reich nahere, seinen alten Ideen einer Allianz mit Rußland entsagen und die Cartel⸗Convention mit diesem Staate nicht wieder erneuern werde. f
— Im gesetzgebenden Körper btantragte ein Amendement Aushebung der großen militärischen Commandos. Kriegsminister Niel erwiderte darauf, das dies System den Vortheil darbiete, in acht Tagen den Friedensfuß in Kriegsfuß zu verwan- deln, ohne außerordentliche Contingente einzu- berufen und ohne das Ausland aufmerksam zu machen. Der Kriegsminister erklärte ferner, daß der zweite Theil des Contingents, mehr als 11,000 Mann per Semester, in ihre Heimath entlassen seien. Es sei weder für das Jahr 1869 noch sür 1870 ein Supplementar⸗ Credit nothwendig. Das Amendement gegen die großen Commandos ward bei der Abstimmung verworfen.
— Der Kaiser hat an den Staatsminister einen Brief gerichtet, in welchem er sagt:„Am nächsten 15. August werden es hundert Jahre sein, daß der Kaiser Napoleon geboren wurde. Während dieser langen Periode haben sich wohl Ruinen angehäuft, aber die große Gestalt Napo⸗ leons blieb aufrecht. Sie ist es noch, welche uns beschützt. Sie ist es, welche es mir möglich macht, aus Nichts den hundertjährigen Geburtstag des Mannes zu feiern, welcher die Franzosen die große Nation nannte, weil er in ihnen jene männlichen Tugenden entwickelt hatte, welche Reiche zu grün— den vermögen. In dieser für mich heiligen Pflicht wird sich das ganze Land mit mir vereinen. Nach meinem Dafürhalten werden wir am Besten dieses nationale Jubiläum ehren, wenn wir den alten Waffengefährten Napoleons I. eine ihr Wohl— befinden vermehrende Gabe zuerkennen.“ Der Brief des Kaisers gibt die Mittel an, um jedem der Militärs der Republik und des ersten Kaiser— reiches eine Pension von 250 Frances zu gewähren.
Belgien. Brüssel. Frere⸗Orban hat der Regierung mitgetheilt, daß er in Paris bleiben und noch nicht zurückkehren werde.
— Die Unterhandlungen in Paris wickeln sich nach dem Plane Frötre-Orbans ab, wobei
von der Ratification der Eisenbahn⸗Verträge Ab⸗ stand genommen wird. Die Lösung der Angelegen⸗ heit steht nahe bevor.
Spanien. Madrid. Eine Carlisten⸗Bande hat den Versuch gemacht, die aus vier Compagnien bestehende Garnison von Seu de Urgel(befestigte Stadt in Catalonien) zu überrumpeln, wurde aber mit großem Verlust zurückgeschlagen.
Italien. Die„Agenzia Stefani“ erklärt laut einem Telegramm der alten Wiener„Presse“ vom Samstag die Meldung von dem Eintreffen des Herzogs v. Aosta in Berlin für einen Irrthum.
Rom. Der Papst hat am Morgen des 11. d. 7 Uhr am päpstlichen Altar von St. Peter vor einer unermeßlichen und tiefbewegten Versammlung eine stille Messe gelesen. Hierauf erfolgte das Tedeum und der päpstliche Segen vom Altar aus. Nach der religiösen Feier nahm Pius IX. mit den Würdenträgern des Hofs und dem diplomatischen Corps ein vom Capitel von St. Peter veranstaltetes Frühstück ein. Rom strahlte im Festschmuck; das Wetter war herrlich. Eine Amnestie ist gewährt, in welche auch die politischen Gefangenen miteinbegriffen sind.
Rußland. Aus Kowno berichtet das „Fr. J.“: Noch hat die Noth der Israeliten im westlichen Rußland ihren Gipfelpunkt nicht erreicht. Der Hungertyphus wüthet in herzerschütternder Weise, überall fehlt es an Nahrungsmitteln, Wäsche und Kleidungsstücken. allein, wo mit unentgeltlicher Verpflegung von tausend Armen begonnen wurde, hat sich die Zahl der der Unterstützung Bedürftigen auf 4000 gesteigert.
Amerika. Der amerikanische Congreß hat in deutlicher Beziehung auf Cuba die Resolution angenommen, daß jede factisch bestehende Regierung, insofern sie die Republik proklamirt, von den ver— einigten Staaten anzuerkennen sei.
