hielten wir von jeher und halien wir fest, und legen darum Verwahrung ein gegen Dogmenknechtschast und Bekenninißzwang. Wer hierin ein Verleugnen der christ⸗ lichen Heilswahrheit sieht, und nach Pharisäer⸗ und Schriftgekehrten-Art unsern Ausschluß von der christlichen Gemeinschaft begehrt, der verleugnet die siuliche Grund⸗ wahrheit des Christenthums— die Liebe. 5
5. Die unbewiesenen Vorwürse der preußischen Kirchen⸗ behoͤrden gegen unsern Verein weisen wir mit Enlrüstung zurück. Jede dogmatische Ueberzeugung ist uns willkom⸗ men, die auf dem Einen, allen und unvergänglichen Grunde des sich siets verjüngenden Christenthums mit uns arbeiten will au der Erneuerung und Belebung unserer Kirche im Geiste evangelischer Freiheit und im Einklang mit der gesammten Culturentwicklung.
6. Alle deutschen Männer, welche mit uns dasselbe wollen, werden von uns hiermit auf's neue zu gemeinsamer Arbeit, zu gemeinsamem Kampfe gegen alles unprotestan⸗ üsche und hierarchische Wesen und zu gemeinsamem Schutz des Rechts, der Ehre und der Freiheit unseres deutschen Protestantismus öffentlich und feierlich aufgerufen.
— Am Schlusse des Jahres 1869 beträgt die Staatsschuld Preußens— alte und neue Landestheile— 442,639,371 Thlr. 21 Sgr. 8 Pf. incl. 18,250,000 Thaler unverzinsliche Schuld und 184,471,491 Thlr. Eisenbahnschulden. Zur Verzinsung dieser Schulden setzt der Etat pro 1870 aus 17,428,132 Thlr. oder 454,495 Thlr. mehr als 1869, zur Tilgung 8,666,140 Thlr. oder 487,708 Thlr. mehr als 1869. Hierzu kommen noch 117,900 Thlr. an Verwaltungskosten, 430,445 Thlr. Renten und Extraordinaria. In Summa beläuft sich der Aufwand für die Staats- schuld auf 26,648,600 Thlr. oder 943,970 Thlr. mehr als 1869.
Wiesbaden. Es ist die Anlage einer neuen Telegraphenleitung von Frankfurt a. M. über Wiesbaden⸗Langenschwalbach-Ems nach Coblenz angeordnet und wird binnen Kurzem in Angriff genommen werden.
Sachsen. Dem„Dresdner Journal“ zu- folge darf die Gesammtsumme der bis jetzt für die Hinterlassenen der im Plauen'schen Grunde ver— unglückten Bergleute eingegangenen Beträge auf 330,000 Thlr. veranschlagt werden. Wien par- kicipirt daran mit ca. 34,000 fl.
Dresden. In der zweiten Kammer der Abgeordneten beantragte der Abg. Advokat Krause die Aufhebung des Verbots der Ehe zwischen Juden und Christen, sowie die Gültigkeitserklärung von im Auslande geschlossenen Civilehen.
Baden. Karlsruhe. Die zweite Kammer genehmigte den Vertrag mit dem norddeutschen Bunde betreffs der Militärfreizügigkeit mit allen gegen drei ultramontane Stimmen.
Oesterreich. Wien. Siesige Blätter melden einen am Samstag hier vorgefallenen Selbstmord, der großes Aufsehen hervorruft. Der Oberküchenmeister Graf Joseph Wratislaw von Mittrowitz und Schönfeld hat sich in einem An⸗ falle von Melancholie mit einem Dolche ums Leben gebracht. Der Verstorbene, einer der„be⸗ liebteßen Cavaliere der Residenz“, stand im Alter von 50 Jahren. Wie mit Sicherheit verlautet, waren es Börsenverluste, die ihn zu dem verzwei⸗ felten Akte trieben. Man beziffert dieselben auf colossale Summen und will wissen, daß es sich in jüngster Zrit wieder um eine Börsendifferenz von 200,000(nach Andern sogar 700,000) Gulden gehandelt habe, deren Deckung Seitens der Familie durch einen Ausgleich, durch den 2 der Güter des Grafen, vermittelt werden ollte.
Frankreich. Paris. Nach den Mit⸗ theilungen Pariser Blätter ist Pater Hyacinthe nach Amerika abgereist, um in zwei Monaten, um die Zeit wo das Concil in Rom zusammen— treten soll, wieder nach Europa zurückzukehren.
