Ausgabe 
14.1.1869
 
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die Aufforderung wäre erlassen worden, den Status quo bis auf Weiteres aufrecht zu erhalten, oder daß der griechische Gesandte gegen die ihm zugedachte Rolle einer bloßen Auskunftsperson Protest erhoben habe, so machen derartige Mit- tbeilungen eben keinen Anspruch auf Zuverlässig keit. Sie zeigen nur, mit welcher Gespanntbeit die Oeffentlichkeit auf die Confserenz hinblickt. Welches Ergebniß wird dieselbe haben? Der Plan zu derselben ist unter günstigen Auspicien gereift; von allen Seiten erging man sich in friedlichen Versicherungen. Inzwischen berechtigt doch Mancher⸗ lei zu ernsten Bedenken. Dazu gehören die fort währenden Rüstungen der Türkei und Griechen- lands, die Volksstimmung in Rumänien und Serbien, die neuerdings in den betreffenden offi ziösen Organen ausgebrochene heftige Polemik zwischen Preußen und Oesterreich und manches Andere, was auf Sturm deutet. Doch betreten wir nicht das Gebiet der Vermuthungen. Die stärkste Pression auf die Conferenz wird jedenfalls das allgemeine Friedensbedürfniß der Völker und die Furcht ausüben. Es ist des Zündstoffs so viel in der Welt, und der militärische Apparat in allen Staaten Europa's ist so riesig groß, daß das Entsetzen davor unverkenubar ist, den Feuer- brand in jene Zündmasse zu werfen und diesen Apparat in Bewegung zu setzen. Völker und Dynastie möchten dabei vernichtet werden.

Gutem Vernehmen nach verlangte der griechische Bevollmächtigte in der ersten Conferenz-

Untersuchung der Beschwerden der Griechen über die Verwaltung Kreta's einzusetzen, beseitigt.

Spanien. DieMadrider Ztg. berichtet: Von den Gefangenen in Malaga sind 600 be gnadigt worden, andere 230 sehen ihrer Abur theilung entgegen. Die Provinz Andalusien und der Platz von Cadix sind zu ihrem Normal- zustand zurückgekehrt, der Belagerungszustand ist aufgehoben. Marschall Peim hat an die General- kapitäne der Provinzen ein Circular erlassen, worin er dem Gerücht entgegentritt, als beabsichtige die provisorische Regierung, die Bürgermiliz aufzuheben. Das Gerücht sei falsch und verläumderisch. Die Regierung betrachte die Miliz als die stärkste Stütze der Freibeit, werde indessen unbeugsam gegen die vorgehen, die ihre Waffen gegen die neue Ordnung der Dinge gebrauchten. Uebrigens seien nur die Attentate von Cadix und Malaga zu beklagen.

Madrid. DerImparcial meldet, daß in Seoilla bei einem Bankett der austretenden Mit glieder der Municipalität, dem alle Civilbehörden beiwobnten, der Beschluß gefaßt worden ist, ein Telegramm an den Marschall Espartero zu richten, in welchem ihm mitgetheilt werden soll, daß alle Repräsentanten der bei dem Bankett vertretenen Corporationen und Comite's den Wunsch hegen, daß er zum Staats Chef proklamirt werde, welches auch die von den Cortes gewählte Regierungsform sein möge. f

ViertausendFreiwillige der Freiheit von Barcelona haben ihre Dienste angeboten, um

sitzung, derselben mit gleicher Befugniß wie die Türkei beiwohnen zu dürfen und zeigte an, daß er nach Athen telegraphiren würde, um sich zu instruiren, ob er an der Conferenz mit berathen⸗ der Stimme theilnehmen oder sich zurückziehen solle. Trotzdem soll ein befriedigendes Resultat der Conferenz in Aussicht stehen.

