Ausgabe 
19.8.1869
 
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Darmstadt. Es soll erst vor einigen Tagen ge⸗

kugen sein des frechen Diebes, welcher am Freitag vor

Tagen einen Milchkarxen in der Hölgesstraße wegge⸗ türen batte, in Mannheim habhaft zu werden. Derselbe r noch im Befitze des Karren. f

Darmstadt. Nachdem die durch Großherzogliches zreisamt dahier angeordnete Hundesperre nunmehr wieder asgehoben ist, bringt ein hiesies Blatt folgendeOefsent⸗ lihe Anerkennung. Wir unterzeichneten Hunde von jurmstadt, die wir in Folge des unerhörten Vorfalls mit im alten Postschimmel über 14 Tage eingesperrt gehalten vrden und zwar auf eine so rigorose Weise, daß wir so⸗ tr mit Maulkorb versehen am Stricke nicht ausgeführt weden durften, sagen den verständigen Mannern, welche toͤlich zur Einsicht gekommen sind uns zu erlauben, mit gaulkörben versehen, frische Luft zu schöpfen und Spazier⸗ unge zu machen, unseren innigsten Dank. Wir haben doße Pein erlitten und würden dieses Gefängnißleben af die Dauer nicht haben aushalten können, ohne wirklich rend zu werden. Es ist auch durch diese strenge Sperre zanches zärtliche Verhältniß zerrissen worden, welches zu un schönsten Hoffnungen berechtigte. Demungeachtet wollen ur deßhalb gegen unsere Peiniger keinen Groll hegen, in um wir noch die Genugthuung zu erhalten hoffen, daß h diese vermeintliche Tollwuth als eine beklagenswerthe Kystification herausstellen wird und wir das Opfer eines atthums geworden sind. Umsomehr glauben wir uns cer auch zur Bitte und zur Hoffnung berechtigt, daß-den- ligen von unseren Herren, welche uns zeiiweise etwas ssche Luft schöpfen ließen und die deßhalb in Strafe refallen find, diese Strafen erlassen werden. Sultan, Bello, Gro, Minette, Suris, Leo, Barry u. A.

Worms. Am 16. d. in der Frühe fand man den Nitzer der circa 20 Minuten von hiesiger Stadt ge kenen Kaisermühle, Hrn. Scheuer, in der Nähe derselben esseelt auf der Erde liegend. Eine bedeutende Wunde c Halse scheint die Ursache seines Todes zu sein. Ob t sich selbst enileible oder von verruchter Hand ermordet zurde, wird wohl erst durch die gerichtliche Untersuchung cnittelt werden.

für die Hinterbliebenen r im Plauen'schen Grunde verunglückten Bergleute

ü, wie anderwärts, so auch in unserer Stadt die Theil ume gewiß schon bei Vielen rege geworden. Da das Unglück aus den Zeitungen hinlänglich bekannt ist, so ist ee Schilderung desselben hier überflüssig. Indem wir uss deßbalb auf die Mittheilung beschränken, daß 279 Ergleute umgekommen sind, welche 221 Wittwen und 50 Kinder hinterlassen haben, bitten wir dringend um Eben zur Linderung der großen Noth und erklären uns ir Welterbeförderung derselben bereit. Friedberg am 16. August 1869. Der Vorstand des Hülfsvereins: Baur. Diegel. Fertsch. Foucar. Mayer Hirsch. Dr. Köhler. Mayer. Müller. Nau. Pilger. Rausch II. Steinberger. Steinhäuser. Trapp II.

Der Expedition d. Bl., welche sich zur Entgegennahme n Gaben gleichfalls bereit erklärt bat, sind zu den in ziger Nummer bescheinigten Beträgen weitet zugekommen: Im den Bergleuten und Beamten des Dorheimer Berg rks 10 fl. 39 kr., Director Matthias 1 fl. 45 kr., Augenannt 3 fl. 30 kr., Dr. Schwabe 2 fl., Elise Penricy von Cünberg 1 fl., Moritz Scharff 1 fl., von 67 Bewohnern Seinfurths gesammelt 20 fl. 6 kr. Im Ganzen bis et eingegangen 51 fl. 15 kr.

Für dit nothleidenden Zuden in Westrußland mofing die Expedition ferner: Von Decan Görtz in uder-Florstadt gesammelt 2 fl.

Jür die Wittwe und Kinder as verunglückten Justus Seifert

in weiter folgende Gaben eingegangen: bei Dr. Diegel G. D. 1 fl.; bei Kaufmann Fer tsch von ihm

selbst 1 fl., von Advokat Jöckel 1 fl. 10 kr.; bei Advokat Trapp II. von zwei Ungenannten 2 fl. 30 kr.; bei Adam Rau sch II. von E. Hanstein 18 kt., C. F. Walz 30 kr., L. H. Strauß 18 kr., G. Hyronimus 30 kr., W. Sturmfels 24 kr., M. Philippi 18 kr., L. Weis 12 kr., E. H. 12 kr. Ferner von Mayer Hirsch 1 fl., Dr. Köbler 1 fl., J. Steinhäuser 1 fl., J. Müller 48 kr., N. N. 24 kr. Die Vorstandsmitglieder des Hülfsvereins sind zum Empfang weiterer Gaben bereit.

