Ausgabe 
16.10.1869
 
Einzelbild herunterladen

e

doch glaubt man nicht an eine Annahme desselben von Seiten des Herrenhauses und der jetzigen Regierung.

Sachsen. Am 13. d. hat in dem Städtchen Lichtenstein eine große Feuersbrunst stattgefunden. Ungefähr 40 Häuser brannten nieder; die öffent⸗ lichen Gebäude wurden gerettet. Ueber die Ent⸗ stehung des Brandes hat noch nichts verlautet.

Bayern. München. DieCorrespondenz Hoffmann meldet: Die Bundesliquidationscom- mission hat ihre Schlußsitzung gehalten; nach Er- ledigung sämmtlicher ihr zugewiesenen Aufgaben hat sie sich für aufgelöst erklärt.

Schweiz Der Bundesrath hat, wie die Berner Tagespost meldet, seine Intervention zu Gunsten eines Theils der Frankfurter Aus⸗ gewiesenen eintreten lassen, nämlich in allen Fällen, wo das Familienhaupt mit allen Angehörigen die Entlassung aus dem preußischen Unterthanenver⸗ bande erwirkt hat.

Frankreich. Paris. Der Kaiser ist am 12. d. nach Compiegne gereist, wohin ihm die Minister am Donnerstag folgen werden. Der Kaiser wird bis zum 24, d. M. in Compiegne verweilen.

Wie dieReforme meldet, ist in einer Versammlung von Delegirten der Wahlcomites des Seine⸗Departements beschlossen worden, von den Pariser Deputlrten Erklärung zu fordern über die Haltung, welche dieselben am 26. Oktober zu beobachten gedenken.

Mit Bezug auf die jüngst stattgefundene Auflösung der öffentlichen Versammlung zu Belle ville sagt dasJournal offiziel: Gemäß der Bestimmungen des Gesetzes vom 6. Juni 1868 sei der Polizeipräfekt befugt, jede öffentliche Ver⸗ sammlung aufzulösen, sobald sie einen Charakter annehme, der eine Störung der Ordnung und eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit be fürchten lasse. So oft Ruhestörungen der Art vorkommen werden, sei die Regierung entschlossen, von den Bestimmungen dieses Gesetzes Gebrauch zu machen.

Es bestätigt sich, daß der Leichnam des Vaters Kinck in einem elsässischen Walde, in der Nähe von Soultz, aufgefunden wurde. Man er wartet denselben in Paris.

Eine weitere Nachricht aus Soultz berichtet: So eben hat man die Leiche Kinck Vaters auf das Stadthaus gebracht; sie ist im Walde zwischen Ollwiller und Watwiller in einem mit Sand und trockenen Blättern zugedeckten Loch gefunden worden. Von anderer Seite wird die Auf findung der Leiche Kinck's widersprochen.

Großbritannien. London. Nachrichten aus Bombay vom 6. October melden: Der eng lische Consul Kirk in Zanzibar hat einen Brief von dem Afrikareisenden Livingstone von See Banglewo, datirt 8. August 1868, erhalten. Livingstone schreibt, er habe die Quellen, welche er für diejenigen des Nil halte, zwischen dem zehnten und zwölften südlichen Breitegrade gefun den. Sein Gesundheitszustand sei befriedigend. Weitere Nachrichten aus Bombay vom 11. d. theilen mit, daß dort ein Brief Kirk's aus Zan zibar veröffentlicht wurde, in welchem derselbe die Ankunft der Caravane anzeigt; Livingstone befinde sich in Ufisi.

Spanien. DecSiecle würdigt die Er⸗ eignisse in Spanien folgendermaßen:Die In surrektion greift um sich. In Catalonien, wo 18 Deputirte, unter denen Joaristi, mit ebensoviel Banden im Felde stehen, ist die Bewegung all gemein; in Arragonien operiren die drei Depu⸗ tirten: Blanc, Noguero und Castejos mit Corps von Freiwilligen. Die Insurrektion in Saragossa, die bei Gelegenheit der Entwaffnung der Miliz ausbrach, scheint noch nicht bewältigt, die Ver bindungen zwischen dieser Stadt und Madrid sind immer noch unterbrochen. In Andalusten setzten die zwei Deputirten Paul und Salvocchea ihre Operationen mit Erfolg fort. Bejar ist im Aufstand; die telegraphische Verbindung mit Valencia, wo ebenfalls eine Bewegung ausgebrochen, ist abgeschnitten. Ueberall verstärken sich die

Banden und nehmen an Zahl und Kühnheit zu. In Madrid hat man große Vorsichts maßregeln getroffen; alle Polizeiagenten waren, mit Gewehren und Revolvern bewaffnet, im Ministerium des

Innern contentrirt, während die Truppen sich inf

ihren Kasernen bereit hielten. In Barcelona wird ein regelmäßiges revolutionäres Bulletin publicirt, welches sich zur Hauptaufgabe stellt, die falschen offiziellen Nachrichten zu dementiren. Die Republik ist auf verschiedenen Punkten des König⸗ reichs ausgerufen worden.