Sçéguier bildet noch immer das Tages gespräch; wie man versichert, wird sich derselbe in die Liste der Pariser Advokaten einschreiben lassen. Daß die liberale Presse für Herrn Séguier enthusiasmirt ist, erscheint begreiflich, und es wird den Witzen desPublic und seiner Collegen nicht gelingen, die Scharte so ohne weiteres aus- zuwetzen.

nach Cuba zu gehen und für die Erhaltung der Insel Cuba im Besitze Spaniens zu kämpfen.

Italien. Florenz. In San Giovanni di Perficeto(Provinz Bologna) und Cento(eben daselbst) wurden von mehreren Tausend Bauern das Gemeindehaus und die Präfektur verwüstet, die dort aufbewahrten Archive verbrannt, die Telegraphen zerstört und mehrere Häuser geplün⸗ dert. Das dahin gesandte 28. Jägerbataillon wurde von den Aufständischen mit Flintenschüssen empfangen, dieselben wurden aber nach einem kurzen Kampfe, in welchem es mehrere Todte und viele Verwundete gab, gezwungen, in die Berge zu flüchten.

Der Expräsident der Sccessionisten, Jefferson Davis, der sich seit einiger Zeit hier aufhält, wird dieser Tage Paris verlassen, um sich nach Nizza zu begeben.

Prinz Napoleon ist erkrankt. Sein Ge⸗ sundheitszustand flößt Besorgnisse ein. Dieser Tage besuchte ihn der Kaiser, sowie der Gemahl Isabella's von Spanien, woraus der Schluß gezogen wird, daß der Prinz die freundschaftlichen Gefühle theile, welche die Tuilerien noch immer für die Ex⸗Königin zur Schau tragen.

DerArmee-Moniteur sagt in seiner Jahresrevue: Der gegenwärtige militärische Zu stand Frankreichs setzt es in die Lage, allen Even tualitäten gegenüber zu treten. Wir sind jetzt stark genug dazu. Wir leben mit allen Mächten Europas in so vollstäudiger Harmonie, daß wir derjenigen Macht, welche einen ungerechten Krieg unternehmen und uns zwingen wollte, den Degen zu ziehen, leicht begegnen könnten.

Von Paris wird gemelvet, man glaube dort auf das Bestimmteste zu wissen daß bezüglich eines engeren Anschlusses Braunschweigs an Preußen Verhandlungen gepflogen wurden, die indeß vorläufig suspendirt sind. Mit Sicherheit behauptet man, die Angelegenheit werde nach er⸗ folgter Schlichtung des griechisch-türkischen Con⸗ fliktes wieder aufgenommen und binnen kürzester Frist, jedenfalls noch vor Juli, zum befriedigenden

Ende geführt werden.

Man versichert, die Conferenz-Mächte seien

sionen beharren sollte. a Großbritannien. London. DieMor-

entschlossen, ohne Rücksicht auf Griechenland weiter

zu verhandeln, wenn dasselbe auf seinen Präten- proklamirt haben.

DieGazetta uffiziale vom 10 d. sagt: Gestern herrschte in allen Provinzen Ruhe; die Mühlen werden wieder eröffnet; die Mahlsteuer gebührend entrichtet.

DieItal. Correspondenz meldet: Bei der ersten Sitzung der Conferenz in Paris hat sich der griechische Bevollmächtigte zurückgezogen, nachdem er gegen die Stellung, welche ihm die Conferenz in Vergleich zur Türkei eingeräumt, Protest erhoben hätte.

Dasselbe Blatt meldet ferner, daß die Großmächte gemeinschaftlich Vorstellungen an di griechische Regierung gerichtet haben damit die selbe den in der ersten Sitzung der Conferenz erhobenen Protest zurücknehme.

Donaufürstenthümer. Fürst Karl er⸗ hielt ein eigenhändiges Schreiben des Sultans mit der Versicherung der Fre indschaft und des Wohlwollens für den Fürsten. Gleichzeitig liefen Glückwünsche des Großveziers ein zu den guten Beziehungen, welche zwischen der rumänischen Re gierung und der Pforte walten.

Serbien. Belgrad. Das offiziöse Blatt Einheit meldet den Schluß der Universität und aller Gymnasien in Athen. Die Mütter bewaff neten ihre Kinder, welche sich begeistert in den Waffen übten.