Bei der Expedition eingegangen: Ungenannt 1 fl. kr.

Alexander von Humboldt.

Der am 14. September bevorstehende hundert⸗ jährige Geburtstag Alexander v. Humboldt's hat in Deutschland das Gedächtniß an den vor elf Jahren dahingeschiedenen berühmten Naturforscher auf's Neue wachgerufen und den Gedanken zur Reife gebracht, ihm ein National-Denkmal zu setzen an dem Orte, wo er geboren und gestorben ist und den größten Theil seines Lebens zugebracht hat, in Berlin. Schon hat die Berliner Studenten schaft, um den in die Henbstferien fallenden Fest tag nicht mit Stillschweigen zu übergehen, eine academische Vorfeier desselben unter großartiger Betheiligung veranstaltet; zugleich hat ein Central Comite in Berlin seine Aufrufe durch die Blätter nach allen Theilen Deutschlands hin ergehen lassen, um die Bildung von Lokalcomites und die Ver anstaltung von Sammlungen zu bewirken. Auch ohne jede Sympathie für die fast zur Unsitte ge wordene Liebhaberei unserer Zeit, Denkmäler zu errichten, kann- man sich doch für die Idee eines Humboldt-Denkmals begeistern, denn nur sehr wenige Männer haben in ihrem Berufskreise so unbestritten den ersten Platz behauptet, wie Hum⸗ boldt, den man, mit Rücksicht auf seine Beherrschung aller Zweige menschlicher Kenntniß von der Natur, nicht mit Unrecht einen Fürsten unter den Natur forschern genannt hat.

Es möchte deßhalb wohl am Platze sein, hier eine Uebersicht zu geben über die bedeutsamsten Leistungen des großen Mannes.

Unter glücklichen äußeren Verhältnissen geboren und mit einer Erziehung und Bildung von seltener Vielseitigkeit ausgerüstet, begann Humboldt seine wissenschaftliche Thätigkeit mit seiner Reise nach dem gördlichen Südamerika, Mexiko und West Indien J. J. 1799- 1804. Vor Humboldt, sagt Peschel in seiner Geschichte der Erdkunde, hatten sich die Reisenden entweder nur mit mathe matischen Ortsbestimmungen oder mit dem gerin geren Verdienste begnügt, den Herbarien die Leichen unbeschriebener Pflanzen, den Museen getrocknete Thierhäute zuzuführen. Auch Humboldt brachte eine reiche Ernte dieser Art mit heim, aber wie uns der große Naturbeobachter selbst gesteht, gewährte ihm die Entdeckung solcher Neuigkeiten nur geringen Genuß. Er hatte viel höhere Zwecke im Auge, nämlich die Sammlung von Größen und Thatsachen, die unter sich verglichen werden konnten. Er ist der Begründer der physikalischen Erdkunde. Seine Wanderungen fielen in die glückliche Zeit, wo die ersten Früchte der Meteoro logie und der Höhenmeßkunde reif geworden waren. Seine grognostischen Kenntnisse setzten ihn in den Stand, zuerst auszusprechen, daß sich auch in der neuen Welt das Gesetz der Formations-Folge

wiederhole. Durch seine zahlreichen astronomischen Ortsbestimmungen, welche eine theilweise sehr er⸗ hebliche Aenderung der bisherigen Karten bedingten, gelang ihm die Ausarbeitung vorzüglicher, seitdem nur wenig verbesserter Karten der durchzogenen Gebiete. An die mathematische Bestimmung eines Ortes knüpfte Humboldt überall die barometrische Höhenberechuung, so daß er schon auf der Reise durch Spanien das erste Bild von der senkrechten Gliederung jener Halbinsel entwerfen konnte. Die hypsometrischen in Verbindung mit den astrono⸗ mischen Ortsbestimmungen gewährten ihm dann die Möglichkeit, den Standort der gesammelten Gewächse nach Länge, Breite und senkrechter Höhe anzugeben, also die Grundlage zur Erkenntniß der Pflanzenklimate zu erlangen und damit eine neue Wissenschaft, die Pflanzen Geographie, zu erschaffen.

