deuische Gemeinden ihr Erscheinen zugesagt haben. Die Einladung richtete sich an„Rabbiner, Ge⸗ lehrte und Gemeindevertretungen der Judenheit“. Periodisch wiederkehrende israelitische Gemeinde- tage und die Errichtung eines deutsch-israelitischen Gemeindeblattes nennt man als Theile der auf⸗ gestellten Tagesordnung.
Baden. Karlsruhe. Der schon erwähnte Aufruf der demokratischen Partei in Baden ist von 23 Herrn unterzeichnet, welche sich als pro- visorisches Comite für die Gründung einer Wahl- reform⸗Liga bezeichnen, und trägt außer den bereits gemeldeten Unterschriften des Grafen von Berlichingen und des Staatsminister a. D. von Edelsheim eine Anzahl Namen, welche im badi— schen Lande den besten Klang als erprobte Volks- männer und treue deutsche Patrioten haben. Wir finden darunter Mittermaier, Venedey, Eichels⸗ dörfer, v. Feder, Eisinger, Uihlein, Hetterich, Junghanns, Eller u. A. Der Aufruf fordert gleich demjenigen der„katholischen Volkspartei“ Auflösung der Kammer, sowie Vorlage eines neuen Verfassungsgesetzes mit Einführung allge⸗ meiner, direkter und geheimer Wahlen an die neue; die jetzige Kammer könne nicht als eine wahre Volksvertretung gelten. Die im Jahre 1860 begonnene Reformarbeit wird als in Still— stand gerathen und die eingeschlagene politische Richtung als im Widerspruche mit der Landes- meinung befindlich bezeichnet, die abweichende Auffassung der nationalen Frage— deren Be— deutsamkeit nicht verkannt wird— betont, übrigens das Hauptgewicht der erhobenen Beschwerden auf die unerträglich erklärte Steuer- und Militärlast gelegt. Ein unmittelbares Mißtrauensvotum gegen das Ministerium ist nicht ausgesprochen. Angehängt ist dagegen eine Adresse an den Großherzog, welche an dessen verfassungstreue Gesinnung appellirt und die obigen Begehren wiederholt.
— Das Gesuch des Prinzen Wilhelm von Baden um Enthebung vom Divisions-Commando ist jetzt vom Großherzog genehmigt und Kriegs- Minister v. Beyer bis auf Weiteres mit dem Divisions⸗Commando beauftragt worden.
Oesterreich. Wien. Der Wiener Corre⸗ spondent der„Magdeb. Ztg.“ behauptet, es sei Frankreich gewesen, welches Oesterreich, wenn nicht zum Besitz, doch zum Inhalte der Fran- zosendepesche Bismarck Goltz verhalf. Er sagt: Preußen ließ dieselbe, wohl eben im Vertrauen auf ihre absolute Unverständlichkeit über Wien gehen, wobei sie in der jedem Telegraphisten be⸗ kannten Weise in Florisdorf, der nächsten Nord— bahnstation bei Wien, aufgefangen wurde. Den Chiffreschlüssel lieferte der damalige Minister des Innern, Lavalette aus Paris auf Bitten des Herzogs von Grammont; wie er denselben erlangt, das ist wohl sein Geheimniß! Im k. k. General- stabe fanden vor der Veröffentlichung des Docu⸗ mentes förmliche Berathungen statt, bei denen eine Minorität Widerspruch erhob. Bei dem Reichs- kanzler aber vorher anzufragen, hielt die Militär- partei für überflüssig.
— Der Beschluß des Abgeordnetenhauses, daß in Wien eine landwirthschaftliche Hochschule errichtet werde, hat den Ackerbauminister veranlaßt, noch vor Thorschluß um die Bewilligung von 40,000 fl. zu jenem Zwecke zu ersuchen; außer ⸗ dem verlangt er 28,000 fl. zur Förderung der landwirthschaftlichen Bildungsanstalten in den ein⸗ zelnen Ländern.