Amerika. Nach Berichten aus Mexiko vom 8. d. richtete ein Erdbeben in Colima und Manzanillo beträchtlichen Schaden an Eigenthum an; Menschenleben sind nur wenige zu beklagen. Aus Cuba wird gemeldet, daß die Auführer des Aufstandes die Emancipation der Sklaven

* Friedberg. Der am 11. d. Morgens 62! bahier

ningpost schreibt, der Vertreter Englands bei der abgegangene Gießener Localzug verunglückte bei Ginnheim

Confecenz habe durch die unzweideutigste Erläu⸗ terung der Lage des Streites den russischen Vor

in Folge eines an einem Güterwagen vorgekemmenen Achsenbruches. Drei Güterwagen wurden zerstört; Menschen⸗

leben sind keine zu beklagen. In dem Zuge befanden sich,

schlag, eine internationale Commission behufs der wie gewöhnlich am Montag Morgen, viele hiesige Ein⸗

wohner und Leute aus der Umgegend, welche erfreulicher⸗ weise mit dem Schrecken davonkamen, abgesehen von einigen barten Kopfnüssen, die es in Folge des hefligen Anpralles gegeben haben soll, wie uns von einem ebenfalls glücklich enlkommenen Mitreisenden erzählt wird.

* Friedberg. Wiederholt haben wir das begreiflicher⸗ weise für uns höchst erzpfindliche Malheur gehabt, unsrem werthen Gönner, dem hiesigen Correspondenten desWetter auer, allzu Vieles und Breites imOberhessischen auf⸗ zulischen, wie mit einem seiner bereits dagewesenen geflügelten Worte er sich jüngst aue zudrücken beliebte, in der menschenfreundlichsten, wohlwollendsten Absicht gegen uns, das ist bei ihm ja selbstverständlich. Sollten wir uns deßhalb nicht unbegrenzter Freude hingeben dürfen, so es uns vergönnt ist, ihm heute doch einmal etwas auch für ihn jedenfalls Genießbares auftischen zu können, wenn es der von ihm decretirten Bescheidenheit eines Kreisblattes überhaupt gestattet sein kann, sich der höchsteignen Schreib weise und schönen Redensarten des verehrten Gönners zu bedienen, ohne dessen Mißfallen auf's Neue über sich herauf zu beschwören. Das wollen wir aber gewißlich nicht, wir gedenken und hoffen im Gegentheile ihm etwas aufzutischen ganz warm, woran er selbst Geschmack finden und seine Freude haben kann und haben muß, wenngleich es abermals viel sein, breit und groß und schwer und lang ausfallen wird und er, wenn's beliebt, dabei auch noch sein Felt hat. Es kann ihm sicher nicht Alles Wurst sein, was wir heute auftischen: wir theilen indeß nur mit, was und wie es uns selbst auf⸗ getischt worden ist: Dieser Tage wurde vom Metzger⸗ meister W. Heß dahier ein Schwein geschlachtet, welches nicht weniger als 105 Zoll(262 5 Centimcter) Länge, 70 Zoll(175 Centimeter) Umfang und 530 Pfund Fleischergewicht hatte. Dasselbe war, von englischer Race, drei Jahre alt und auf dem Büdesheimer Hofe durch die sorgfältige Zucht und Mastung des Hrn. Pachter Draudt daselbst zu dieser seltenen Größe gebracht worden. Ein noch lebender trauter Genosse desselben, der noch schwe rer geschätzt wird, soll demnächst dem gleichen Geschicke ver⸗ fallen und in Wurst und Solberfleisch aufgetischt werden. Das ist doch wirklich etwas zum Auftischen. So großes Schwein hatte sicher noch selten Einer!

