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ernteten, ward blind geschossen; da auch dies nichts half, so wurden zwei scharfe Dechargen gegeben, in Folge deren, wie man sagt, 3 Todte und mehrere schwer und leicht Verwundete zu Boden sanken. Man spricht von Mädchen und Kindern, die getroffen wurden. Neuere Nach richten besagen: Von den bei den Exzessen Ver⸗ wundeten befinden sich 10(darunter 3 Frauen) im hiesigen Krankenhause. Getödtet sind auf der Straße 2 und außerdem ein fast 80 jähriger Greis, der durch einen Schuß in den Kopf getödtet wurde, als er zum Fenster hinaussah. Ferner befinden sich 4 Blessirte(darunter 1 Mädchen) in häuslicher Pflege. Auf Seiten des Militärs wurden 1 Oberlieutenant und 17 Soldaten schwer oder leicht blessirt durch Steinwürfe. Die Ruhe ist inzwischen nicht wieder gestört worden.

Frankreich. Paris. Fürst Latour d' Auvergne wird wahrscheinlich vas Ministerium des Auswärtigen übernehmen. Die Frage, wie lange die Vertagung des gesetzgebenden Körpers ausdauern solle, wird der Prüfung des neuen Ministeriums unterbreitet werden. Die Gerüchte, der gesetzgebende Körper werde ganz aufgelöst werden, sind vollständig unbegründet.

Am 14. d. traf hier ein Kabeltelegramm aus St. Pierre ein, in welchem dem Kaiser zur Vollendung der Kabellegung Glück gewünscht wurde. Am 15. d. begann die weitere Kabel⸗ legung nach Cuxbury an der amerikanischen Küste.

Ein kaiserliches Dekret, datirt den 17. Juli, ernennt folgendes Ministerium: Ministerium der Justiz Duvergier, Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten Fürst Latour d' Auvergne, Mini⸗ sterium des Innern Forcade de la Roquette, Ministerium der Finanzen Magne, Ministerium des Kriegs Marschall Niel, der Marine Rigauld de Genouilly, des öffentlichen Unterrichts Bour beau, der öffentlichen Arbeiten Gressier, des Acker⸗ bauee Leroux. Zum Präsidenten des Staatsraths ist Chasseloup⸗Laubat ernannt.

Nach derPresse haben 44 Mithlieder der Linken den Beschluß gefaßt, dem Programme des künftigen Ministeriums folgendes Programm ibrer Desiderate entgegenzustellen. Man verlangt: die Ministerverantwortlichkeit; volle Initiative des gesetzgebenden Körpers gleichzeitig mit der der ausübenden Gewalt; die Aufhebung der ernannten Munieipal⸗Commissionen; die Wahl der Maires; die Abschaffung aller Ausnahme- und Specialgesetze über die allgemeine Sicherheit; die Entwaffnung und Wiederherstellung der Nationalmiliz, einen dauern den, durch die Beurlaubung der stehenden Heere und durch den Verzicht des Kaisers auf das Recht, unter seiner ausschließlichen Verantwortlichkeit Krieg erklären zu können, garantirten Frieden; eine umfassende Reduktion der öffentlichen Lasten in Folge der Herabsetzung des Armeestandes.

Großbritannien. London. Im Unter- hause wurden die vom Oberhause verworfenen Paragraphen der irischen Kirchenbill, das Surplus für Wohlthätigkeitszwecke betreffend, mit 290 gegen 218 Stimmen wiederhergestellt und dem Ober- hause als Reamendements zurückgesandt. Dasselbe wird Dienstag darüber berathen. Weiter inter- pellirte Otwah, welche Schritte Seitens der Türkei Sichen, um die religiösen Rechte der christlichen Bevölkerung in Kreta zu sichern?

Spanien. Madrid. schwörung ist entdeckt worden. Eilf Sergeanten vom Regiment Cantabrea wurden verhaftet. Die Garnison von Vittoria wurde verstärkt. Die Regentschaft ward von Frankreich anerkannt.