Madrid. 1400 Insurgenten in Catalonien haben die Waffen niedergelegt. Die Munitipalität in Ternel hat die Republik proklamirt. Die In- surgenten von Valencia zogen sich in einen Theil der Stadt zurück und befestigten sich daselbst. 18 Bataillone Truppen halten die übrige Stadt besetzt. Kein Truppentheil ist abgefallen. Der Gouverneur von Catalonien meldet, daß sich in der Provinz Tarragona 1800, in Gerona 3000, in Lerida 600 und in Barcelona 600 Insurgenten unter⸗ worfen haben.

Türkei. am 13. d. in Konstantinopel ein. vom Sultan glänzend empfangen. und Illumination.

Die Kaiserin der Franzosen traf Sie wurde Abends Diner

* Aus der Wetterau. Wir erwähnen an dieser Stelle nochmals, daß Montag den 18. d. M. Mittags 12 Uhr der Obst- und Gartenbauverein eine Generalver⸗ sammlung im Gasthaus zum Einhorn in Gießen halten wied, wozu derselbe nicht allein seine Mitglieder, sondern auch alle, welche sich für das Gedeihen des Vereins in⸗ teressiren, einladet.

1 Södel. Auch von hier ist ein Unglücksfall, ähnlich dem neulich von Ockstadt gemeldeten, zu berichten. Am 8. d. wurde nämlich ein in einer Sandgrube beschäftigter Arbeiter von der herabstürzenden Erdmasse verschültet und starb in Folge dessen nach einigen Stunden. Ein aber⸗ maliger Beweis, wie dringend geboten eine strenge polizei⸗ liche Beaufsichtigung des Bebaues der Sandgruben erscheint.

Aus Kirchgöns wird gemeldet, daß vor einigen Nächten die dortigen Bewohner durch Feuerlärm aus dem Schlafe geweckt wurden. Es brannsen mehrere Stroh⸗ haufen in der Nähe des Ortes. Man wurde rasch Herr des Feuers und rettete den größten Theil der bort befind lichen bedeutenden Menge Strohes.

Frankfurt. Wie hiesige Blätter melden, passtren seit Eröffnung des eisernen Stegs denselben täglich circa 3000 Personen.

Ems. Ein hiesiger Arzt fragte den Tag nach der kürzlich dahier verspürten Erderschütterung seinen Kutscher: Nun, Johann, haben Sie heut Nacht das Erdbeben auch gehört? Antwort:Ach, Herr Doktor, wenn man im Hinterhaus wohnt, hört man gar nicht, was auf der Straße vorgeht.

Einfluß der Dreschmaschinen und des Vitriols auf Saatweizen. (Von Lehrer Eppls in Ockstadt.)

Ende October v. J. steckte ich in jeden von vier breiten, irdenen Töpfen, die mit kurz vorher beregneter Gartenerde gefüllt waren, 80 Waizen⸗ körner. Um diese vor dem Vogelfraß zu schützen und doch der Luft auszusetzen, stellte ich die Töpfe an ein geöffnetes Fenster innerhalb des Zimmers. Nach Verlauf von 23 Tagen gelangte ich zu folgenden Resultaten:

In jedem Topfe waren die Körner einen Zoll lang über die Erde gewachsen; abwärts gingen bei jedem Pflänzchen drei Würzelchen. Zwei davon waren ca. einen Zoll lang, das dritte hatte jedesmal über einen Zoll Länge. Im Topfe Nr. 1 befanden sich 8 0 Körner, die mittelst eines Dreschflegels ihren Aehren entzogen und nicht vitriolt waren. Alle 80 waren aufgegangen. Im Topfe 2, der von demselben Weizen, aber vitriolt, enthielt, waren 70 Körner aufgegangen. Fünf davon zeigten, zwar noch in die Schale gehüllt, deutliche Spuren der Keimung; sie wären was sicher anzunehmen ist später noch auf gegangen. Die übrigen fünf zeigten auch nicht die geringste Spur von Keimung. Es sind dem⸗ nach 6 durch Vitriolen keimunfähig geworden. Im Topfe 3 staken Körner, die mittelst der Dreschmaschine gewonnen, als Saatgut zubereitet, aber nicht vitriolt waren. Hiervon waren 71 auf gegangen. An den neun übrigen gewahrte ich nicht die geringste Spur von Keimung; demnach waren hiervon 113 in der Keimkraft gestört.

m Topfe 4, der dieselben Körner faßte, vr

No; 3, mit dem Unterschiede daß sie wie Sag, gut vitriolt waren, waren 48 aufgegangen,

zeigten deutliche Keimspuren, macht also 46 f. ammen. An den übrigen 34 war nicht dg mindeste Anzeichen für Keimung zu entdech Hier waren also 42 8 keimunfähig gemacht.

