gefährlichsten Fürstenmörder den Preußen nannte, nach Wien an den Fürsten Metternich. Beide erhielten natürlich sofort Reisegeld, machten eine sehr vergnügte Reise nach Italien und schrieben dann haarsträubende Reiseberichte nach Berlin und Wien, in denen, wiederum natürlich, Jeder von dem Andern leider zu früh entdeckt war, so daß nichts hatte ermittelt werden können.
Frankreich. Paris. In Erwiderung auf die Anklagen der Berliner Presse macht die hiesige Regierungspresse geltend, daß der Vergleich zwischen dem Aufenthalte der Hannoveraner in Frankreich und der Bildung von Banden in Griechenland durchaus nicht stichhaltig sei; die hannoveranischen Soldaten wären über das ganze Land zerstreut und auch von ihren Offizieren ge— trennt; Frankreich habe nur die Pflicht, zu ver⸗ hindern, daß die Hannoveraner nicht conspiriren, und diese Pflicht habe es erfüllt, werde aber nach wie vor den Verbannten gastfreundliche Aufnahme
ähren.
9 Die Münzceommission hat am 28. Januar ihre Sitzungen geschlossen und sich für den Ueber- gang zur reinen Goldwährung ausgesprochen. Die Ansichten Wolowski's über die Doppel- währung sind in der Minorität geblieben. Gleich— zeitig empfieht die Commission die Prägung und Ausgabe don Fünfundzwanzig-Francsstücken als internationale Münze. Man kann nunmehr er— warten, daß Frankreich demnächst die Einladung zu einer anderweitigen Welt-Münzconferenz er⸗ lassen wird. 5 N
— Der„Siecle“ sagt:„Wir haben den Artikel der„Nordd. Allg. Ztg.“, des offiziösen Blattes des Hrn. v. Bismarck, vor uns, auf welchen der Telegraph aufmerksam machte. Es ist eine ziemlich heftige Anklage gegen die offiziöse sranzösische Presse, deren Betrachtungen bezüglich der Belegung mit Scquester der Güter des Königs von Hannover und des Kurfürsten von Hessen die preußischen Journalisten über die Maßen gereizt zu haben scheinen. Wir denken nicht, nachdem wir reiflich darüber nachgedacht, daß es nöthig sei, irgend welche Wichtigkeit dieser Polemik bei⸗ zulegen. Sie bestätigt höchstens ein Faktum, welches wir bereits sehr gut kennen, nämlich, daß es nicht gerade Gefühle gegenseitiger Herzlichkeit sind, die die Cabinette von Paris und von Berlin beseelen.“ g
— Auf die Kunde vom Tode Fuad Pascha's hatte der Kaiser befohlen, daß ein Aviso der kais. Marine sich nach Nizza begebe, um die sterblichen Reste dieses Staatsmannes aufzunehmen. So— bald der Sultan dieß erfahren hatte, sprach er auf telegraphischem Wege dem Kaiser seinen Dank aus und gab dem türkischen Schiffe, das nach Nizza beordert war, Gegenbefehl.
— Aus Besangon wird telegraphirt: Vor einigen Tagen wurde um 5 Uhr Morgens im Zuge 205, der von Dijon nach Belfort geht, ein Zahlmeister der Compagnie, der sich allein in einem Wagen zweiter Klasse befand, plötzlich, als der Zug von Dannemarie abging, von zwei In⸗ dividuen angegtiffen, die durch die Thüre rechts eindrangen und die den Zahlmeister aus dem Wagen warfen, um sich der Summe von 28,000 Fr., die er bei sich führte, zu bemächtigen. Der Zahlmeister, Hr. Marielle, ist verwundet.“
— Die„Liberte“ will wissen, daß Don Fernando von Portugal die Candidatur zum spanischen Throne angenommen habe.
Großbritannien. London. Der deutsche Turnverein hielt vor einigen Abenden sein fünftes jährliches Winterschauturnen, bei dem einige 2000 Personen sich ale Zuschauer eingefunden hatten. Dem Jahresberichte zufolge haben sich seit der Gründung im Jahre 1861 4759 Mitglieder dem Verein angeschlossen und es ist bemerkeuswerth, daß unter der jetzigen Mitgliederzahl die Eng⸗ länder doppelt so stark als die Deutschen sind. Das französische Element ist durch etwa ¼6 der Zahl der Deutschen vertreten. Im Rahmen des Turnvereins besteht noch ein Liebhaber ⸗Orchester, ein dramatischer und Gesangverein, die alle das Ihrige zur Erheiterung der Gesammtheit mit beitragen.