— In der Abgeordnetenkammer wurde das Recrutencontingentsgesetz für 1869, sowie das Gesetz, die Eheschließungen von Personen betreffend, welche keiner gesetzlich anerkannten Kirche angehören, angenommen.
— Abgeordnetenhaus. Die Gesetze über Durchführung der Umwandlung der verschiedenen Schulbtitel der bisherigen allgemeinen Staatsschuld und das über die Ausprägung neuer Goldmünzen
im Werthe von ganzen und halben Napoleonsd'or werden angenommen.
— Auch die„Abendpost“ widerspricht der Nachricht von dem angeblichen Nichtvorhandensein der Heirathscautionen der Offiziere. Nach amt⸗ licher Nachweisung sei der vollständige Stand der
gestellten Cautionen im Betrage von 69 Millionen
vorhanden und können Ansprüche an denselben,
falls der Grund ihrer Verpflichtung aufgehört hat, anstandlos befriedigt werden.
— Die amtliche Zeitung veröffentlicht den sanctionirten internationalen Telegraphenvertrag und die Additional⸗Convention zwischen Oesterreich und Frankreich bezüglich der gegenseitigen Aus- lieferung von Verbrechern.
Schweiz. Bern. Der Bundesrath erklärte dem norddeutschen Bunde, sowie Baden und Italien seine Bereitwilligkeit, in Betreff der Gotthardtbahn Unterhandlungen in Bern zu eröffnen.
— Der Rhein ist seit der Nacht vom Samstag auf Sonntag im Fallen begriffen und die Gefahr einer abermaligen Ucberschwemmung ist vorüber.
Frankreich. Paris. Der„Patrie“ zu- folge würde die gemischte französisch- belgische Commission gegen den 20. Mai in Paris zusam— treten und unter dem Vorsitze des Hrn. v. Fran- queville ihre Berathungen halten.
— Seit einigen Tagen folgen sich in Paris höchst stürmische Wahlversammlungen, von welchen mehrere durch polizeiliches Einschreiten aufgelöst wurden. In einer derselben äußerte nach dem „Rappel“ der präsidirende Hr. Couvert inmitten der heftigsten Unterbrechungen, daß die Candidatur Baudin's in diesem Bezirk nichts anderes bedeute, als die Verurtheilung des Verbrechens vom 2. Dee. Hierauf folgte ein energischer Protest des Pollzei— Commissärs, welcher mit der Auflösung drohte. Es trat nun ein Redner auf, der, wie sich später herausstellte, ein Polizeibeamter war, und eine Lobrede auf den Kaiser zu halten versuchte. Er sprach:„Ja, Bürger, ich werde den Muth haben, es zu sagen: der Mann der seit zwanzig Jahren am meisten für Frankreich gethan hat, ist der Kaiser!“ Diesen Worten folgte ein furchtbarer Sturm. Da betrat der Wahlcandidat Baudin selbst die Tribüne und richtete folgende energische Ansprache an die Versammlung:„Es ist nicht Georges Baudin, welcher eure Stimmen begehrt, es ist der rächende Schatten der auf den Barri— kaden gemordeten Volkssouveränetät! Es ist ein Bürger und Familienvater, welcher euch um die Erlaubniß bittet, aufs Neue seinen Kindern und seinem Lande zu zeigen, wie man für die Freiheit und das Volk zu sterben weiß.“ Enthusiastischer Zuruf. In diesem Augenblick erscheinen, die Hand an den Degen gelegt, einige Vierzig Polizei— Sergeanten und werfen den Wahlcandidaten, die Mitglieder des Bureau und die Wähler auf die Straße hinaus. Zur selben Zeit, sagt der „Rappel“ weiter, ward eine andere Wahlver⸗ ammlung im 6. Bezirk aufgelöst. Hr. Jules Ferry sprach sich daselbst unter enthusiastischem Beifall mit Energie gegen die Centralisation aus: „Wir haben nicht 89 Präfekten,“ sagt er,„son— dern 89 Paschas, welche sich der Macht und aller Annehmlichkeiten der Paschas erfreuen; sie sind halb Offiziere, halb Sportsmen und mau vais sujets noch obendrein. Ihr Prototyp ist unser großer Präfect, der, welcher im Senate sagte, daß er Alles, Alles geopfert habe, sogar die Freuden der Familie.“ Die Tragweite dieser letzteren Anspielung kann nur Der ermessen, der sich aller der Gerüchte erinnert, die seit Jahren über das Familienleben des Seinepräfekten im Umlaufe waren.
