetzgebung, vertheidigte, erklärte der Justizminister Namens der Staatsregierung den Antrag für unannehmbar, Nach längerer Debatte wird der Antrag auf Uebergang zur Tagesord nung mit 58 gegen 42 Stimmen angenommen.

Vom 1. Januar k. J. ab werden für den Gebrauch der Behörden besondere Freimarken bereit gehalten, von denen vorerst neun verschiedene Werthsorten, und zwar zu ½, ½, ½, 1 und 2 Groschen, sowie zu 1, 2, 3 und 7 Kreuzer angefertigt worden sind. Dieselben führen die BenennungDienstfreimarken.

Die gemischte Deputation des Berliner Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung zur Berathung der Frage über das Schulgeld in den Elementarschulen hat einstimmig beschlossen, den städtischen Behörden die gänzliche Aufhebung des Schulgeldes vom 1. Januar 1870 ab zu empfehlen.

Von dem Führer der Social⸗Demokraten, dem bekannten Frankfurter Dr. v. Schweitzer, wird in Folge der bei der Berliner Bürgerver sammlung von seinen Getreuen entwickelten Bravour folgender Armeebefehl veröffentlicht:Namens des Gesammtvereins spreche ich andurch den Berliner Mitgliedern für ihr thatkräftiges Vorgehen und für die dabei hervorgetretene gute Anwendung der bei uns hecangebildeten straffen Parteidisziplin den wärmsten Dank aus. Sie haben sich die Aner kennung der Parteigenossen in ganz Deutschland erworben. Ich ordne an, daß in ganz Deutsch land binnen 14 Tagen öffentliche Versammlungen abgehalten werden, in welchen in Anknüpfung an die Berliner Vorgänge auseinandergesetzt wird, daß auch in politischer Beziehung nicht die liberalen Bourgeoisparteien(Nationalliberalen, Fortschritts partei, Eisenacher Volkspartei) die freiheitlichen Volksforderungen ganz und voll vertreten.

In Königsberg sind mit einem neuen Mordgewehre, das ein ostpreußischer Gutsbesitzer erfunden hat, Schießproben angestellt worden, welche ergaben, daß damit 25 bis 30 scharse Patronen in der Minute abgefeuert werden können, wobei die Mündung des Geschosses vollkommen schmutzfrei bleibt, da die Patrone aus einer gas freien Papierhülse gefertigt ist. Bei 1800 Schritten hat die Kugel noch Durchschlaͤgungskraft.

Vom Rheine. Der Jahresbericht der Han delskammer für den Kreis Essen gibt ebenfalls den durch die fortwährenden Rüstungen der großen Continentalmächte anhaltenden Kriegsbefürchtungen

die Schuld an der allgemeinen Geschäftsstockung. Derselbe sagt S. 18:Auch im Jahre 1868 wirkten die Nachwehen des Krieges und die fort während vorherrschenden Kriegsbefürchtungen sehr ungünstig auf die Entwicklung des Geschäftsverkehrs ein, so daß eine Erholung von den Verlusten der beiden Vorjahre nicht eintreten konnte. Ueber haupt ist die Ueberzeugung allgemein verbreitet, daß das Vertrauen in die bestehenden Verhält- nisse und damit Unternehmungsgeist und Prosperität nicht wieder erwachen werden, so lange alle Staaten sich bis an die Zähne bewaffnet gegenüber stehen und ihre das Mark des Landes aussaugenden stehenden Heere fortwährend schlagfertig halten. Obgleich in dem Kreise Essen die Krupp'sche Kanonenindustrie ihren Sitz hat, so nehmen doch die Vertreter seiner Handelsinteressen ebenso wenig Anstand, der unabweisbaren Wahrheit die Ehre zu geben, als es von den Solingern im Namen der Säbel- und Flintenindustrie geschehen ist.

Sachsen. Dresden. Die Commisston des Abgeordnetenhauses für Berathung des Preß gesetzes hat sich gegen Beibehaltung des Pflicht Exemplars, administrative Verbote ausländischer Zeitschristen, Nothwendigkeit der polizeilichen Ge neymigung bei Plakaten und für die Competenz der Schwurgerichte in Preßangelegenheiten aus- gesprochen.

Bayern München. Die Urwahlen sind in Nürnberg, Augsburg, Würzburg, Bayreuth, Aschaffenburg, Erlangen, Hof, Passau, Rosenheim, Ansbach, Kempten, Lindau, Ingolstadt und Neu- burg zu Gunsten der Fortschrittspartei ausgefallen. Die Ultramoatanen siegten in Bamberg, Landshut, Amberg, Straubing und Deggendorf. In Regens- burg ist die Majorität zweifelhaft. In Kaisers lautern stegte die mit der Mittelpartei vereinigte Volkspartei in der Wiederwahl Kolb's. Das definitive Resultat der Urwahlen im Münchener Stadtbezirk stellt sich folgendermaßen: 193 Wahlen fortschrittlich, 117 ultramontan, 31 der Mittel- partei angehörig. In Speyer, Ludwigshafen, Zweibrücken, Landau, Germersheim, Memmingen, Hersbruck, Vilshofen, Günzburg, Kulmbach, haben liberale, in Eichstadt ultramontane Wahlen statt gefunden. In Teysing und Fürth siegte bei den Urwablen die Volkspartei.

Oesterreich. Wien. Die Nachrichten Dalmatien lauten gerade nicht zum besten, nicht weil die Insurgenten irgendwelche neue Erfolge errungen haben im Gegentheil, ste sind über all vor den Truppen zurückzuweichen genöthigt gewesen. Aber schlecht, weil bereits alle Hoffnung geschwunden scheint, die Unterwerfung der auf ständischen Bezirke anders, als durch die Entfal tung einer achtunggebietenden Streitmacht und mit allen Mitteln des wirklichen Krieges zuwege zu bringen.

Die neuesten Nachrichten aus Cattaro lauten: Ein bedeutender Theil der aufständischen