— Am 10. d. fand eine öffentliche Versamm⸗ lung in der Vorstadt Belleville unter dem Vorsitze des Hrn. Lissagaray statt. Als dieselbe heftiger Reden halber aufgelöst wurde, versuchten Mehrere Widerstand zu leisten; in Folge des daraus ent⸗ standenen Confliktes wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen.
Spauien. Nach einer Pariser Correspon⸗ denz des„Fr. J.“ wären positive Erfolge der Republikaner in Spanien zu melden. Sie sagt: Es sind mehrere Regimenter zur Sache des Volkes, der Republik, übergegangen, was auch die amt—
liche, gefällige verschweigen mag.
getroffen sind. früher gekommen waren,
plötzlich auf
voller Zuversicht. schlüssig zu werden. es längst schon.
nische Bewegung von Catalonien aus.
Föderal-Republik!“ Madrid.
fassen.
schicken in allen Treffen geschlagen.
auch in Madrid Unruhen entstehen würden. Rußland. Petersburg.
hindern.
„Havas“ Correspondenz darüber Ich weiß zuverlässig, daß gestern und heute sehr günstige Nachrichten für die Sache der Republik, aus Madrid sogar, ein⸗ Zwei wohlbekannte Deputirte, die um sich mit den Leitern der demokratischen Partei hier zu besprechen, sind eine Depesche aus Madrid nach Spanien zurückgereist, um sich an die Spitze ihrer „Freiwilligen der Freiheit“ zu stellen. Sie waren Prim fängt bereits an, un- Serrano und Topete find Der ehrgeizige Prim sieht ein, daß nach einem blutigen Zusammenstoße, welches auch dessen Ausgang sein mag, seine persönliche Stellung nicht mehr haltbar ist. Es wurde sogar versichert, die Minister seien auf dem Punkte, ihre Stellen niederzulegen und den greisen Espartero mit der Regierung betrauen zu wollen, da er keine Hand bisher im Spiele hatte und in Madrid besonders beliebt ist. Wie immer geht die spa⸗ Die Re⸗ publik ist daselbst an vielen Orten proklamirt. Sobald die Truppen den Rücken kehren, ertönt das„Nieder mit der Regierung! Es lebe die
Die Regierung verlangt, daß die Cortes bezüglich der Deputirten, welche sich an die Spitze der Insurgenten gestellt, Beschlüsse Die Cortes werden sich wahrscheinlich für die Ausstoßung dieser Deputirten aussprechen, sobald die Kriegsgerichte ihr Urtheil gefällt haben. In Valencia hat ein heftiger Kampf stattgefunden. Die Regierung fährt fort, Truppen dorthin zu Es fehlen bis jetzt genaue Nachrichten. In Andalusien haben die Truppen die Insurgenten Man fürchtet, daß
Der französi⸗ sche Botschafter Fleurh bringt das Antwortschreiben Napoleons auf die Einladung des Kaisers von Rußland zum Besuch der Industrie⸗Ausstellung in Petersburg im Jahr 1870. Napoleon dankt für die Einladung und wird erscheinen, wenn seine Gesundheit und die Politik die Reise nicht ver⸗
suchungsrichters führen. welches nicht weniger als drei Stunden dauerte, ohne sein System, welches bekann lich darin besieht, daß er die beiden Kinck der Mordthat beschuldigt und nur ihr Helfershelser gewesen sein will, aufzugeben. In der Haft, erzählt der „Gaulois“, ist er nicht mebr so niebergeschlaten, wie in den ersten Tagen. Nur scheint sein Geist beständig sehr beschäftigt. Er liest viel, aber, wie man zu bemerken glaubt, mit sehr getheilter Aufmerksamkeit. Bisweslen erhebt er sich plötzlich und schreitet bestig in seiner Zille auf und nieder. Von seiner Körperstärke mag die duch die Untersuchung fesigestellte Thatsache einen Begriff geben, daß er im Juli während des Jahrmarktes zu Tourcoing sich als Liedhaber unler die Athleten eines Circus aus⸗ nehmen ließ und bei den Vorstellungen sehr hervorthat.
