werden.“ Von hier aus wird man instnuiren, das brüsseler Kabinet möge seine freundliche Ge⸗ sinnung dadurch an den Tag legen, daß es dem eben angenommenen Gesetze jede rückwirkende Kraft abspreche. Es heißt, Graf Solms, der preuß. Gesandte, habe Hrn. v. Lavalette erklärt, seine Regierung stehe dem Entschlusse der belgischen Regierung ganz fern und sie habe auch keine Kenntniß davon gehabt.
— Der„Constitutionnell“ weist nach, daß das Verfahren der belgischen Regierung verletzend ist und mit Recht die nationale Empfindlichkeit der Franzosen wachgerufen hat; indessen dürfe man dieser Angelegenheit nicht die Tragweite einer erlittenen Demüthigung beilegen, die zu einem Bruche führen würde; der„Constitutionnel“ glaubt vielmehr auch zu wissen, das belgische Cabinet werde zuftiedenstellende Erklärungen geben oder der Seuat werde das in der Abgeordnetenkammer angenommene Gesetz nicht sanctioniren und ist der Meinung, der belgische Zwischenfall habe nicht die Macht, den Frieden der Welt zu trüben.
— Der heute siattgefundene Ministerrath dauerte vier Stunden.— Der„Public“ sagt: Die Frage der belgischen Eisenbahnen bildet den Gegenstand friedlicher Verhandlungen. Die öffent⸗ liche Meinung würde sich täuschen, wenn sie über⸗ triebenen Auslegungen und kriegerischen Gerüchten Glauben schenkte. Das Blatt versichert, das bel gische Cabinet habe eine erklärende Note nach Paris gesandt, welche dazu angethan sei, die französische Regierung zu befriedigen und den Empfindlichkeiten der öffentlichen Meinung zu ge— nügen.— Der„Temps“ gibt zu verstehen, daß der ganze in den französischen Regierungsblättern erhobene Lärm vielleicht nur darauf abziele, auf den belgischen Senat, welchen das Gesetz noch zu passiren hat, einen Druck zu üben und zu bewirken, daß dieser das Gesetz ablehne. Uebrigens ist der „Temps“ das einzige Blatt, welches den Muth hat, Zweifel darüber zu äußern, ob denn auch wirklich Preußen hinter diesem belgischen Staats- streich stecke. Es bezweifelt sehr, daß sich die preußische Politik einiger Sympathien in Belgien erfreue, auf alle Fälle könnten diese Sympathien nicht zahlreich sein. Es brauche nur daran erinnert zu werden, daß Herr v. Bismarck für Jemand gilt, der Belgien ein oder mehrere Male in sehr großmüthiger Weise Frankreich angeboten hat. Die Belgier wissen das gewiß recht gut.
— Die Regierung will in Erfahrung gebracht haben, daß der belgische Minister, Herr Frere Orban, unmittelbar vor der Einbringung des Gesetzes in Berlin gewesen ist und dort mit dem Grafen Bismarck conferirt hat; im Hinblick hierauf will man sich die Einflußnahme Preußens auf den erwähnten Act nicht ausreden lassen.
Belgien. Brüssel. In der Repräsen⸗ tanterkammer wurde am 13. d. ein Gesetz an⸗ genommen, welches den belgischen Eisenbahn⸗Gesell⸗ schasten verbietet, ihre Unternehmungen ohne vor⸗ herige Genehmigung der Staatsbehörde an Andere zu cediren und gibt der Regierung die Ermäch⸗ tigung, iw Falle einer solchen von derselben nicht genehmigten Cession die betreffenden Eisenbahn⸗ linien durch Staatsbeamte für Rechnung der Ge— sellschaften verwalten zu lassen. Den ursprünglichen Anlaß zu dieser neuen Bestimmung haben Unter— handlungen gegeben, welche im Werk waren, um die belgisch ⸗luxemburgisch-limburgische Bahn in den Besitz der Gesellschaft der französischen Ost— bahn zu bringen, die bekanntlich vor Kurzem die großherzoglich⸗luxemburgischen Bahnen erworben hat. Es würde dadurch einer der bedeutendsten Verkehrswege für Belgien und demnächst, nach Vollendung einiger Bahnbauten in Holland, eine
Hauptverbindung der holländischen Häfen mit dem
Inlande in die Hände einer fremden Gesellschaft gekommen sein, auf welche die belgische Regierung keinen Einfluß ausüben kann. Nach einer ziem⸗ lich lebhaften Verhandlung ward das Gesetz mit 61 gegen 16 Stimmen angenommen.
— Das Eisenbahngesetz ist im Senat ein⸗ gebracht und wird Freitag discutirt werden. Man erwartet Opposition von Seiten der Rechten.
