Schulen zu schmieden trachtet. Uebrigens hat es mit der Ausführung des Reckendorf'schen Vor⸗ schlags wohl gute Wege, denn wegen der kleinen Minorität von 25,600 Joeraeliten des Landes wird sich die Majorität von 1,407,000 Christen nicht eben mit einer immerbin sehr zu bedenkenden Aenderung beeilen. Viel kürzer ginge es, wenn die Israeliten den Sabbath auf den Sonntag verlegten.
Oesterreich. Wien. Der amtliche Bericht über den Untergang der Fregatte„Radetzky“ ist jetzt veröffentlicht. Auf Grund der Vernehmung der lebenden Zeugen ist durch die Untersuchung festgestellt, daß ohne Zweisel durch eine Explosion der Achterpulverkammer der Achtertheil des Schiffes zerrissen und hiemit dieses sofort zum Sinken ge— bracht worden ist. Auf welche Weise die Explo⸗ sion herbeigeführt wurde, ob hiebei ein Verschulden durch Unachtsamkeit oder Außerachtlassen der be⸗ stehenden Vorschriften unterlaufen, oder aber ob das Unglück durch einen ganz außer jeder Be⸗ rechnung und jeder Voraussicht liegenden Zufall entstanden sei, ließ sich durch die Vernehmung der Geretteten nicht im Mindesten aufklären.
— Die offiziösen Blätter melden mit Be⸗ stimmtheit die Ernennung des Grafen Taaffe zum Ministerpräsidenten, Plener's zum Ministerpräsi⸗ denten ⸗Stellvertreter und des Generals Möring zum Landesvertheidigungs-Minister.
Frankreich. Paris. Im gesetzgebenden Körper verlangte Bethmont eine Untersuchung in Marineangelegenheiten. Er erklärte sich dagegen, daß die Regierung, ohne Wissen der Kammer, 72 Trans port-⸗Dampfer, welche zufammen 40,000 Mann und 12,000 Pferde aufnehmen könnten, zu verwenden berechtigt sei. Das auf Bethmont's Verlangen bezügliche Amendement wurde verworfen. Dupny de Lorne, der Regierungscommissär, sagte, daß die Flotte und die Arsenale noch nie in einem besseren Zustande gewesen seien, als jetzt. Das Marinebudget wurde angenommen.
— Die„France“ sagt: Frere Orban scheint unter dem Eindruck zu stehen, daß die Ausbeutung einen belgischen Linie durch eine französische Gesell⸗ schaft die Selbständigkeit Belgiens bedrohe, ob— gleich schon jetzt vier Linien durch die Nordbahn; Gesellschaft ausgebeutet würden. Diese vorgefaßte Meinung ist nicht dazu angethan, ein Arrangement zu erleichtern, dessen Zweck gerade ist jede Spur von Mißtrauen zwischen Frankreich und Belgien zu verwischen.
— Dasselbe Blatt entnimmt einem Briefe aus Madrid, daß in Folge der für die spanische Herrschaft höchst bedrohlichen Wendung, welche der Aufstand auf Cuba nehme, der General Prim selbst sich anschicke, mit den wenigen Bataillonen, die man nach den bereits als Verstärkung ent- sandten 20,000 Mann noch zur Verfügung habe, nach der Havanna abzugehen.
— Die„France“ sagt: In der am 17 stattgefundenen Conferenz haben vie französischen Minister in Betreff der Vorschläge, über welche Frere Orban seiner Regierung Bericht zu erstatten wünscht, die Initiative zur Prüfung derselben er⸗ griffen. Das genannte Blatt glaubt, diese Vor⸗ schläge seien geeignet, zur Basis eines befriedigen⸗ den Ausgleichs zu dienen.
— Der Vertrag zwischen dem türkischen Be⸗ vollmächtigten Daoud Pascha, der Grsellschaft der österreichischen Staatsbahn und Baron Hirsch, wodurch Letzterem die Ausführung des ganzen türkischen Bahnnetzes überlassen wird, ist unter ⸗ zeichnet worden. Die österreichische Staatsbahn⸗ Gesellschaft übernimmt Verwaltung und Betrieb.
Belgien. Brüssel. Die„Ind. belge“ erhält aus Paris vom 15. d. die Mittheilung, die Unterhandlungen über den französisch- belgischen Zwischenfall befänden sich in einer weniger befrie⸗ digenden Phase, als man bisher geglaubt; dem Vernehmen nach sei in Erwiderung auf den Ent⸗ wurf des Herrn Fröre-Orban ein Gegen⸗Entwurf von den Herren Rouher, Gressier und Lavalette aufgestellt worden.