Er brachte ferner nicht nur die ersten Beobach tungen über den jährlichen Gang der Temperatur an verschiedenen Orten der neuen Welt mit her über, sondern er schuf sich auch Verbindungen mit späteren Beobachtern, die ihm zur Begründung seiner klimatischen Gesetze wichtig wurden. Auch in Europa wurde auf seine Anregung die Zahl der Beobachtungsstationen sehr vermehrt und auf denselben systematischer beobachtet. Der volle Nutzen dieser Beobachtungen trat erst hervor, als Humboldt im Jahre 1817 durch ein äußerst ein⸗ faches Mittel die Störungsgesetze der Erderwär mung sichtbar werden ließ. Er verband näm lich alle Orte, deren mittlere Jahreswärme gleich befunden worden, auf der Karte durch krumme Linien, die er Isothermen nannte, und nöthigte damit die Natur, durch die Gestalt der Wärme kurven, durch die Lage ihrer bald konvexen, bald konkaven Scheitel selbst das Gesetz der Störungen auszusprechen und die störenden Ursachen zu ent⸗ hüllen. Humboldt's sinnreiche Erfindung wirkte nicht blos wie eine Offenbarung auf dem Gebiete der Witterungskunde, sondern seine Anleitung, das Wirken von Naturkräften im Bilde darzustellen, hat uns ganze Reihen physika lischer Erdgemälde zugeführt, und ihnen verdanken wir die Leichtigkeit, wemit wir uns gegenwärtig unterrichten können. Von der Betrachtung der Orte gleicher Jahrestemperatur ging Humboldt nun über zu derjenigen gleicher Sommertemperatur uno gleicher Wintertemperatur, was ihn zur Fest⸗ legung der Begriffe des kontinentalen und des Seeklimas führte. Indem noch die Wärmeabnahme mit der Höhe in Betrachtung gezogen wurde, er gab sich ein Feld der Beobachtungen von unge heurer Mannichfaltigkeit, auf dem schon der Ent decker selbst die Grundgesetze festgelegt hat. Auch über den Erdmagnetismus hat Humboldt zuerst außereuropäische Messungen der örtlichen Gesammt kraft angestellt und in Europa zu regelmäßigen Beobachtungen angeregt.

Darin besteht überhaupt das Geheimniß seiner Größe, daß er sich alle im 18. Jahrhundert ge- wonnenen Erkenntnisse angeeignet und zuerst ste als reisender Beobachter angewendet hat.

(Schluß folgt.)

Oeffentliche Aufforderung.

9 Wilheim Vorbach II. aus Nieder-Rosbach etellte am 3. August 1863 seinem damals minder rigen Sohne erster Ehe, Conrad Vorbach, zur s cherung des in seiner Verwaliung stehenden beweg cen Vermögens desselben im Capitalbetrage von Y fl. 34½ kr.(Zweihundert und Ein Gulden Dreißig ier Kreuzer Ein Heller) eine Hypothek. Die hierüber icchtete Urkunde, welche später dem Conrad Vorbach llaändigt wurde, soll abhanden gekommen, jeder Anspruch

1 1 derselben aber erloschen sein. Geschehenem Antrage

emäß ergeht daher an Alle, welche einen solchen aus deer Urkunde für sich herleiten zu können glauben, die Worderung, solchen binnen drel Monaten von dem Zone der erslen Veröffentlichung dieses Aufrufs an so ewiß dahler zur Anzeige zu bringen, als sonst der ie für erloschen betrachtet und die Löschung der rothek verfügt werden wird. Jrledberg am 21. Juni 1869. Großherzogliches Landgerscht Friedberg Reltz

ö

Bekanntmachung.

2324 Montag den 23. d. M., Vormittage 11 Ubr, werden auf bilsigem Rathhaus die nachverzeichneten dem Friedrich Wilheim Henkel, Karls Sohn, dahier zu behörigen in hiesiger Stadt belegnen Immodilten: P. M. B. 1230 19/0 Rib. Wobnhaus u. Hofraum am Markplatz neben Frled⸗ rich Kramm,

1231 1 Rth.] Waschküche und Holz⸗ 1274 2. 2% behälter,

1230= 3/ö8%tt., Baum- und Grasgarten, 1274= 6¼10 desgleichen und e desgl. binterm Fallthor

zum letztenmal öffentlich an den Meistbietenden zwangs weise versteigert.

Bad Nauheim am 17. Auguft 1869. Großherzogliches Ortsgericht Bad Nauheim 1 d V.

der dienstältefte Gerichts mann ö eber er. ö

Holz- u. Stroh-Versteigetung.

2322 Von den in der Zeit vom 23. August bis 3. Seplember in den Kreisen Nidda, Gleßen Friedberg, Büdingen und Vilbel stattfindenden Bivouaks det Großherzoglichen Truppen werden größere Refte Buchen Scheidbolz und noch brauchbares Kornftroh üdrig dieiben und an den in den nächstgelegenen Ge meinden Tags zuvor noch näber bezeichnet werdenden Tagen und Bivouaksplätzen jedesmal Vormittags 9 Uhr öffentlich meistbtetend versteigert werden. Darmstadi den 17. Augußt 1869. Großherzogliche Intendantur der 25. Diviston Sch lümpf f.

Portland- Cement,

Friedberg. A. Stahl Wittwe,

Matertal⸗ u. Farbwaarenhandsung.