Hessen. Darmstadt, 13. März. II. Kammer. Zur Berathung gelangt Tit. 16 des Etats, Aus⸗ gaben für den Generalstab, und werden bewilligt zu Zwecken der Landestopographie mit 28 gegen 16 Stimmen jährlich 3000 fl. als nicht zu überschrei⸗ tende Aversionalsumme. Desgleichen verwilligte die Kammer mit 36 gegen 8 Stimmen jährlich 1000 fl. für die unter diesen Titel fallenden per- sönlichen Ausgaben. Zu Tit. 20(Gehalt und Löhnung der Truppen) fordert die Regierung für die Infanterie 637,444 fl. 36 kr., für die Reiterei 193,156 fl. 9 kr., für Artillerie und Train 131,202 fl. 57 kr., für Pionniere 15,805 fl. 51 kr., für Landwehrstämme und Uebungskosten 37,278 fl. 30 kr., und endlich für andere For- mationen und vermischte Ausgaben 84,199 fl. 17 kr. Regierungscommissär v. Herget bittet nochmals die Kammer, der Regierungsforderung beizustimmen. Der Partikularismus habe die Niederlage von 1866 verschuldet, und wenn die Sache nicht zu ernst wäre, könne er Dinge acten⸗ mäßig belegen, welche großes Lachen hervorrufen würden. Goldmann verweist auf die Ver— wendung preußischer Offiziere in der hessischen Division, welche die preußischen Gagensätze be— ziehen, und findet schon darin einen Grund für Bewilligung der Anforderungen. Außerdem sei die Kammer durch Annahme der Convention ver— pflichtet. Becker und Kempff erklären, daß ihnen, wie dem abwesenden Stockhausen, bei den Verhandlungen im Ausschuß über die Militär— Convention nicht in den Sinn gekommen sei, daß auch die Annahme der Gagen mit derjenigen der Militär— Convention Hand in Hand gehen solle. Dumont erinnert daran, daß ihm, resp. der Kammer, von Seiten des früheren Kriegsministeriums bei der Verhandlung über die Militär-Convention erklärt worden sei, daß die Entscheidung über finanzielle Fragen der Kammer verbleiben werde. Wernher fürchtet im Falle der Ablehnung Beschlagnahme der Biersteuer, Branntweinsteuer ꝛc. in Oberhessen und behauptet zu wissen, daß Repressivmaßregeln schon vor der Thür stünden. Volhard bittet die Kammer, sich nicht durch diese Bassermann— schen Gestalten schrecken zu lassen; was übrigens die Ansicht des Regierungscommissärs betreffe, daß die Verweigerung Ausfluß des Particularis— mus sei, so wolle er nur entgegnen, daß die Gagen keine Steine zum Bau einer Mainbrücke abgeben werden, sondern im Gegentheil die Ab— neigung gegen den von ihm gewünschten Eintritt in den norddeutschen Bund vermehren würden. Es sprachen noch für Verwilligung der Forderungen der Regierung die Abgg. Hallwachs und Dernburg sowie der Regierungs-Commissär Niepoth. Gegen dieselbe nehmen nochmals das Wort die Abgg. v. Gagern, v. Biegeleben, Volhard, Dumont und Fink, worauf zur Abstimmung geschritten wird. Das Ergebniß derselben war die mit 44 gegen 2 Stimmen er- folgte Ablehnung der in dem Etat gemachten An- forderung von 1,076,687 fl. 20 kr. Desgleichen wurde der Antrag der Mehrheit mit 24 gegen 22 Stimmen verneint, demzufolge die obige Summe, vorbehältlich der Abstimmung über die weiteren Ausschußanträge(verschiedene Abzüge deren Ge⸗ sammtsumme 77,522 fl. 57 kr. beträgt), genehmigt werden sollte. Verwilligt wurde dagegen, nach Antrag der Minorität, mit 28 gegen 8 Stimmen die Summe von 989,485 fl. 35 ½ kr., vorbehält⸗ lich der Abstimmung über die beantragten Abzüge, resp. vorbehältlich der Berichtigung nach Maß- gabe der Specialabstimmung.
— Die erste Kammer der Stände beginnt Dienstag den 16. d. ihre Berathungen.
— Vor Gr. Hofgerichte der Appellinstanz kam die Anklage des Geheimen Staatsraths Frank gegen die Redaktion der Mainzeitung zur Ver⸗ handlung. Das Urtheil wurde vertagt, nachdem die Verhandlungen mit einer kurzen Unterbrechung den ganzen Tag über gedauert hatten.
* Friedberg. In Angelegenheit der von Hanau nach Frikdberg zu erbauenden Eisenbahn war vor Kurzem eine Kreisständische Deputation aus Hanau in Berlin anwesend, welche bei dem Könige und dem Kronprinzen eine Audienz gehabt. Beide
hohen Herren sollen ein lebhaftes Interesse an dem Gedeihen der Hanauer Industrie bekundet
und sich für die Wichtigkeit einer dieselbe fördern⸗
den Eisenbahn ausgesprochen haben.
