Ausgabe 
20.3.1869
 
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i netem weiter eingegangen: Von J. L. R. 252 8 91 5 Thalia: Verein ern durch die am 13. d. M. abgehaltene theatralische Vorstellung, nach Abzug der unvermeidlichen Kosten, erzielten Ertrag mit 54 fl.

Die mir bis jetzt für obigen Zweck behändigten Gaben betragen im Ganzen 81 fl. 44 kr., die ich heute zur Be⸗ förderung an die Betreffenden besorgt habe.

Den wärmsten Dank den freundlichen Gebern.

Mayer Hirsch.

Victoria, illustrirte Muster- und Modezeitung, Berlin, A. Haack. Preis pro Quartal 6 fl. 12 kr. Wir haben früher schon mehrfach Gelegenheit genommen, diese vorzügliche Zeilschrift, welche durch ihre Miitheilungen über die Forischritte der Mode einerseits und ihren belle tristischen Inhalt andererseits, das Nützliche mit dem An⸗ genehmen so trefflich verbindet, unsern werthen Leserlnnen zu empfehlen. Wir können dies auch jetzt wieder mit gutem Gewissen ihun, denn dieVictoria hat sich zu einem Liebling, der Damenwelt emporzuschwingen gewußt, da sie durch ihren Inhalt den Geist anregt und das Herz erfrischt und so zur Bildung des Geschmacks, wie zur Veredlung des Gemslihs in gleichem Maße beiträgt.

(Nordsee-Zeitung.)

Paris, 16. März 1869.

2** Herzliche Bitte.

Der Vorstand der deutsch-französischen cvan gelischen Mission zu Paris darf mit Großher zoglicher Genehmigung am Sonntag Palmarum eine allgemeine Kirchencollekte im Großherzogthum erheben zur Gründung eines vierten hessischen Kirchspiels in einem von Hessen angefüllten Stadt theil, stundenweit entfernt von den übrigen drei Hessenstationen.

Wie stark die großherzoglich hessische Bevöl kerung von Paris ist und in welchem Mage sie

zunimmt, wird am besten folgende Tabelle darthun: Taufen Trauungen Leichen 1854 38 8 2 1864 183 93 106 1867 334 133 159

Diese Zahlen lassen auf 7000 Hessen schließen. Circa 500 Hessenkinder besuchen die bereits

lediglich für sie gegründeten deutschen Schulen.

Das Missionscomité hat für sie 8 Schullokale

gebaut, dazu 2 Kirchen und sich damit 30,000 Fr. Schulden aufgebürdet. 8

Dazu bedarf es jährlich 16 17000 Gulden zum Unterhalt der 3 Pfarrer, 9 Lehrer und Lehrerinnen, 2 Kirchendiener auf den Hessen colonien und zur Deckung der Zinsen und In- standehaltung der Gebäulichkeiten.

Sollen nun die Leute auf dem vierten Eck von Paris nicht sittlich und geistig ganz ver- wildern(zum Theil sind sie es leider schon), so muß bald ein viertes Kirchspiel eingerichtet werden. Die Leute selbst, zumeist blutarm hierherkommend, verdienen sich sauer ihr Brod mit Straßenkehren und gewinnen sie ja etwas, so sind sie darauf bedacht zu einer besseren Zukunft in der Helmath anzulegen. Mithin können wir auf sie nur sehr wenig zählen und bitten deßhalb um christliche Handreichung aus der Heimath derselben bei Gelegenheit dieser Collekte. Diejenigen, welche verhindert sein sollten zur Kirche zu gehen, mögen ihre Liebesgaben an die Herren Pfarrer oder

auch an die Expedition d. Bl. gefälligst einsenden.

Für das Comité F. Mast, Pfarrer zu Paris.

Geheimerath Welcker in Heidelberg ist fast 79 Jahre alt am 10. d. gestorben ein halbes Jahrhundert ein Vorkämpfer für die Freiheit in Wort und Schrift, auf der Tri büne im Ständesaale, in Volksversammlungen wie auf dem Katheder der Universität! Karl Theodor Welcker, der jüngere Bruder des an der Univer sität zu Bonn bis an sein Lebensende thätigen Friedr. Gottl. Welcker, war geboren am 29. März 1790 zu Oberofleiden in der Provinz Oberhessen und widmete sich, nachdem er 180711 in Gießen und Heidelberg dem Studium der Rechte obgelegen hatte, der Universitätslaufbahn; er wurde 1813 in Gießen Privatdocent, 1814 Pro

fessor, dann lehrte er als Professor in Kiel und

Heidelberg und 1819 in Bonn. Wie sein Bruder, so wurde auch er hier in die demagogischen Unter- suchungen verwickelt und ging 1823 nach Frei burg(im Brkisgau), wo sich seine größte Wirk

samkeit entfalten sollte. Im Jahre 1830 wurde er zum Abgeordneten in die badische Kammer gewählt, die durch ihn und seine Freunde Rotteck, Idstein u. s. w. eine Bedeutung weit über das badischte Land hinaus erlangte. Seine nach der Juli Revolution von 1830 dem Bundestag übersandte Petition: Die vollkommene und ganze Preßfreiheit machte großes Aufsehen und Welcker trug haupl- sächlich dazu bei, daß die Preßfreiheit damals für Baden ausgesprochen wurde. Ein von ihm und Rotteck berauzgegebenes liberales BlattDer Freisinnige hatte nur kurzen Beseand und wurde auf Betreiben des Bundestages unterdrückt. Schon im Jahre 1832 gleichzeitig mit Rotteck pensionirt, wirkte Welcker als Mitglied der entschiedenen Opposition von da an weiter auf den badischen Landtagen. Im Jahre 1848 gehörte Welcker zu dem Siebener Ausschuß, welcher das Vorparlament einleitete. Die badische Regierung ernannte ihn nun zu ihrem Gesandten am Bundestage, er nahm am Vorparlament und später als Abgeordneter von Frankfurt a. M. an der deutschen National- Ver- sammlung Theil, wo er dem rechten Centrum an gehörte. Der Antrag, die deutsche Kaiserwürde dem preußischen Könige anzubieten, ging von ihm aus. Bis zum Juni 1849 nahm er Theil an der National ⸗Versammlung; nach der Erhebung Badens verließ er die Versammlung und zog sich in das Privatleben zurück. Im Jahre 1850 nahm er indeß noch eine Wahl für die zweite badische Kammer an und war bis auf unsere Tage thätig als Schriftsteller, ja selbst noch als Volksrednet. Sein Hauptwerk: dasStaals Lexikon, herausgegeben mit Rotteck, ist allgemein bekannt. Bis zu seinem Ende stand Welcker ent schieden auf Seite der badischen Fortschrittspartet und war trotz seines Alters unermüdlich, für die Herstellung eines Deutschen Rechts- staates zu wirken. Als enischiedener Gegner jeder Gewaltpolitik hielt er an seinen durch ein langes Leben gereiften Ueberzeugungen uner schütterlich fest und erkannte das Heil feiner Nation nur in den schützenden Rechtsformen eines freien Gemeinwesens.

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