Spanien. Man liest im„Imparcial“ vom 9. d., daß die Regierung ein Telegramm vom General Dalce aus der Havanna erhalten hat, worin er neuerdings die Zusendung von 6000 Mann Verstärkung und von Geld verlangt. Es wird versichert, daß diese Forderung durch eine neue Insurrektion veranlaßt worden ist, welche in Villaclara, im Distrikt von Cuatro Villas, aus- gebrochen sein soll.
Madrid. Die Cortes haben Rivero(De— mokrat) mit 168 Stimmen gegen 80, die Herr Orense erhielt, zum Präsidenten erwählt. Zu Vicpräsidenten sind ernannt worden: die Herren Vega-Armijo(liberale Union), Martes(Demo- krat), Cantero(Progressist), C Valera(Demo- krat⸗Progressist)
Türkei. Konstantinopel. Das neue Ministerium ist gebildet; Ali Pascha wurde zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten und zum Großvezier ernannt, beide Posten sind also vereinigt.
Griechenland. Athen. Die kandiotischen Flüchtlinge richteten an die Gesandten in Athen die Bitte, ihnen Schiffe zu verschaffen, um nach Kandia heimzukehren.
Nußland. Petersburg. Die„russische Telegraphenagentur“ meldet aus Tauris vom 14. Februar, daß die Nachricht, der Schah von Persten wäre mit Truppen in der Richtung nach Bagdad abgegangen, unbegründet sei und von demselben ein solcher Kriegszug auch nicht beab— sichtigt werde.
Amerika. Newyork. Das Repräsen— tantenhaus nahm eine Bill an behufs Annullirung aller zur Emission von Bonds autorisirenden Ge— setze, ausgenommen für Eisenbahnsubsidien oder für die Convertirung von Coupons einregistrirter Bonds. Eine im Repräsentantenhause eingebrachte Bill verbietet geheime Goldverkäufe oder Bonds⸗ verkäufe durch die Regierung.— Der Dampfer „Nellie Stievens“ verbrannte; 63 Menschenleben gingen verloren..
E Friedberg. Von den regelmäßigen Donnerstags— Vorlesungen wären hier noch zu erwähnen: der Vortrag des Herrn Seminarlehrers Stamm über„Augußin und die Donatisten“ und der des Herrn Bergrentmeisters Nebhuth über„die Arbeiterfrage.“ Der erstere dieser Vorträge handelt von für die Kirchengeschichte wichligen Vorgängen in der nordafrikanischen Kirche im 4. und zu Anfang des 5. Jahrhunderts. Dort, wo später der Mu⸗ hamedanismus sich ausgebreitet und nur erst in neuester Zeil durch die Franzosen in Algier das Christenthum wieder einigen Boden zu gewinnen anfängt, hatte der christliche Glaube zahlreiche Gemeinden gesammelt, die ihren Mittelpunkt in Karthago hatten. Bei den letzten allgemeinen Christenverfolgungen der römischen Kaiser im Anfang des 4. Jahrhunderts zeigten viele Glieder dieser Gemeinden eine außerordentliche Glaubensstärke und Glaubenstreue. Willig ging man für seinen Glauben in den Tod; ja man suchte das Marlyrium geradezu. Andere freilich zeigten sich nachgiebiger, fügten sich dem kaiserlichen Machigebot und lieferten Bibeln und Gebetbücher aus. Als bald darauf unter Constantin dem Großen das Christenthum zur Herrschaft gelangte, eiferten die Treu⸗ gebliebenen gegen die Bibelauslieferer(Traditores), wollien mit ibnen keine Gemeinschaft haben und ihre Priester und Bischöfe nicht anerkennen. Die Separatisten, von ihrem sanalischen Bischof Donatus Donatisten genannt, führten einen ein ganzes Jahrhundert sich hinziehenden erbitterten Kampf gegen die allgemeine Kirche, der selbst durch Con⸗ cllien und kaiserliche Entscheidungen nicht beschwichtigt werden konnte. Erst dem überwältigenden Einfluß Au⸗ gustins, seit 395 Bischof in Hippo, gelang es, den Wider⸗ stand der Donatisten zu brechen. Vas Wesen und Wirken dieser großartigen Persönlichkeit, in ihrem Suchen und Riugen nach Erkenntniß, ihren Verirrungen und Aus⸗ schweifungen, ihrem durch das Christenthum bewirkten Läuterungsprozeß und ihrer bedeutungsvollen Thätigkeit im Dienste der christlichen Kirche, zeichnete der gediegene Vortrag in wenigen großen Zügen in trefflicher Weise.