* Offenbach. In den letzten Tagen durchlief die frohe Kunde unsere Stadt, daß unsere Handelsschule(unter der Direktion des als Schulmann so tüchtig bewährten Dr. Nägler) die lange vorenthaltene Berechtigung erlangt hat, Qualifikationszeugnisse für den Einjährigen⸗Dienst im Norddeutschen Bund auszustellen. Die fernere Existenz dieser in weiten Kreisen bekannten Anstalt ist also gesichert, worüber sich unsere zahlreiche Kaufmannschaft sehr freut. Seit dem zehnjährigen Bestehen der Anstalt ist in unsere jungen Kaufleute ein ganz anderer Geist gekommen; die Schule hat sie vom blosen Routine zur Wissenschaftlichkeit gebracht. Diese Nachricht dürfte auch die Leser des Anzeiger interessiren, da unsres Wissens eine Anzahl junger Leute aus der Wetterau ihre Vor— bildung zum Geschäftsleben der Anstalt verdanken.
Preußen. Berlin, 13. März. Reichs- tag. Präsident Delbrück beantwortet die Inter— pellation Wiggers wegen Gleichberechtigung der Israeliten dahin, daß diese Angelegenheit binnen Kurzem im Bundesrathe zur Beschlußnahme ge— langen werde. Es folgt die erste Berathung über den Entwurf des Reichstagswahlgesetzes. Twesten dermißt die gesetzliche Feststellung der Wahlbezirke, Präsident Delbrück hält dieselbe für unthunlich, weil nach§. 6 die Abgeordnetenzahl nach der Bevölkerung sestgestellt, daher alle drei Jahre geändert werde. Löwe spricht gegen die Aus- schließung des stehenden Heeres von der Wahl, Hasenclever gegen die Bestimmung, daß der Wähler 25 Jahre alt sein müsse. Graf Bismarck erklärt, die Regierungen würden zu wesentlichen Aenderungen des bestehenden Wahlgesetzes nicht die Hand bieten. Twesten bringt den Antrag ein, den Bundeskanzler zu ersuchen, er möge für die zur Bundescompetenz gehörigen Angelegenheiten eine geordnete Aufsicht und Verwaltung durch ver— antwortliche Bundesministerien namentlich für Aus- wärtiges, Krieg, Marine, Handel und Verkehrs— wesen, im Gesetzgebungswege herbeiführen. Es folgen noch einige persönliche Bemerkungen zwischen dem Abg. Schwerin und dem Bundeskanzler und wurde dann der Antrag auf Verweisung an eine Commission abgelehnt. Es beginnt nun die erste Berathung des Gesetzentwurfes, betr. die Beschlag— nahme des Arbeitslohnes. Nach einer Debatte, woran sich besonders Unruh, Waldeck,(welcher die Beschlagnahme noch nicht verdienten Lohnes für eine Knechtung der Arbeiter erklärt), Wagner (Neustettin) und Schulze betheiligen, wird die Verweisung an eine Commission von 16 Mit- gliedern beschlossen.
Kronberg. In einer zur Besprechung des Frankfurt⸗ Kronberger Eisenbahnprojektes dahier stattgehabten Versammlung sprach man sich im Allgemeinen dahin aus, daß es sowohl Sache der Stadtgemeinde wie jedes einzelnen Bürgers sei, das gemeinnützige und die Interessen Kronbergs so sehr fördernde Unternehmen mit allen Mitteln zu unterstützen. Die specielltren Vorarbeiten zur detaillirten Ausstellung der Kostenvoranschläge sollen demnächst beginnen.
Bayern. München. Laut bezirksamtlicher Meldung aus Feldkirch wurde daselbst der Post— dieb Becher verhaftet. Derselbe war im Besitze bedeutender, theilweise noch uneröffneter Geldpakete.
Oesterreich. Wien. Die„Presse“ mel⸗ det: Die französische Regierung ließ an die ihr befreundeten Mächte durch die in Paris accredi— tirten Verteter derselben Aufschlüsse über die bel— gische Streitfrage gelangen, um die Alarmgerüchte auf ihr richtiges Maß zurückzuführen und dar— zuthun, daß diese Streitfrage nicht entfernt zur Befürchtung ernster Verwickelungen Anlaß biete.
— Wiener Blätter melden, daß ein günstiger Abschluß der handelspolitischen Verhandlungen zwischen Oesterreich und Großbritannien sehr nahe gerückt sei; es sei eine in den wesentlichen Punkten zustimmende britische Antwort auf die österreichi— schen Vorschläge eingetroffen und die Beibehaltung
des Gewichtszolls angenommen.
