Wahlrechts wurden mit 92 gegen 48 Stimmen abgelehnt.——
Würtemberg. Stuttgart. Wie in gut unterrichteten Kreisen versichert wird, haben die Bestrebungen des Fürsten Hohenlohe, ein Bündniß der süddeutschen Staaten auf Grundlage selbständiger Verträge zu Stande zu bringen, noch keine bestimmte formelle Gestalt angenommen, und hat das bisher in dieser Richtung Geschehene weder hier noch in Karlsruhe eine Geneigtheit gefunden, welche irgend eine Aussicht auf einen realen Ersolg eröffnen könnte.
Oesterreich. Wien. Es geht wieder ein unheimliches Schwirren von Sensationsnachrichten durch die Luft. Kaum ist die eine verklungen, so wirbelt es an einer andern Stelle. So schreibt dieser Tage das Wiener„Vaterland“ mit sehr geheimnißvoller Miene:„Seit einigen Tagen werden hier auf Grund angeblicher exacter Pariser Nachrichten Gerüchte verbreitet, welche eine Schwenkung der großen europäischen Politik im kriegerischen Sinne in nächste Aussicht stellen, oder doch mindestens eine allgemeine politische Beun— ruhigung annonciren. Es sind uns ähnliche An- deutungen schon in vergangener Woche zugegangen.“
Frankreich. Paris. Die Nachrichten der Pariser Blätter aus Athen vom 9. d. stimmen darin überein, daß die Ruhe in der griechischen Hauptstadt keinen Augenblick gestört war. Die „Liberte“ sagt, daß in Griechenland Alles vor— über und daß den Aufregungen der letzten Tage eine sichtliche Beruhigung gefolgt sei.
— Das„Officielle Journal“ meldet, daß Fuad Pascha in Nizza gestorben ist. Sein Tod
wird aufs Lebhafteste bedauert, da er unter den Staatsmännern der Türkei eine fühlbare Lücke hinterlassen wird.
Spanien. Madrid. Die Eröffnung der Cortes fand in feierlicher Weise statt. Serrano sagte in seiner Ansprache: Nach Zertrümmerung der alten Fesseln seien die Volksvertreter berufen, ein neues Staatsgebäude aufzuführen. Die Finanzlage sei zwar schwierig, doch hoffe die Regierung, daß die Cortes durch tiefgreifende Reformen der Staatsadministration Abhülfe schaffen werden. Sie hoffe ferner, daß die Cortes die regierungsseitig proklamirte Religions-, Preß- und Unterrichtsfreiheit und das Versammlungsrecht sicherstellen werden. Die Sclaverei solle abzeschafft werden, doch ohne Ueberstürzung und ohne Ge— fährdung der Wohlfahrt der Antillen. Die aus- wärtigen Beziehungen seien befriedigend und mit einigen Staaten intimer geworden.
— Ein weiteres Telegramm aus Madrid sagt:
Die Eröffnung der Cortes hat inmitten einer großen Begeisterung stattgefunden. Beim Eintrilt der Mitglieder der provisorischen Regierung in den Sitzungssaal erhoben sich die Mitglieder des diplomatischen Corps, die Deputirten, die Zu— schauer der Tribünen, die Damen mit inbegriffen, von ihren Sitzen. Die republikanische Fraktion allein blieb sitzen. Während der Ceremonie wur— den in der Straße San Geronimo(in welcher der Congreß.-Palast gelegen ist) einige Flinten— schüsse von verdächtig aussehenden Bauern abge— feuert, welche sofert verhaftet wurden. Eine Commission des republikanischen Centralcomites hat sich zum Ministerpräsidenten begeben und denselben im Namen ihrer politischen Glaubensgenossen gebeten, in der Affaire von Burgos kein Blut vergießen zu lassen.
Italien Florenz. Die„Corr. italienne“ widerspricht die von einigen Journalen mitgetheilte Nachricht, daß die italienische Regierung in Unter— handlung stehe wegen Abschlusses eines Bündnisses für den Fall von Kriegseventualitäten.
Türkei. Konstantinopel. Der Schah von Persien ist mit einer Armee in südöstlicher Richtung gegen Bagdad abgegangen. Die Pforte sandte 10,000 Mann an die persische Gränze.
— Dem Vernehmen nach soll der türkische Botschafter in Paris, Djemil-Pascha, durch Edhem⸗Pascha ersetzt werden. Der interimistische Kriegeminister Khalil-Pascha ist zum Großmeister der Artillerie und Minister für Kriegsmaterial ernannt worden.
— Es wird eine Proklamation des Sultans an seine Unterthanen erwartet, in welcher die Pforte ihr Vertrauen äußere, die im Jahre 1850 aufgestellten Prinzipien, welche zugleich eine Bürg— schaft für die Unabhängigkeit der Türkei und für die Ruhe Europas seien, auch fernerhin trium— phiren zu sehen. f
Griechenland. Athen. Das Programm des Ministeriums setzt die Sachlage auseinander, constatirt die Schwierigkeiten derselben, erklärt seine Zustimmuug zum Conferenzprotokoll und kündigt neue Parlamentswahlen an. a
— Das Ministerium lehnte die Errichtung einer Nationalgarde ab und hat eine außerordent— liche Truppenaushebung angeordnet. Im Uebrigen herrscht vollkommene Ruhe.