„ Amerikanisches O bst. Bei der Entdeckung Amerika's fand man dort keine einzige Art unserer euro⸗ päischen Obsibäume vor, wie viel reicher als unsere auch die Waldflora jenes Welttheiles war und ist. Maucherlei amerikanische Bäume sind als Seltenheiten in unsere Gärten gekommen; die Aepfel⸗, Biruen⸗, Pflaumen⸗, Apri⸗ kosen⸗ und Pfirsichbäume dagegen haben die Europäer nach Nord⸗Amerika gebracht, und diese gedeihen auf dem dortigen humusreichen Boden zu erstaunenswerther Größe und Füll, Acpfel, die bei uns die Größe eines gewöhnlichen Bors, dorfers erreichen, zeigen sich dort in der Größe eines Kiu⸗ derkopfes, ohne einer besonderen Pflege zu bedürfen. Die Veredelung durch Okuliren, Pfropfen u. s. w. ist in Amerika überflüssig; was bet uns Wildling heißt und sause Holzäpfel trägt, bringt dort die edelsten Früchte. Aprikosen und Pfirsiche haben sich in Amerika dermaßen vermehrt, daß man sie jetzt in waldartiger Menge vorfindet und die Schweine damit mästet, wie im alten Germanien mit Eicheln. Nur unsere blaue Hauspflaume geräth jenseits des Oceans durchaus nicht; alle derartigen Bäume arten bald aus und tragen ganz andere Früchte, größer und zarter, als unsere Eierpflaumen.
„, Weißt Du, wieviel Sterne stehen? Herrschel hat unser Welt- und Milchstraßen-System mit Einschluß derjenigen Sonnen, welche noch rechts und links unserer Milchstraße wahrnehmbar sind, zu 75,000,000 Sonnen berechnet. In langjährigen Untersuchungen fand er aber über und unter unserer Milchstraße noch 4000 Nebelflecke, welche ebenfalls solche Milchstraßen⸗Systeme bilden, wie das unsere ist, von diesem aber so unendlich weit entsernt liegen, daß sich die wenigsten von ihnen durch das Telescop in Sterne auflösen lassen. Da sich jedes derselben so gut wie unser Milchstraßen⸗System auf 75 Millionen Sonnen veranschlagen läßt, so ergibt sich daraus für das Weltall, so wett dasselbe unserm Auge bis jetzt durch das Teles cop erschlossen wird, die Summe von 4000& 75 Millionen = 300 tausend Millionen Sonnen, wobei man sich ver⸗ gegenwärtigen muß, daß jede Sonne selbst ein ganzes Sternensystem mit vielen Planeten, Trabanten und Co, meten repräsentirt. Asironomische Schätzungen lassen mi Sicherheit annehmen, daß die Zahl dieser Nebensterne
Nauheim. gehabten Wahl von 12 Mitgliedern des
baum, Christoph Grünewald, Konrad Knieriem,
schreiber Schutt, Peter Stoll II.,
gestiegen war, vermittelst Phosphor ermordet. dem Tische liegende Zettel verrietben, und Dame—„aus Lebeusüberdruß“ ansehen zu müssen, und weil das genommene und zwar, wie der hinterlassene Zettel sagt, Absicht, sich bet Aßmannshausen in
noch nichts entdeckt. der Belreffende, Anton Siegl aus Preßburg,
das Criminalgefängniß abgeführt. Kassel. Am Abend des 10. d. Unglück ereignet.
besetzt waren, wie das öfters der
sörmlich in Stücke.
Aus Würtemberg meldet der„Beob.“ naive Schwabengeschichtchen: Ein im befindlicher Würtemberger Krlegsdienstpflicht nach Hause geladen. Königl. Kriegsministerium seine Bereitwilligkeit, bat dasselbe— bei seiner Reisegeld.
gabe zur Erfüllung von Staatszwecken zu genehmigen.
worden. Um alles Aussehen zu vermeiden,
Bei der in voriger Woche dahier statt⸗ Gemeinderaths wurden die Herren Erast Seberinger, Heinemann Grün⸗ Friedrich Langsdorf, Joh. Moͤrler V., Heinrich Ostermeier, Stadi⸗ Apotheker Dr. Wilhelm Uleth, Ph. Jakob Weiß und Johannes Wörner gewähli.
