Ausgabe 
16.1.1869
 
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von den Jesuiten geweihte St. Ignatiuswasser gegen die Insekten werden noch in vielen Gegen- den von den Bauern für viel probatere Mittel gehalten, als diejenigen, welche von dem gesunden Menschenverstande empfohlen werden.

Schweiz. Der Bundesrath hat das Modell des Repetirgewehres difinitiv angenommen. Kleine Abänderungen, die noch zweckmäßig sein sollten, sind dem Militärdepartement überlassen. Es ist wobl die vollkommene Waffe, die bis jetzt noch tristirt. Aeußerlich sieht es dem Ordonnansstutzen, wie ihn der deutsche Schützenbund von dem schweizer Modell ang: nommen hat, äbnlich, am Schloß gleicht es elwas dem Zündnadelgtewehr.

»An Stelle des Ladstockes befindet sich ein Putz drabt, der länger und dünner ist, als der frühere Ladstock. Das Magazin ist so im Holz des Schaftes längs des Laufes versteckt, daß man es nicht bemerken kann. Das Schloß ist jetzt eine sinnreiche Composition des Winchester⸗ und des preußischen Zündnadelgewehres. Von letzterem ißt nämlich die Spiralfeder angenommen, das Bügel hebelspstem verlassen worden. Mit gefülltem Magazin braucht man letzt nur zwei Bewegungen.

Frankreich. Paris. In Ermangelung

uruer Instruktionen wohnte Rangabe am 12. d. der Conferenzsitzung nicht bei. Der Gesandte Frankreichs in Athen empfing die Ordre, der griechischen Regierung die Verschiedenheit der Stellung der Türkei und Griechenlands auf der Conftrenz zu erklären. Da die berathenden Mächte auf der Conferenz die Unterzeichner des Pariser Vertrags seien, so sei die Türkei als Mit- unterztichner zugelassen. Es könne also Nichts die Empfindlichkeit Griechenlands wachrufen. In Betreff dieser Sitzung der Conferenz sagt der Constitutionell: Man muß es bedauern, daß die hellenische Regierung, nachdem sie seit dem

2. Januar über die Stellung, welche sie auf der Conferenz einnehmen sollte, unterrichtet war und

nach Empfang der Einladung, sich im letzten

Moment enischlossen bat, Formschwierigkciten zu erheben. Wir haben nichtedestoweniger die Ueber zeugung, daß die Conferenz zu dem Resultat

führen werde, welches die Großmächte zu erreichen sich vorgenommen haben.

Die Pforte erklärte an Lavalette, sie wolle den Status quo nicht verschlimmern. Die Aus⸗ weisung der Griechen sei in Erwartung des Re- sultats der Conferenz bereits zurückgenommen.

Auch am 13. hatte der griechische Bevoll⸗ mächtigte, Rangabe, die verlangten Instruktionen noch nicht erhalten. DieFrance glaubt, daß Griechenland nicht auf seinem Wege bleiben und daß die Conferenz ihre Arbeiten werde beginnen tönnen. Im entgegengesetzten Fall ist es zweifel⸗ haft, ob die Couferenz fortdauert. Sie würde sich auf unbestimmte Zeit vertagen, wenn der diplomatische Conflikt mit einem bewaffneten Zu⸗ sammenstoß endigen sollte. Der Kampf würde lokalistt werden, da kein Grund bestehe, um vorauszusetzen, das Cabinet von Athen hanole unter dem Einfluß einer Großmacht. Rußland habe sich in der Conferenz kategorisch gegen das Vorgehen Griechenlands ausgesprochen.

Großbritannien. London. DieTimes behandelt die Conferenz als eine von vornherein abgekartete Angelegenheit und gedenkt des Antheils der Griechen,die(rotz aller sonstigen Fehler es verstehen, sich aus einer schwierigen Lage heraus- zuwinden, mit spöttischen Redensarten.Die deste Sicherheit, sagt sie,für den friedlichen Ausgang dieser Angelegenbei' liegt in den Mangel an Waffen, Geld, Truppen und Credit, unter welchem Griechenland ler det. Seine Verbündeten in der Türkei selbst sind nicht bereit, mit ihm gemeinschaftliche Sache zu machen, und seine aue, wärtigen Alliirten glauben, daß der Zeitpunkt sür thätige Unterstützung noch nicht gekommen sei.