Man ist der Ansicht, durch die Dreschmaschine würden die Körner mehr oder weniger zerquels aufgeschlitzt und deren Keimchen blosgelegt. Fin, dann vor der Saat am Weizen das so nöthsg Vitriolen statt, wodurch den sogenannten Bran sporen die Fortpflanzungskraft genommen win so werde auch das zarte Keimchen vom Vitiit angegriffen und seines Wachsthums benommen.

Hieraus ließe sich nun bezüglich der Gewinnun des Saatgutes, resp. Saatweizens die Regel en nehmen, daß man zum Saatgut keine Körner, u. mittelst der Dreschmaschine gewonnen wurd verwenden solle.

Sagen aus der Wetterau. Von Heinrich Hensler. 4. Die Adamsbahn am Altkönig

Der äußere Ring des Altkönigs(Altkönsg Altking), dieses majestätischen Berges des Taunus mißt etwa 2000 Schritte und hat nach Südt⸗ zu eine Art Vorwerk, das, wenn es nicht genaue untersucht wird, ein dritter besonderer Ring z sein scheint. Bei sorgfältiger Betrachtung wir! man sich überzeugen, daß dasselbe mit dem äußeren Ringe zusammenhängt. Letzterer besteht größten, theils aus kleineren Steinen. Der innere Ring dagegen, welcher etwa 1400 Schritte mißt, besteh meistens aus großartigeren Steinen, man möcht sagen Felsen. Von demselben bis zum Gipfel sin etwa gegen 200 Schritte. f

Wenn man gegen den Gipfel kommt, so zeig sich ein alter Weg, den man die Aams bah! oder Adams bahn nennt, und von dem di Sage folgendes erzählt:

Nach altem Glauben schläft der Wald am ersten Tage des Jahrs, und wenn im ganze Jahre, die Sonn- und Festtage ausgenommen Jedermann in demselben Holz hauen darf, so muff man ihn an diesem Tage ruhen lassen. Es wan aber einst ein Mann, der hieß Adam; deln dünkte sich klüger als andere Leute, und glaub! nicht, was sie glaubten.

Was geht das mich an, sagte er,ob diu Wald schläft, oder nicht; ich will ihn schon wecken! f

Damit zog er am Neujahr mit seinem Schlitten aufwärts in den Wald und holte sich, von Nin manden gestört, das beste Holz, das er finden konnte. Das legte er auf seinen Schlitten, ban! es fest und begann damit heimwärts den Ber hinab zu ziehen. Bald gelangte er damit an einen so steilen Ort, daß er den Schlikten nich mehr aufhalten konnte und mit ihm in eine schrecl liche Tiefe fiel. N

Als er nicht nach Hause kam, wurden dit Seinigen ängstlich und suchten überall nach ihin in dem Walde; endlich fanden sie ihn tot neben seinem umgestürzten Schlitten liegen.

Von ihm hat die Bahn, welche er hinab gestürzt war, den Namen Aams- oder Adams bah erhalten.

Für die Hinterbliebenen

der im Plauen'schen Grunde verunglücken Bergleute

sind bei dem Vorstande des Hülfsvereins noch eingegangen! von Großherzogl. Bürgermeister Muth und 12 Ein wohne von Beienheim 2 fl. 39 kr. Der Vorstand des Hülfsvil, eins erklärt seinerseits die Sammlung für geschlossen um wird den Ertrag derselben, 111 fl. 50 kr, an das Centrg. Hülfscomité zu Döhlen bei Dresden absenden.

Bei der Expedition gingen noch ein: durch Herm

Pfarrvicar Schneider in Reichelsheim von H. Mühl

und G. Röhm das. 24 kr. Gesammtbetrag der bei un eingegangenen Gaben 362 fl. 40 kr., welche Summe wir an das Central-Hülfscomits zu Döhlen bei Dresdal abgesendet haben. Wir erklären gleichzeitig die von u veranstaltete Sammlung für geschlossen.

Die Expedition.