DerImparcial theilt mit, daß 13 Offiziere und Unteroffiziere der Madrider Garnison verhaftet worden seien, die der Theilnahme an einer Carlistischen Verschwörung beschuldigt wurden. Man habe bei ihnen Anstellungspatente von Prinz Carlos unterzeichnet vorgefunden.

Rußland. Von der polnischen Grenze wird derAllg. Ztg. geschrieben:Man will in Polen mit Bestimmtheit wissen, daß die Peters burger Regierung den Beschluß gefaßt habe, die katholische Kirche im russischen Kaiserreich ganz von Rom abzulösen, für den Fall, daß in dem bevorstehenden öcumenischen Concil das Dogma

Eine Carlistenver⸗

von der Unfehlbarkeit des Papstes angenommen werden sollte, weil die Regierung es für unzulässig hält, daß Unterthanen des Kaisers von einem zweiten Oberherrn abhängig seien. Das Dogma, wie es bis jetzt Geltung hat, bliebe beibehalten, an die Stelle des Papstes als oberste geistliche Behörde träte aber das kathol. Oberconsistorium in Petersburg. Die zahlreichen unirten Griechen im Staat werde man zur orthodoxen Kirche her über zu ziehen suchen, ihnen jedoch die Wahl lassen, ob sie sich der katholischen Behörde in Petersburg unterordnen wollen. Wie die Sachen in Polen jetzt l'egen, wird die Regierung einen solchen Plan unbedenklich durchführen können, denn an eine Volkserhebung ist nicht mehr zu denken.

Amerika. Newyork. Präsident Grant hat dem Staatsanwalt erweiterte Vollmachten ertheilt, um die Freibeuterzüge nach Cuba zu verhindern. Es heißt, daß neue Züge dahin vor bereitet werden.

Aus Mecklenburg wird Folgende eigenthümliche Verwechslung berichtet. Vor einigen Wochen starb in Wiesbaden der ehemalige mecklenburgische Finanzminister v. L ohne Hinterlassung direkter Leibeserben. Der Groß herzog sendete einige Personen ab, um für den Transport der irdischen Ueberreste seines getreuen Paladin nach dessen Stammsitz in dem gesegneten Mecklenburg zu sorgen. Die Leiche kommt denn auch wohl eingesargt auf dem Gute des Dahingeschiedenen an, wo die lachenden Erben pflicht mäßig zur Leichenfeier versammelt sind und nur im Stillen daruber grollen, daß durch den theuren Transport des Erblassers in die Heimalh, statt ihn weit billiger in Wies baden zu bestatten, ihr Erbtheil noch in Elwas geschmälert worden. Die Gutseingesessenen werden, wie dies Sitte ist, beordert, ihren ehemaligen Herrn vom Schlosse nach dem Erbbegräbniß zu tragen. Sie treten dazu an, aber anstat! den Sarg aufzunehmen erklären sie, wie aus einem Munde:, wie willen erst wehten, wer in denn Sarg inligt. Wer anders, als Euer verstorbener Herr! lautete die Antwort., tönt es im Chore zurück, dal's nicht uns Herr, de waß vehl gröter! Keine Gegenvorstellungen halfen, die Leute blieben dabei, der Sarg sei zu kurz, um ihren Herrn herbergen zu können, man mußte denselben öffnen, und siehe da, der Scharfblick der Tagelöhner, die ihren Heren genauer gekannt, als die Erben, die sich bei seinen Lebzeiten wenig um ihn geküm: mert, hatte sie nicht getäuscht, in dem Sarge lag eine ältliche Dame! Allgemeines Erstaunen und peremtorische Weigerung der Instleute, den Wünschen der Erben nach zugeben, welche den Vorfall verschwiegen und zur Ersparung wenerer Unkosten die Fremde, die ihnen so gleichgültig war, wie der verstorbene Gutsherr im Erbbegräbniß bei⸗ gesetzt wissen wollten.Dar frömde Fruhnsminsch sall nich in uns Herrn sien Erbdegräbniß rin und sie sieht noch zur heutigen Stunde unbegraven, da Niemand die Kosien zu einem anderweisigen Begräbniß hergeben will. Wie er mittelt worden, ist die so nach Micklenburg hinein geschneite Verstorbene eine Gutsbesitzerin tief aus dem Innern Rußlands, die gleichzeinig mu Herrn v. L. in Wiesbaden verstorben war und auchals Eilgut! per Bahn in die Heimath spedirt werden sollte. Zweifelsohne ist beim betreffenden Spediteur in Wiesbaden eine Ver wecholung der jsehr ähnlichen und wohl von ihm erst zu signirenden Collis vorgekommen, und der mecklenburgische Finanzminister tief innen im heiligen Rußland, wenn man dort nicht vielleicht seinen Sarg zu lang befunden, mu allem Pompe des ruffischen Cultus von Popen, Nonnen ꝛc. ꝛc. alsGutsherrin zur Ruhe bestattet.