Spanien. Madrid. DieGackta rer öffentlicht ein von allen Mitgliedern der prodiso rischen Nigierung unterzeich zetes Manifest an die Weͤhler, worin dieselbe die Anerkennung bean sprucht, baß sie bemüht gewesen sei, die beim Beginne cer Revolution gemachten Versprichungen zu erfüllen. Das Manifest sagt: Während der

Wablen werde die Regierung die vollständigste Neutralität beobachten. Es empfiehlt die Ver⸗ einigung der wahrhaft liberalen Parteien und versichert wiederholt, die Regierung werde die Entscheidung der Cortes respektiren, glaube jedoch, daß die Monarchie die Zukunft des Landes besser als jede andere Regierungsform sichern werde.

DieStimme des Jahrhunderts weiß auf's Bestimmteste, daß die Candidatkur Mont pensier's gar nicht mehr in Betracht kommen werde. Die einzigen Aspiranten mit Chancen seien der König ven Portugal und Espartere. Das Schönste bei der ganzen Sache ist, daß unglücklicherweise die beiden einzigenAspiranten mit Chancen nicht die mindeste Lust zeigen, von ihren Chancen Gebrauch zu machen. Die Journale beschäftigen sich wieder eifrig mit der Ex Königin, deren Treiben den Liberalen aller Parteien ernstliche Beforgnisse einflößt. Daß Isabella in der That aus jeder Complicatien Capital schlagen wird, stebt außer Zweifel; ihre Agenten thun alles Erdenkliche, ums die Spaltung zwischen Progressisten und Demokraten zu ver⸗ größern. a

Italien. Man meldet derGazzetta di Torino aus Parma, daß Gentral Cadorna 12,000 Mann unter seinem Befehl hat, die in den Provinzen Parma und Reggio in Detachemente vertheilt sind. Colonnen das Land und an den Orten, wo Un ordnungen vorkommen, helfen sie den Lecal-Bebör⸗ den bei den Verhaftungen. Die Zahl der Ver hafteten beläuft sich bereits auf 500.

Die offizielle Zeitung meldet, daß keine weiteren Unruhen in den Provinzen Bologaa, Peima und Reggio d'Emilia vorgekommen sind. In letzterer Prodinz ist das Mablsteuergesetz sogar regelmäßig zur Ausführung gebracht worden; die letzteren Nachrichten melden, daß die meisten Mühlen wieder geöffnet sind und daß man die Steuern bezahlt. Die Nachrichten von den anderen Punkten der Halbinsel fahren fort gut zu sein.

Türkei. Konstantinopel. DerLevant Herald meldet, daß zwischen den Mitgliedern der kretischen Regierung ein heftiger Zwiespalt ausgebrochen sei.

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h. Friedberg. Zur Baumpflanzung am Wege durch den Grund von Friesberg nach Nauheim möchte ich Etwas jagen, was vielleicht der Beachzung werih ersch int, na mentlich auch Denen, wie wir wünschen, die ein amtliches Wort dazu zu sagen haben. Jene Baumallee foll zwei Zwecken dienen, Obst liejern und Schatten gewäbren. Bie jetzt dient sie keinem diiser Zwecke und es werd wobl nech lange dauern, wenn weiter Nichts geschiebt, dis durch si« j ne Zwecke erreicht sind.Wenn weiter Nichte geschieht; es kann aber envas Weite es geschehen, damit duch die Allee die ecabsichtiaten Zwecke eber erreicht werden. Man wende bei ihr die Methode der Zwischen pflanzung an, di man füt Haus- und Baumgärten u. s. w. auch bäufi anwendet, und getz zwischen die jetzt dastehenden Obstbäume Küschbäume, Wallnüsse, Kastanien u. dal. Will man dies nicht auf den zwei Seiten thun, so führe man ed wenigstend auf der Wesiseiie aus, damit man im Som der von Mittag an im Schauen gehen kann. Die Zwischenbäame kann man nach einer Reihe von Jahren, wenn die jetzt dastehen den mehr Raum bedürfen, wieder ausmachen. Bis dice aber nöihig wird, hat Mancher in dem Schatien küoler Bäume zwischen Friedverg und Nauheim luffwandelu kön nen und eine Menge Schweißnopfen weniger geschwitzt als es so der Fall ist. Die Zwischenpflanzung, die wu vorgeschlagen, erfullt aber auch beide Zwecke, welche die Allee haben soll.