*
Frankreich. Paris. Die Gerüchte von einer Annäherung zwischen Oesterreich und Italien werden hier höchst günstig aufgenommen. Man gibt sich alle Mühe, nachzuweisen, daß beide Mächte nach Beseitigung alles Dessen, was Grund zu Differenzen bieten konnte, eigentlich natürliche Bundesgenossen seien und ohne Zweifel mit der Zeit diesen Verhältnissen auch offiziell Rechnung tragen würden. 70
— In Folge der versöhnlichen Intervention Englands soll in dem Streite zwischen Frankreich und Belgien ein europäisches Schiedsgericht an⸗ genommen worden und die Situation friedlich sein.
— Der„Etendard“ sagt, daß keine inter— nationale, sondern eine französisch-belgische Com— mission die zwischen beiden Staaten schwebenden wirthschaftlichen Angelegenheiten regeln werde.
— Die„France“ sagt über den belgisch⸗fran⸗ zösischen Zwischenfall:„Nichts berechtigt zu dem Glauben, als habe sich die Situation verschlim— mert und als sei sie beunruhigend für die fran— zösischen Interessen.“
Belgien. Brüssel. Der französische Ge⸗ sandte Lagueronnidre ist zurückgekommen und bringt versöhnliche Instruktionen mit. Frankreich ver— zichtet auf den Vertrag der Luxemburger Ostbahn.
Spanien. Madrid. In den Cortes hat Figuerola eine Gesetzvorlage, die Aufnahme einer Anleihe von 1000 Millionen Realen betreffend, eingebracht. 8
— Der Abg. Garrido verlangt die Ein— stellung der die Conseription vorberkitenden Maß— regeln; seine sehr animirte Rede ruft große Be— wegung hervor. Prim hält die Nothwendigkeit, eines stehenden Heeres aufrecht. Der Antrag Garrido's wird mit 112 gegen 69 Stimmen abgelehnt.
— Man schreibt uns aus Madrid, daß ein Versuch gemacht ist, 6— 7000 Soldaten, die die Kaserne der Guardia bewohnen, zu vergiften. Die Ueberwachung eines Offiziers hätte das Complot vereitelt. Am 6. März wurde in eben derselben Caserne der Guardia, der größ ten von Madrid, Feuer angelegt. Das Feuer brach gleich— zeitig an vier Puncten aus; das Dach, die Ställe, die Magazine, Alles war in einem Augen- blick ein großes Feuer.
— Das officielle Journal veröffentlicht ein Circular Figuerola's, worin derselbe anordnet, daß die Bedingungen des Handelsvertrags mit Frankreich von nun an auch auf Deutschland Anwendung finden.
Italien. Florenz. Die„Opinione“ sagt: Einige Journale schreiben die Ankunft unseres Gesandten am Tuilerienhofe, des Ritters Nigra, in Florenz Unterhandlungen zu, die wegen eines gegen Preußen gerichteten Bündnisses zwischen Frankreich und Italien im Gange sein sollen; andere Journale versichern dagegen, Ritter Nigra werde als italienischer Gesandter nach London
gehen. Diese Gerüchte sind beide gänzlich unbe⸗ gründet. Amerika. Washington. Washburne
und Shofield sind zurückgetreten. Der Präsident hat hierauf Hamilton Fiß zum Staatssecretär, General Rawlins zum Kriegsministe, und Bout⸗ well zum Finanzminister, Washburne zum Ge⸗ sandten in Paris ernannt, welche Ernennungen vom Senat bestätigt wurden.— Ham. Fish aus Newyork, der in Stelle des zum Gesandten in Paris er- nannten Elihu B. Washburne vom Präsidenten Grant ins Cabinet berufen worden, ist ein sehr
talentvoller, dem Fortschritt huldigender Politiker.“
Friedberg.(Fortsetzung.) Die letzte Vorlesung des Hrn. Klein über„Eutstehung unseres Sonnensystems? befaßte sich mit den Einwänden, die dem Laplace'schen System entgegengesetzt worden sind und werden. Das Kopernikanische System, nach welchem die Erde um die Sonne sich dreht, ist bereits 300 Jahre alt, die Beweise für die Richtigkeit desselben haben sich im Laufe der Zeit geradezu gehäuft, und dennoch hat es Leute gegeben und gibt noch solche, die seine Richtigkeit läugnen und wider⸗ legen zu können vermeinen. So ein gewisser Schmitz aus Köln, welcher herausdüstelte, daß die Sonne in der Form eines 8 um die Erde kreise; so ein gewisser Schöpfer, der sich alle Mühe gab, die Erde zum Stillstehen zu bringen; so vor Kurzem der Berliner Knak, der den Süllstand der Erde dekretirte. Diese Leute sind gestorben und werden
sterben; das Kopernikanische System ist geblieben und
*
samte wütt
daß
benke voll berfüb lleberf entgegt Thalsa wendu beruht, neten! laufend wegen sich un zogenen anlang Virsuc allet G det Mi Theorie
802
nach! selden Landg gründe ertheil