Lich. Seit dem 4. d. wird dahier ein elfjähriges Mädchen, Ceroline Süssel, vermißt, ohne daß man über sein Verbleiben irgend welche Spuren gefunden. Nach det veröffentlichten näheren Beschreibung des Kindes hat dasselbe blonde Haare, blaue Augen, stumpfe Nase und trug goldene Ohrringe mit blauen Steinchen, eine schwarze, roth ein⸗ gesaßte Kaputze, ein braunes Beiderwandkleid, neue Schnür⸗ schuhe, helle graue Strümpfe und ein veilchenblaues Halstuch.

Grünberg. Das Marklprotokoll hiesiger Stadt gibt über den Verkehr auf den Woch enmärkten des verflossenen Jahres folgende Resultate. Es wurde verkauft: 7116 Malter Waizen, 5281 Mlir Korn, 3381 Mltr. Gerste, 4939, Mltr. Hafer, 434 Mltr. Ersen, 722 Mltr. sonstige Früchte, einschließlich Samen und Lein und 2170 Mltr. Kartoffeln. Der Gesammdverkehr stellt sich daher auf 24,043 Mltr. mit einem Verkaufspreis von 227099 fl. 44 kr. Gegen das Jahr 1857 wurden mehr abgesetzt 267 Mltr. Korn, während alle übrigen Frachtgattungen und zwar Waizen um 51 Mltr., Gerste um 221, Hafer um 891 Mlir. Erbsen um 320, soystige Früchte um 32⁵ und Kartoffeln un: 527 Mltr. zurückgeblieben. Der Erlös, welcher in 1867 zusammen 275,922 fl. 36 kr. betrug, war daher um 48822 fl. 52 kr. geringer.

Aus dem Kreise Lauterbach wird gemeldet, daß am 5. d. der als Roumeiser im Walde beschästigt ge wesene, 64 Jahre alie Heinrich Lerch 1. von Wallenrod in der Nähe des letzten Ortes am Wege liegend, todt, mit einer Wunde am Kopfe und mit vielen Spuren empfangener Hiebe am Körper, aufgefunden wurde. Durch die sofort eingeleitete Uniersuchung und durch die Section bat sich ergeben, daß Lerch in Folge der ihm zugefügten Verletzungen verschieden ist. Als muthmaßlicher Thäler ist ein mit ihm im Walde beschäfligt gewesener, mit Lerch in Wortwechsel gerathener Holzhauer, Namens Johannes Felsing von Wallenrod, gefänglich eingezogen worden.

Bei Pest sollen im Stadtwäldchen am Neujahrstage sieben krabbeinde Maikäfer gefunden worden sein, und dieBozener Zig. berichtet, daß am Küchelberge bei Meran am 1. Jumar sast reife Erdbeeren gepflückt worden seien. In Wien lamentiren Wirthe, Fleischer und Zucker⸗ bäcker über das feblende, Eis; dagegen zeigen die Märkte einen Ueberfluß an eßbaren Schnecken. Guten. Arpent: Ein gewöhnlicher Magen dreht sich herum über dies e ß bar.

Ein gesandt

N. Friedberg Ueren den Schreibunterricht des Lebrers J. Wolff, der in nächster Woche hier eintreffen wird, desen wir aus Frankfurt: Mancher hat sich durch den Mangel einer schönen Handschrift eine vortheilhafte Stelle verscherzt. Andere haben durch ihre schöne Haudschrist in dem ersten an einen Fremden gerichteten Briefe ein gün⸗ stiges Vorurtheil für sich erweckt. Wer nun diese Lebens⸗ erfahrungen beachtet, der wird jene Lücke, die nur zu häufig aus einem ungenügenden oder nicht fleißig ben itzten Unterricht zurückbleibt, auch in den, vorgerückteren Jahren auszufüllen bemüht sein, und eine ihm hierzu sich bielende Gelegenheit bereitwillig und dankbar ergreisen. Eine solche Gelegenheit bietet sich jetzt hier in der Person des geschickten und geübten Lehrers, des Herrn J. Wolff, der seine Tüchtigkeit, wie in vielen Städten Deutschlands, auch hier

in den überraschendsten Erfolgen bewährt hat. In seinem

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