— Die Truppen haben Ordre erhalten, ihre Kriegs-Aufstellungen zu verlassen und ihre früheren Standquartiere wieder einzunehmen.
— Eine Proklamation des neuen griechischen Ministeriums schließt mit den Worten:„Nachdem die Insurrektion auf Kreta erstickt war, kam es zu Negociationen, hervorgerufen durch das Ulti— matum der Türkei. Eine Weigerung gegenüber den Entscheidungen der Conferenz hätte nothwendig zum Kriege geführt. Wir hatten aber weder eine kriegsbereite Armee noch eine Flotte. Nachgiebig— keit ist unter solchen Umständen Pflicht, um die Zukunft Griechenlands nicht aufs Spiel zu setzen.“
Amerika. Washington. Präsident Johnson hat den Dr. Mudd, den Complicen des Booth bei dem Morde Lincoln's, begnadigt.— Der Congreß hat in vereinigter Sitzung die Urwahlen für die Präsidentschaft, aus denen Grant als Präsident und Colfax als Vicepräsident her— vorging, für gültig erklärt.
Newyork. General Grant erwiderte auf die Mittheilung der von Seiten des Congresses erfolgten Wahlratifikationen: Er werde ökonomi— schen Grundsätzen ergebene Minister wählen, lehne jedoch, bevor er den Senat davon in Kenntniß gesetzt, eine Nennung der Namen ab.
* Friedberg. In der Nacht von Freitag auf Samstag wüthete auch hier aus Südwest ein orkanarliger Sturm von selcher Heftigkeit, wie wir sie noch nie beobachtet haben. Es schien, als wenn die Wände der Häuser der Gewalt des bheranbrausenden Sturmes weichen müßten. Dächer und Schornsteine, sowie größere Bäume wurden wieder stark miigenommen. Von mehreren Seiten theilt man uns mit, daß man leichte Erderschütterungen glaubt wahrgenommen zu haben. Von Mainz wird eine gleiche Beobachtung gemeldet.
Frankfurt. Am gestrigen Tage, den 14. d., hat die Eröffnung der Biebricher Wintergärten, nun Frankfurter Palmgärten, statigefunden und haben die Taunus- und hessische Ludwigsbahn ermäßigte Fahrpreise bewilligt.
AE Die Weinsteuer.
Der Antrag des Abgeordneten George be— zweckt die Beseltigung der Weinsteuer, beziehungs— weise die Feststellung eines anderen Modus zur Erhebung derselben. Es handelt sich dabei in erster Linie um die Tranksteuer und Zapf— gebübren der Weinhändler und Weinwirthe, die der Staatskasse cinen jährlichen Ertrag liefern von beiläufig 300,000 fl. Es ist offenkundig, die Art der Erhebung derselben ist eine schwerfällige und lästige; die bis in's Kleinste gehendeß immer- währende Controle ist für den Geschäftsmann
äußerst unerquicklich und reizt zur Defraudation, H
abgesehen von den vielen Fällen, wo aus Un— kenntniß der gesetzlichen Bestimmungen oder bloßer Nachlässigkeit dieselben übertreten werden, und dann ärgerliche Untersuchungen und Strafen nach— folgen. Die Feststellung eines bequemeren Er— hebungsmodus— denn an ein Schwindenlassen dieses Einnahmepostens ist bei unsern heutigen Staatsbebürfnissen nicht zu denken würde darum ebenso sehr im Interesse der Steuerpflich— tigen als der Erhebung sein. Der von dem George'schen Antrag gemachte Vorschlag hierzu verdient in ernstliche Erwägung genommen zu werden. Es ist in der That nicht abzusehen, wie nicht, ähnlich wie bei der Abschätzung zur Einkommen⸗ steuer, die Bedeutung jedes einschlägigen Wein— geschäfts sestgestellt und darnach der Steueransatz dafür gemacht werden könnte, wodurch alle Keller— Visitatlonen und alles Unliebsame, was sich daran klebt, auf einmal fortsielen. In zweiter Linie