Gießen. Auf unserem Viehmarkte den 6. und 7. d. waren aufgceirieben: Rindvieh 1051 Stück und Schweine 1023 Stück. Die Preise des setten Viehs waren durch⸗ gängig eiwas höher als auf früheren Märkten; doch
Am hiesigen Orte⸗
gingen namentlich fette Ochsen rasch ab. Nächster Markt den 4. und 5. Mai d. J. a
Rödelheim. Das„Frkf. Journ.“ schreibt: Noch im Laufe dieses Monats wird Graf Otio v. Solms mit seiner Gemahlin seinen Stammsitz, ber seit siebenzig Jahren leer stand, wieder beziehen und hier seine bleibende Residenz nehmen. 1
Frankfurt. Der diesjährige Frühjahrspferdemarkt hat, vom herrlichsten Wetter begünstigt, am 12. d. begonnen. Wohl noch seltien mögen so viele schöͤne Pferde zu Markt gebracht worden sein, wie diesmal. Schon Samstag und Sonntag wurde lebhaft in Reitpferden gemustert und zu annehmbaren Preisen gekauft. In den Stallungen und auf den öffentlichen Plätzen standen bei Markibeginn 1278 Pferde. Die zur Eröffnung staltgehabte Prämiirung der besten zu Markt gebrachten Pferde zog außerordentlich viel Publikum an. Wit erwähnen hier noch, daß der zweile Preis, leichte Zugpferde, den Herrn Gebr. Bent⸗ heim aus Friedberg zuerkannt wurde und in einem Cigarrenkasten mit silbernen Pferden bestand.
Frankfurt. Der hiesige Frauen-Verein zur Wohl⸗ thätigkeit hat im verflossenen Jahre seine Wirksamkeit in segensreicher Weise entfaltet. In 1118 Fällen ließ er seine Hülfe angedeihen. 179 Kindern ohne Unterschied der Re— ligion bereitete er fröhliche Christtage. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 531, sie minderte sich leider gegen das Vorjahr um fünf. Neben den regelmäßigen Beiträgen flossen dem Vereine zahlreiche Geschenke im Gesammtbe— trage von 1414 fl. 23 kr. zu. Das Vereinsvermögen be— ziffert sich derzeitig auf 17,716 fl. 22 kr.
— Frankfurt. Unter dem Namen„Marlha-Her— berge“ besteht dahier mit sehr erfreulicher Wirksamkeit eine Anstalt, welche den Zweck hat, weiblichen Diensiboten Auf— nahme zu bieten und für dieselben geeignete Stellen zu vermitteln. Im verflossenen Jahre fanden 614 Mädchen verschiedener Confessionen Aufnahme: 407 derselben er— hielten durch die Vermittlung der Anstalt Stellen, 132 hatten bereits eine Stelle, 36 gingen nach auswärts, 10 kehrten zu ihren Eltern zurück und 16 waren nicht zu empfehlen. 1891 Herrschaften wendeten sich an die„Martha— Herberge“ und begehrten von ihr weibliches Dienstpersonal. Die Einnahmen beziffern sich auf 4011 fl. 18 kr., die Ausgaben auf 3912 fl. 54 kr.
Mainz. Vor den gegenwärtigen Assisen erschien auf der Anklagebank ein italienischer Orgelspieler, des Ver— brechens schwerer Körperverletzung angeklagt. Dersetve hatte am 28. October v. J. zu Castel einem Handwerks— burschen, als derselbe auf seine Frage, ob er ein Preuße sei, bejahte, die Nase total abgebissen. Er wurde für schuldig befunden und in 9 Monate Correktionshausstrafe verurtheilt
er Mannheim. Der erste der beiden hiesigen Haupt⸗ Pferde- und Rindviehmärkte ist vorüber und kann dessen Resultat ein günstiges genannt werden. Der zweite Haupt⸗ markt findet am 3. und 4. Mai statt; an letzterem Tage wird Vormittags eine Versteigerung auf dem Markte ge⸗ kaufler Farren und Nachmittags eine Prämitrung vorzüg licher auf den Markt gebrachter Farren, Kühe und Rinder abgehalten. Abends gebt die 2. Verloosung von Rindvieh, landwirthschaftlicher Maschinen und Geräthe ꝛc. vor sich und sind dazu von den emittirten 32,000 Loosen noch circa 7000 Stück übrig, welche unter gleichen Bedingungen, wie vorhec, abgegeben werden. Der Maschinenmarkt ist auf die Tage vom 25. April bis 6. Mai bestimmt und find dazu bedeutende Anmeldungen erfolgt; die diesjährigen Pferde⸗Rennen fallen auf 2. und 3. Mai; für letztere sind fl. 4000 Preise ausgesetzt und versprechen Zahl und Namen der Theilnehmer daran einen besondern Erfolg.
