kennen und empfinden zu lernen. Diese Ansicht beruht einfach auf einem Irrthum, denn erfahrungsgemäß wird den armen Kindern gegenüber, die überdies vorzugsweise wegen Mangel an Fleiß ꝛc. Veranlassung zu Tadel geben, mehr der Hochmuth als das Mitgefühl genährt. Was aber die Meinung derjenigen betrifft, welche es für eine Pflicht der gesitteten Stände halten, ihre Kinder in der Volks— schule auf weniger gesittete einen bildenden Einfluß ausüben zu lassen, so ist dies mehr ein schöner als praktischer Gedanke, denn erstens wird der Erfolg ein sehr zweifelhafter und die Gefahr vorhanden sein, daß der Einfluß der ungesitteten Kinder der überwiegende wird; und ferner werden die Austretenden auch immer eine solche Minder— zahl bilden, daß der Schule in Bezug auf ihren sittlichen Stand auch nicht der geringste Nachtheil erwächst; und drittens würde der geringe Nachtheil, der allenfalls für die weniger befähigten und ge— sitteten Kinder entstehen könnte, bei weitem durch den Vortheil auf— gehoben, der fuͤr sie daraus erwächst, daß der Lehrer in Folge der Verminderung der Schülerzahl sich mehr mit den Einzelnen beschäf— tigen kann.
3) Noch ein 3. Beweggrund leitet mich bei der beabsichtigten Gründung der Elementarklassen: Eine Schule wie die meinige bleibt unzweifelhaft Bedürfniß für Friedberg, und wenn ich auch den fort—
währenden Besuch derselben wohl als einen Beweis dafür ansehen
darf, daß man mit den Leistungen derselben nicht unzufrieden ist, so sind diese doch bei weitem nicht der Art, daß sie den Anforderungen entsprechen, die ich selbst an meine Schule stelle. Ein Hauptgrund hiervon) liegt darin, daß meine Schülerinnen bis dahin eine ver— schiedene Vorbildung hatten, indem eine Schülerin bereits Französisch angefangenzhatte, die andere nicht; eine aus der 4., die andre aus der 5. Klasse der Volksschule eintrat. Zum Schluß muß ich noch
darauf hinweisen, daß es fur eine derartige Schule wie die meinige, von Nachtheil ist, wenn die Vorsteher wie die seitherigen ihre Leitung nur als ein Uebergangsstadium zum Staats- oder Kirchendienst be⸗ trachten müssen. In dem Maße, in dem die Zukunft der Schule gesichert erscheint, wird auch dieser Uebelstand gehoben werden, da ich für diesen Fall einem Beruf, den ich lieb gewonnen habe, nicht wieder entsagen wurde.
Nach dem Gesagten hoffe ich einer recht regen Theilnahme an meinem Unternehmen entgegensehen zu durfen.
Die Lehrfächer werden in den entstehenden Klassen in der Weise vertheilt, daß die Herren Volksschullehrer Weinel und Seminar⸗ lehrer Süß Lesen, Rechnen und Schreiben und meine Schwester Emma, die eine Reihe von Jahren an bekannten höheren Schulen zu Cannstadt und Frankfurt als Lehrerin in unteren und mittleren Klassen fungirt hat und vortreffliche Zeugnisse über ihre Befähigung besitzt, den größten Theil des übrigen Unterrichts übernimmt. Ich selbst werde nur in 8 Stunden mich mit den Elementarschülerinnen beschäftigen und dadurch für die oberen Klassen mehrere Stunden gewinnen, da ich seither genöthigt war, einige 7, 8 und 9 jährige Kinder, deren Eltern sie der Volksschule nicht übergeben wollten, in wöchentlich 12 Stunden ohne scharfe Klasseneintheilung in den Elemen⸗ tarfächern zu unterrichten.
Das Honorar beträgt in den Elementarklassen vierteljährlich:
für 6⸗ und 7jährige Kinder 5 fl. „,„ Yiährige„ 7 fl.
Außerdem zahlt jedes Kind fur Bibliothekberechtigung 1 fl. beim
Eintritt und pro Quartal 24 kr.
Zinßer.
lob.
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