erscheint die Tranksteuer, die von Privaten, welche für ihren Bedarf Wein kaufen, mit 2 fl. per Ohm entrichtet wird. Ihr Betrag ist auf jähr⸗ lich 18 20,000 fl. veranschlagt. Der George⸗ sche Antrag beabsichtigt eine Ueberweisung der— selben auf die Weinproducenten als Weinbergsteuer; andere Vorschläge wollen sie, schon ihrer Unbe— deutendheit wegen, ganz in Wegfall gebracht wissen. Uns scheint weder das Eine noch das Andere räthlich. Obgleich nicht unmittelbar von der Sache berührt, wissen wir doch, daß Grund und Boden bereits genugsam belastet und daß besonders der Weinbau mit saurer Arbeit und schwerer Mübe verbunden ist, die sich oft eine Reihe von Jahren hindurch nicht lohnt, so daß, kommt einmal eine gute Ernte, der Weinbauer gezwungen ist, von der Kelter weg zu verkaufen und dem Weinhändler den Gewinn für sein kost— bares Produkt zu überlassen. Den Producenten noch weiter mit einer Steuer belasten, für die er sich nicht, wie der Händler und Wirth, durch Aufschlag auf die Waare schadlos halten kann, scheint unthunlich. Gegen das Zweite wäre Folgendes einzuwenden: Alle und jede Steuer, die auf Getränken ruht, sei es Branntwein, Bir oder Wein, zahlt schließlich der Consument, der Trinker. Wer sind nun die Leute, die ihren Wein vom Flaschengestell im eigenen Keller holen, um sich daran zu laben? Natürlich die günstiger Ge— stellten. Wäre es nicht ungereimt, wenn die die herrliche Gottesgabe steuerfrei oder doch nur mit der verhältnißmäßig geringen Abgabe belastet, die der Weinhändler als Ersatz für seine Steuer, daraufschlägt, genießen sollten, während der geringere Mann sein Bier oder sein Schöppchen Wein, das er vom Wirth kauft, dick versteuern muß? Die Einkommensteuer möchte zur Aus- gleichung dieses Mißverhältnissts nicht angeführt werden können, schon darum nicht, weil eine Aus— dehnung derselben auf alles Einkommen, des kleinen wie des großen, in Aussicht steht; eine Uebertragung aber der betreffenden 18,000 fl. auf die Abgabe der Weinhändler und Weinwirthe wäre fast naiv zu nennen, denn das hieße den geringen Mann an der Steuer mitzahlen lassen für den Wein, den der Wohlhabendere trinkt. Eher als all dies erschiene eine Erhöhung der verhältnißmäßig geringen Tranksteuer, die von Privaten für Wein zu entrichten ist, gerechtfertigt, und für ihre Erhebung dürften entweder andere Wege aufgesucht werden oder es beim Alten sein Bewenden haben müssen.
Tür die hülssbedürftige Familie des verunglückten Friedrich Zung von Wisselsheim gingen kei uns ein: von Chr. Hofmann's Wiltwe 30 kr.; von Director Dr. Matthias 1 fl.; von Ph. Garde 1 fl.; Ungenannt 1 fl; von J. A. Nauheim hier 1 fl.; Unge⸗ nannt 30 fl.; von Kreisrath Dieffenbach 30 kr.; von Frau Schff. 1 fl. f Mit herzlichem Dank'für die empfangenen Gaben sind wir zur Entgegennahme weiterer Beträge gerne bereit. — Die Expedition.
Kür die nothleidenden Zuden in Westrußland
ist ferner eingegangen: Bei Hrn. L. Adler von den Herren Hauptmann Hofmann 1 fl. 45 kr., Leopold Goldbeck 1 fl.; Bei Herrn J. Goldbeck durch Herrn E. Hirsch von Herren Hofgerichtsadvokat Curtman 3 fl. 30 kr. und J. B. in 1 fl.; von dem Herrn K. Roßmann in Wölfersheim 1 fl. 45 kr., Georg Hanau 1 fl. 45 kr., N. Schott in Burggräfenrod 1 fl. Bei der Expedition dieses Blattes von Chr. Hoffmann's Wittwe 30 kr.; von Gebrüder Grödel 5 fl.; von Kreisrath Dieffenbach 30 kr.
Dank den edlen Gebern, fernere Beiträge nehmen ent⸗
gegen die Expeditivn dieses Blattes und das Comiis.
Brief kasten.
Hrn.? in B. Sie haben keinen Grund, sich über die Nichtaufnahme Ihrer noch dazu nur chiffrirten Einsendung zu ereifern. Der„Anzeiger“ kann und will kein Partei⸗ blatt sein und ist es nicht, das wird jeder vorurtheilofreie Leser zugestehen. Wollen Sie Ihren Artikel gedruckt lesen, so geben Sie uns Auftrag zum Abdruck im Inseraten⸗ theil, dort haben auch andere, die Reichtagswahl betreffende Einsendangen, selbstverständlich mit Zustimmung der Ein⸗ sender, gegen Bezahlung Platz gefunden. Andernfalls unterbleibt der Abdruck.— Wollten wir auf den weileren Inhalt Ihres Schreibens eingehen, so hälten wir allenfalls nur zu sagen: Urtheilen Sie über den Anzeiger ungenirt wie Sie wollen, halten Sie von demselben ganz nach Belieben was Sie wollen und wenden Sie sich mit Ihrem Artikel an wen und wohin Sie vollen;— wir gedenken uns mit Ihnen nicht weiter zu befassen. Die Red.
eines I e dire J.
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