Düsseldorf. Vor einigen Tagen hatte der Leichen— bitler den Körper eines Kindes zum Kirchhofe getragen und der Todtengräber war ebeu im Begriff, denselben in die Gruft zu senken, als er im Sarge ein Geräusch ver⸗ nahm. Der Sarg wurde sofort geöffnet und der kleine, wieder lebendig gewordene Erdenbürger sorgsam in warme Tücher gewickelt und seinen staunenden Eltern zurückgebracht
Schweidnitz. Die„W. 3.“ berichtet: Eine Granate, 1866 aus dem österreichischen Feldzuge von einem Knechte mitgebracht, ist jetzt Ursache eines Unglücks geworden. In der Styriusmühle des Hru. P. befindet sich zugleich sür das Eiablissement eine Privatschmiede. Drei Knaben, einer 11 Jahre, der andere 6 Jahre, und ein noch jüngerer hatten die Granate, die unter altem Eisen lag, entdeckt und als willkommenes Spielzeug hervorgeholt. Die Granate war der Vorsicht halber des Zunders beraubt und ausgebohrt worden, jedoch war dies mangelhaft ge⸗ schehen. Die Knaben beschäftigten sich nun damit, auf einem leer stehenden Amboß Pulverkörner herauszuklopfen und diese anzuzünden. Damit hatten sie sich schon eine Weile belustigt, als ein in der Schmiede beschäfligter Arbeiter, der hinzukam, zu ihnen sagte:„Wartet, ich will euch einen Spaß machen“, sich wieder entfernte und da— rauf, ein glühendes Stück Staabeisen an einer Zange haltend, zurückkehrte. Der 11jährige Knabe blieb beherzt stehen, der 6jährige stellte sich hinter ihn und der Kleine suchte Deckung hinter der Thür. Nun fuhr der Arbeiter mit dem glühenden Eisen in die Granate— ein furcht⸗ barer Knall erschütterte das ganze Gebäude. Die mangel⸗ haft ausgebohrte Granate war ctepirt, hatte die Zange des Schmiedes gebogen, über denselben hinweggeworfen und ihn zurückgeschleudert. Der Mensch soll, wie verlautet ums Gehör gekommen sein, sonst ist ihm merkwürdiger Weise nichts passict. Der älteste Knabe, der dicht bei dem Amboß stand, erhielt ein Stück Granate in den Unterleib, das ihm das Netz und die Dünndärme zerkiß, ein zweites zerschmetterie ihm die Schulter und ein drittes riß ihm die Finger einer Hand weg. Dem mittleren Knaben schlug ein Granalsplitter in den Oberarm. Der kleinste
Anbaues, in welchem dies geschah,
drang in den unteren Raum einer Sägemüßhle, in welcher sich wenige Augenblicke vorher viele Menschen aufgehallen alten. N New⸗Nork. Die tiesste Entrüstung erregen hier dun Enthüllungen über das, was an Bord des New-Horker Passagierschiffes„James Foster junior“ auf der Reise von Liverpool auf hier vorgegangen. Es wird dadurch so ziemlich Alles übertroffen, was jemals in der Art vor⸗ gekommen, wie starke Dinge uns auch in den letzten Jahren geboten worden sind. Alles war darauf angelegt, auf Kosten der Gesundheit und des Lebens der Passagiere zu sparen. Eine Räumlichkeit wurde ihnen angewiesen, in der sich noihwendiger Weise Miasmen entwickeln mußten. Gezwungen waren sie, in der Atmosphäre ihres eigenen Unraths zu vegetiren. Und dazu kam die gransamste, willkürliche Behandlung, welcher der Capitän passiv zu⸗ sah. Todtkranke wurden vom Lager, auf welchem sie hülflos lagen, aufs Verdeck gezerrt, um in Sturm und Regen zu arbeiten, und auf diese Weise wurden sie er⸗ mordet. Der Arzt gefiel sich darin, seine Patienten zu mariern und zu lödten. Und wie den Passagieren, so er— ging es dem größten Theil der Mannschaft. Der Capitän ist gestorben. Wenigstens erklärt dies einer der Rheder, wenn man sich auch sträubt, sein Zeugniß in dieser Be⸗ ziehung als vollgültigen Beweis anzunehmen. Aber das Schiff ist als„corpus delieti“ da, Leichen und Sterbende sind als redende Zeugen zugegen. Vorhanden ist die schuldige Compagnie. Im Gefängniß sitzen die zunächst an den begangenen Grausamkeiten Betheiligten.
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Gemeinnütziges.