[Sin gesandt

Friedberg. Schon mehrmals ist in diesem Blatte die Herrichtung eines Brunnens auf dem neuen Friedhofe zu Friedberg zur Sprache gebracht worden, ohne daß bis jtzt irgend eilwas zur Verwirklichung geschehen wäre. Ueber die Nothwendigkeit eines Brunnens kann kein Zweisel bestehen, da der sterile Untergrund des Friedhofes nur bei Vochandensein der nöthigen Feuchligkeit zum Pflanzenwuchs lauglich ist. Da der Stadiworstand glaubt, eine Ausgabe hierfür zu Lasten der II. Klasse, die zu denselben verpflichtet erscheint, nicht rechtfertigen zu können; so bliebe um den vielseitig gehörten Wunsch zu verwirklichen, nichts Andres übrig, als die erso derlichen Mittel hierfaͤr etwa 200 fl. durch Privatsammlung aufzubringen. Gewiß wird jeder Einwohner der Stadt Friedberg, der theuere Angehörige auf dem Friedhof ruhen hat, sein Scherflein dazu beitragen, daß es möglich wird, durch Pflanzung und Erhaltung von Blumen u. s. w. auf den Gräbern der Verstorbenen einen Act der Pietät ausüben zu können. Es ist ja auch beinahe einerlei, ob diese Summe durch eine Umlage II. Klasse oder durch freiwillige Beiträge aufgebracht wird, denn am Ende sind es in beiden Fällen die Einwohner Friedbergs, welche zahlen. Aber eine andere Frage ist die, wer soll die Sache, da sie der Stadtvorstand ablehnt, in die Haud nehmen und verwirklichen? Dem Vernehmen nach besteht dahier eine Friedhofscommission und wenn dieses der Fall, bedarf es gewiß nur der Anregung, um durch sie die Ausführung zu verwirklichen, da gerade diese Commision die Behörde hierfür sein dürfte. Sollte aber die Unterstellung, daß

eine Friedhofscommission besteht, irrig sein, ober sollte,

wenn sie existirt, sich dieselbe nicht berufen fühlen, die Sache in ihte Hand zu nehmen; dann dürften sich bei

einer für diesen Gegenstand anzuberaumenden Versammlung 0 doch noch wohlwollende Männer in Friedberg finden, die 1

sich der guten Sache unterziehen und die erforberlichen Mittel durch Sammlung herbeischaffen.

Verloosungen. Freiburger 15 Fr.⸗Loose. Ziehung 15. Juli.

Haupftresser: Serie 2299 Nr. 22 Fr. 20,000; S. 6540 Nr. 42 Fr. 2000; S. 457 Nr. 33 Fr. 1000; S. 2495

Nr. 41, S. 4392 Nr. 13, S. 4425 Nr. 49, S. 6398 Nr. 40, S. 7541 Nr. 23 Fr. 250.