Nudesheim. Am 8. d. sand man in einem Zimmer eines hiesigen Hötels eine Dame, die mit ihrem Reise⸗ begleiter, wahrscheinlich dem Gatten, Tags vorher ab⸗ Zwei auf daß beide— Herr Phosphor genossen und der Maun, um die Schmerzen seiner Frau nicht Gift bei ihm nicht gewirkt habe, Morgens das Zimmer verlassen 15 mit der den Rhein zu stürzen. Ein reitender Gendarm, der sofort aufsaß, hal bis jetzt Nach einer späteren Nachricht wurde am 10. d. auf dem Niederwalde verhaftet und nach Wiesbaden in
hat sich folgendes Der Main-Weserbahnzug fuhr in das Geleise des Warburger Zuges, weil die anderen Geleise Fall. Der Rangirer Reitz, der schon 16 Jahre im gemeinschaftlichen Dienst der hessischen Nord- und Main ⸗Weserbahn steht, glischte auf dem Perron aus und die anbrausende Locomotive zerschnitt ihn mit ihrem Aschenkasten und ihren Rädern Er hinterläßt eine Frau und 3 Kinder. folgendes fernen Ausland wurde zur Erfüllung seiner Er schrieb dein aber gänzlichen Mittellosigkeit— um Dieses wurde seiner Heimathbehörde über⸗ mittelt; der Gemeinderath mußte aber erklären, daß auch die Mutter des Pflichtigen im öffentlichen Almosen siehe, und der Gemeinderath nicht in der Lage sei, eine Aus⸗
Paris. Traupmann ist am 8. d. zum erstenmale von Mazas zu einem Verhör nach Justizpalast gebracht N ließ man ihn im Hofe des Gefängnisses in einen Fiakre steigen, wo später, weil sonst zu viel auefällt, in kleinen mebrere Sicherheilsbeamte ihn erwarteten, und im Justiz⸗ 5 Zoll Durchmesser in palast durch eine Hinterthür in das Cabinet des Unter- und auf Tüchern im Feld gedroschen.
mindestens das Zehnfache obiger Summe, also 3 Billlonen beträgt. Rechnet man hierzu obige Zahl der Sonnen, so ergibt sich daraus die Summe von 3,300,000, 000,000 (3 Billionen und Zmalhunderttausend Millionen) Gestirne im Weltall, soweit wir dasselbe bis jetzt zu überschauen vermögen,— eine Zahl, bei der man nicht vergessen darf, daß der Allantische und der stille Ocean zusammengenom: men kaum eine größere Zahl an Tropfen enthalten mag, Es läßt sich aber durchaus nicht vermuthen, daß uns schon das ganze Himmels gewölbe durch die jetzigen Telescope erschlossen ist, vielmehr muß man annehmen, daß Herrsches wenn er sich mit seinen optischen Apparaten auf irgend einem jener fernsten Nebelflecke befunden hätte, wieder ebenso viele Nebelflecke oder Milchstraßen⸗Systeme über sich erblickt haben würde, da aus Allem, was die Astronomie ergibt, sich nichts für die Vermuthung aufstellen läßt, daß dort bereits die Grenze des unermeßlichen Weltalls sei wohin dei dem heutigen Stande der Wissenschaft und ihrer instrumentalen Hülfsmittel unser Auge reicht. Vor der Totalilät der Zahl von Gestirnen, welche hiernach das ganze Weltall enthalten mag, muß der Menschengeist alt! vor etwas Uebersinnlichem, von der Möglichkeit, sie zun schätzen, zurückschrecken.
Landwirthschaftliches.
Gleichmäßige Futtermischung. Das Journal! d'Aßr. theilt ein Verfahren mit, das ein französischel Landwirth anwendet, um eine gleichmäßige Zusammel setzung des Futters, welches aus Rüben, Heu und Strol besteht, zu erlangen. Zunächst werden die Rüben zerquesch, daun streut man Stroh⸗ und Heuhäcksel darüber und la das Ganze noch einmal unter sehr starkem Drucke quetschel wozu man eine steinerne Walze verwenden kann. Dabut entsteht eine ganz gleichartige Mischung der Futtermüll Nun fängt man die Masse auf, damit sie in Gährung kommt. Ist diese vorüber, was gewöhnlich nach 12 bie:
bereitetes Futter einen seinen, aromatischen Geruch, verme dessen es von dem Vieh mit großer Begierde gefiessen wir.
Der Anbau des Kümmel s it sehr lohnend, da dez Ertrag bedeutend, die Nachfrage aber stets groß ist. Neue“ dings wird aber besonders die Drilleultur dieser Gewür pflanze empfohlen. Die Bestellung erfolgt auf 12 0. Reihenbreite vor Winter, so daß der Kümmel noch alf“ geht. Geschnitten wird er mit der Sichel, sodald doe meisten Körner einen braunen, Schein haben, Ja nic Bunden ven Reihen zum Trocknen aufgestell
15 Stunden der Fall ist, so entwickelt ein derartig zur
Er bestand dort ein Verhör,
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