Großbritannien. London. Die Thron-⸗ rede der Königin bei Eröffnung des Parlaments am 16. d. constatirt, daß die Beziehungen zum Auslande insgesammt freundlichster Art seien und sagt: Sämmtliche Mächte theilen, wie ich freudig glaube, meine Wünsche bezüglich der Erhaltung des Friedens, welche ich jederzeit bestmöglichst fördern werde. Vereint mit unseren Alliirten gelang die Beilegung der griechisch⸗türkischen Differenzen. Die Verhandlungen mit Amerika werden hoffentlich die Freundschaft zwischen Eng- land und Amerika dauernd befestigen. Die Ruhe— störungen auf Neuseeland werden, wie ich hoffe, ehestens gehoben sein.— Die Thronrede verspricht Ersparnisse im Budget, Aufhebung der irischen Ausnahmszustände, Verbesserung in der Reformbill und im Erziehungswesen, in der Bankerottgesetz⸗ gebung und in der Organisation der irischen Kirche.— Die Stelle der Thronrede über Irland lautet: Die kirchlichen Verhältnisse in Irland werden sobald als möglich Ihnen zur reiflichen Erwägung vorgelegt werden und die Erlassang der Gesetze, welche nothwendig sind diese Frage definitiv zu regeln, wird eine starke Anforderung an die erleuchtete Weisheit des Parlamentes bilden. Ich habe die Ueberzeugung, daß Sie bei dieser Arbeit allen berechtigten Interessen, welche dabei berührt werden können, in sorgsamer Weise Rechnung tragen und dabei fortdauernd von der Absicht geleitet werden, die Sache der Religion zu fördern.
— In der Unterhaussitzung sprach Gladstone seine Freude über die Beendigung des türk isch— griechischen Confliktes aus. Er lobt das Be- nehmen aller an der Pariser Conferenz betheilig⸗ ten Mächte, besonders dasjenige Preußens, Rußlands und der Türkei.
— Der Senat hat die Vorlage, das Eisen- bahngesetz betreffend, an die Justizeommission zurückverwiesen.— Das„Echo du Parlament“ meldet, daß der Kriegsminister General Renard nach Paris abgereist sei.
Spanien. Wie man voraussagte, hat nur ein einziger der gewählten Geistlichen seinen Sitz in der Constituante eingenommen.— Viel Auf⸗ sehen erregt Don Pablo Alsina, ein Deputirter Barcelona's, der bei der Eröffnungsfeier in der catalonischen Arbeiterblouse erschienen war, und die Insinuationen von gewisser Seite, die ihn zur Anlegung der üblichen Modetracht bewegen wollten, rund weg abgelehnt hatte. Die Haltung der Republikaner macht einen sehr günstigen Eindruck.
Madrid. Die Cortes werden nach ihrer Constituirung Serrano mit der Bildung eines neuen Ministeriums betrauen. Aller Wahrschein⸗ lichkeit nach werden die seitherigen Minister fast alle in ibren Aemtern verbleiben.
— Die„Correspondencia“ sagt, daß am 15. d. im Conserenzsaal der Cortes viele Deputirte sich der Idee geneigt zeigten, die Marschälle Serrano und Prim und den Admiral Topete mit Bildung eines neuen Ministeriums zu beauftragen. Sie fügt hinzu, daß in dasselbe wahrscheinlich eintreten werden die Herren Rivero, Ulloa, Cantero, Silvela und Martos. Herr Rios Rosas würde in diesem Falle Präsident der Cortes werden.
Portugal. Aus Lissabon wird gemeldet, der König Ferdinand und der regierende König Ludwig von Portugal verweigerten die Annahme
der Candidatur für den spanischen Thron. Die Cortes sind gegen den Herzog v. Montpenster.
Amerika Washington. Der Präsident
Johnson hat dem Senat einen Vertrag mit Co- lumbla übersandt, welcher den Vereinigten Staaten ausschließlich das Recht zusichert, einen Canal durch die Landenge von Darien anzulegen.— Das Repräsentantenhaus hat einen Vorschlag auf Besteuerung der Zinsen von Bonds verworfen.
E, Ockstadt. Unser landwirihschastlicher Ortsverein halte am Mittwoch Abend die Ehre, Herrn Kreis-Accessisten Haas und Herrn Dr. Henkelmann und dessen Schüler als Gäste zu begrüßen. Zwei der letzteren leiteten die Dis⸗ tussion über Pferbezucht und zweckmäßige Behandlung des Stalldüngers durch Vorträge ein. Durch Herrn Henkel— manns Erläuterungen und praktische Winke ward die Diskussion sehr anregend und höchst beachtenswerth. Nicht minder fesselte die Aufmerksamkeit die klar durchdachte und schön vorgetragene Einleitung zur Diskussion über Drai⸗ nage(Dränasch— Enzwässerung nasser Grundstücke durch gebrannte Thonröhren). Man verspricht sich hiervon für Ockstadis Wiesengrund einen guten Erfolg. Ueberhaupk hegt man die Hoffnung, daß ber heutige ehrenwerthe Be— such, die aufmunternden Vorträge und Herrn Henkelmanns Experimente mit der Elektrisirmaschine dein seither ge— lähmten Vereine wieder auf die Beine und zum dauern: den Fortschriit verhelsen werden.
