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1869.
Dienstag den 20. Juli.
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Oberhessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Miedberger Intelligenzblalt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Auf das[II. Quartal l. J. kann man 150 bei allen Poststellen
für 38 kr., mit Bestellgeld für
47 kr. abonniren.
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Amtlicher Theil.
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8.
Betreffend: Die Einführung der Wlesenpoltzeiordnung in den neu acqulrirten dem Kreise Friedberg zugetheilten Landestheilen. daß die für den Kreis Friedberg bestehende Wiesenpolizeiordnung mit Ermächtigung Groß—
Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß. herzoglichen Ministeriums des Innern vom 2. Juni d. J. zu Nr. M. d.
Reichelsheim, Rödgen und Schwalheim mit dem Heutigen in Kraft.
Friedberg den 17. Juli 1869.
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Es wird hiermit zur
öffentlichen Kenntniß gebracht,
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J. 5569 für die Gemeinden Nauheim, Dorheim, Dorn-Assenheim,
Großherzogliches Kreisamt Friedberg Ter a p p.
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Defintitorialprüfung
der Schulamts⸗
Aspiranten im October d. J. an den noch näher bestimmt werdenden Tagen dahier abgehalten wird.
Diejenigen Schulamts-Aspiranten,
welche sich dieser Prüfung zu unterziehen beabsichtigen, haben ihre,
an die unterzeichnete
Behörde zu richtenden Gesuche, unter Beischluß des ihnen bei dem Abgang von dem Seminar ertheilten Zeugnisses im Original oder in
beglaubigter Abschrift, spätestens bis Ende Juli d. J.
bei den einschlägigen Kreis- Schulcommissionen einzureichen, welche
hierüber die Berichte der Ortsschulvorstände einholen und mit den Gesuchen weiter befördern werden. Die Großherzoglichen Kreis-Schulkommissionen und die Ortsschulvorstände werden den Schulamts-Aspiranten in geeigneter Weise
von dieser Bekanntmachung Kenntniß geben. Darmstadt den 10. Juni 1869.
Großherzogliche Oberstudien Direction.
S Schüßler.
Hessen. Darmstadt. Durch Entschließung vom 14. l. M. hat der Großherzog den wegen Giftmords, verübt an seiner Ehefrau, zum Tode verurtheilten Heinrich Schäfer II. aus Bretzenheim zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt.
— Stab«equartiermeister Plack ist zum Zeug— Hauptmann, Quartiermeister Schmidt zum Zeug— lieutenant, Feuerwerksmeister Schäfer zum Zeug— feuerwerkslieutenant ernannt worden, ferner der Kriegsministerialkanzlei-Inspektor, Kanzleirath Becker auf sein Nachsuchen wegen körperlicher Leiden, unter Anerkennung der von ihm mit Treue und Eifer geleisteten langjährigen und guten Dienste, sowie der Ministerialkanzlist 1. Klasse bei der Ministerialkanzlei des Kriegsministeriums, Ranzleisekretär Stamm, auf sein Nachsuchen wegen gestörter Gesundheit, nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 1. Juli d. J., die Pensionsverhält— nisse der Offiziere und Militärbeamten betreffend, in den Ruhestand versetzt und denselben zugleich die Erlaubniß zum Forttragen der Uniform der Rriegsministerialbeamten, mit dem Abzeichen der Pensionäre, ertheilt worden.
— Nach einer kürzlich veröffentlichten Ancien— zitätsliste hat das Großherzogthum an Offsiziers— Pensionären: General-Lieutenante 6, General— Majore 7, Oberste 22, Oberstlieutenante 11, Majore 23, Hauptmänner 39, Oberlieutenante 4, Interlieutenante 1, außerdem etliche 20 Militär- Beamte.
— Am Schlusse der Kammersitzung vom 3. Juli wurde auf Anordnung des Präsidenten on dem Sekretariat eine Uebersicht der seitherigen Geschäststhätigkeit 2. Kammer mitgetheilt, welcher wir Nachsteheudes entnehmen: Auf dem dermaligen 20.0 Landtag kamen vom 24. November 1868
is zum 12. Juli 1869 ein: 94 Vorstellungen, Hetitionen und Beschwerden von Einzelnen und Corporationen; 68 Anträge von Mitgliedern der kammer; 26 Vorlagen, Propositionen und Erlasse zerschiedener Ministerien; 25 Gesetzes vorlagen. Hiervon wurden bis zum 12. Juli in 56 Sitzun—
gen erledigt: 77 Vorstellungen, Petitionen ꝛc.; 53 Anträge von Mligliedern der Kammer; 19
Propositionen und Erlasse verschiedener Ministerien;
24 Gesetzesvorlagen.
— Die Verhandlungen des Prozesses Metz— Fendt vor hiesigem Bezirksstrafgerichte sind nun auf den 6. August anberaumt. Es wird jeden— falls viel Interesse bieten, diese beiden bekannten Persönlichkeiten sich gegenüber zu sehen und dem Verlaufe der Verhandlungen folgen zu können.