„ Als Fliegensfalle, die das Zimmer zugleich ziert, empfehlen die„Fraundorfer Blätter“ den Hundskohl (Apocinum andros aemifoljum), eine aus Nordamerika stammende, immergrüne Staude, die sehr gut im Topfe wächst. Die Pflanze ist buschig, hat viele Zweige, die mit länglichen, bläulichgrünen Blätlern dicht bedeckt sind, und ist während des ganzen Sommers überschüttet mit blaß⸗ rothen, den Maiglöckchen ähnlichen Blumen, die einen köstlichen Orangenduft aushauchen. Die Staubfäden ent⸗ halten einen Honigsaft, den zu naschen die Fliegen die Blumen aufsuchen. Kaum aber haben sie davon genippt, so werden sie von den reizbaren Zähnen der Blumenröhre festgehalten und erdrückt. Fünf Fliegen können sich auf diese Weise nach einander in der Falle fangen, ehe die Blüthe welkt; da nun ein einziger Strauch bei 10 bis 20,000 Blüthen bringt, so kann dadurch ein ganz arliger Fliegenschwarm vertilgt werden. Die Foripflanzung des Hundekohls geschieht durch Samen, Stecklinge, ja selbsf durch Wurzeltheile. Junge Sämlinge müssen flark versetzt,
Stecklinge in der ersten Zeit mit einem Glase bedeckt werden. Der Same, die Prise zu 30 kr., und Pflanzen, das Stück zu 1 fl., sind aus Frauendorf zu beziehen.
Schiffsnachrichten. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.-Agent.
Das Hamburg⸗Newyorker Post-Dampfschiff Hammonia, Capitän Meier, welches am 24. März von hier und am 27. März von Southampton abgegangen, ist nach einer ausgezeichne! schnellen Reise von 9 Tagen 20 Stunden am 6. April, 10 Uhr Morgens, wolbehalten in New⸗ York angekommen.
Das Hamburger Post-Dampsschiff Holsatia, Capilän Ehlers, expedirt von Herin August Bolten, William Miller's Nachfolger, ging am 7. April von Hamburg via Hävre nach New⸗York ab. Außer einer ffarken Brief⸗ und Packelpost hatte dasselbe 90 Passagiere in der Cajülte und 632 Passagiere im Zwischendeck, so wie 600 Tons Ladung.
Hamburg, 30, März. Die„Holsatia“, das der Ham⸗ burg-Amerikanischen Packetfahrt⸗Actien⸗Gesellschaft zuge⸗ hörende Dampfschiff, hat auf ihrer letzten Tour von New⸗ Dork nach Europa eine Geschwindigkeit entwickelt, wie sie noch kein Schiff bewiesen, und war diese ihre Reise die schnellste, welche jemals zwischen New- Pork und Europa gemacht worden. Die„Holsatia“, unter der stets vorzüg⸗ lichen Leitung des Cpt. Ehlers, verließ New⸗York am 9. März Nachmittags und legte folgende Distanzen zurück: 9.—10. März: 252 Miles; 10.—11.: 335; 11.— 12. 368; 12.—13.: 352; 13.—14.: 340; 14.—15.; 332; 15.— 16.: 352; 16.—17.: 348; 17.—18.: 340; 18.: 83. Zusammen 3102 Miles. Die Ankunft in Cowes erfolgte am 18. März, 7 Uhr Vormittags, so daß die Reisedauer nur 8 Tage 17 Stunden betrug, wie dergleichen noch nie erreicht wurbe. Von Cowes bis zur Elbe brauchte die „Holsalia“ nur 1 Tag 5 Stunden von New⸗Hork bis zur Elbe also total 9 Tage 22 Stunden. Die Durch⸗ schnittsgeschwindigkeit war 14½p Knoten per Stunde. Da die Differenz in der Entfernung zwischen New ⸗York⸗ Qucenstown(wo die englischen Dampfer einlaufen) und New-Pork-Cowes auf 20 Stunden angenommen wird, so ergibt dies für die„Holsatia“ 7 Tage 20 Stunden.
Vorschuß- und Credit-Verein zu Friedberg. 1 Geschäftsbericht pro 1. Quartal 1869.
Einnahme. Ausgabe.
fl. 21,852. 13 kr. Discontirte Wechfel fl. 23,346. Skr. „ 19,832% 20% Conto Corrent„ 168,357.—„ „ 3400.— Depositen 3095.—„
„ 14,764. 9, Darlehen u. Spareinlagen
7 13,191. 22, 5 0 Wechsel-Incasso
nee
Mitgliederzahl: 473.
tam unversehrt davon. Der Luftdruck hob das Da. 6 0 und ein Stück.