Spanien. Madrid. Cortes. Lorenzana erklärt, bevor Verhandlungen über die Abtretung Gibraltars eingeleitet würden, sei es nothwendig, daß Spanien den Rang einer Großmacht erhalte.
— Der Plan, ein Direktorium zu ernennen, ist fast gänzlich fallen gelassen; die Liberalen, die Unionisten und theilweise auch einige Progressisten neigen zur Idee hin, daß man sofort einen König ernenne, nachdem man über den die Regierungs- form Spaniens betreffenden Artikel 33 der Ver— sassungsvorlage abgestimmt haben wird.
Portugal. Lissabon. Ein Ausstands⸗ versuch von Seiten des Militärs ist fehlgeschlagen.
Italien. Florenz. Nach telegraphischen Nachrichten wäre das Ministerium aus folgenden Personen zusammengesetzt: Menabrea, Conseilprä— sident; Minghetti, Aeußeres; Ferraris, Inneres;
—
Cambray⸗Digny, Finanzen; Bertole Viale, Krieg; Mordini, öffentliche Bauten; Mirabelli, Justiz.3 Ribotti, Marine; Largoni, Handel; Broglio, Unterrichtswesen. Eine neuere Nachricht, daß Senator Mirabelli und Abgeordneter Mordini den Eintritt in das Cabinet abgelehnt haben, wird bereits widersprochen und beigefügt, der Tag der Eidesleistrng für die neuen Minister sei schon bestimmt.
— Ein Telegramm aus Livorno meldet von den Küsten des Mittelmeers einen neuen Unglücks. fall. Das der Compagnie Valery angehörige Paketboot„General Abbatucci“, welches von Marseille nach Civitavecchia ging, ist am 7. gegen 2 Uhr Morgens von einer norwegischen Brigg angestoßen und in Grund gegangen. Der Capitän und 54 andere Personen kamen am 8. Morgens, wie die Depesche meldet, ohne Kleider in Livorno an; 49 Passagiere und Seeleute fanden dagegen in den Fluthen ihr Grab, unter ihnen der Ge— neral⸗Intendant Le Cauchois mit seiner Frau und der röpische Generalconsul in Marseille. Frauen sind ertrunken.
Frankfurt. Am ersten Pfingsiseiertage wird ein Extrazug der Bayeisch-Hanauer Bahn circa 400 Nürn⸗ berger, welche die Pfingsten über in Frankfurt und Um⸗ gegend eilen wollen, hierher bringen. Pfingstmontag unternehmen die Nürnberger Gäste einen Ausflug in's Gebirg und verbringen den Dienstag mit den Frankfurtern im Wäldchen. Darauf Heimfahrt.
Mainz. Unsere Kartoffel, aus Amerika zu uns ge— kommen, geht nun als Handelsartikel nach Amerika! Die Herren Dreßler und Bender dahier haben in Schier⸗ stein ein Etablissement, in dem die Kartoffeln für den Versandt nach Brasilien präparirt werden, damit sie un⸗ beschäbigt die Sonnenlinie passiren können. Die Kartoffel wird abgesotten, geschält, in dicke Scheiben geschnitten und so stark getrocknet, daß sie fast wie geröstet erscheint; sie läßt sich später zu jeder Speise verwenden.