* Fauerbach b. Fr. Der hiesige Ortsbürger Ger⸗ hard Billasch begeht nächsten Sonntag den 21. d. das Fest der goldnen Hochzeit. Der kirchlichen Feier, zu deren Erhöhung der hiesige Gesangverein durch Gesangsvorträge beitragen wird, soll im Holler'schen Saale eine fröhliche Feier dieses seltenen Jubelsestes folgen, bei der wohl mehr oder weniger die ganze Einwohnerschaft unseres Ories sich betheiligen wird. 8
Frankfurt. Die israelitische Religionsgesellschaft erhielt durch einen hier verstorbenen Schweden, welcher ihr anhörte, ein besonderes Vermächtniß von 60,000 fl.
Darmstadt. Der unlängst wegen angeblichen Kirchen⸗ diebstahls verhaftete P. Keller von Bütlelborn wurde, da keine gravirenden Indicien in der Untersuchung sich er⸗ gaben, seiner Haft entlassen.
Berlin. Die ständige Deputation des Congresses deutscher Volkswiethe hat beschlossen, den Congreß auf den 1. bis 4. September nach Mainz zu berufen.
Biedenkopf. Uebermäßige Anwendung von Chloro⸗ form hat kürzlich dahier ein beklagenswerthes Opfer ge⸗ fordert. Die 25jährige Tochter aus einer hiesigen Familie erhielt als Mittel gegen anhaltenden Zahnschmerz vom Arzt Chloroform verschrieben. In Folge eines neuen hefligen Anfalls begab sich dieselbe auf ihr Zimmer, in welchem sie, auf dem Bette liegend, schon nach kaum einer halben Stunde als Leiche aufgefunden werden sollte. Die Unglückliche hatte den letzten Rest aus dem Fläschchen auf ihr Taschentuch geträufelt und dasselbe sich über das Ge⸗ sicht gelegt. Wiederholie ärziliche Versuche, sie ins Leben zurückzurufen, blieben ohne Ecsolg.
Jür dit nothleidenden Zuden in Westrußlund ist dei Unierzeichneuem eingegangen: Von Prf D. 1 fl. — Frau Pfr. Wickenhöser 1 fl. 10 kr.— Bürgermeister Walz 30 kr.— Von Mitgliedern der Hülfsgesellschast bei einem Abendessen im Hölel Trapp 7 fl. 39 kr. l
Um weitere Gaben wird gebeten, die Noth ist groß. In einem jüngsien Bericht heißt es u. A. wörtlich: die meisten Gemeinden sind vollständig verarmt, so daß Viele mit den elendesten Speisen als Krautstrünken, Kohlrüben⸗ und Kartoffelschalen sich das Leben fristen; nur selten wird ihnen der Genuß eines Stückchen Brodes zu Theil. Der Hungertyphus wüthet dort in schrecklicher Weise der Art, Jaß in einer einzigen Gemeinde während 4 bis 6 Wochen 266 Personen gestorben und ebenso viele noch krank dar⸗ niederliegen. Mayer Hirsch.
Von Apotheker Sturmfels 1 fl. 45 kr.— Von C. L. Glück 30 kr.— Von Apotheker Ph. Werner 1 fl. 12 kr.—
Von Michael Nosenthal zu Nauheim 1 fl. 45 kr.—
Von Louis Rosenthal zu Nauheim 1 fl.— Von einem Landmann aus H. 6 kr. Bei der Erpedition: Von Heinrich Rumpf 30 kr.— Durch Herrn J. A. Nauheim: Von Frau v. Helmolt 2 fl. Dank den edlen Gebern, fernere Beiträge nehmen ent⸗ gegen die Expebilion dieses Blattes und das Comits.
Här die hälssbedürstige Familie des ptrunglückten Fritdrich Jung von Wisselsheim
gingen ferner bei uns ein! Von C. C. Wels Wittwe 1 fl.
— Von Meyer Hirsch 36 kr.— Von Frau v. Helmolt 2 fl.— Von Heinrich Rumpf 30 kr.— Von Frau W. 1 fl. 10 kr.— Von C. Fr. W. 24 kr. Mit herzlichem Dank für die empfangenen Gaben sind wir zur Entgegennahme weiterer Beträge gerne bereit. Die Expedition.
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