Ausgabe 
16.9.1869
 
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Donnerstag den 16. September.

108.

berhessischer Anzeiger.

Znthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.

Friedberger Intelligenzblatt.

Err

Für den Monat

7

September kann auf denOberhessischen

Verlags- Expedition mit 10 kr., bei den Poststellen mit 16 kr. abonnitt werden.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Anzeiger bei der

Hessen. Darmstadt. Ueber die Zeit der Einberufung des Landtages soll, entgegengesetzt aner auch von uns gebrachten Mittheilung, bis jetzt in Ministerium noch keine Entscheidung getroffen in, da eine Reihe von in der Ausarbeitung be⸗ riffenen Vorlagen noch so weit zurückständen, daß or Mitte November an einen Zusammentritt der Stände nicht gedacht werden könne.

Die Salzsteuer hat im Großherzogthum m Jahre 1868 einen Ertrag von 722, 751 fl. bgeworfen, wovon 273,872 fl. von dem Haupt- ollamt Darmstadt, 259,660 fl. von dem Salz⸗ rueramt Nauheim, 82,957 fl. von dem Salz⸗ eukramt Theodorshalle, 53,020 fl. von dem auptzollamt Bingen, und 25,357 fl. von dem Fauptzollamt Mainz vereinnahmt worden sind.

Da die Staatsschulden⸗Tilgungskasse gegen⸗ ärtig im Besitz bedeutender Geldmittel ist, so rird sie bei der am 3. Januar 1870 stattfinden⸗ en Verloosung der 50 fl. Loose von dem ihr ustehenden Recht sofort nach der Ziehung die reise unter Abzug eines Escomptes von 2 Proz. enzulösen, Gebrauch machen.

Auf Wunsch der Stände soll demnächst an Gesetzentwurf über die Zusammenlegung der Grundstücke zur Vorlage kommen. Die zu diesem zwecke besonders ernannte Commission hält zur eit unter dem Vorsitz des Geh. Staatsraths 1 Bechtold ihre Berathungen ab und wird sonach zem jetzigen, demnächst wieder auf kurze Zeit zu⸗ semmenkommenden Landtag der Gesetzentwurf zur Verathung vorgelegt werden können. Wie ver⸗ hütet, ist in dem Entwurf das Selbstbestimmungs⸗ ucht der Interessenten vollständig gewahrt worden.

Nach den Mittheilungen der Centralstelle ser die Landesstatistik des Großherzogthums betrug em 9. Dezember 1868 die Zahl der Pferde im Froßherzogthum 43,291, Rindvieh 287,554, Ichafe 187,234, Schweine 189,011, Ziegen 9,756, Esel und Maulesel 584, zusammen 24,812 Stück; Bienenstöcke zählt man 42,023. legen das Jahr 1867 erweist sich im Allgemei⸗ un eine Zunahme, ein Weniger findet sich nur bei sengsten um 22, Fohlen um 464, Fahrzugochsen

m 808 und Esel um 46 Stück. Diese Thiere

präsentiren einen Capitalwerth von 34,106,829 fl., yon auf Starkenburg 11,877,406 fl., auf Aberhessen 13,127,687 fl., und auf Rheinhessen 401,742 fl. kommen. Weiter ist aus den tatistischen Mittheilungen zu ersehen, daß im ver⸗ zingenen Jahre im Großherzogthum 25,143 unde zu 2 fl. und 1519 Hunde zu 45 kr. ver- inert wurden, so daß die Gesammtzahl der Hunde 25,662, der Ertrag der Steuer 51,425 fl. 15 kr. bcträgt. Von diesem Betrage fallen auf Starken⸗ srg 22,539 fl. 45 kr., auf Oberhessen 17,162 fl. 3% kr. und auf Rheinhessen 12,723 fl. Die ehs größten Städte Darmstadt, Offenbach, äeßen, Mainz, Worms und Bingen verstenern 63 Hunde mit 8703 fl. 30 kr.