Frankfurt. Die Verwaltung der Homburger Eisen⸗ ban soll ihre Beamten und Bedienneien zu Neuj ihr mit einer Verordnung üÜberrascht haben, welche die Be nimmung entpält, daß ein Beamter, wenn er 4 Wochen krank ist, ½ seines Gehaltes abg zogen erhält. Wer übe ½¼ Jahr krank ist, kann pensionirt oder enilassen werden. In Sachsenhausen sind seit zwei Tagen zwei Familien in große Besorgniß versetzt, indem drei Mädchen, darunter zwei Schwestern von 17 und 18 Jahren vermißt werden. In m verfless ner Nacht gegen 12 Uhr wurde hier eine Erd eschülterung ver pärt.

Fraukfurt. Die Leiche des einen der vermißten Sachsenhäuser Mädchen, A. Schäfer, ist am Winterhafen aufgefunden worden; gleichzeing wurde die ziemlich in Vawesung übergegangene Leiche eines andern Frauen⸗ zimmers aus dem Wasser gezogen. f

Darmstact. Die biesigen Blätter melden vom 13. d., daß in der vorhergangenen Nicht in Darmstidt eine nicht unbedeutende, enva zehn Sekunden dauernde Erderschüne rung wihrgenemmen wurde. Sie erfolgte um 12 Uhr oder wenige Minuten später. Die Beweoungen walen denen ähnsich, welbe man in der Nähe der Schienen bei einem passirenden Eisenbahnzag empfindet. Ein

Andere durchziehen, in mobilen,

zweiter Bericht sagt: Die Bewegungen erfolgten in ber Richtung von Saden nuch Norden; es dröhnte, wie wenn ein Haus einstürzte. Heute Morgen, kurz vor 7. Uhr,

fanden nene, wentger inkensive Erderschütterungen statt, die

etwa vier Secunden währten Man vernahm ein Ge⸗ räuich. ähnlich dem dumpfen Rollen eines Wagens. Auch im Großbieberau, Oberramst dt, Worms und anderen Orten wurde eine Erderschütterung wahrgenommen.

In Weistenfels erschoß, wie dasMerseb. Krelg⸗ vlatt meldet, vergangene Woche in der Tleaterprobe eines Privatiheaters ein Dilettant den andern. Ein in der Scene in Gebrauch kommendes Pistol war ohne Wissen des Acteurs geladen. Derselbe setzte unvorsichtiger⸗ wesse ein Zündhülchen auf und drückte auf feinen Gegner ab, der getreffen zu Boden sank. 8

In Ostpreusten soll ein Rittergutsbesitzer ein neues Gewehr erfansen haben, das erZündmessergewehr nenn. Nach dem Bericht derV Ztg. bat der Flügel⸗ Adjutant des Königs von Preuß en, Oberstlieutenant Graf veyndorff einem Probeschiezen in der Hasenbarde bei⸗ Newoebnt und selvst einise Schüsse mit dem neuen Ge⸗ wehre abgefeuert, und soll sich sehr günstig Aber dasselbe J äußert baren. Auch erregten die neu erfundenen gas⸗ dichten Papierpatronen, weiche die Pulvergase volltändig adschließen. ein ganz besonderes Jater sse. Dem Erfinder geleng es, bei zwe Probeschießen in 56 Secunden 13 triege üchtige Schüsse nach der Scheibe abzufeuern.

Aus der Schweiz. Der Lilebauer Imhof hat in Rom den Entwurf zu einem Tellsdenkmal für Altoif vollendet. Dasoselbe bat eine Höhe von 11 Fuß und soll n Marmor au geführt werden. Troß seines vorgerückten Alters schreitet der wackere Meister nun an die Ausfübrung Lines greßen Werkes, das einst die schönste Kunstzrerde seier Heiwaih werden werd.

e Ein Bericht der Deutschen Gesellschaft zu Natrung Schiffbrüchiger ergibt, daß 1867 an den deuischen Küsten 128 Schifsbrüche statisanden, und zwar wurden daven unter andern betroffen 60 deu tsche u e 24 nzlische Schiffe. Von den 706 dabei Verunglückten ind 615 nechw ielich geretlet, umgekommen 81, nicht nachweisbar 10 Personen.