— Die„Independance“ meldet: In den bei Mons belegenen Ortschaften haben die Arbeiter- Unruhen einen bedenklichen Charakter angenommen.
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Bei Cameries drohten die Arbeiter mit Zertrüm⸗ merung der Maschinen, bei Quaregnon haben sich 3000 feiernde Arbeiter zusammengerottet.
Großbritannien. London. Das Unter- haus hat in seiner Sitzung das Amendement Disraeli's, welches der irischen Kirche den staat. lichen Charakter zu bewahren bezweckt, mit 344 gegen 123 Stimmen verworfen.
— Von dem französisch⸗atlantischen Kabel sind 3033 Meilen beendet und 531 Meilen noch an⸗ zufertigen. Auf die Dampfer Great Eastern und Scanderia sind bereits 2200 Meilen eingeschifft worden.
Spanien. Madrid. Die Ablehnung Dom Fernando's hat in dem Lager der Monarchisten eine Verwirrung hervorgerufen, welche sich mit jedem Tage steigert. Die Mehrheit ist gedemüthigt, schreibt der Berichterstatter des Constitationel, und das mit Grund, sowohl wegen der Art, wie diese Argelegenheit geleitet worden, als wegen ihres negativen Ergebnisses. Welche andere Combination wird man nun auf's Tapet bringen? Darüber bestehen nur Vermuthungen. Gewiß scheint zunächst, daß die Candidatur Montpensier nicht Besitz nehmen wird von dem Terrain, welches die Enisagung Fernando's frei läßt.
— Cortes. Prim bestreitet, daß Frankreich die Carlisten protegire. Der erste Artikel der Constitution ward angenommen und darin das Wort„Monarchie“ durch das Wort„Nation“ ersetzt. Die Majorität beschloß, die Regitrungs— form noch zu umgehen.
Portugal. Lissabon. Es geht das Gerücht, daß eine nahe bevorstehende Militär- Revolution sich vorbereite. Die Regierung ergreist strenge Vorsichtsmaßregeln.
— Wie aus Rio de Janeiro vom 24. v. M. gemeldet wird, ist der Graf von Eu zum Gene— ralissimus der brasilianischen Armee ernannt wor- den. Vom Kriegsschauplatz wird mitgetheilt, daß Lopez an der Spitze von 7000 Mann sich in Ascurra verschanzt hat.
Frankfurt. Den ersten Preis aus der Pfecdemankt⸗ lotterie, besiehend in einem eleganten Wagen mit 4 Pferden und feinem Geschirre hat ein in Frankfurt arbeitender Schreinergeselle gewonnen. Wie man vernimmt, hat der Glückliche seinen Eewinn für 3500 fl. verkauft.— Bei der gegenwärligen Ziehung der Frankfurter Lotterie wurde ein Mann in seltener Weise vom Glücke begünstigt. Der⸗ selbe spielte nämlich zwei ganze Originalldose und gewann dieser Tage Morgens 10 Uhr den Preis von 50,000 fl. und um ¼ auf 11 Uhr einen andern von 20,000 fl.
Frankfurt. Zur Zeit sind die weiblichen Dienst⸗ boten in hiesiger Stadt ziemlich rar, was seinen Grund darin findet, daß viele Diensiboten es vorziehen im Sommer den Aufenthalt in einem Badeorte zu nehmen. Also auch hier die Verhältnisse umgekehrt, die Herrschaften bleiben zu Hause, die Dienstboten reisen in die Bäder.
Aus Offenbach wird gemeldet, daß dort aus ciner Schäferhülte, in welcher der Schäfer seine Ersparnisse auf⸗ bewahrte, mittelst Einbruchs ewa 110 fl. baares Geld meist bestehend in 20 und 10 Francsstücken und einem 10 Gulden⸗Stück in Gold gestohlen worden sind. Der That verdächtig wird der Schuhmachergeselle Johann Seip aus Haarheim bei Vilbel verfolgt.
Darmstadt. Im Festsaale der höheren Töchterschule hielt am Abend des 14. d. Professor Dr. Schenkel aus Heidelberg einen Vortrag über Cultur und Christenthum, wozu sich eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft eingefunden hate. Hierbei verdient wohl besonderer Erwähnung, daß derselbe von JJ. K. G. Hoheiten dem Prinzen Ludwig und Gemahlin besucht war.