Nach der vom Justizministerium heraus- cgebenen statistischen Uebersicht der Rechtspflege n Großherzogthum ist seit 1866 die Zahl der brozesse an den Stadt- und Landgerichten der Hovinz Starkenburg von 10,811 auf 11,398, n Oberhessen von 9255 auf 9270, die Zahl der Jahnsachen in Starkenburg von 56,081 auf

die Zahl der Conecurse in Starkenburg von 147 auf 164 gestiegen. Die Zahl der von den khein⸗ hessischen Friedensgerichten erlassenen Exkenntnisse ist von 9224 auf 9965, die Zahl der von den dortigen Bezirksgerichten verhandelten Prozesse von 969 auf 1257, die Zahl der Fallimente von 22 auf 38 gestiegen.

Preußen. Berlin. Eine zweite Volks⸗ versammlung in Sachen der Klosterfrage war etwa 2900 Köpfe stark; die katholischen Vereine waren sehr zahlreich vertreten. Der Charakter der Ver sammlung war so tumultuarisch, daß sie resultat⸗ los nach halbstündiger Dauer geschlossen werden mußte und daß es in und vor dem Lokale zu Handgreiflichkeiten kam.

Das dem Landtag vorzulegende Unterrichts⸗ Gesetz soll dabei bleiben, daß die aus dem Schul⸗ geld herrührenden Einnahmen für die Verwaltung des Volksschulwesens nicht zu entbehren und daß demnach der letzte Satz des Art. 25 der Ver⸗ fassungsurkunde, welcher die Unentgeltlichkeit des Unterrichts in der Volksschule stgtuirt, aufzuheben sei. Schon in der verflossenen Sesston hat der Landtag sich sehr entschieden gegen diese Aufhebung ausgesprochen, und es müßte wohl mit Wunder⸗ dingen zugehen, wenn sich jetzt ein anderes Re⸗ sultat ergeben sollte.

Da der Ober⸗Kirchenrath das Verbot des Consistoriums gegen die Einräumung einer der städtischen Kirchen für die bevorstehenden Sitzungen des Protestantenvereins bestätigt hak, so hat der Magistrat die städtische Turnhalle für den betr. Zweck eingeräumt, deren Einrichtung und Aus- schmückung für die Versammlung ebenfalls auf städtische Kosten erfolgt.

Bei Decker in Berlin ist jetzt eine Ueber⸗ sicht des Flächenraums und der Einwohnerzahl des preußischen Staates und alphabetisches Ver⸗ zeichniß der Städte in demselben, mit Angabe der Civil- Einwohnerzahl nach der Volkszählung am Schlusse des Jahres 1867 erschienen, worin zum ersten Mal die neuen Provinzen mit eingereiht sind. Die Gesammtbevölkerung Preußens beträgt nach der letzten Zählung mit Militär und Land- bevölkerung etwas über 24 Millionen, davon die Civilbevölkerung der Städte 6,966,052 Personen.

Wiederum ist ein hiesiger Lehrer wegen unzüchtiger Handlungen, die er an einer zehn⸗ jährigen Schülerin verübt, verhaftet worden.

Königsberg. Bei dem am 13. d. statt⸗ gefundenen Provinzialfeste brach durch den Andrang der Volksmenge das Brückengeländer des Schloß teichs. Es wurden bis Abends 10 Uhr 24 Todte aufgefischt.

Hannover. Der Verkauf der Hannoverschen Staatsbahnen ist fast als vollendete Thatsache zu betrachten; Käufer ist ein durch die Darmstädter Bank vertretenes Konsortium.

Düsseldorf. Eine dahier stattgehabte Ver⸗ sammlung der katholischen Vereine war, wenn man die auf derselben gehaltenen Reden in's Auge faßt, unzweifelhaft eine politische, denn nur nebenbei in den nicht öffentlichen Sitzungen wurden kirch liche Fragen hehandelt, in den öffentlichen dagegen hohe Politik getrieben. Sie sah sich von der Polizei nicht ireommodirt, wie doch das andern Vereinen gegenüber in Preußen zu geschehen pflegt;

474, in Oberhessen von 58,968 auf 70,563, die Herren konnten ungenirt ihrem bewegken

Herzen Luft machen und thaten es auch in sehr heftiger und ausgiebiger Weise.