Die Haupifragen, die den Donatistenstreit bewegten, sind die über die Berechtigung oder Nichiberechtigung des Scktenwesens in der Kirche und die über das Verhältniß der Kirche zum Staat. Bezüglich der ersten Frage stellie Augustin der donalistischen Maxime:„Die Kirche ist keine Kirche mehr, wenn sie unreine Glieder zählt,“ den Satz entgegen:„Nicht die Glieder machen die Kirche heilig, sondern der Grund, auf dem sie erbauet ist; darum kann die Kirche auch unreine Glieder vertragen.“ Hinsichtlich der zweiten Frage sei nur der für die Bestrebungen der Gegenwart bedeutungsvolle Ausspruch des Donatus er⸗ wähnt:„Was geht die Kirche den Kaiser an?“—
Der Vortrag des Herrn Bergrentmeisters Nebhuth sieht in der„Arbeiterfrage“ ein Gewitter heranziehen, das, zun Ausbruch gekommen, leicht eine schreckliche Katastrophe
herbeiführen könnte. Eine friedliche Lösung dieser Frage,
die nach ihm in der Versöhnung des Kapitals mit ber Arbeit besteht, will er zum Heil der menschlichen Gesell⸗ schaft vom Standpunkt der Humanität durchgeführt haben. Dazu nimmt er die menschensreundliche Hülfe der Vertreter des Kapitals, speciell der Fabrikherren, die energische Thäligkeit der Arbeiter selbst und sekundär die Unterstützung des Staates in Anspruch. Von den ersteren verlangt er, unter Hinweisung auf das menschenfreundliche Bemühen einzelner Fabrikbesitzer in Mühlhausen im Elsaß, in Eng⸗ land und anderwärts um das Wohl ihrer Arbeiter, daß sie dieselben mit der Dampfmaschine mindestens in gleiche Linie stellen, deren Speisung mit Steinkohlen nicht allein, sondern deren Abnutzung auch mit in den Calcul auf⸗ genommen wird. Darnach habe der Arbeitgeber nicht blos den Unterhalt des Arbeiters durch die Lohnhöhe zu ermöglichen, sondern es liege ihm die Pflicht ob, die Ab⸗ nützung der Arbeits- und Lebenskraft zu vergüten, wozu sich der Eintritt des Arbeiters in eine Lebensversicherung auf Kosten des Fabrikherrn besonders eigne. Tausend—
fachem Elend würde dadurch bei eintretenden Sterbsällen vorgebeugt sein. Ebenso verdienten die spgenannten Partuer⸗Etablissements alle Anerkennung, die ihren Ar⸗ beitern außer ihren Lohnsätzen nach feststehenden billigen Normen Antheil am Reingewinn und die Möglichkeit ge⸗ währten, ihre Ersparnisse im Geschäft selbst auf Interessen anzulegen und so Arbeiter und Ackionär zugleich zu sein. Der mächtigste Factor aber zur Lösung der Arbeiterfrage sei die Selbsthülfe der Arbeiter.— Selbsthülfe durch lüchtige, treue Arbeit— Arbeiter sind wir Alle, gleichviel ob auf geistigem oder materiellem Gebiet, und arbeiten muß, wer existiren will; die Natur bietet ohne Arbeit nur Wasser, Luft und Licht—, durch solide Sparsamkeit, durch Association zu Vorschuß⸗ und Ckedit-, Cansum⸗ und
Produktionsvereinen, vor Allem aber durch Streben nach
Bildung, welche eine werthvollere Arbeit erzeugt und das Leben menschenwürdiger gestallet,— das ist der Haupt schlüssel zur Lösung der Arbeilerfrage. Dem Staal aber liegt es ob, durch energische Hebung und sorgliche Pflege der Schulen, der Volks- wie Realschulen, und durch all
gemeine Einführung von(nicht blos landwirthschaftlichen) Fortbildungsschulen Bildung für Alle zu ermöglichen, alle Interessen der arbeitenden Klasse zu ermuntern und za fördern, zu schützen und zu pflegen und für Zeiten außer- ordentlicher Noth, aber nur für solche, mit duekier Hülfe