Darmstadt. Vor den Assisen der Provinz Starken⸗ burg stand kürzlich Philipp Grunert⸗ 21 Jahre alt, Schreinergeselle aus Rumpenheim, beschuldigt der Tödtung des 25 jährigen Schreiners Adolph Booß, Sohn des Schreinermeisters Caspar Booß zu Offenbach. In Folg⸗ verschiedener sehr gravirender Thatsachen, welche die Ver⸗ handlung ergab, erhob die Staatsanwaltschaft die Anklage des Mordes, und wurde der Angeklagte dieses Verbrechens von den Geschwornen für schuldig erkannt und vom Assisenhose zum Tode verurtheilt
„ Ein unberufener Löwenbändiger. In Bailleul, einer Ortschaft an der französisch-belgischen Grenze, hat sich ein schauerlicher Fall zugetragen. Im Circus Brennet war nämlich der Löwenbändiger unwohl und konnte seiner Funktion nicht obliegen. Darüber proße Verlegenheit in der Kunstreiterirüuppe. Die Löwenbändiger⸗ scene im Käfig gehört zu den interessautesten Punkten des Programms. In dieser Verlegenheit faßte der Cirkus⸗ direklor Brennelt einen tollkühnen Entschluß. Trotz aller Vorstellungen seiner Freunde packte er die Peilsche des Löwenbändigers, öffnete den Käfig und trat in denselben
ein. Anfangs splelte er seine Rolle so ziemlich gut, als
aber der Moment kam, wo er der Löwin ein Stück rohes Fleisch binhielt, erwachte in dem Thiere der wilde Instinkt und Herr Brennett, Böndigers, bekam, siatt fest Stand zu halten, Furcht und machte einen Schritt gegen die Thür. Das war sein Unglück. Es folgte eine entsetzliche Scene, die nicht zu beschreiben ist... Daun zog man aus dem Käfig 1 zwanzig zuckende blutende Klumpen... es waren die Ueberreste des unglücklichen Direktors!
„ Frauenarbeit. In Newyork und Umgegend leben nach dem„Newyork Journal“ 75,000 Frauen und Mädchen, die auf ihrer Hände Arbeit angewiesen sind. Ihr Lohn beträgt 2 Doll. 50 Cent. vis 18 Doll. pro Woche. Dienstmädchen erhalten die erstere Summe(mit Kost und Wohnung), Redacteurinnen die letztere Summe, Näherinnen-verdienen pro Woche 4 Doll. 50 Cent., Schau- spielerinnen 15 Doll., Papierschachtel- und Papierkragen⸗ Versertigerinnen 5 Doll., Zeich nerinnen 12 Doll., Bal⸗ leteusen und Schreiberinnen 6 Doll., Buchbinderinnen, Setzerinnen, Teiegraphistiunen und Holzschneiderinnen 10 Doll., Couvert- und Crinolinenmacherinnen, Bouquetieren, Schneiderinnen, Putzmacherinnen und Schirmverfertigermnen 7 Doll., Blumenmacherinnen, Buchsalzeriunnen und Heste⸗ rinnen, Pelzuäherinnen, Friseusen, Hulmachcrinnen, Photo⸗ graphistinnen, Silberpolirerinnen und Spielsachenmale⸗ rinnen 8 Doll., Juwelierinnen und Schuhmacherinnen 9 Doll.; die Zahl der Doclorinnen in den Vereiniglen Staaten ist bekannilich sehr groß; Postimeisterinnen hat Präsident Grant soeben mehrere ernannt, wir werden demn ich in allen Zweigen der Industrie und Wissenschaft Frauen sehr stark vertreten sehen.