Frankfurt. Der durch Professor Frhrn. v. Leonhardi begründete Philosophen⸗Congreß wird dieses Jahr in den Tagen vom 26. Sept. bis 2. Oet. hier in Frankfurt tagen.

Frankfurt. Den hiesigen Blättern hat eine Erklärung des demokratischen Wahlvereins bei gelegen, welchein Uebereinstimmung mit den namhaftesten seiner rechtsgelehrten Mitbürger in der Ausweisungsmaßregel, wie sie hier zur An⸗ wendung gekommen ist, eine flagrante Verletzung der ausdrücklichen Bestimmungen des bürgerlichen, wie des Staatsrechtes, namentlich aber eine un⸗ begründete und nicht zu rechtfertigende, weil durch⸗ aus unprovocirte und unmotivirte Beleidigung eines friedlichen Nachbarstaafes, endlich ein ent⸗ schiedenes Zuwiderhandeln gegen die natürlichen Forderungen der Gerechtigkeit, Sittlichkeit und Humanität erblickt.

Hanau. Am 8. d. verschied hier Herr Dr. Hasse, Domprobst und Generalvicar, Vertreter des Bischofs von Culm bei der Bischofs-Conferenz zu Fulda, auf der Durchreise nach seiner Heimath begriffen, plötzlich am Schlagflusse. Die Leicht wurde nach dem Bischofssitze Pelplin verbracht.

Würtemberg. Stuttgart, Der neue Bischof von Rottenburg, Dr. Hefele, erklärt die Mittheilung desF. J. aus Fulda, wonach er auf Wunsch des Königs von Preußen ein Pro- memoria bezüglich des römischen Coneils ausgear⸗ beitet habe, für grundlos.

Den Ständen wird ein Gesetzentwurf, die Verfassungsrevision betr., vorgelegt werden.

Oesterreich. Wien. Der Exkurfürst von Hessen läßt in einem Prager Blatte erklären, daß er weder direkt noch indirekt bei einer österreichi⸗ schen Bank betheiligt sei. Von mehreren Seiten war behauptet worden, daß er, wie der Exkönig von Hannover, zu den Gründern derWiener Bank(deßhalb auch Fürstenbank genannt), deren Aktien von 285 auf 90 Gulden gesunken sind, gehört habe. Man erzählt auch, daß der Exkönig Georg V. der mit der Liquidation bedrohten Bank mit einigen Millionen zu Hülfe gekommen sei, da sehr viele Mitglieder deskönigstreuen hannover⸗ schen Adels bei der Erhaltung dieses Instituts interessirt sein sollen.

Schweiz. Bei der Gotthardt-Conferenz ver- treten den norddeulschen Bund der preußische Ge⸗ sandte v. Röder und der Oberbaudirektor Weishaupt.

Der Genehmigungsakt der Rigibahn (Luzern) enthält u. A. folgende Bestimmungen, die wohl fremde Reisende interessiren dürften: Die Verpflichtung zum Betrieb der Bahn beschränkt sich auf die Sommerzeit, bezw. der Zeit des

Reisezudrangs. Die Gesellschaft hat sich hierüber mit der Regierung zu verständigen. Die höchste Personengebühr für die Bergfahrt bei einer

Wagenklasse ist 5 Fr., bei zwei je 7 und 4 Fr., die Thalfahrt nur die Hälfte. Abonnementsbillete für 5 Doppelfahrten mit 30 Prozent Nachlaß. Für den Güterverkehr das Höchste 2 Fr. für den Doppel⸗Centner Gepäck, 1 Fr. 60 C. für andere Waaren.

Frankreich. Paris.Es scheint gewiß, sagt diePresse vom 11. d.,daß der Kaiser sich in Bälde nach Biarritz begeben wird, wenn