% Aus den Revoluttonskriegen lebt in den Vereinigten Staaten nur noch ein Veteran, welcher eine Pensien beziebt; dagegen 888 Witwen von solchen Kriegern. Od die Soldatenfrauen im Durchichnitt länger leben, als andere, oder ob sie jünger waren, als ihre Ehegatt⸗ n,. abi der oficielle Bericht, dem diese Ziffern enmnommen sind, nicht an.

3% Ein verhängnißvoller Diedstabl. Ein Ereigniß, das entsetzliche Folgen haben kann, hat fich in cMoßwardein zugetrazen. Am 14. Dezember haben näm⸗ lich daselbst Diebe ein Faß gesteblen, welches einen Centner A senik enibielt! Wenn man bedenkt, daß man dieses Gift in Folge seiner weiß u Farbe und seines süßen Geschmacles mil Zucker verwech eln kann und daß mögluberw ise un⸗

erstän dige Bauern das Faß g stenlen haben, so kann man

sich die haarsträubenden Fol zen dieses Diebstahles denken. Die Großwardei ier Stadihauptmaunschaft hat denn auch sch eunigst alle Obrigkciten und G meinden mittelst Pu⸗ blicatien ven dem Diekstahle verst indigt und jeden Men⸗ scheufteund aufgefordert, augenblick ich die geringste auf diesen Gegenstand bezügliche Nachricht zur Anzeige zu bengen.

% Die Todtenliste des Jahres 1868 euntbält folgende Namen von Bedeutung: Adalbert Stifter, Schrift⸗ steller; Sophle Schröder, die größte Schauspielerin ihrer Zen; König Ludwig 1 von Baiern; Lord Brougham eine parlamentarische Größe Englands; Cardinal Andrea; Müblf eld, eine parlamenzarische Größe Oesterreichs; Vilmar. der Kurbesse; Hannibal Fischer; Frau Virch-Pfeiffer, die Bübnendicht rin; Schuyder von Wartensee, Componist; Schöndein, E finder der Sch eßbaumwolle; Graf Gyulat, der unglückliche Feldherr von 1859; Eduard Hildebrandt, Maler; Friedrich Förster, Theodor Körner's Waffengenofse u. d Schriftsteller; Genelli in Weimar, Maler; James Roilbscheld und Rossini in Paris; Cvarles Kean, der be⸗ rübmie Varsteller Shakespeare'scher Rollen in Englandz Marschall Narvaez, einer der letzten Minister der Königin Jiavella; Fürst Michael von Serbien(ermordet); der dekannte Romanschrifisteller Alvensleben; Berryer, einer der ersten Redner Frankreichs; Prof. Ph. Welcker, der Nestor der»tulschen Philologen(ein geborner Grünberger).

% Der beutsche Weihnachtsbaum ist auch gegen den europaischen Südosten hin ine Forischritt be⸗ ar ffn. In Bukarest feierte der deutsche Gesangverein im 24. Dezember in einem großen Saale, der einen riesigen Weihnachtsbaum zum leuchtenden Mittelpunkt batte, den Christabend, an dessen Feier viele Rumänen Theil nahmen, wie denn auch bei ihnen sie begehen das Fest nach griechischem Kalender eist später die schöne Sitte der Weihnachtsbeschecrung unter dem strahlen⸗ den Tannenbaum großen Anklang und immer mehr Ver⸗ breitung findet.

% Ein neues Feuerzeug. Eine in der Geschichte der Judusttie jedenfalls Epoche machende Erfindung ist so (ben aus dem chemischen Laboratorkum der kal. polptech⸗ nischen Schule in Dresden bervorgegangen, indem es Hrn. Prosessor Dr. Fleck daselbst gelungen ist, die seit ungefähr 30 Jahren in den Verkehr eingeführten Streichhölzer, welche durch ihre Phosphor haltende, daber giftige Zünd⸗ masse schon so oft Veranlassung zu Unglücksfällen geworden, durch Zündrequ si en zu ersetz u, weiche, ebenso einfach als sicher im Gebrauch, eine völlig ungefährliche, gifefleie Zündmischung einschließen.

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