zur Hand zu sein.— Damit ist schon augescutes, daß der
Vortrag den Bestrebungen eines Schulze ⸗Dalitzsch vollste Anerkennung zollt, während er die Theorien eines Lassalle als utopisch und nimmer zum wahren Wohl der Arbeiter ausschlagend bekämpft. Wir siimmen dem Redner, dessen
Vortrag eine Fülle edler Gedanken und praktischer Vor⸗ schläge enthält, aus vollem Herzen in dem Wunsche bei, daß seine Worte, als ein Beitrag zur Lösung einer der dringendsten Zeitfragen, nicht ganz wirkungsles verhallen möchten. 4
Friedberg. Wir haben uns von den ganz über⸗ raschenden Erfolgen des achtstündigen Schreibunterrichts des Herrn Wolff überzeugt und können nicht umhin obigen Lehrer Jedem zu empfehlen, der seine Handschvift in kurzer Zeit ohne erhebliche Mühe bessern will. Die Methode des Herin Wolff beruht auf einfachen Prinzipien und ist ebenso praktisch als ranonell.
Gießen. Direction des Herrn Mickher veranstaltet nächsten Don⸗ neistag den 18. d. in der hiesigen Stadtkirche ein großes Concert, in welchem„Samson“, Oratorium für Solo⸗ stimmen, Chor und großes Otrchester, componirt von G. F. Händel zur Aufführung kommen wird. Gefällige Mitwirkung baben zugesagt die Herren August Ruff und Nathan Reis aus Mainz. Wir glauben die aus, wärtigen Musikfreunde auf dieses vielversprechende Concert aufmerksam machen zu sollen. Der Anfang ist auf 3 Uhr bestimmt, Ende halb 6 Uhr. Karten à 1 fl. 12 kr., 48 kr. und 24 kr. werden in den hiesigen Buchhandlungen aus⸗ gegeben.
Grünberg. Die in der Nacht vom 12. auf den 13. d. anderwärts verspürte Erderschütterung wurde auch hier wahrgenommen. l N
Mainz. Der des Giftmordes an seiner Gattin an⸗ geklagte Schäfer von Bretzenheim, welcher vor einiger Zeit von der Union an die hessischen Gerichte ausgeliefert wurde, soll am verflossenen Samstag ein vollständiges Geständuiß seiner Schuld abgelegt haben.
Worms. Der Rechnungsabschluß des Ausschusses des Luther-Denkmal-Vereins ergibt an Einnahmen 236,772 fl. 1 kr., an Ausgaben 216,479 fl. 52 kr., mit⸗ hin einen Ueberschuß von 20,292 fl. 9 kr.
Unser akademischer Musikverein unter der
Worms Nach dem Jahresbericht des hiesigen Vorschuß⸗ und Creditvereins beträgt die Zahl der Mitglieder 346 Das Vereinsvermögen weist die Summe von fl. 39,43 also über tausend Gulden mehr als im vorigen Jahre aus. Geschäfte wurden im Betrage von fl. 640,348 ab- geschlossen, während die Summe im vorhergehenden Jahr über 54,000 weniger hoch war. Von vorsichtiger Ge schäftsleuung gibt der Umstand Zeugniß, daß im Verlaufe des Jahres keine Verluste vorgekommen sind. Der Rein: ertiag berechnet sich auf fl. 2017, wovon 6 Pet. Dividende fen und fl. 577 dem Reservefonds zugewiesen werden ollen.
Leipzig Eine sehr überraschende Wendung hat es mit der Urheberschaft des kürzlich gemeldeten auf der Leipzig⸗Dresdener Bahn bei Riesa verübten Eisenbahnk frevels genommen. Es war dort eine Eisenbahnschiele gewallsam herausgebrochen, durch rechtzeitiges Signalisiten Seitens des nächsten Bahnwärters aber dem herau brausenden Schnellzuge noch Gelegenheit gegeben worden, vor der verhängnißvollen Stelle zu halten. Dieser selbe
Eisenbahnwärter, den die dankbaren Passagiere des gefähr⸗
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