Aus Rheinhessen. Am Samstag Nachmittags 2 Uhr entlud sich in der Gegend von Oppenheim ein schweres Gewitter. Der Blitz schlug daselbst in ein Haus, ohne jedoch weiteren Schaden zu thun. In Heidesheim wurde ein Mann, welcher mit seinen vier Kindern am Tische saß, von dem Blitz erschlagen, die Kinder blieben unbeschädigt. Ein in dem Zimmer befindlicher Hund wurde gelähmt, und das an der Wand hängende Gewehr keumm gebogen. In Gundheim schlug der Blitz in den Kirchthurm und verursachte erheblichen Schaden. Zum Glücke zündete der Blitz nicht.
Von Zweibrücken meldet der„Pfälzer Kur.“: Am Mittwoch, 5. Mai, Abends 6½ Uhr, vernahm man in der Gegend von Zweibrücken ein wie von einem entfernten Kanonenschuß herrührendes Getöse, wobei in unmittelbarer Nähe des 2½ Stunden von Zweibrücken entfernten Dorfes Krähenberg ein Meteorit(Meteorstein) zur Erde fiel; derselbe schlug etwa 1½ Fuß tief in den Boden ein, war beim Herausgraben noch heiß und wiegt 31½ Pfund.
Köln. Am Abend des 9. d. kurz vor 10 Uhr enk⸗ stand Feuerlärm. Gegen Norden erhob sich eine so hohe Feuersäule, daß die Kirchthürme der Stadt bis in ihre Details erleuchtet waren. Neben dem zoologischen Garten brannte das Aclientheater. Eine Stunde später war das⸗ selbe schon zusammengestürzt.
Berlin. Die„Ger.⸗Ztg.“ schreibt:„In der Nacht des 27. April ist der Berliner Polizei eine Maschine in die Hände gerathen, die für die Besitzer von eisernen Geldspinden von der höchsten Gefährlichkeit ist. Es ist eine Bohr- und Feilmaschine, welche geräuschlos und schnell die Seitenwände der eisernen Geldspinden, und zwar mit der Arbeitskraft eines Menschen, durchschneidet, die bisher durch solche Verhällnisse gebotene Sicherheit mithin ganz illusorisch macht. Am Miftwoch Vormittag wurden auf dem Polizei-Präsidium Proben dieser Maschine von dem Erfinder selbst angestellt, welche die überraschendsten Re⸗ sultate geliefert haben. Mehrere Beamten der Polizei⸗ Hauptkasse, welche den Proben beigewohnt hatten, waren ganz erstaunt über dieselben.“
14 Falsche sächsische Fünfthaler⸗Kassen⸗ anweisungen befinden sich seit einiger Zeit in Umlauf. Sie sind auf dem Wege der Lithographie so täuschend nachgemacht, daß sie äußerst schwer zu erkennen sind. Der Fälscher ist in der Person des Lithographen Wilhelm Schwarz in Görlitz ermittelt und zur Haft gebracht worden.
„„ Zur Illustration der so vielfachen Steuerprojekte bringt die„Reform, das Bild: Ein Steuerbeamter packt auf der Straße einen Herrn an der Gurgel und schreit ihn an:„Herr! Wie können Sie sich unterstehen, zu athmen,— Sse haben ja das letzte Quartal Luft⸗ steuer noch nicht bezahlt!“
* Wie viel Geld(Münze) läuft in Deutschland um? Bis Ende 1867 waren in Norddeutschland an jetzt noch gangvaren Münzen geprägt worden 594,323,071 Thlr. (175 Mill. Gold⸗, 498 Mill. Silbercourant 17 Millionen Silberscheidzmünze, 2 Millionen Kupfermünze) u. einge⸗ zogen 61,923,508 Thlr., verbleibt also 532,395,422 Thlr. (173 Mill. Gold-, 442 Mill. Silber⸗ Courant, 14 Mill. Silberscheidemünze, 2 Mill. Kupferscheidemünze.)
Alle 5
daher Di sucht, 8
Ar gefillzaen Beachn teme