Landwirthschaftliches
„„ Chaliers Hufbeschlag. Statt der breiten und' schweren Eisenplatten, welche man bisher unter den Füßen der Pferde zu befestigen pflegte, hat der bekannte Thierarzt Charlier jetzt das Verfahren erfunden, daß er nur einen schmalen eisernen Reifen in einer Riefung (Stahl) befestigt, welcher rund um die untere äußere Linie vom Hufe des Pferdes geht. Der Huf wird, auf diese Weise mit einer Widerstand leistenden Einfassung versehen, durch welche er gegen die Abnützung geschützt bleibt und dabei doch zu gleicher Zeit allen anderen Theilen von der Sohle thre nalürliche Stellung auf dem Erdboden zu behalten gestaftet und dadurch den Huf in seiner normalen Form und Beschaffenheit besteben läßt. Es ist leicht zu begreifen, wie dieser„periplantaire“ Huf⸗ beschlag, wie er im Französischen bezeichnet wird einfach genug ist. Dazu ist dieses neue Hufeisen oder der Huf⸗ reifen etwa um zwei Drittel leichter im Gewicht als das alte, was auf eine große Erleichterung für die Thiere hindeutet, abgesehen davon, daß er sie vor der Mehrzahl der gewöhnlichen Krankheiten und Zufälle der Füße be; schützt. Der Franzose Charlier sagt in Bezug hierauf, daß in seinen natürlichen Stand, und solange die Seite vom Hufe nicht splittert, das ganze Glied sich wohl in Ord⸗ nung befindet, und daß aus diesem Grunde das Problem, das für den Hufbeschlag zu lösen bleibt, lediglich darin bestände, den Huf vor den Splittern zu schützen und den übrigen Theil des Hufes in seinem Stande zu erhalten. Deßhalb gibt er denn einfach dem Huf einen künstlichen Reisen, welcher stärker als der natürliche Hufrand ist, ohne aber dabei den Fuß selbst zu comprimiren, zu be⸗ schädigen oder sonst zu quälen, wie das gewöhnlich so häufig geschieht. Dazu kommt auch noch, daß der neue Husbeschlag die Pferde ausnehmend sicher auf ihren Füßen macht und sowohl für große wie für kleine Pferde paßt. Es bleibt endlich noch der Kostenpunkt zu besprechen übrig. Das dazu zu verwendende Eisen muß freilich von der allerbesten Qualität sein. Weil aber dieser neue Huf⸗ ceifen um eiwa die Hälfte oder zwei Drittel weniger an Malerial beanspruchk, als das bisherige Hufeisen, so kommt der Preis dafür auf dasselbe heraus. Der beste Beweis aber für das Zutreffende von diesem neuen Char⸗ lier'schen Hufbeschlags⸗ Verfahren ist schließlich wohl un⸗ streitig die Thalsache, daß nach längerer Probe damit die Pariser Droschken⸗Compagnie das Recht für sich erkauft hat, alle ihre Pferde nach diesem Systeme zu beschlagen, und daß schon 3000 von ihren Pferden mit diesem neuen Hufeisen versehen sind. Ueberdies ist das System auch bereits bel 1000 Omnibuspferden probirt worden, sowie bei vielen anderen Pferden sowohl von den öffentlichen Wagenvermiethern, wie von Privatleuten.
„ Bienenzucht. Auf der Ausßellung von Geräthen für die Bienenzucht, welche in diesen Tagen in Mai⸗ land stattfand, wurden die Modelle deulscher Züchter, namenllich auch die Dzierzon'schen Glaskörbe, als die besten anerkannt. Die Deutschen holen nicht einmal mehr ihre Königinnen in Italien. 0
Jür die nothleidenden Juden in Westrußland gingen bei der Expedition durch S. Hirsch in Assenheim gesammelt 29 fl. 20 kr. ein und zwar von: S. Hiisch 2 fl.— N. N. 1 fl.— L. Isenburger 1 fl. 30 kr.— Jacob Simon 1 fl.— Raphael Reschenberg e M. Maix 1 fl.— N N. 3) ke.— G. Zinsheimer fl. — S. Reiß 35 kr.— S. Simon 30 kr.— J. Grüne⸗ baum 1 fl.— N. N. 30 kr.— Kammerassessor Augst 2 fl.— Fr. Koch 2 fl.— Frau Weber 2 fl.— Carl Koch 2 fl.— Hofrath Schäfer 1 fl., sämmtlich in Assen⸗ heim.— Fr. Koch, Hasselheck, 1 fl.— Koch, Bambiserhof, 1 fl.— Fr. Koch, Nonnenburg, 1 fl.— Koch, Schleiseld, 1 fl.— A. Reichenberg, Bruchenbrücken, 1 fl.— J. Stern, Bruchenbrücken, 1 fl. 45 kr.— Flemming, Aulendiebach 1 fl.— Bergverwalter Chelius, Ossenheim, 1 fl.
wenig vertraut mit der Uebung des