An das deutsche Volk.

Am 14. September sind es hundert Jahre, daß Alexander von Humboldt geboren ward. Unermeßlich ist der Fortschritt, den in dieser Zeit das deutsche Geistesleben gemacht hat; gros und tausendfältig der Einfluß, den auf diesen Fort⸗ schritt Alexander von Humboldt geübt. Ein deutscher Gelehrter im Sinne des Wortes, in dessen Geiste die Welt unbeschränkt und unverfärbt durch nationale Vorurtheile sich spiegelte, heimisch in den entlegensten Fernen abstrakter Wissenschaft, hat er mit den volksthümlichen Herden unsere Lite, atur doch Das gemein, daß kein Deutscher leugnen kann, ihm einen Theil seiner Bildung, seiner besonderen Weltanschauung zu verdanken. Er hat vor jenen aber sogar das Voraus, daß in ihm die humanistischen und ästhetischen Be⸗ strebungen der Deutschen im achtzehnten Jahr hundert sich verbinden mit ihrer mehr realistischen, auf die Erforschung und Verwerthung der Natur kräfte gerichteten Sinnesart in unserer Zeit; wie er als Jüngling von der alten classischen Welt auszog, der Wissenschaft jene neue zu erobern, die sein Andenken öffentlich zu ehren sich jetzt gleichfalls anschickt. Ein Zögling der Jenenser Blüthezeit, da Göthe und Schiller vereint Unsterb⸗ liches schufen, hat Humboldt in seinenAnsichten der Natur die deutsche Sprache mit neuen Zungen künstlerischen Wohllautes reden lassen; aber auch in der immer strenger an das Wirk liche sich heftenden Gedankenwelt unserer Tage war der neunzigjährige Greis kein Fremder ge⸗ worden, weil um ihn und zum Theil durch ihn die Welt zu seiner Jugendanschauung sich ent⸗ wickelt hatte. Indem er einer der Ersten im Auslande der deutschen Wissenschaft Geltung ver⸗ schaffte, hat er den Aufschwung des deutschen Nationalgefühls vorbereiten helfen, welches jetzt mit Stolz auf ihn weist. Ein Rathgeber und Freund der preußischen Könige, hat er die geistigen Interessen der Nation ein Menschenalter hindurch unabhängigen Sinnes und edlen Muthes ver- treten, und kaum hat es damals in Deutschland einen namhaften Gelehrten oder Künstler gegeben, der nicht durch persönliche Verpflichtung jene gränzenlose Hingebung kennen gelernt hätte, welche Alexander von Humboldt sein ganzes äußeres und inneres Dasein idealen Zwecken opfern ließ.

Das Andenken eines solchen Mannes durch ein öffentliches, auf Kosten der Nation errichtetes Standbild dankend zu ehren, mag überflüssig er⸗ scheinen, entspricht aber einer Forderung des merschlichen Gemüthes und der Sitte aller Kultur- völker. Berlin, die Stadt seiner Geburt, die Stätte seiner Wirksamkeit während langer Jahre bis zu seinem Tode, ist der Ort für dieses Denk⸗ mal. Im Vertrauen, einem allgemein gehegten Gefühle zu begegnen, richten daher die Unter- zeichneten diesen Aufruf an das deutsche Volk, sich an einer Sammlung zur Errichtung eines Nationaldenkmales für Alexander von Humboldt in Berlin zu betheiligen. Beiträge anzunehmen ist neben unserem Schatzmeister, Herrn Al. Mendels sohn, Jägerstraße 51, jeder der Unterzeichneten bereit. Etwaige Ueberschüsse werden der bei der königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin be reits bestehenden Humboldt- Stiftung für Natur- forschung und Reisen überwiesen werden.

Berlin den 2. Juli 1869.

i(Unterschriften.)

Die Expedition desFrankfurter Journals erbietet sich zur Entgegennahme von Beiträgen.

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