Preußen. Berlin. Die Vorschläge der gemischten Deputation wegen Anlage eines Hum— boldt-Haine in Verbindung mit einem botanischen Garten, eines Humboldt⸗Museums und einer all— gemeinen Schulfeier zum hundertjährigen Gedenk— feste Humboldt's am 14. Sept. wurde in einer der letzten Stadtverordneten⸗Sitzungen angenommen.
Düsseldorf. Bei der richterlichen Enischei— dung in dem bekannten Prozeß gegen den Reichs— tagsabgeordneten Mende und Genossen waren im Ganzen 29 des Aufruhrversuchs Angeklagte er— schienen. Durch den Ausspruch des Gerichtes wurde Mende zu einjährigem, drei Arbeiter zu einmonatlichem Gefängniß verurtheilt; die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.
Kassel. Dem Vernehmen nach wird das Ministerium der landwirthschaftlichen Angelegen—
heiten den Beschluß über die Verlegung der kgl.
Gestüte in Hessen nach der Stadt Dillenburg(in Nassau) in Kurzem bekannt machen.
Aus Thüringen. In dem Meininger „Regierungsblatt“ findet sich folgende allgemein beachtenswerthe Warnung:„Aus Preußen und aus anderen Staaten findet fortwährend ein stei— gender Zuzug von Arbeitern nach Rußland, ins— besondere nach dem Königreich Polen statt.
Dicse auch das Militär verstärkt werden.
gebracht werden. Es kann daher vor unbedachter Auswanderung nach Rußland nicht dringend genug gewarnt werden.“
Oesterreich. Wien. Die„N. Fr. Pr.“ melden: Der Erzherzog Wilhelm ist zum west— österreichischen Landwehr-Commandanten ernannt. — Der Bischof Rudigier verweigert die Annahme der Begnadigung, weil das Gericht nicht competent sei, ihn abzuurtheilen.— Vorstehendem wider— sprechend bezeichnet das„Vaterland“ in einem Telegramm aus Linz die von Wiener Blättern gebrachte Nachricht, der Bischof Rudigier habe die Begnadigung des Kaisers abgelehnt, als erfunden.
— Der Gemeinderath von Wien beschloß ein— stimmig die Journalisten Deutschlands während ihrer Anwesenheit beim Journalistentage in Wien in würdiger Weise zu empfangen und denselben am 26. Juli ein Diner zu bereiten. Zu diesem Zwecke wurde eine Summe von 5000 fl. votirt.
Brünn. Der Abend des 13. d. brachte leider Exzesse in vergrößertem Maßstabe. Gleich nach der Feierabendstunde füllte sich die Gegend des Arbeiterviertels, in welchem am 12. der Rache⸗ Akt stattfand, mit Massen von Arbeitern, welche Anfangs in Gruppen conversirten, sich aber immer compakter zusammenschaarten, Männer, Weiber und Kinder durcheinander, namentlich aber eine Masse von Buben, zu jeder Ausschreitung bereit. Rasch rückte eine Abtheilung von Habermann— Infanterie beran und sperrte die Communication der sich dort kreuzenden Gassen, und zugleich auch die der Arbeiter untereinander ab. Durch einige Zeit dauerte dieses gegenseitige Beobachten; da sich jedoch die Arbeitermassen vermehrten, so mußte Endlich brach
Leute sehen sich in der Regel in ihren Erwartungen 2 riesiges Hurrah der Arbeiter los und ein
eines guten Fortkommens in Folge der dort
Steinhagel flog auf die Truppen. Diese verhielten
herrschenden Zustände getäuscht, gerathen in die sich ruhig, suchten dann die Menge mit den Ba—
äußerste Bedrängniß und müssen häufig von Allem entblößt, mit ihren Familien durch Vermittelung der Consularbehörden nach ihrer Heimath zurück—
jonnetten zurückzutreiben, wiewohl vergebens; als jedoch auch die Offiziere die Menge fruchtlos zum Auseinandergehen aufforderten und nur Hohn!


